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Geld und Händewaschen

Ein (ziemlich sicher wohnungsloser) Stammkunde von uns kramte in der Getränkeabteilung sein Bargeld raus. Das hatte er in seiner Socke im Schuh versteckt. Das Leben auf der Straße ist hart und erfordert solche Maßnahmen, um nicht bestohlen zu werden. Der Mann saß auf einer Getränkekiste und zog sich umständlich die schmuddeligen Bekleidungsstücke aus und hinterher wieder an, alles in allem kein besonders appetitlicher Anblick.

Und jetzt wissen wir wieder, warum man sich nach dem Umgang mit Geld die Hände waschen soll. Zumindest habe ich das als Kind noch so gelernt. Brr …

Selbstbeherrschung am Donnerstag

Eine Kundin suchte einen, ich zitiere, "hochwertigen Vollrohrzucker".

Die Kollegin zeigt ihr die beiden Produkte in unserem Fairtrade-Regal, nach dem die Kundin den "Roh-Rohrzucker" aus dem normalen Nährmittelregal bereits ausgeschlossen hatte. Die beiden Fairtrade-Variationen (4,99 € und 6,29 € pro Packung) ließen die Kundin schlucken: "SOO teuer?!"

"Ja, nun, sie fragten nach einem sehr hochwertigen Produkt, hier ist es. Vollrohrzucker aus fairem Handel und beide aus ökologischer Erzeugung."

"Dass Sie hier überhaupt so ein Klientel haben …"

"Naja, haben wir, sonst hätten wir nicht so eine große Auswahl an Fairtrade-Produkten. Die Nachfrage ist bei uns definitiv da", erklärte die Kollegin ehrlich.

"Schon klar, Angebot und Nachfrage. Aber ich komme aus dem #etepeteteviertel und ich dachte, die Leute, die hier leben und hier arbeiten haben nicht so viel Geld."

Gekauft hat sie den ach so teuren Zucker dann übrigens nicht.

Ich schreibe jetzt nicht, was die Kollegin in dem Moment gedacht hat. Hier lesen nämlich auch Minderjährige mit.

Viel Kleingeld im Zählbrett

Die nicht mehr ganz so junge Tochter einer Kollegin hatte ihre Spardose geknackt und ihre Mutter hatte daraufhin angeboten, das Kleingeld mit zur Firma zu nehmen und hier gegen großes Geld / Banknoten zu wechseln. Für uns ist das prinzipiell kein Problem, wir können die Münzen immer als Wechselgeld gebrauchen. Es sind zwar "seit Corona" deutlich mehr Kartenzahlungen geworden, aber so ganz ohne Kleingeld kommen wir dennoch nicht aus.

Nicht gebrauchen können wir die Münzen jedoch in der Form, in der sie aus der Spardose kommen, nämlich als große und wild durcheinandergewürfelte Mischung. Also hatte sich die Kollegin in ihrer Freizeit hier in den Aufenthaltsraum gesetzt und die komplette Sammlung sortiert und schließlich mühsam ein Zählbrett nach dem anderen gefüllt. Mühsam deshalb, weil man ohne etwas Routine durchaus relativ lange brauchen kann, die Münzen in die Fächer einzusortieren. Mit der richtigen Technik geht das ja ganz flink, aber … :-)

Ich glaube, sie saß weit über eine Stunde hier herum und hat den Mammon ihres Nachwuchses geordnet. Ich staune dennoch darüber, denn ich hätte überhaupt keine Lust dazu, kiloweise Münzen zu Hause zu horten und irgendwann in einer Hauruck-Aktion sortieren zu müssen. Lieber verteile ich das Kleingeld aus dem Portemonnaie häppchenweise beim Bezahlen. Die Spardosenindustrie hasst diesen Trick bekanntlich.


Spurlos verschwundenes Portemonnaie

Eine Stammkundin kam ganz aufgelöst in den Laden. Sie hätte vor ein paar Minuten hier bezahlt und nun ist ihr Portemonnaie weg. Ob es hier liegengeblieben sei, wollte sie wissen.

Hellsehen können wir nicht, aber in der Videoaufzeichnung nachsehen. Wäre nicht das erste Mal, dass jemand seine Geldbörse hier liegen lässt und jemand anders sie dann einsteckt.

Aber dem war nicht so. Sie hatte ihre Sachen in die Umhängetasche gelegt, bezahlt und das Portemonnaie ebenfalls in die Tasche getan. Diese hing sie sich dann über die Schulter und verließ unverzüglich den Laden. Mehr konnten wir natürlich nicht sehen. Ich konnte ihr nur mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sie ihre Geldbörse mitgenommen hatte, zumal das Ding nicht klein war, fast schon eine Art Kellnerbörse.

Wo das abgeblieben ist? Weiß keiner so genau. Sie sagt, sie ist direkt nach Hause gelaufen, hat nicht irgendwo Pause gemacht, ist nicht mit den Öffis gefahren. Die Möglichkeit, dass ein Bösewicht ihr das Geld aus der Tasche geangelt habe, schloss sie definitiv aus.

Bleibt nur eine Möglichkeit: In einer anderen Dimension unseres Multiversums freuen sich ein paar uns unbekannte Lebensformen über die tollen Euros.

Schein-Bares Chaos

Als unsere Banknoten noch Gesichter hatten, habe ich mal gelernt, dass die grundsätzlich so in die Kasse gehören, dass sie einen "angucken".

Kurz: Alle in der selben Ausrichtung. Bild nach vorne und nicht überkopf.

Die Geldscheine gehen nicht kaputt, wenn man sie kreuz und quer in die Kasse einsortiert, sie verlieren auch nicht an Wert und kein Kunde interessiert sich dafür, ob er die Banknote irgendwie gedreht und gewendet in die Hand gedrückt bekommt. Und dennoch … Sowas macht man einfach nicht. Ich glaube jeder, der mit Geld zu tun hat, bekommt beigebracht, die Scheine ordentlich ausgerichtet einzusortieren.

Vielleicht ist es auch nur mein innerer Adrian Monk, der bei sowas rebelliert, aber wir bringen das beim Kassentraining allen unseren neuen Mitarbeitern bei. Wenn ich dann so eine Kasse herausgeben muss, schüttelt es mich. Immerhin sind die Scheine noch nach Nominalwerten sortiert in den richtigen Fächern. :-P


Ehrlicher LD

Ein, tja, irgendwie (zumindest Gelegenheits-) Stammkunde ist durch unsere Warensicherungsanlage überführt worden. Er hatte ein Glas teures Mandelmus in seiner Jackentasche und wollte, ohne dieses zu bezahlen, unseren Laden verlassen.

Seine Erklärung, dass er das nur tat, weil er "nicht mehr genug Geld hat, war so offen und ehrlich, dass man schon fast Mitleid bekommen konnte.

Aber eben nur fast. Wer in Not ist und eine Art Verzweiflungstat begehen möchte, sollte sich vielleicht nicht gerade einen nicht lebensnotwendigen Luxusartikel in die Tasche stecken. Bei Brot und Aufschnitt hätte ich ja möglicherweise noch mal diverse Augen zugedrückt.

5 Euro in der Pfandbonspendenbox

Das 20-Cent-Stück von Anfang Juli wurde nun noch überboten: Jemand hat in den letzten Tagen nämlich einen 5-Euro-Schein in die Box gesteckt. Wirklich unglaublich, wie viel Zuspruch unsere Sammlung für den Kindergarten hier hat. Insgesamt sind auf diese Weise mittlerweile über 1350 Euro (!) zusammengekommen.


Kupfer-Kleingeld

Eine Stammkundin kam mir aus dem Lager entgegen. Im Vorbeigehen fragte ich sie, ob ich helfen könne und sie antwortete nur, dass sie Kleingeld auf die Treppe gelegt hätte. Sie eilte weiter und es brauchte natürlich auch ein paar Augenblicke, bis ich im Bilde war.

Ein Kollege suchte mich bereits und als ich endlich verstanden hatte, dass die Dame eine kleine Tüte voller Kupfermünzen mitgebracht hatte und ich gerade ein Zählbrett holen wollte, bestand sie darauf, uns die gesamte Sammlung schenken zu wollen.

Überraschend, aber super lieb. Danke. :-)

(Das wird jetzt nicht direkt 1:1 an die Mitarbeiter verteilt, aber dafür gibt es auch immer wieder mal ausgegebene Biere etc. Das passt schon, denke ich.)


Sparguthaben

In unserem kleinen Schubladenschrank im Kassenbüro habe ich zufällig hinter einer der Schubladen ein zusammengequetsches Päckchen einer Kassenabrechnung gefunden, das seit über sieben Jahren dort lag. War mit 80 Euro eine eher kleine Abrechnung und das fehlende Geld ist wohl mal als unerklärlich ausgebucht worden.

Bevor die Fragen danach in den Kommentaren auftauchen: Nein, eine größere Summe hat sich da auch bei gezielter Suche nicht aufgefunden. :-P


Immer dieser Leichtsinn

Eine ältere Kundin rief an und berichtete, dass ihr hier im Geschäft "50 Euro abhanden gekommen sind". Ich versuchte noch, mit Hilfe der Videoanlage etwas herauszufinden, aber das System ist nun mal für einen Zweck konzipiert und half nicht weiter.

Man kann es nicht oft genug sagen: Bargeld gehört an den Körper, also idealerweise in eine Innentasche. Die in diesem Fall von der Frau gewählte Methode war höchst fahrlässig: Ein aufgeschlitzter Sichtfensterumschlag, auf dem die Einkaufsliste notiert war und in dem sich der 50er befand. Hielt sie ihn nicht in der Hand, lag der Umschlag in einem Einkaufskorb, der am Einkaufswagen baumelte.

Das Sprichwort "Gelegenheit macht Diebe" trifft zu. Und routinierte Diebe erkennen die besagten Gelegenheiten noch schneller als alle anderen.

Wechselgeldbremser

Ein Kunde fragte an der Kasse, ob er mit "etwas Kleingeld" bezahlen dürfte. Klar durfte er, aber als er seine zwei Hände voll Kleinstgeld aus der Hosentasche zog und den Haufen mit bunt gemischten Münzen auf das Förderband der Kasse plumpsen lies, bereute es mein Mitarbeiter schlagartig, zugestimmt zu haben.

Aber gesagt ist gesagt und so sortierte und zählte er den ganzen Haufen, während die Gesichter der dahinter wartenden Kunden immer länger wurden.

Cashrecycling an der Kasse (Gespräch mit Außendienst)

Inzwischen hatte ich ein recht interessantes Gespräch mit einem Mitarbeiter der Firma, welche die von der EDEKA eingesetzten Cash-Recycling-Systeme herstellt.

Ich wäre durchaus bereit, das Geld probeweise zumindest für erst mal ein System, also für eine Kasse, zu investieren. Erweiterungen und Spielarten gäbe es zwar mehrere, aber das wäre ein Anfang und dann könnte man Erfahrungen mit so einer Anlage sammeln und ggf. später den Rest umrüsten.

So viel zur Theorie.

In der Praxis könnte es nämlich sehr gut sein, dass wir diese nicht ganz kleinen Geräte überhaupt nicht in den gerade mal 1,5 Jahre alten Kassentisch integrieren können. Oder möglicherweise nur mit einem erheblichen Umbau desselben, was dann wiederum vermutlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist und mit Pech auch noch ganz bescheiden aussieht. Aber das klären wir nun erst mal mit dem Hersteller des Tisches.