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Ein Händeschütteln

Ein mir seit Jahren bekannter Vertreter kam in den Laden und streckte mir in typischer Corona-Manier die Faust zum Gruß entgegen. Ich tippte ziemlich seicht mit meiner Faust dagegen, was beim klassischem Händeschütteln wohl einem "toten Fisch" gleichgekommen wäre.

"…diese Motivation!", lachte er.

"Ach", sagte ich missmutig. "Mich nervt Corona nur noch, mit allem, was sich daraus auch im Zwischenmenschlichen entwickelt hat. Aber Ghettofaust ist immer noch besser als dieses vollkommen beknackte, peinliche Ellenbogen-Zusammenditschen."

Dieses beknackte, peinliche Ellenbogen-Zusammenditschen nennt sich auch Ebola-Shake und wurde als Alternative zum klassischen Händeschütteln eingeführt. Gefühlt sieht man diesen "Gruß" immer nur von demonstrativ gut gelaunten Politikern, wenn irgendwelche Kameras auf sie gehalten werden. Ernsthaft: Bevor ich das mache, sage ich lieber einfach nur Moin.

Der nette Außendienstler schmunzelte, und hielt mir seine ausgestreckte Hand hin: "Wir können das auch ganz klassisch machen."

Ich schlug ein und es folgte ein anständiger, fester Händedruck. Mir kamen fast die Tränen vor Rührung. Das war das erste echte Händeschütteln seit anderthalb Jahren.

Immerhin hat er nicht geschossen …

Ich sag's ja: Die Leute drehen mit jedem neuen Corona-Tag mehr am Rad. Dieser, ähm, "Kunde" war jedenfalls nicht der Meinung, dass die Maskenpflicht auch für ihn gelten sollte. So hat er, nachdem mein Kollege ihn angesprochen hatte, seinem Missmut lautstark freien Lauf gelassen und anschließend noch seinen Einkaufskorb mit Milch und anderen Molkereiprodukten so schwungvoll gegen eines der Regale in der Getränkeabteilung geworfen, dass anschließend eine über halbstündige Putzaktion vonnöten war.


Eingepfercht im Heide Park

Da in den Wartebereichen vor den Attraktionen im Heidepark die Abstände nicht eingehalten werden können, wurden eben hohe Trennwände auf den Geländern installiert. Sind die Wände durchsichtig, kann man sich ja zumindest noch sehen. Wenn aber wie hier eingepfercht in einer undurchsichtigen und vor allem engen Schlucht steht, fühlt sich das schon wirklich komisch an …


Auch wir zahlen für Masken!

In was für einem Universum leben manche Leute? Unnötige Diskussion mit einem Mann, der ohne Maske in den Laden gekommen war und damit argumentieren wollte, dass er ja "gleich wieder draußen" sein würde. Nein, ohne Maske gar nicht. In dem Zusammenhang erklärte ich ihm, dass wir jedoch einzelne an der Kasse verkaufen würden.

Da kam von ihm in aggressiv-vorwurfsvollem Tonfall folgender Einwand: "Verkaufen? Was soll das? Sie bekommen die ja auch umsonst!"

"Wer sollte uns die schenken? Auch wir bezahlen die Masken", erklärte ich ihm.

"Das glaube ich aber nicht!", ranzte er mich wieder an. Er verließ dann den Laden.

Alter …

Wenn Corona die Menschheit nicht direkt dahinrafft (leider, ich hatte auf den langersehnten planetenschützenden Dämpfer gehofft, der uns um ein paar Milliarden Individuen reduziert), dann werden wir uns alle noch durch die Begleitumstände die Köpfe einschlagen.

Manipulatioooooooooooon!

Bei der EDEKA hat sich ein Kunde darüber beschwert, dass bei uns im Markt ständig "Corona-Durchsagen" laufen würden. Den meisten Kunden seien die Regeln mittlerweile bekannt und man muss sie nicht ständig wie ein Mantra wiederholen. Dies würde in seinen Augen schon dem Versuch einer Massenmanipulation oder Gehirnwäsche gleichkommen. Er und andere Kunden würden sich zudem durch diese ständigen Anweisungen extrem belästigt fühlen. (Es fehlte eigentlich nur noch der Hinweis mit der unterschwelligen Drohung, hier zukünftig nicht mehr einkaufen gehen zu wollen.)

Dieses Anliegen wurde mir von Kundendienst vor einer Weile via E-Mail zugestellt und nach dem ich diese Meldung gelesen hatte, saß ich mal wieder so vor dem Bildschirm:



Es ist übrigens eines meiner Lieblings-Memes und passt so erschreckend oft.

Warum? Wir haben keine Durchsagen im Markt.

Hier läuft zwar Musik, die wird aber zu keiner Zeit (!) durch irgendwelche Durchsagen unterbrochen. Wir rufen darüber keine Mitarbeiter aus und weisen nicht auf Angebote hin, es laufen nicht die POS-Radio-Pseudo-Nachrichten (nur gute Meldungen, keine Krisen und Katastrophen), keine externen Werbespots und demzufolge auch keine Durchsagen, die man standpunktabhängig irgendwo zwischen wichtigen Hygiene-Maßnahmen und massenmanipulierender Gehirnwäsche einsortieren kann. Einfach nichts. Nothing. Niente. Nada. Rien. Oder auf Suaheli: Hakuna kitu.

Was auch immer der Grund für die "Beschwerde" bei der EDEKA war, kann ich nur vermuten. Mit größer Wahrscheinlichkeit war er im Geiste in einem anderen Laden. Ich möchte nicht ausschließen, dass dort derartige Durchsagen laufen. Ab einer gewissen Wiederholungsrate würden mir als Kunde die Hinweise auf Masken und Abstand und in die Armbeuge niesen und Einkaufswagenpflicht und Hände desinfizieren vermutlich auch auf den Sack gehen. Die Regeln sind den meisten Kunden bekannt, in dem Punkt hatte er dann wohl recht.

Voll vorm ersten Mai zu Coronazeiten

Wir haben seit einer Stunde keine Einkaufswagen mehr vorne stehen. Wird ein Wagen frei, bekommt ihn direkt der nächste Kunde aus der Schlange vor dem Laden in die Hand gedrückt.

Bis heute kannte ich sowas nur aus dem Fernsehen.

Resümee: Der erste Tag der "Notbremse"

Der gestrige Tag verlief übrigens wesentlich entspannter, als ich es mir zuvor ausgemalt hatte. Letztendlich haben wir die Anzahl der Kunden im Markt doch über die abgezählten Einkaufswagen gesteuert. Jeder Kunde musste einen Einkaufswagen nehmen, Rollstühle, Kinderwagen und Rollatoren ausgenommen, dafür haben die am Eingang aufpassenden Kollegen dann jeweils einen Wagen beiseite gestellt. Ja, es stand ab ca. 10 Uhr morgens den ganzen Tag jemand am Eingang und hat Einkaufswagen mit frisch desinfizierten Griffen zugeteilt. Dabei gab es erstaunlich wenige unangenehme Diskussionen, aber sehr viele verständnisvolle Kunden.

Wir hatten zunächst überlegt, die tragbaren Einkaufskörbe als Zähler zu benutzen und dann den Kunden zu überlassen, ob sie die Körbe in der Hand tragen oder z.B. in einen Einkaufswagen oder auf ihren Rollator stellen. Die Vorgehensweise mit den Einkaufswagen ist woanders teilweise schon seit fast einem Jahr üblich und so entschieden wir uns auch dafür. Wie erwartet war das dann für viele Kunden keine so riesige Umstellung.

Allerdings ist es auch bei uns gestern mitunter passiert, dass keine Wagen mehr frei waren und folglich keine weiteren Kunden in den Laden durften. Eine ganz so dramatische Schlange wie in diesem Artikel gab es zwar nicht, aber einige Leute sind in dem Moment auch wieder gegangen, was sicherlich zu einigen Umsatzverlusten geführt hat.

Gestern Abend haben wir dann doch um 22 Uhr den Laden verschlossen und werden dies während der Ausgangssperre auch beibehalten. Entsprechende Hinweise auf die temporär veränderten Öffnungszeiten hängen seit gestern Nachmittag auch schon an den Türen.

Bis jetzt lief also alles ganz gut.


Ich nehme übrigens alles zurück was ich Böses über die Ausgangssperre gesagt hatte. Die himmlische Ruhe ab 22 Uhr entschädigte für jede andere Unannehmlichkeit, die da gerade entsteht. Keine Prolls, die ihre aufgebohrten AMGs oder viel zu laute Motorräder spazieren fahren, keine gröhlenden Horden auf den Straßen. Wir hatten heute Nacht wie immer das Fenster offen und hörten von draußen rein gar nichts. Daran könnte ich mich durchaus gewöhnen – und das meine ich ernst.

Ausgangssperre und so!

Nun haben wir sie also, die "Notbremse", mit der in Abhängigkeit von der regionalen Inzidenz eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr daherkommt. Da wir hier in Bremen aktuell bei weit über 100 liegen, gestern waren es 167, sind wir also auch betroffen. Ab morgen geht es los.

Doch was bedeutet das nun für uns?

Prinzipiell bräuchten wir erst mal gar nicht zu reagieren.* Die Öffnungszeiten wurden nicht angefasst und keiner könnte uns verbieten, den Laden wie gehabt bis 24 Uhr geöffnet zu lassen. Für die Mitarbeiter gibt es eine Bescheinigung, dass sie zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pendeln müssen und ob sie die Notwendigkeit für diese Bewegungen nun ab 22 oder ab 24 Uhr erklären dürfen, spielt keine Rolle.

Die interessantere Frage ist: Kommen nach 22 Uhr überhaupt noch Kunden in Laden? Das werden wir morgen Abend einfach mal testen. Entweder herrscht hier in den letzten beiden Stunden kompletter Totentanz oder wir werden überrascht sein, wie viele Leute die Ausgangssperre ignorieren oder noch gar nichts davon mitbekommen haben und einkaufen gehen. Ein durchaus interessanter Gedanke ist auch, als Einkaufsmöglichkeit für Rettungsdienste und sonstige ehrenamtliche Helfer, Taxifahrer und eben alle anderen, die trotz der Ausgangssperre unterwegs sein dürfen, geöffnet zu bleiben. Kann uns ja momentan noch keiner verbieten.


*) In einem Punkt müssen auch wir hier handeln: Mit der Notbremse gab es auch eine weitere Beschränkung der innerhalb eines Geschäfts erlaubten Kundenzahl. Bei uns sind das 27 zzgl. Kinder und Mitarbeiter. Das werden wir über eine Pflicht zur Verwendung von Einkaufskörben umsetzen.


(Diese perfekt durchdachte Ausgangssperre wird die Pandemie übrigens schlagartig beenden, denn das Virus ist bekanntlich nachtaktiv. Abends durch generell schon immer eher menschenleerere Straßen zu gehen ist hinsichtlich der Ansteckungsgefahr ist daher bestimmt viel gefährlicher, als sich tagsüber im Freien aufzuhalten, wenn auch der Rest der Bevölkerung draußen ist. Aber wenn ich von sowas Ahnung hätte, wäre ich selber Politiker geworden und würde nicht nur anteilig ihre Gehälter bezahlen.)

Prioritäten in Osnabrück

In der offiziellen FAQ zur Ausgangsbeschränkung im Raum Osnabrück:

Darf ich an abendlichen Gottesdiensten bzw. religiösen Veranstaltungen teilnehmen?
Ja, der Besuch von Veranstaltungen zur Religionsausübung stellt einen triftigen Grund dar […]

Darf ich nach 21 Uhr einkaufen gehen, Essen abholen oder […]
Nein, der Einkauf von Lebensmitteln zählt nicht als triftiger Grund, um die Wohnung verlassen zu müssen. […]

Die Osnabrücker dürfen also beten, dass sie nicht verhungern.

ToiPa auf dem KühlReg

Als wir die Bestellung gemacht hatten, war noch die Rede davon, dass Gründonnerstag geschlossen ist und dass am Samstag nur Lebensmittel verkauft werden dürfen. Also hatten wir zu heute etwas mehr an Küchen- und Toilettenpapier bestellt. Wozu hat man schließlich den bequemen Lagerplatz auf dem Kühlregal?

Da nun aber die Öffnungszeiten rund um die Feiertage ganz normal bleiben, wird sich wohl auch niemand in besonderem Maße mit diesen Artikeln eindecken. Macht aber nichts, das sind diesmal nur unsere Eigenmarken-Produkte und vor allem kein Toilettenpapier aus Osteuropa. Um den Bestand von auf der Kühlung loszuwerden, brauche ich nur eine oder maximal zwei Bestellungen auszulassen und schon erledigt sich das von ganz alleine.

Aber erstmal haben wir! :-)


Corona-Beschluss und Ostern

Bund und Länder haben sich nach stundenlangen Beratungen bis in die Nacht hinein auf eine Verlängerung des Corona-Shutdowns bis zum 18. April geeinigt. Zudem wurde über die Oster-Tage vom 1. April (Gründonnerstag) bis 5. April (Ostermontag) ein als "erweiterte Ruhezeit zu Ostern" bezeichneter harter Shutdown beschlossen, bei dem selbst die zwei regulären Werktage Gründonnerstag und Ostersamstag als "Ruhetage" definiert werden, an denen unter anderem folgendes gilt: "Supermärkte dürfen nur an Karsamstag teilweise öffnen."

Gibt es dazu auch konkrete Infos, mit denen man arbeiten kann?

Gründonnerstag geschlossen gilt für alle Läden? Also auch Supermärkte und andere Lebensmittelhändler? Ein Tag weniger vor den Feiertagen, damit sich noch mehr Kunden am Mittwoch in den Läden tummeln? Klasse Idee, aber mit Logik hat hier vieles schon lange nicht mehr zu tun.

Und am Samstag? "Teilweise"? Was heißt denn "teilweise"? Welcher Teil ist denn gemeint? Eine bestimmte Region, bestimmte Uhrzeiten oder nur ein bestimmter Teil der jeweiligen Ladenfläche?

Sollen sie doch Corona-Maßnahmen beschließen, alles okay. Aber das doch dann bitte auch auf normal Neuhochdeutsch kommunizieren ohne dass man raten muss, wie es gemeint sein soll. :-(

Update:
Mein letzter Kenntnisstand: Der Gründonnerstag wird in diesem Jahr wie ein Feiertag behandelt. Dies bedeutet, die Supermärkte bleiben geschlossen. Karfreitag sowieso, der war ja schon immer ein Feiertag.

Am Ostersamstag darf der Lebensmitteleinzelhandel hingegen öffnen.
Ob die regelmäßigen Öffnungszeiten am Samstag gelten, ist bislang noch unklar – alles andere wäre aber Unsinn, weil man dann die Kunden in noch weniger Stunden pressen würde.

Maskenfrage

Micha hat mir geschrieben:
[…]

Im Prinzip gilt seit letztem Jahr durchweg Maskenpflicht im Einzelhandel, sowohl für Kunden als auch für das Personal.
Leider halten sich an solche Regeln nicht alle und zumindest in meinen Stammläden war von Anfang an eine Art Toleranz gegen Maskenverweigerer da. Maske am Kinn? Egal. Maske nicht auf? Auch nicht schlimm. Selbst Verkäufer tragen sie unter der Nase beim Verräumen oder an der Kasse. Konsequenzen? Nö.

Wir hatten zu Weihnachten harten Lockdown und horrende Zahlen an Infektionen, aber dort wo sich Menschen noch "treffen" konnten, beim Einkaufen, wurde über alle Gruppen hinweg das Maske Tragen locker genommen.

Angst vor Kundenverlust? Angst, sich anzulegen? Oder schlicht "not my f***ing job"?

Vielleicht kannst du das ja mal in einem Blogeintrag schildern, wie du das erlebt, umgesetzt hast.
Vorab noch mal eben zur Situation bei uns:

Wie wir das hier umgesetzt haben, ist ganz einfach: An der Kasse Trennscheiben, hinter denen keine Maskenpflicht besteht. Das ist auch sinnvoll, sonst könnte man irgendwann zu Zeichensprache übergehen, weil man sich nur noch annuschelt. (Aber selbst da tragen viele meiner Mitarbeiter/innen freiwillig eine Maske.)

Im Markt tragen wir alle eine Maske und inzwischen haben auch fast alle Kunden das mit den FFP2/OP-Masken verstanden. Diskussionen haben wir äußerst selten.

Jetzt zur Frage von Micha:

Ich denke es ist vor allem "not my f***ing job!".

Man ist als Mitarbeiter irgendwann müde ob der ständigen Diskussionen mit Kunden. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr, darauf einzugehen und wenn man dann noch bedenkt, dass viele die Maske ohnehin nur deshalb tragen, weil sie Angst vor einem Bußgeld und nicht vor einem Virus haben, dürfte sich der eher laxe Umgang mit (anderen) Maskenverweigerern erklären.

Reservierte FZGs

Ein Stammkunde hat eben für mehrere Termine unsere Festzeltgarnituren für den Sommer reserviert. Noch ist zwar nicht klar, ob der große Distanz-Maskenball dann überhaupt vorbei ist, aber für den Fall der Fälle wollte er der Erste sein.

Blühender Optimismus. :-)