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Eckige Sahne

Ein etwa 10- oder 11-jähriger Junge sprach eine Kollegin an, die er im Laden antraf: "Haben Sie Schlagsahne? Aber nicht die im Becher.

Kollegin: "Welche denn? Da gibt's ja unterschiedliche Sorten."

Jungen: "In so eckigen."

"Du meinst im Tetrapak?"

"Nee, so eckige."

Die Kollegin zeigte ihm die im Tetrapak, welche dann auch richtig war.

Kaputte Optik

Ich war dabei, H-Milch zu packen. Nach dem ich die Artikel gerade ordentlich ins Regal gestellt hatte, nahm sich eine Kundin eine der Packungen und entschuldige sich noch dafür, dass sie jetzt die ganze schöne Optik wieder kaputt gemacht hätte. Ich lachte und meinte nur, dass die Ware dafür doch schließlich da wäre. :-)

Das erinnerte mich an etwas, was auch immer in diesen hochqualitativen Klatschzeitschriften aufgeführt wird, wenn mal wieder reißerisch von den unglaublichen psychologischen Tricks die Rede ist, mit denen einem im Supermarkt das Geld aus der Tasche geleiert wird: Dort werden vermeintliche Warenlücken erwähnt, die absichtlich eingebaut werden, damit man als Kunde auch zugreifen mag und einen nicht das Gefühl, die schöne Präsentation zu zerstören, davon abhält, diese Artikel zu kaufen.

Kann ja sein, dass das vereinzelt wirklich so gemacht wird – aber dass sowas irgendwo tatsächlich umgesetzt wird, habe ich selber noch nie erlebt. Weder in meiner gesamten beruflichen Laufbahn vor der Selbstständigkeit, noch in irgendwelchen anderen Supermärkten – und hier im eigenen Laden natürlich erst recht nicht.

Wo ist denn jetzt das Öl?

Eine Kundin sprach mich an und wollte wissen, wo denn jetzt die Marmelade stehen würde. Wir hätten hier ja alles umgebaut und sie findet deswegen kaum noch was wieder.

"Das ist inzwischen aber nicht mehr ganz neu", entgegnete ich, während ich sie wie üblich zum Regal mit der gewünschten Ware führte.

Ich staune ja selber immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht. Das wird bei anderen Leuten und ihrer subjektiven Wahrnehmung darüber vermutlich nicht wesentlich anders sein. Bestes Beispiel war nun diese ältere Kundin, die Marmelade suchte und mir nun antwortete: "Ich war auch schon ein paar Wochen nicht mehr hier."

Rampe beim Eingang?

Eine Frau im Rollstuhl, die hier im Stadtteil wohnt, hat mich auf der Straße angesprochen und gefragt, ob es nicht möglich wäre, eine Rampe beim Eingang dauerhaft zu installieren, damit sie und andere bereifte Kunden hier leichter oder generell überhaupt mal selbstständig in den Laden kommen könnten.

Leider ist das nicht so leicht zu machen. Wir haben nun mal die Stufe vorne im Eingang. Diese schräg oder zu einem Teil schräg auszuführen, ist nicht möglich, da sich genau darunter Kellerräume befinden und diese Stufe Teil der Kellerdecke ist. Wenn wir da so viel Material entfernen, kämen wir in Konflikt mit der Statik – falls wir damit nicht sogar gleich zusätzliche Oberlichter in den Keller bauen würden. Kurz: Das geht einfach beim besten Willen nicht. Dies wurde vor ein paar Jahren auch schon einmal (noch vom vorigen Eigentümer veranlasst) von einem Baubüro untersucht und bestätigt.

Einer meiner lieben Kollegen hatte nun die Idee, dass man ja mal bei der Stadt beantragen könnte, dass der Gehweg im Bereich unseres Eingangs angehoben wird, so dass ein nahtloser Übergang bei uns in den Laden entsteht. Ob so eine Anfrage überhaupt einen Versuch wert ist? Und wer müsste die Kosten dafür tragen? Hmm …

15xFZG

Eine Frau rief an und erkundigte sich, ob sie zu einem bestimmten Datum eine größere Menge an Bierzeltgarnituren ausleihen könne.

Vorsichtige Frage von mir: "Was heißt größere Menge?"

Sie wollte 15 Sets ausleihen, aber damit können wir derzeit nicht dienen. Ich spiele zwar mit dem Gedanken, draußen auf dem Hof noch eine Art Gerätehaus für solche Dinge zu installieren, wo mann dann außer den Biertischen eventuell auch noch andere verleihbare Artikel unterbringen kann (Stehtische, Geschirr, was weiß ich …), aber das ist vorerst nur eine Idee und hat keine Priorität und bis dahin haben wir nur unsere Handvoll an Garnituren.

So musste ich ihr leider absagen.

Revalitäten

Eine Frau wollte eine Schachtel Zigaretten zurückgeben, die ihr Mann angeblich fälschlicherweise am Vortag hier bei uns gekauft hätte.

Die Antwort lautete nein und wir mussten sogar ernsthaft überlegen, ob es die Marke Reval wohl überhaupt noch irgendwo zu kaufen gibt. :-)

Papierrollenschwertkampf

Zwei männliche Mitglieder einer irgendwie punkähnlichen Personengruppe entdecken die Rollen mit unseren Papiertischdecken und fanden es ganz lustig, damit Schwertkampf zu spielen. Die Rollen fanden das nicht lustig, denn sie verknickten dabei. Potentielle Papiertischdecken-Kunden finden das vermutlich auch nicht lustig, da sie keine verknickten Decken kaufen wollen und der Geschäftsinhaber findet das sogar aus verschiedenen Gründen nicht lustig und ist sowieso total die Spaßbremse und so.

Also ging ich hin und stellte sie vor die Entscheidung, die Rollen zu bezahlen oder zukünftig diesen Laden zu meiden. "Dann gehen wir ab jetzt woanders hin", lautete die Antwort.

Von mir aus gerne. Tags zuvor hatten sie schon eine Flasche Bier fallen lassen und niemandem etwas davon gesagt, so dass sich die Brühe im Umfeld der Unfallstelle unter den Kisten und Regalen verteilt hatte und wir das mühsam saubermachen mussten.

Fehlende 40 Euro

Ein Kunde rief an, weil er 40 Euro Wechselgeld vermisste, die sich eigentlich nach dem Einkauf bei uns in seinem Portemonnaie befinden sollten.

Da sich niemand mehr an den Fall vom Vorvorabend erinnern konnte, sahen wir uns die Videoaufzeichnung an. Der Mann bezahlte seinen kleineren Einkauf mit einem 50-Euro-Schein und mein Mitarbeiter hat das Wechselgeld offenbar auch korrekt herausgegeben: Zwei Banknoten und etwas Kleingeld fanden ihren Platz auf dem Wechselgeldteller des Kassentisches, der Kunde nahm aber nur Kleingeld und steckte es ein. Ob er die Scheine übersehen oder später in ein anderes Fach einstecken wollte und dann vergessen hat, weiß ich nicht. Aber als er ging, lagen sie dort noch und die hat sich dann der nächste Kunde (absichtlich oder versehentlich werden wir wohl nie herausfinden) mit eingesteckt.

Das ist dann wohl persönliches Pech.

Dann eben nicht dein Pfandbon

Ich hörte im Lager das Surren des Druckers unseres Leergutautomaten, Augenblicke später lag ein automatisch gedruckter Bon im Ablagefach. Dies passiert nach 30 Sekunden automatisch, wenn man Leergut abgibt und hinterher nicht die Bontaste drückt. Ein Kollege versicherte mir, dass das "die junge Frau mit den Kopfhörern" war, die auch ich nur Sekunden vorher noch in der Nähe des Automaten stehen sah.

Also ging ich zu ihr hin und sprach sie an. Als Antwort bekam ich aber nur, dass sie kein Leergut gehabt hätte. Wird sie wohl selber am besten wissen. Da sich auch sonst niemand ausfindig machen ließ, vernichtete ich den Bon und fügte den Betrag unserer virtuellen Trinkgeldkasse hinzu.

Eierlikör-Röllchen

Eine ältere Kundin fragte ganz enttäuscht nach einer bestimmten Sorte Eierlikör-Biskuitröllchen, die wir bei uns immer im Keksregal hatten. "Die habe ich immer so gerne gekauft", argumentierte sie noch. Wenn wirklich sie die Kundin war, die zumindest ab und zu welche von diesen Röllchen gekauft hat, dann war sie vermutlich auch die einzige Kundin, die sich überhaupt für diesen Artikel interessiert hat. Teilweise ist nämlich quasi der gesamte Bestand hier im Regal abgelaufen, weswegen wir dieses Produkt nach mehrere erfolglosen Versuchen wieder aus dem Sortiment verbannt haben.

Unterschrift?

BGH: „Eine Unterschrift setzt ein aus Buchstaben einer üblichen Schrift bestehendes Gebilde voraus, das nicht lesbar zu sein braucht. Erforderlich, aber auch genügend ist das Vorliegen eines die Identität des Unterschreibenden ausreichend kennzeichnenden individuellen Schriftzuges, der einmalig ist, entsprechende charakteristische Merkmale aufweist, sich als Wiedergabe eines Namens darstellt und die Absicht einer vollen Unterschriftsleistung erkennen lässt."


Anekdote 3 (03.08.2019)

(Drei kleine Anekdoten, die Gregor vor und während meines Urlaubs gesammelt hat.)

Die Bastarde

Zwei junge Frauen mit mehreren Kleinkindern nähern sich der Kasse. Die Kinder liefen aufgedreht durch die Gegend und erschwerten ein zügiges Beladen des Kassenbandes. Die eine Frau, hübsch und geschminkt, verräumte den Einkauf, die andere, mit Kopftuch und etwas schlichter gekleidet, zahlte.

Die Kinder liefen und johlten weiter herum. Mir wäre es egal gewesen, aber ein bisschen peinlich berührt war ich von der Ansprache der einen Frau: "Alda, könnt ihr kleinen Affen mal aus dem Weg? - Ihr nervigen Bastarde!"

Bastarde? Als wenn es jemanden etwas angehen würde (oder sich dafür interessieren würde), ob diese Zwerge einst unehelich gezeugt wurden …

Anekdote 2 (03.08.2019)

(Drei kleine Anekdoten, die Gregor vor und während meines Urlaubs gesammelt hat.)

Kopfschmerzen

Ein Kunde fragte nach Kopfschmerztabletten. Ich verneine, verweise auf Apotheken und begründe "Dann bräuchten wir in jeder Schicht einen, der sich mit Medikamenten auskennt und dafür einen Kurs und eine Prüfung gemacht hat."

(Anm. d. Red.: Gemeint war der Sachkundenachweis für freiverkäufliche Arzneimittel und die "richtigen" Kopfschmerztabletten könnten wir selbst damit hier nicht legal anbieten.)

Pointe 1: Kunde antwortet "Ja, dann machen Sie das doch."

Pointe 2: Kunde kommt 15 Minuten später noch einmal. Diesmal mit Wodka und Cola im Korb. "Das hilft aber nicht gegen Kopfschmerzen." - Kunde: "Ja, aber dann weiß ich wenigstens, wo die herkommen."

Anekdote 1 (03.08.2019)

(Drei kleine Anekdoten, die Gregor vor und während meines Urlaubs gesammelt hat.)

Der Kunde, der duzte aber nicht geduzt werden wollte.

Mit Kunde 1 war ich namentlich bekannt und virtuell befreundet. Und so sprach ich ihn mit seinem Nickname an, während er seine Waren in Rucksack und Tasche umschichtete. Und duzte ihn. Abgesehen von der Tatsache, dass wir uns kennen: Der Laden ist in Norddeutschland. Es ist nicht auszuschließen, dass ich den auch vorher noch nie gesiezt habe
.
Kunde 2 entgegnete auf mein "Moin": "Ich will nicht, dass du mich duzt!".

OK, kein Problem, dachte ich und scannte seinen Einkauf.

Kunde 1 hatte das gehört und trat nahe an Kunde 2 heran, tippte ihm auf die Brust. "Du willst nicht, dass der dich duzt?"

Kunde 2: "Ja, genau."

Kunde 1: "Merkst Du noch was?"

Kunde 2: "Nee, wieso?"

Greg: Teilt ohne Verb die Zahllast mit …

LGBTI – alle willkommen!

Mit diesem Aufkleber-Duo an unserer Eingangstür, initiiert wurde diese Aktion durch ein paar Edeka-Märkte in Berlin, wollen auch wir signalisieren, dass wir der gesamten LGBTI-Szene gegenüber aufgeschlossen sind und allgemein Verbundenheit, Toleranz und Unterstützung zum Ausdruck bringen.

Dazu musste ich mir gestern schon sagen lassen, dass "ausgerechnet ich" wohl da wohl der falsche Ansprechpartner sei. Das sehe ich jedoch ganz und gar nicht so. Einer meiner besten und langjährigsten Freunde ist schwul (und sein Freundeskreis, mit dem wir gerne feiern, ebenfalls), wir haben im Laufe der Zeit viele homosexuelle (sofern wir es wussten, man geht ja auch nicht immer mit seiner sexuellen Orientierung hausieren) Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehabt und überhaupt, warum sollte ich damit ein Problem haben? Dazu passend gibt es übrigens ein sehr schönes Video von Ralph Ruthe.

(Das "ausgerechnet ich" bezog sich übrigens von einem Kollegen darauf, dass ich dieses ganze verkrampfte Gender-Geschwurbel in der Sprache, damit sich auch wirklich jede/r/s/x/* Berufsbetroffene angesprochen fühlen darf, bescheuert finde.)