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Kleine Frage zu Pfandautomaten

Vor einer Weile hatte mir Simon geschrieben:
Hallo Björn,

mir ist in letzter Zeit in den Supermärkten (und auch bei uns in der Mensa an der Uni) was aufgefallen, und ich dachte mir, dass du da bestimmt etwas mehr Bescheid weißt als ich, also stelle ich dir die Frage einfach mal so.

Und zwar geht es darum, dass ich schon bei einigen Filialen (und auch an der Mensa) gesehen habe, dass die Pfandautomaten, sofern sie nicht in einem eigenen Raum neben der Eingangstür des Ladens stehen, immer noch irgendwie abgetrennt sind.
In einer netto-Filiale hier steht der Pfandautomat direkt bündig mit der Ladenwand, allerdings hat man ihm davor noch eine richtig fette Stahltür verpasst, die überdies auch noch mit einem Rauchmelder ausgestattet war.
An der Mensa ist eine ähnliche Situation, nur keine Stahltür mit Brandmelder, sondern einfach nur ein metallenes Rolltor, wie vor manchen Garagen.

Bei dem Automaten mit der Stahltür habe ich etwas gegrübelt, und vermute, dass es irgendwie mit der Tatsache zu tun haben könnte, dass man ja keine brennbaren Flüssigkeiten in den Automaten stopfen soll, vielleicht soll die Tür dann zufallen, wenn der Automat aus irgendeinem Grund anfängt, zu brennen.
Allerdings ist mir das Rolltor an der Mensa schleierhaft. Das zu schließen dauert ja doch länger, und ist mangels Sensor auch nicht automatisiert zu erledigen. Vandalismusschutz denke ich auch nicht, denn der Automat ist nur zugänglich, wenn das Mensagebäude geöffnet hat, und direkt gegenüber eine Mitarbeiterin an einem Infotresen sitzt.
Einfach nur so ein Tor zu installieren kostet ja auch nicht gerade wenig, und scheidet daher auch aus.

Wiederum bei anderen Supermärkten stehen die Automaten wieder komplett ohne eigene Abtrennung, wenn die Dinger also anfangen sollten zu brennen, brennt die ganze Bude. Eine Vorgabe des Brandschutzes sind diese Türen also auch nicht - aber welcher Discounter geht hin, und installiert freiwillig unnötige Zusatzschutzvorrichtungen, die ja auch Geld kosten, obwohl sie nicht gefordert sind?

Vielleicht hast du ja eine Idee, weil du einfach viel tiefer in der Materie steckst, als ich, der die Supermärkte nur immer kurz zum Einkaufen betrete.
Zum Rolltor in der Uni-Mensa: Keine Ahnung. Das kann viele Gründe haben, möglicherweise auch historische. War das Rolltor vor dem Automaten da?

Zu den Brandschutztüren habe ich nur eine Idee. Die selbe Konstellation hatte ich im vergangenen Jahr auch schon in einem großen Edeka-Markt in Hamburg gesehen. Ich denke nicht, dass das damit zu tun hat, dass der Automat selber in Flammen aufgehen könnte. Nach der Theorie müsste man jedes Elektrogerät hinter einer eigenen Tür verstecken. Aber: Die Wände rund um den Automaten sind möglicherweise Brandwände, welche durch den Automaten eine Öffnung (dazu noch inklusive zusätzlicher Brandlast!) bekommen haben. Um dort den notwendigen Brandschutz zu gewährleisten, werden die Automaten hinter automatisch schließenden Brandschutztüren eingebaut.

(Mein Automat steht ja auch ohne eigene Tür im Lagerbereich. Der allerdings ist ein eigenständiger Brandabschnitt und durch die neue Lagertür und das zu erwartende neue Bürofenster vom Rest des Gebäudes getrennt. Irgendwie zumindest. Wenn die Flammen durch's Dach schlagen, hat sich das ohnehin erledigt.)

Einkaufswagenräder

Sven hatte eine Frage zu Einkaufswagen:
"[…] Jetzt ist mir heute zufällig am Eingang neben den Wagen ein Schild aufgefallen auf dem Hingewiesen wird, das die Wagen bei Verlassen des Ladens einen Alarm auslösen und angeblich auch die Räder blockieren. Gibt es sowas wirklich oder ist das einfach nur Angst mache?"
Nein, das System gibt es wirklich.

Im Parkplatzpflaster oder Fußboden des Gebäudes sind Induktionsschleifen so eingelassen, dass sie den Bereich, der mit den Einkaufswagen nicht verlassen werden darf, einrahmen. In den Rädern der Wagen sind Empfänger angebracht, welche die Räder blockieren, sobald der Einkaufswagen nun diese durch die Schleifen markierte Grenze überschreitet. Optional wird parallel dazu ein Alarm im Geschäft ausgelöst.

LD-Erkennung

Immer wieder werden meine Frau und ich gefragt, wie wir es so präzise schaffen, (mögliche) Ladendiebe aus der Masse der Kunden herauszupicken. Da spielen natürlich ein paar Jahrzehnte im Umgang mit Kunden eine wichtige Rolle. Da spielen unglaublich viel Intuition und Menschenkenntnis eine Rolle. Faktoren, die kann man Dritten gegenüber nicht objektiv beschreiben kann.

Da ich es wirklich oft erklären muss (auch gerade fremden Personen), habe ich seit einer Weile eine ganz einfache Methode, diese Vorgehensweise leicht verständlich und bildhaft zu beschreiben. Ich vergleiche das immer mit einem E-Mail-Spamfilter. (Ich vereinfache das an dieser Stelle stark, also bitte keine Diskussion um die technische Seite von solchen Filtern!)

So ein Spamfilter überprüft die unterschiedlichsten Elemente in einer E-Mail auf besonders auffällige Merkmale. Steht in der Betreffzeile das Wort "Money" oder "$$$", befindet sich irgendwo im Text ein bestimmtes Schlagwort ("Viagra"), gibt es auffällige Absender-Mailadressen ("457687368@xxxmail.to"), hängen Binärdateien (Bilder oder sogar ausführbare Dateien) an der Mail dran, gibt es eine Signatur, hat der Text eine Mindestlänge unterschritten? Und so weiter.
Jedes dieser Merkmale ist nicht zwingend ein Hinweis auf Spam – aber nun könnte der Filter so konfiguriert werden, dass beim Zusammentreffen von einer Anzahl dieser Merkmale eine Nachricht als Spam aussortiert wird.

Nach dem Prinzip funktioniert unsere Ladendieberkennung. Es gibt viele Merkmale, mit denen man als Kunde auffällig werden könnte. Aber wie auch bei den E-Mails ist jedes einzelne für sich meistens vollkommen harmlos. Erst beim Zusammentreffen mehrerer dieser Kennzeichen wird es interessant.

Aber worauf achten wir denn nun? Was macht einen verdächtig?

[Lange Pause einfügen!]

Ich habe an dieser Stelle eine ziemliche Weile mit mir gerungen. Wie schreibe ich das nieder, ohne dass das als negatives Vorurteil ausgelegt wird, sich eventuell sogar mitlesende Kunden aufgrund einzelner Merkmale, die sie für sich zutreffend sehen, angegriffen fühlen würden?

Zäumen wir den Gaul mal von hinten auf:
Ein Typ mit Schirmmütze und billiger Sporttasche und tendenziell viel zu weiten Klamotten hat einen Mitarbeiter nach einem x-beliebigen Artikel gefragt und ihm dabei noch eine belanglose Unterhaltung ans Ohr gequatscht. Anschließend geht der Mann, der eine leicht heisere Stimme hatte und sehr "langgezogen" redete, mehrmals zwischen den Warengruppen Alkohol, Kosmetik und Kaffee hin und her, wobei er sich ständig in alle Richtungen umsah.
Was ist daran auffällig? Eigentlich nichts?

Richtig. Eigentlich nichts.

Eigentlich!

– Wie viele Leute Schirmmützen tragen, brauche ich nicht zu sagen. Selbst ich, im Sommer, um meinen empfindlichen Haaransatz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung zu schützen.

– Sporttasche haben auch viele Leute häufig dabei. Wer ist denn nicht mindestens einmal pro Woche im Verein oder im Fitnessstudio aktiv?

– Jeder hat das Recht, Schlabberklamotten zu tragen. Entweder weil's bequem ist, oder weil man gerade auf Diät ist und noch keine neuen Sachen hat oder weil es einem einfach egal ist oder was weiß denn ich.

– Fast kein Kunde unterhalb des Rentenalters, den man nicht persönlich schon eine Weile kennt, fängt mit Smalltalk an. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die Leute, die es tun, hoffen wohl meistens, dadurch besonders unauffällig zu wirken. Klappt aber nicht.

– Ich hatte selber seit Weihnachten 2016 wochenlang mit Heiserkeit und krächzender Stimme zu kämpfen. Bei vielen Junkies und/oder Alkoholabhängigen ist das aber ein Dauerzustand. Dazu kommt ein schlecht mit Worten zu beschreibendes langgezogenes Sprechen. Kein langsames Sprechen und kein Lallen. Eher eine starke Dehnung der Vokale. Keine Ahnung warum, aber das haben wir schon bei sehr vielen BtM-Konsumenten beobachten können.

– Ehrliche Kunden kaufen kaufen natürlich auch Weinbrand, Kaffee und Haarshampoo – aber selten ohne weitere Produkte. Wer sich bei seinem Besuch im Laden nur auf diese typischen "Klau-Warengruppen" konzentriert, hat meistens keine guten Absichten.

– Ängstliche Menschen müssen auch einkaufen gehen. Die Gründe, sich häufig umzusehen, sind unzählig. Wer klauen will, guckt sich auf jeden Fall um, man möchte ja möglichst keine Zeugen für die Tat haben.

(Es gibt noch viele weitere Faktoren, die mit in die Bewertung einfließen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Jedes einzelne Merkmal ist harmlos, es gibt nun mal leider nicht das Erkennungszeichen für Ladendiebe.)

Ihr seht, es ist schwierig. Selbst ein paar dieser Faktoren in einer Person machen noch keinen Ladendieb aus. Wenn jemand direkt aus dem Sportstudio mit Mütze und Tasche in den Laden kommt, entsprechend fertig aussieht, und nach dem Sport ein neues Deo braucht und dann in einem Abwasch auch gleich den Alkohol für die Party am kommenden Wochenende kaufen möchte und sich diese Bereiche im Laden besonders gründlich anguckt, ist das mit Sicherheit noch nicht gleich ein Ladendieb. (Also keine Panik, wenn ihr euch da jetzt mit der Beschreibung angesprochen fühlen würdet!)

Wie gesagt: Da steckt sehr viel Erfahrung drin. Aber vielleicht konnte ich min diesen Ausführungen zumindest halbwegs verständlich einen kleinen Einblick gewähren. Es ist nun mal ein sehr sensibles Thema, gehört aber leider zu unserem Alltag dazu…

Frage zur Markenplatzierung

In diesem Kommentar wollte Markus wissen:
Hallo Björn, ich hab da mal ne Frage: Es gibt in deinem Laden ja Verschiedenen Regale/Aufstelller von Markenanbietern. Bist du eigentlich "verpflichtet", diese Markenwaren so auszustellen, oder könntest die selber Regale mit der Anordnung bestimmen ? Die Ritter Sport würden ja perfekt ein einfache Regalböden passen und evtl sogar weniger Platz brauchen.
Bis auf die optimale Präsentation der Markenware und somit die größte Aufmerksamkeit mit Maximalem Absatz sehe ich hier nur wenige Vorteile für den Händler ? Vielleicht kannst du hier etwas Licht in den Aufstellerdschungel bringen.
Dankeschön.
Es gibt bei mir (und in vielen / allen) anderen Läden spezielle Regale, Ständer, (Kühl-)Möbel, die von der Industrie gestellt werden. Ein paar Beispiele:
· Wrigleys-Gestell an der Kasse
· Ritter-Sport-Regal
· Aufsteller für Blumenzwiebeln
· Postkartenständer
· Hachez-Holzregal
· Red-Bull-Kühlschrank
· Beck's-Kühler
· Coca-Cola-Kühlregal
· Holz-Gewürzregale
Diese Regale werden eigentlich immer kostenlos zur Verfügung gestellt. Meines Wissens ist kein Händler verpflichtet, die jeweilige Ware explizit in solchen Möbeln anzubieten, aber letztendlich ist es ja im Interesse des Händlers, diese zu nutzen, weil meistens der Wiedererkennungswert für die Kunden deutlich größer ist und so die Produkte leichter gefunden und damit besser verkauft werden.

Bis auf wenige Ausnahmen dürfen dann natürlich in diese speziellen Platzierungen auch nur die Artikel des jeweiligen Herstellers, womit sich diese gewissermaßen Mindestflächen sichern. Letztendlich eine Win-Win-Situation.