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Zelt und Funkstille und Corona

In der ganzen Diskussion rund um das Zelt auf dem Hof hat Theo eine Sache in seinem Kommentar ziemlich gut auf den Punkt gebracht:

"Sein Problem ist eben: er lebt mit seinen Nachbarn Haus an Haus. Aus der Ferne ist das leicht zu sagen: Sperr deinen Hof ab. Keine Ahnung was passiert, wenn er jetzt massiv durchgreift. Wir haben ja schon oft erlebt, dass seine Nachbarn nicht die vernünftigsten sind."
Einfach einen Zaun aufstellen würde nur neue Probleme schaffen. Dann würden sich vermutlich alle Autos der Moscheebesuche davorstellen und wir könnten uns dann immer wieder (Überwegungsrecht hin oder her) mühsam da durchkämpfen. Es ist der immerwährende Kompromiss zwischen "Es sind meine Nachbarn und wir laufen uns ständig über den Weg" und "Diese Nehmermentalität kann ich nicht weiter unterstützen". Es nervt mich selber, aber es ist eben wie auch in der Bundespolitik. Da wissen die an den Stammtischen auch immer die besten Lösungen, aber manchmal ist es eben etwas komplexer. Vor allem, wenn man sich eigentlich nicht mag, aber dennoch nebeneinander leben muss …

Aktuell steht das Zelt da noch und es darf jetzt auch bis Ende der "Fastenzeit" dort stehen bleiben. (Fastenzeit deswegen in Anführungszeichen, da der Ramadan mit "Fasten" im eigentlichen Sinne meiner Meinung nach nicht viel zu tun hat. Man isst ja während der paar Wochen nicht weniger, sondern schaufelt sich stattdessen die gesamte Nahrung des Tages nur während der Nachtstunden statt über den ganzen Tag verteilt in den Körper.)

Warum ich so entschieden habe? Weil ich derzeit nicht die Möglichkeit habe, das persönlich mit den Leuten von der Moschee auszudiskutieren. Dazu komme ich gleich aber noch.

Was in den Kommentaren viele kritisiert haben, war mein Verweis auf die Hausverwaltung. Da muss ich zugeben, dass ich im Beitrag von Montag ein Detail nicht erwähnt hatte. In der Sache habe ich mit unserer Sachbearbeiterin noch zu meckern, denn eigentlich hatten wir am Telefon besprochen, dass sie auf die Anfrage der Moscheeleute diesen mitteilen sollten, dass die Erlaubnis für das Zelt nicht erteilt werden kann. Ich hatte gehofft, so aus der Nummer herauszukommen, ohne dass irgendjemand hinterher als der Böse dasteht. Hat aber wohl nicht so ganz funktioniert.

Dann kam ja vorhin ein Kommentar von oli:

"heute ist der 13. April, 2 Tage ohne neuen Blogeintrag...
Ist dir irgendwas passiert? Brauchst du Hilfe?
"
Bei uns ist alles (relativ) in Ordnung. Ich bin nun inzwischen seit ein paar Tagen schon nicht mehr in der Firma gewesen und werde mich dort auch erst wieder nach Ostern blicken lassen. Und zwar nicht, weil ich mir mit Frau und Kind einen spontanen Urlaub gegönnt habe, sondern weil wir uns alle drei Corona eingefangen und entsprechend isoliert haben. Also ist die Firma mal wieder ganz in den Händen meiner lieben Mitarbeiter, während wir zu Hause hocken. Deshalb rege ich mich auch nicht mehr über dieses Zelt auf.

Uns geht es den Umständen entsprechend gut, aber ich gebe zu, dass einem nach ein paar Tagen nur in der Bude irgendwann schon die Decke auf den Kopf fällt. Das grundlegende Aufräumen der Garage war nun auch nur eine Beschäftigung für zwei Tage und das Internet habe ich schon lange leergelesen.

Vielleicht beglücke ich euch hier noch mit ein paar Notizen aus meinem Archiv. Ich habe ja nun noch einige Bilder und notierte Anekdoten für Blogeinträge. Aber ihr wisst ja, die mit der meisten Zeit kommen immer zu gar nichts …

Anonymer Brief in der Tagespost

Dieses Schreiben kam heute anonym mit der Post hier an.

Ich habe keine Ahnung, wer den Brief verfasst hat. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich nur wenige oder vielleicht sogar nur eine Einzelperson dort hochtrabend als "wir, die Bürger dieses Stadtteils" bezeichnet haben oder hat. Wenn der oder die Verfasser Kunden von mir sind, sollten sie mich eigentlich gut genug kennen, um nicht mit Phrasen wie "Davon raten wir Ihnen jedoch dringend ab." und Forderungen auf mich eindreschen zu müssen. Ich glaube, auf einer Umgänglichkeits-Skala von 1-10 stehen mir mindestens und ohne Übertreibung 12 Punkte zu.

Da ab morgen die Maskenpflicht hier in Bremen wegfällt und ich sowieso nicht vorgehabt habe, diese Verpflichtung via Hausrecht durchzusetzen, war das Schreiben ohnehin unnötig. Dafür können sich dann die Leute vom anderen Ende der Skala über Kunden und Mitarbeiter ohne Maske beschweren …

Anonymer Brief vom 31. März 2022

Ab Montag ohne Maske

Falls sich nicht Bremen mit irgendwelchen Begründungen spontan zum Hotspot erklärt, gilt ab Montag für uns und unsere Kunden keine Pflicht mehr zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung.

Ein paar Kollegen haben schon vorsichtig gefragt, ob sie dennoch eine tragen dürfen. Natürlich dürfen sie. Ob nun aus Gewohnheit, Angst vor Sars-CoV2, allgemeiner Sorge vor Infektionen mit allen anderen Viren, immerhin haben wir unser Immunsystem nun zwei Jahre lang insgesamt weniger gefordert, oder einfach aus modischen Gründen. Ja, ernsthaft. Als noch die Stoffmasken erlaubt waren, hatte ich mir ein paar mit Elefantenmotiven besorgt. Und natürlich ist auch meine Star-Trek-Maske zu schade zum wegwerfen.

Ich glaube jedoch, dass ich genau wie ein paar andere Kollegen ganz konsequent auf jedwede Form von Masken verzichten werde. Ist doch schön, auch mal wieder jemanden lächeln sehen zu können, ohne sich irgendwie aus der Form der Krähenfüße im Augenwinkel ein Lächeln einbilden zu müssen.

Zutritt nur mit FFP2-Maske

Ab heute greift die Verpflichtung, FFP2-Masken zu tragen, auch für die Grundversorger, also beispielsweise den Lebensmittelhandel. Diese Schilder hängen jetzt vorne an der Tür und ich weiß jetzt schon, dass wir sehr viele Diskussionen darüber führen werden …


FFP2 für MA?

In der dreißigsten Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (dreißigste!) der Freien Hansestadt Bremen vom 20. Januar 2022 heißt es:

(1) Eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gilt

[…]

2. bei dem Besuch einer Verkaufsstätte in geschlossenen Räumen,
[…]
Mal ganz ketzerisch gedacht: "Bei dem Besuch einer Verkaufsstätte." Wir Mitarbeiter sind ja keine "Besucher" sondern gehören fest zum jeweiligen Laden. Gilt das also für uns nicht? Letzter Stand diesbezüglich war "OP-Maske". Da würden einige Leute wortwörtlich erleichtert aufatmen. Mit einer FFP2-Maske längere Zeit körperliche Arbeit zu verrichten, die über einen Schreibtischjob hinausgeht, ist nämlich schon echt unangenehm.

Die Drohung mit der Polizei

Vor ein paar Minuten war ein Kunde ohne Maske hier im Laden. Darauf angesprochen, bemühte er sich nicht, sich auf ein Attest zu berufen oder eine andere Erklärung zu liefern. Er ging direkt an die Decke, faselte etwas von Persönlichkeitsrechten und drohte damit, die Polizei anzurufen. Da mein Mitarbeiter ihm weiter untersagte, hier Waren käuflich zu erwerben, rief der Mann tatsächlich die Polizei an oder tat zumindest so. Ob er wirklich die Polizei anrief, kann ich natürlich nicht sagen; auf jeden Fall hielt er sich sein Handy an die Wange und redete mit jemandem oder möglicherweise auch nur mit sich selber.

Im Laufe des Gesprächs verließ er den Laden und kam auch nicht mehr wieder.

Irgendwann fragt man sich, ob die Leute mit oder an Corona schwachsinnig geworden sind.

Coronainfektionsprohylaxe

Unser Zahnarzt führt in seinen Rechnungen folgenden Posten auf: "Aufwand für erhöhte Hygieneanforderungen aufgrund der Coronainfektionsprohylaxe."

Ich stelle mir die begeisterten Gesichter unserer Kunden vor, wenn wir auf jeden Einkauf pauschal ein paar Euro draufschlagen. Was für Kosten? Nun: Die vielen Aushänge, Masken, Tests, CO2-Messgerät, Spuckschutz an der Kasse, Klebeband, Desinfektionsmittel, Desinfektionstücher, Desinfektionsmittelspender. Da sind in den vergangenen knapp zwei Jahren insgesamt schon viele hundert Euro zusammengekommen, die uns niemand erstattet hat.

Testkauf-Bewertung: Umsetzung der Corona-Maßnahmen

"Seit" Corona ist unser Testkauf-Abo um einen Block an Bewertungskriterien erweitert worden. Konkret geht es um die Einhaltung bestimmter (Anti-)Corona-Maßnahmen. Da die Testkäufe tatsächlich immer zu unterschiedlichen und vor allem mir unbekannten Zeiten erfolgen ist das also ein durchaus ein Ergebnis, mit dem wir uns nicht verstecken müssen. Da hat niemand beim Anblick des Testkäufers panisch Schilder hingehängt und OP-Masken verteilt. Das ist hier so der normale Ausnahmezustand. Toll finde ich das auch alles nicht, aber wir müssen uns hier nicht nachsagen lassen, die Maßnahmen schleifen zu lassen. Wir tun was gegen die Pandemie, zumindest so weit das im Rahmen unserer Möglichkeiten machbar ist:


Anfrage für ein Testzelt auf Ihrem Parkplatz

Per E-Mail kam vorhin gegen 22 Uhr die Anfrage, bei uns auf der Parkfläche eine Corona-Teststation einzurichten. Ich war schon auf ein dezentes Lachen eingestellt und formulierte schon im Geiste eine freundliche Absage, als mir folgender Absatz in dem Anschreiben besonders auffiel:

Wir haben nach unserer professionellen Standortanalyse festgestellt, dass uns Ihre Parkfläche eine optimale Möglichkeit bietet, diese vom Gesundheitsamt wichtige Aufgabe durchzuführen und würden gerne […] Ihre Parkfläche für die Durchführung von Antigen-Schnelltests, nach Beauftragung durch das Gesundheitsamt, nutzen. Nach telefonischer Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt, haben wir bereits positive Resonanz erhalten.
Wenn die eine professionelle Standortanalyse durchgeführt haben, werden die ja wissen, wie die Situation hier aussieht. Das war zwar ganz bestimmt nur ein profaner Textbaustein, aber wenn es ein geschäftliches Anschreiben ist, werde ich den Inhalt doch für bare Münze nehmen dürfen. Ich werde denen mal schreiben, dass ich mit der Nutzung einverstanden bin. Ein Testzentrum genau vor der (Lager-) Tür, besser kann es fast nicht kommen. :-)

Corona-Testzentrum auf dem Parkplatz

Ein Anrufer wollte wissen, ob es möglich wäre, bei uns auf der Parkfläche ein Corona-Testzentrum einzurichten. Praktisch wäre so ein Testzentrum genau vor der Tür ganz bestimmt. Fehlt nur noch der Parkplatz mit der vermietbaren Freifläche. Also bekam der gute Mann von meinem Kollegen, der den Anruf entgegengenommen hatte, eine freundliche Absage.

Nein, "hinten auf dem Hof" ist keine Option. :-P

Trollen beim Corona-Test

Ich wollte die Dame zu Hause veräppeln und habe mit einem roten Kugelschreiber einfach eine zweite Linie auf den Teststreifen des Cov19-Tests gemalt. Was mit Tinte auf Papier passiert, das sich mit einer Flüssigkeit vollsaugt, probieren Kinder schon im Grundschulalter aus.

Sah hier nicht anders aus, nur dass das Rot von meinem Stift tatsächlich nur aus Rot bestand und sich nicht in mehrere Komponenten entmischt hat … :-P


Feuerwerk 2021

Aus der vierten Verordnung zur Änderung der Neunundzwanzigsten Verordnung
zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, Fassung vom 3. Dezember 2021:

㤠7a
Feuerwerkskörper und pyrotechnische Gegenstände

(1) Das Mitführen und Abbrennen von Feuerwerkskörpern und anderen pyrotechnischen Gegenständen der Kategorie F2 ist untersagt. Satz 1 gilt nicht für pyrotechnische Gegenstände zum Zwecke des Einsatzes als Leuchtzeichen in der Schifffahrt, im Flugverkehr oder zur Wahrnehmung staatlicher Aufgaben.
Damit ist das "Böllerverbot" (Leider nicht nur "Böller" sondern jegliches Feuerwerk der Klasse/Kategorie 2) auch dieses Jahr wieder beschlossene Sache. Wir hatten wieder erst gar nichts bestellt, was jedoch nicht einer "weisen Voraussicht" sondern einer grundsätzlichen Einstellung zu verdanken ist. Wir sind also generell aus der Nummer raus, uns betrifft das Verbot nicht. Aber das ist eine andere Sache und an dieser Stelle nicht weiter relevant.

Gedanken macht man sich aber schon: Was passiert mit Weco, Comet, Nico und wie sie alle heißen? Dass die Leute dort um ihre Jobs bangen, ist nicht verwunderlich. Hier im Land passieren schon sehr merkwürdige Dinge …

Ohne Maske und Deutschkenntnisse

Ein Mann stand ohne Maske an der Kasse und wollte ein Bier kaufen. Sämtliche Ansprachen seitens meiner Mitarbeiterin ignorierte er. Meinen Hinweis, dass er sich zumindest jetzt noch die angebotene Maske aufsetzen soll, ignorierte er. Er hörte mir nicht einmal zu, dachte ich in dem Moment; vermutlich verstand er nur kein Deutsch.

Schließlich nahmen wir ihm das Bier weg und schoben ihn vorsichtig in Richtung Ausgang. Da konnte er plötzlich sprechen, wenn auch nur ein Wort: "Kurwa!"

Uns nervt das ja auch alles so richtig, aber zumindest diese simple, ich mag es kaum so nennen, "Grundregel" sollte mittlerweile bei wirklich jedem angekommen sein …

Ein Händeschütteln

Ein mir seit Jahren bekannter Vertreter kam in den Laden und streckte mir in typischer Corona-Manier die Faust zum Gruß entgegen. Ich tippte ziemlich seicht mit meiner Faust dagegen, was beim klassischem Händeschütteln wohl einem "toten Fisch" gleichgekommen wäre.

"…diese Motivation!", lachte er.

"Ach", sagte ich missmutig. "Mich nervt Corona nur noch, mit allem, was sich daraus auch im Zwischenmenschlichen entwickelt hat. Aber Ghettofaust ist immer noch besser als dieses vollkommen beknackte, peinliche Ellenbogen-Zusammenditschen."

Dieses beknackte, peinliche Ellenbogen-Zusammenditschen nennt sich auch Ebola-Shake und wurde als Alternative zum klassischen Händeschütteln eingeführt. Gefühlt sieht man diesen "Gruß" immer nur von demonstrativ gut gelaunten Politikern, wenn irgendwelche Kameras auf sie gehalten werden. Ernsthaft: Bevor ich das mache, sage ich lieber einfach nur Moin.

Der nette Außendienstler schmunzelte, und hielt mir seine ausgestreckte Hand hin: "Wir können das auch ganz klassisch machen."

Ich schlug ein und es folgte ein anständiger, fester Händedruck. Mir kamen fast die Tränen vor Rührung. Das war das erste echte Händeschütteln seit anderthalb Jahren.