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Erscheinungen

Ich war im Lager zugange, während irgendjemand den Leergutautomaten mit leeren Flaschen fütterte. Dann wurde es still. Dreißig Sekunden später hörte ich das pfeifende Geräusch des Schrittmotors vom Bondrucker des Rücknahmeautomaten. Mir war sofort klar, dass da jemand seinen oder ihren Bon vergessen hat.

Unverzüglich ging ich zum Automaten, nahm den Bon und sah mich im Laden um. Einzig ein älterer Stammkunde stand in der Getränkeabteilung und stellte gerade mehrere Wasserflaschen in den mitgeführten Einkaufswagen.

"Das ist wohl Ihr Bon", sprach ich ihn an.

Er lachte: "Das sind wohl schon die Alterssenilitätserscheinungen."

100 Euro, halbe-halbe!

Dieses Erlebnis hatten wir schon Anfang des Jahres. Inzwischen sind zwei weitere Ereignisse eingetreten, die einerseits die Sache per se (fast) unmöglich gemacht hätte, andererseits ist die Antwort auf die offene Frage inzwischen etwas leichter.

Ihr seid gerade komplett verwirrt? Lest selber:

Eine Stammkundin sprach mich an und erklärte, dass ihr bei einer Kartenzahlung genau 100 Euro zu viel abgebucht worden wären. Bei solchen Reklamationen bin ich immer skeptisch, da wir Kartenzahlungen grundsätzlich und ausschließlich mit PIN-Eingabe akzeptieren. Keine Zahlung kann also ohne explizite Bestätigung durch den Kunden erfolgen. (Hat sich inzwischen erledigt, da die ec-Geräte an die neuen Kassen angebunden sind und der Betrag überhaupt nicht mehr manuell übertragen werden muss. Das war das erste der oben erwähnten beiden Ereignisse.)

Die Frau hatte ihren Kassenbon dabei: 5,15€ waren zu bezahlen, aber 105,15 Euro wurden ihr vom Konto abgebucht. Mal kurz ein paar Fakten dazu sammeln:

· Der Betrag muss explizit inklusive PIN-Eingabe quittiert werden. (Ein Punkt für uns.)
· Ein missglückter Zahlendreher könnte für die mittlere Fünf verantwortlich gewesen sein. (Ein Punkt für die Kundin.)
· Die Kundin holt nach allgemeiner Meinung mehrerer Kollegen nie Bargeld. (Ein weiterer Punkt für die Kundin.)
· An dem Tag hatte die betroffene Kassiererin keine nennenswerte Kassendifferenz. (Ein Punkt für uns.)

Damit steht es genau plusminus Null. Und nun? Im Zweifel für den Angeklagten? Nee, irgendwie nicht. Ich wollte ihr nicht einfach 100 Euro schenken. Aber sie andererseits auch nicht eventuell um ihre Kohle bringen. Wir einigten uns darauf, dass ich ihr 50 Euro gebe und wir es dabei belassen. Ich hatte aber dennoch ein schlechtes Gefühl dabei – allerdings nicht, weil ich meine eigene Ehrlichkeit anzweifelte, sondern die der Kundin.

Einige Zeit später passierte dann das hier.

Jetzt könnte man argumentieren, dass sich die beiden nur wiederholen wollten, was ihnen (tatsächlich oder auch nur ihrer Meinung nach) zustand. Mich bekräftigt das eher in meiner Meinung, dass ich denen schon die 50 Euro nicht hätte geben sollen, denn inzwischen würde ich unterschreiben, dass sie mit der anfangs erwähnten "Reklamation" versucht haben, sich (parallel zu dem beim 5,15€-Bezahlvorgang ausgezahlten Geld) weitere 100 Euro zu ergaunern.

Naja, der Drops ist ja nun ohnehin längst gelutscht …

Komische Reklamation über die SPAR / NL

Good afternooon,

I purchased an O2 rechargeable card at a Spar supermarket in Gastfeldstrasse 29-33 in Bremen, Germany. This purchase was made the [Datum/Uhrzeit]. I paid 15 euros with a credit card.

It's been a little over a week and I still have not been able to activate it. This is very urgent because I need to have a working phone for calls and messages as soon as possible. I went to an O2 shop and they told me to ask Spar directly how to activate it.
Diese E-Mail hatte vor einigen Wochen eine Kundin an die SPAR in den Niederlanden geschickt. Da diese damit nichts anfangen konnte, wurde die Mail an eine Abteilung der Edeka weitergeleitet, mit der ich bislang auch noch nie zu tun hatte und die eigentlich für die Abholgroßmärkte zuständig ist, die sie dann schließlich zu mir weiterleitete.

An die Adresse der Frau sendete ich eine E-Mail. Was genau ihr Problem war, ließ sich aus ihrer ursprünglichen Nachricht an die SPAR nun leider überhaupt nicht erkennen. Machte sie nur einen Eingabefehler? Hat sie gar keine O2-Karte? Hat sie die falsche Nummer eingegeben? Sollte die Aufladenummer tatsächlich ungültig sein? Ich hatte keine Ahnung. Also schrieb ich ihr eine ganz allgemein gehaltene Mail mit einer kleinen Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten und dem Hinweis, dass es einfacher gewesen wäre, wenn sie sich direkt an mich gewandt hätte. Dann übermittelte ich ihr erneut die Aufladenummer mitsamt Anleitung für die Guthabenaufladung und den Hinweis, dass sie, sollte das damit nun nicht klappen, sich direkt an O2 wenden muss, auch wenn ihr dort im Shop zunächst wohl etwas anderes gesagt wurde.

Entgegen meiner Bitte folgte natürlich keine Rückmeldung, wie die Sache nun ausgegangen ist. Das passiert sehr häufig und sowas finde ich immer schade. Da machen die Leute erst eine große Welle, man macht sich selber alle Mühe, um das mögliche Problem aus der Welt zu schaffen – und dann hört man nichts mehr, weder weiterführende Kritik noch einen Dank.

Veganen Wein für den Sohn

Eine Kundin mittleren Alters bat um eine Weinberatung. Ich ging hin und erkundigte mich zunächst natürlich erst mal, was die Frau denn generell suchen würde.

"Ich brauche einen veganen Wein." [Wein? Vegan?]

"Veganen Wein haben wir in etlichen Sorten. Aber was für einen Wein möchten Sie denn haben? Rot, Weiß, Rosé? Trocken oder lieblich, mild oder doch eher kräftig?"

"Keine Ahnung, der ist für meinen Sohn."

"Aber vegan?"

"Genau."

"Keine Ahnung, welche Farbe? Oder ob der süß sein soll?

"Nein, überhaupt nicht."

"Wie alt ist denn Ihr Sohn?"

"Einundzwanzig."

"Dann empfehle ich auf jeden Fall einen milderen Wein ohne viel Gerbsäure, vielleicht sogar eher lieblich."

"Meinen Sie?"

"Ich kenne Ihren Sohn noch weniger als Sie. Und wenn Sie schon nicht wissen, was er mag, woher soll ich das wissen? Ich kann Ihnen hier einen Wein empfehlen, aber nicht hellsehen."

Anmerkung: Wir haben 23 Weine vom Weingut Stefan Kuntz (Das darf an dieser Stelle einfach mal gesagt werden) fest im Sortiment. Da ist von rot bis weiß, von mild bis kräftig und von lieblich bis trocken so ziemlich alles dabei. Sämtliche Kuntz-Weine sind übrigens vegan, aus ökologischer Erzeugung zudem.

"Ist das alles, was Sie haben?"

"Wir haben bestimmt noch mehr vegane Sorten, aber da müsste ich einzeln nachsehen. Bei diesem Sortiment weiß ich, dass die alle vegan sind."

Ich empfahl ihr einen eher milden, lieblichen Rosé-Wein.

"Hmm … Ich weiß nicht."

"Ich aber auch nicht! Sie wollten Hilfe, aber was soll ich Ihnen empfehlen?"

"Ist das alles, was Sie an veganem Wein haben?"

[Ist die Frage wirklich ernst gemeint?!]

"Es könnte sein, dass wir noch mehr haben. Aber von diesem Anbieter sind sämtliche Sorten vegan und eigentlich ist da für jeden Geschmack auch etwas dabei. Was nützt es Ihnen, wenn ich jetzt noch Sorten von einem anderen Anbieter raussuche?"

Sie nahm dann aber tatsächlich den Dornfelder Rosé. :-)

[Ganz persönliche Anmerkung: Dieser Wein ist einer unserer persönlichen Lieblinge. Wenn ihr den mal irgendwo kaufen könnt (oder online bestellen wollt), nehmt mal eine Flasche mit. Der kostet nicht viel und ist ein unkomplizierter Genuss beim gemütlichen Zusammensein.]

Langeweile?

Da hatte wohl jemand Langeweile oder musste etwas Zeit überbrücken – und/oder hat sich schließlich noch festgelesen: Ein Mann hielt sich fast 1,5 Stunden hier im Laden auf – ohne auch nur ein Teil zu kaufen. Erst schlenderte er durch die Gänge und guckte sich das ganze Sortiment interessiert an und dann blieb er vor dem Zeitschriftenregal kleben und las über eine Stunde lang in Ruhe in den angebotenen Magazinen.

Tzz … Wir sind doch keine Bibliothek. :-P

Getränkereste in den Müllsack

… und dann war da noch der gute und langjährige Stammkunde, der dann den Inhalt einer noch fast halb vollen Flasche schlichtweg in den Müllsack vor dem Leergutautomaten gekippt hat.

Da fehlen einem dann ja auch mal die Worte.

Filmen bei der Leergutabgabe

… und dann war da noch der Kunde, der Leergut an unserem Automaten abgegeben hat und dabei die ganze Zeit mit seiner Handykamera das Geschehen filmte.

Wofür mag das wohl gewesen sein?

· Als Erinnerung, dass er bei mir im Laden war?

· Kein Vertrauen in die Technik?

· Beweis, das Leergut abgegeben zu haben?

· Faszination Leergutautomat?

Habt ihr noch andere Ideen? :-)

Wie lange heute geöffnet?

Eine (der Stimme nach zu urteilen) vermutlich ältere Frau rief an und wollte wissen, wie lange wir heute geöffnet hätten. "Bis zwölf", antwortete ich.

"Oh", klang es enttäuscht. "Haben Sie wirklich schon so früh Feierabend?"

"Ach, so. Nein, bis Mitternacht natürlich. Also 24 Uhr."

Das konnte sie noch weniger glauben. :-)

Torkelnde Nachtschwärmer

Und dann war da noch eine Gruppe Heranwachsender, die wohl die Nacht unter Einsatz hochprozentiger Substanzen durchgezogen haben und hier auf der Suche nach Nachschub durch den Laden torkelten …

Und dabei den Inhalt eines Getränkeregals teilweise zu Boden rissen. :-(
(Zum Glück nur Plastikflaschen.)

Oma Anna: r.i.p.

Vor ein paar Tagen bin ich eher zufällig über diesen alten Beitrag mit dem fiktiven Tagebuch unserer damals schon sehr alten Kundin "Oma Anna" gestolpert.

Inzwischen ist die Frau, die es immerhin bis weit in die 90er geschafft hatte, schon seit ein paar Jahren gar nicht mehr unter uns. Eines Tages kam sie nicht mehr, aber das fällt einem bei einer Verkäufer-Kunde-Beziehung ja meistens nur am Rande oder Zufällig mal bei besonderen Kunden auf. Eine Betreuerin von ihr, die danach immer noch privat in den Laden kam, hat uns irgendwann mal die traurige Wahrheit erzählt.

War 'ne knuffige alte Dame.

Aktueller Spendenstand (11.04.2018)

Unsere Pfandspendenbox arbeitet leise für die Familie mit dem Brandschaden. Inzwischen ist der Gesamtbetrag auf über 700 Euro angewachsen.

Ich freue mich sehr, zumal ich die Leute mittlerweile auch persönlich kenne. (Möge sich die aktuelle Situation, nämlich nur im rudimentär sanierten Erdgeschoss einer Brandruine zu wohnen, möglichst bald ändern. Ich wünsche diese Erfahrung jedenfalls niemandem.)


Wundersames mit Kekspreisen

Ein Kunde nahm sich zwei Packungen Kekse aus dem Regal, die laut Etikett 1,39€ pro Packung kosten sollten.

In der Kasse waren sie allerdings mit 1,29€ hinterlegt. Diese Differenz zu seinen Gunsten überforderte den Kunden, der bereits 2,80€ passend abgezählt in der Hand hielt, offenbar dermaßen, dass er vor Schreck eine der beiden Packungen an der Kasse zurückließ und letztendlich nur eine gekauft hat.

Fragt nicht, wir haben genauso blöde geguckt.