Skip to content

Kaputte Optik

Ich war dabei, H-Milch zu packen. Nach dem ich die Artikel gerade ordentlich ins Regal gestellt hatte, nahm sich eine Kundin eine der Packungen und entschuldige sich noch dafür, dass sie jetzt die ganze schöne Optik wieder kaputt gemacht hätte. Ich lachte und meinte nur, dass die Ware dafür doch schließlich da wäre. :-)

Das erinnerte mich an etwas, was auch immer in diesen hochqualitativen Klatschzeitschriften aufgeführt wird, wenn mal wieder reißerisch von den unglaublichen psychologischen Tricks die Rede ist, mit denen einem im Supermarkt das Geld aus der Tasche geleiert wird: Dort werden vermeintliche Warenlücken erwähnt, die absichtlich eingebaut werden, damit man als Kunde auch zugreifen mag und einen nicht das Gefühl, die schöne Präsentation zu zerstören, davon abhält, diese Artikel zu kaufen.

Kann ja sein, dass das vereinzelt wirklich so gemacht wird – aber dass sowas irgendwo tatsächlich umgesetzt wird, habe ich selber noch nie erlebt. Weder in meiner gesamten beruflichen Laufbahn vor der Selbstständigkeit, noch in irgendwelchen anderen Supermärkten – und hier im eigenen Laden natürlich erst recht nicht.

Objekt zu mieten?

Wieder einmal kam eine Anfrage, ob meine Halle zu vermieten sei.

Ist sie zwar immer noch nicht (und wird sie planmäßig auch nie sein), aber zumindest kam per WhatsApp eine freundlich formulierte Anfrage auf normal Neuhochdeutsch, inklusive einer Entschuldigung für die späte Störung. Hat man heutzutage ja auch nicht mehr so oft.

Das sind dann aber auch die Anfragen, wo ich ebenso freundlich reagiere, wenn auch mit einer Verneinung, und nicht nur die Nachricht lösche oder sogar den Kontakt blockiere.

Verdorbenes Rindfleisch

Eine Frau, die ich wohl im mittleren bis maximal frühen Rentenalter einschätzen würde, rief hier bei uns an. Ihre Stimme und ihre Art zu sprechen klangen seriös und glaubwürdig.

Sie erklärte mir, dass sie bei uns vor Ostern ein paar Pakete Rindfleisch im Wert von rund 35 Euro gekauft hätte und alle wären verdorben gewesen. Sie seien schon am nächsten Tag aufgebläht gewesen und rochen total ekelig, woraufhin sie alles weggeworfen hätte. Leider hat sich "der Chef" (also ich) nicht wieder bei ihr gemeldet, obwohl ihr das bei ihrem Anruf vor Ostern von einem Mitarbeiter zugesagt worden sei – aber nun habe sie ja endlich die Telefonnummer wiedergefunden.

In meinem Kopf lief ein Film ab. Wir nehmen Reklamationen sehr ernst, aber vor mehreren Wochen gekauftes Fleisch in einer solchen Menge, dazu mehrere Pakete gleichzeitig verdorben, aber alles weggeworfen statt es wieder zu uns zu bringen – und mir hat niemand etwas von dem Anruf gesagt? Das wollte alles irgendwie überhaupt nicht zusammenpassen, was ich der Frau auch direkt am Telefon sagte.

Ich erklärte ihr auch, dass wir hier modernste Kühlanlagen mit Temperaturüberwachung haben und auch, dass es (solange ich zurückdenken kann) noch nie eine Reklamation beim Fleisch gab. Und außerdem, wenn dann hat vielleicht eine Packung einen Mangel, weil sich vielleicht eine Verunreinigung eingeschlichen hat oder der Deckel irgendwo undicht ist – aber mehrere Schalen gleichzeitig schlecht? Das ist schon sehr unwahrscheinlich.

Die Anruferin fand sich schon damit ab, auf dem Schaden sitzenzubleiben, als ich noch einen weiteren Versuch startete, ihr irgendwie helfen zu können: "Hatten Sie vor Ostern mit der Telefonnummer angerufen, mit der sie jetzt auch gerade hier durchgekommen sind?" Die Frau bejahte, ich suchte in den Protokollen der Telefonanlage – und fand exakt nichts. (Aha?!) Die Frau stutze: "Aber … Ich war doch bei Ihnen?! Sie sind doch der EDEKA, der mal ein SPAR war?"

Ich bejahte, aber diese Frage brachte mich auf eine andere Idee: "Haben Sie das Fleisch vielleicht bei Penny gekauft?"

"Nein, zu Penny gehen wir nicht."

"Oder vielleicht beim [Supermarkt-Mitbewerber] da etwas weiter weg?"

Es wurde still am anderen Ende der Leitung.

"Das ist doch der Laden hinten bei der xyz-Straße, oder?"

Genau den Supermarkt meinte ich: "Ja. Die haben auch eine Fleischtheke, vielleicht waren Sie da und verwechseln uns gerade?"

Es wurde wieder kurz still. Dann wandte sich die Frau ab und rief jemandem zu: "War das Fleisch von der Theke oder abgepackte Ware?"

Im Hintergrund murmelte eine männliche Stimme etwas von "Fleischtheke", womit die Sache bezüglich unserer Schuldigkeit eindeutig geklärt war. Die Frau konstatierte noch, dass das ohnehin ein "Drecksladen" sei und dass sie mir jetzt wohl eine Schachtel Pralinen schulden würde. :-)

Die Welle der anderen Art

Ein Mann stand mit seiner weiblichen Begleitung an der Kasse und wurde von einem meiner Mitarbeiter aufgrund der großen Ähnlichkeit fälschlicherweise für jemanden gehalten, der hier erfolgreich geklaut hat, den wir aber nicht erwischt hatten.

Auch sowas kann passieren. Das Missverständnis klärte sich relativ schnell auf, aber der Mann steigerte sich immer weiter da rein. Wir hatten natürlich um Entschuldigung für die Verwechslung gebeten und haben es auch mit einer Schachtel Pralinen (oder auf Wunsch einem anderen Artikel) zur Wiedergutmachung versucht.

Noch mal fürs Verständnis: Wir haben dem Typen keine Gewalt angedroht, ihn nicht festgehalten, ihn nicht öffentlich bloßgestellt. Er wurde nur gebeten, kurz zu warten und hat dann mitbekommen, wie mein Kassierer über das interne Telefon um Hilfe wegen des Ladendiebs gebeten hat.

Aber nichts half. Er hat alles abgeblockt, steigerte sich noch weiter in seine Aufregung hinein, redet was von Ehre und fing irgendwann sogar an, uns ziemlich rüde persönlich zu beleidigen. (So im Nachhinein denke ich, dass er die Situation nur als Steilvorlage genutzt hat, um mal richtig Dampf abzulassen.)

Es ging sogar noch weiter: Irgendwann beschloss der Mann, dass wir dafür sogar eine Anzeige verdient hätten und rief die Polizei an. Die Dame vom Polizei-Notruf (sowas dringendes kann schließlich nicht über den Zentralruf geklärt werden) ließ ihn jedoch regelrecht abblitzen: Haben Sie was geklaut? Nein. Hat man sich bei Ihnen entschuldigt? Ja, aber … Hat man Sie bedroht oder ähnliches? Nein. Hält man Sie fest? Nein. Warum gehen Sie dann nicht einfach? Aber, aber …

Er trollte sich dann aber doch ohne weiteren Kommentar.

Weiter geht's …

Die Funkstille in den letzten Tagen waren die meisten von euch vermutlich schon gar nicht mehr gewohnt. Das Konzept "Privatleben" musste nach den aufreibenden letzten Wochen mal wieder zwingend gepflegt werden und hatte natürlich Vorrang vor sämtlichen anderen Aktivitäten.

Das Material für die neuen Leuchten hatten wir nach der Lieferung noch auf die Kühlregale gestapelt. Sieht zwar nicht so geil aus, aber die rund vierzig jeweils knapp vier Meter langen Schachteln stehen da oben sicher und vor allem nicht im Weg. Mit der Montage der neuen Lichtbänder verschwinden die Kartons ja ohnehin nach und nach.


Chaos mit Charme

Eine Kollegin war im Gespräch mit einem Stammkunden und entschuldigte sich währenddessen auch regelrecht für das momentane Chaos hier im Laden.

Seine Antwort: "Alles gut, das ist ja hier Chaos mit Charme!"

Na, denn. :-)

(Und außerdem ist es ja auch bald geschafft!)

Erschrecken

Eine Kundin stand vor dem Kühlregal und betrachtete ein paar Artikel. Ich musste da auch hin und um mich nicht einfach in die Ecke neben sie zu quetschen, sprach ich sie von hinten an: "Nicht erschrecken, ich muss da nur kurz hin."

Sie zuckte zusammen, drehte sich um und holte tief Luft: "Zu spät."

Oops, 'tschuldigung. ;-)

Entschuldigung!

Wir haben einen Ladendieb erwischt, der zumindest so tat, als wenn er absolut kein Deutsch sprechen oder verstehen könne.

Als sich einer meiner Mitarbeiter über die Tat etwas lauter aufregte, konnte der Typ plötzlich doch ein Wort, fast akzentfrei dazu: "Entschuldigung! Entschuldigung!"

Nicht angenommen.