Friday, March 12. 2010
Einen Großteil der Zeit haben wir hier übrigens damit verbracht, die Bleche der Regalböden zu schrubben. Ja, schrubben. Wir haben sie nicht nur oberflächlich abgewischt, sondern reell von allen sechs Seiten mit Scheuermilch bearbeitet, gespült und hinterher zum Trocknen aufgestapelt. Insgesamt etwa 2500 einzelne Streifen. Das ist selbst für mich heute, über acht neun Jahre später, kaum noch zu glauben...
Hier steht das Grundgestell einer der Regalgondeln in noch schmutzigem Zustand. Mehr als deutlich erkennt man, wie stumpf und gelblich die Rückwandbleche aussehen.
Das selbe Regal – in sauber und mit eingehängten Fachböden. Bestimmt denkt nun der eine oder andere: "Wie konnten die denn schon die Böden einhängen, ohne überhaupt die Ware zu haben?"
Nun: Wir wussten ziemlich genau, in welchem Regalstück welche Artikel stehen sollten. Mit langjähriger Einzelhandelserfahrung kannten wir genug Artikel und die Sortimentszusammenstellung, um die Einhängungen der Böden relativ präzise vorhersagen zu können.
Ohne Übertreibung und nicht ohne Stolz kann ich behaupten, dass wir über 90% der Regale auf diese Weise vorab richtig zusammengebaut haben!
" Frisch wie KAISER'S" stand auf den alten Einkaufswagengriffen, die wir während der Umbauphase natürlich noch gegegen neue Griffe mit SPAR-Logo austauschten.
Ich glaube, das einzig frische in diesem Laden war einst die Auszubildende an der Kasse. Dieser Fund im (beim Auszug unseres Vorgängers abgeschalteten) Tiefkühlraum war alles andere als frisch: Eine Packung Eis, die irgendjemand Monate zuvor vergessen hatte. (Diese Entdeckung war allerdings deutlich weniger ekelhaft, wie die eines Einzelhändler-Kollegen, der bei seinem Einzug in die neuen Geschäftsräume noch größere Mengen Fisch im (ebenfalls ausgeschalteten) Kühlhaus gefunden hatte...)
Der erste Hinweis auf das, was sich in diesen Geschäftsräumen tun wird, hing schon am ersten Tag am Fenster. Knapp vier Wochen Zeit hatten wir uns vorgenommen und kaum einer der (zukünftigen) Kunden, mit denen wir während der Renovierungs- und Umbauphase gesprochen haben, hat für möglich gehalten, dass wir das auch tatsächlich schaffen werden...
Thursday, March 11. 2010
Ich glaube, dieser Bereich des Ladens hat sich bislang am stärksten verändert. Auf dem Boden erkennt man noch die Ränder der Stelle, an der einer der Kaiser's-Kassentische standen und das grüne Ding da in der Ecke war eine altersschwache Kartonbox, die ebenfalls während der Umbauarbeiten auf dem Schrott gelandet ist.
An dieser Stelle wurde noch vor der Geschäftseröffnung der Backshop einer Bäckerei installiert, den wir in der Folge auch tatsächlich zwei Jahre als Untermieter hatten. Nachdem die Bäckerei im Herbst 2002 aus Rentabilitätsgründen ausgezogen war, haben wir auf der entstandenen Fläche die " Faire Woche" durchgeführt. Wie man auf diesen Bildern noch gut sehen kann, steht der Holzverschlag noch, der als Vorbereitungsraum für die Bäckerei diente. Kurze Zeit später haben wir das Kabuff dann auch noch abgerissen und die Verkaufsfläche des Ladens erweitert.
Meine Fliesen hier im Laden mussten sich ja in der Vergangenheit schon öfter der Kritik meiner Leser stellen. Sie sind nunmal alt und ein kompletter Austausch wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten. Aber zumindest die am schlimmsten beschädigten Platten wurden gegen neue ausgetauscht. Vor allem der Eingangsbereich sah sehr, sehr schlimm aus:
Etliche Löcher und eine starke Beschädigung an der Stelle, an der das Drehkreuz zum Öffnen immer hin und her geschoben wurde.
Im Rest des Ladens wurden nur einzelne Fliesen getauscht, aber für den Eingangsbereich hatten wir beschlossen, großflächig den Bodenbelag zu erneuern.
Vor knapp einem Jahr (oha, so lange ist das schon wieder her..?) erwähnte ich die damals in den Medien recht präsente Thematik, dass Abfälle (und eben auch noch brauchbare Lebensmittel) in Supermarkt-Müllcontainern mit Chemikalien übergossen wurden, damit Containerern das Leben schwer gemacht wird.
Interessant war in dem Zusammenhang auch die Diskussion, ob man nun die Mitarbeiter der Supermärkte für eventuelle Folgen (z.B. Gesundheitsschäden) haftbar machen kann oder ob dieses Verhalten sogar schon mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommen könnte.
Nun gab es ja schon häufiger Rückrufe aufgrund von Verunreinigungen von Produkten, zum Beispiel mit Glasstücken. Mitunter sollen diese aus dem Verkauf genommenen Packungen direkt vor Ort entsorgt werden. Also landen sie im Müllcontainer.
Und jetzt kommt die ach so theoretische, sich aber nach der alten Diskussion beinahe aufzwängende Frage: Was ist, wenn diese scheinbar "guten" Produkte jemand aus dem Container mitnimmt, verzehrt und sich (schwere) Verletzungen, ggf. sogar mit Todesfolge zuzieht?
Hätte man einen Warnhinweis dranhängen sollen? "Lebensgefahr!" – oder sollte nicht generell bei "Abfällen" (Inklusive "weggeworfene noch verzehrfähige Lebensmittel") genug viel Skepsis vorhanden sein?
Regale aufstellen war – verständlicherweise – eine unserer Hauptbeschäftigungen während des Umbaus. Das reine Zusammenstecken der einzelnen Regalteile war dabei allerdings die kleinste Arbeit. Viel aufwändiger war es dagegen, die vielen Einzelteile zu säubern. Die Rückwände konnte man einfach am Stück putzen, nachdem sie in die Säulen eingehängt und bevor die Fachböden eingehängt wurden:
An die hässliche Wand links im Bild kommt demnächst noch ein Kühlregal. Ganz links vorne, etwa am Bildrand, befindet sich die Tür zu dem Nebenraum, in dem wir derzeit hauptsächlich Brötchen aufbacken und durch den man in mein neues Büro gelangt.
Hinten im Bild steht das alte große (ca 12 Meter) Kühlregal, das im im Laufe der Umbauarbeiten noch durch ein nagelneues Kühlregal ausgetauscht wurde. Angeblich, weil es technisch k.o. war. Damals musste ich das einfach gutgläubig hinnehmen, aber heutzutage hätte ich das dreimal prüfen lassen – immerhin hat das neue Regal rund 60.000DM gekostet.
Blick von der Kassenzone in Richtung Lagertür. Kahl, schmutzig und trostlos ist noch alles. Die Ware wird es viel später kommen und zunächst werden wir etwas gegen den Dreck auf den alten Regalen unternehmen...
Wednesday, March 10. 2010
Am Abend des ersten Umbautages noch ein Blick zum Abschied in das vollgestellte aber doch noch sehr überschaubare Lager. Während der Renovierung sollte das so bleiben, aber wenn in ein paar Wochen die erste Ware eintrifft, ändert sich dies schlagartig...
Leere, aufgestellte Regalgondeln. In einer leeren, undekorierten Halle – was für ein trostloser Anblick. Aber doch mit dem Wissen, dass alles besser werden wird.
Diese Regale sind übrigens die, die wir zum Umbau der Getränkeabteilung acht Jahre später komplett verschoben haben...
Es ist auch für mich immer wieder seltsam, diese Bilder zu sehen. Mit leeren Regalen verbinde ich entweder eine kommende Neueröffnung oder ein Ende, betrachte sie also immer mit gemischten Gefühlen. Hier geht's zum Glück bald vorwärts...
Diese Behälter, die man in dieser oder ähnlicher Form in vielen Läden findet, sind sogenannte Detektorfallen für Lebensmittelmotten. "Detektorfallen" deswegen, weil sie nicht reichen, um bei einem Befall sämtliche Schädlinge einzufangen. Aber wenn man in dem (theoretisch) mit pheromonhaltigen Mitteln gefüllten Behältern viele und/oder häufiger Motten findet, weiß man, dass man ein ernsthaftes(*) Problem hat.
Diese beiden Fallen werden jedenfalls jetzt auch im Rahmen meiner Renovierung verschwinden. Das einzige, was sich im Laufe der Jahre darin gesammelt hat, ist Staub. Den haben wir, ich geb's ja zu.
Ernsthaft ernsthaft. Mottenbefall ist mein absoluter Albtraum hier im Laden. Dann hätte ich lieber ein paar Schaben. Die sind zwar rein optisch "ekeliger", aber durchaus leichter zu bekämpfen. Zum Glück, klopfklopfklopf, haben wir mit beiden keine Probleme.
Mit der Kamera vom damaligen wie heutigen Standort der Kasse durch die heutige Gemüseabteilung auf das heutige Feinkostregal gezielt. Geplant war die Aufteilung zu dem Zeitpunkt schon so, allerdings war davon am dritten Mai im Jahr 2000 noch nicht viel zu sehen.
Bewegte man sich mit der Kamera an die Stelle, die auf dem oberen Bild zu sehen ist, präsentierte sich der Laden wie folgt. Im großen und ganzen so wie heute, nur die Tiefkühltruhe in der Mitte existiert nicht mehr...
Ein Blick in das Lager, in dem wir zu Beginn der Umbau- und Renovierungsarbeiten sämtliche Dinge versammelt hatten, die ich von Kaiser's mit meiner Ladeneinrichtung erstanden habe: Aktionstische, Holzregale, Einkaufswagen – und viel Schrott...
Tuesday, March 9. 2010
Jaja, dieses komische Abflussrohr im Boden, das uns Jahre später noch einmal Ärger gemacht hat, war damals auch schon da. Bei unserem Vorgänger hat sich niemand daran gestört, da ein Regal über der Stelle stand und auch bei mir befand sich jahrelang ein Regal darüber.
Trotzdem musste das Rohr abgeklemmt werden und dazu mussten wir in den Keller, der sich unter meinem Laden als Kriechkeller präsentiert. Ein dunkles, schmutziges Labyrinth aus vielen Kammern, mit Rohren, Kabeln und Spinngeweben.
Hier das Tor zur Hölle:
Zerberus war nicht zu sehen und so traten wir ein. Dieser erste Raum wirkt noch hell und freundlich, zumal er mit etwa 1,2m auch relativ hoch ist. Hinten links, hinter dem Pfeiler, an dem die beiden Bretter lehnen, geht's erst richtig los. Kein Tageslicht mehr, stickige Luft, Staub. Nichts für Leute mit schwachen Nerven.
Ich glaube, ich werde mal ein Video von einer Kellerbegehung für euch machen.
In meinem Büro habe ich einen kleinen Heizlüfter stehen. Während der letzten Wochen habe ich ihn immer wieder meinen Kassierern ausgeliehen, wenn sie sich zu dünn angezogen hatten und dann fröstelnd an der Kasse saßen. Normalerweise sollte der immer gleich wieder nach Schichtende bei mir abgeliefert werden. Das Ding ist zwar "nur" ein Heizlüfter, aber noch immerhin ein vernünftiger und hochwertiger.
Und dann vergisst man das Gerät mal ein paar Tage an der Kasse. Und wie habe ich ihn da nun wiedergefunden? Mit halb herausgerissenen Kabel und verschrammtem Gehäuse.
Grrr..!
Hier der Blick in die zukünftige Getränkeabteilung von vorne. Ganz hinten steht derzeit noch ein altes Kühlregal, das bei Tengelmann für abgepacktes Fleisch genutzt wurde und links an der Wand, an der gerade noch die schwarzen Regalsäulen lehnen, befindet sich heute das Cola-Regal. Apropos schwarz...
...da an der Wand, da muss noch was gemacht werden. Dass der Schimmel da wächst, geht ja gar nicht. Die Maler werden sich im Laufe der Renovierungsarbeiten aber noch darum kümmern.
Die meisten Ladenregale haben durch ihre Bauart bedingt zwischen den Säulen einen Holraum. Normalerweise wird der oben mit Blechen abgedeckt, damit nichts hineinfallen kann. Wenn diese Abdeckungen fehlen, sammelt sich im Laufe der Jahre einiges an. Aus den Regalen, die wir hier in den ersten zwei Tagen des Umbaus auseinandergebaut haben, fiel uns diese Sammlung entgegen:
Der Champagnerkarton war aber leider leer.
Monday, March 8. 2010
Der Anblick mit der Einkaufswagenbox und dem Windfang dürfte meinen Kunden bekannt vorkommen. Daran haben wir im Grunde nichts geändert. Die Einkaufswagen stehen zwar heute in einem etwas anderen Winkel als auf diesem Bild, aber eben nach wie vor an der selben Stelle.
Die drei alten Kassentische wurden abgebaut und es kam das zutage, was bislang in jedem Supermarkt unter jeglichen längerfristig aufgestellten Möbeln zutage gekommen ist: Dreck. Dreck. Und... Dreck. Vor allem durch Wischwasser entstandene Dreckränder, aber das ist nunmal völlig normal.
Deutlich sind auf diesem Bild die sechs Antennen der alten Warensicherungsanlage zu sehen, die hier bei Kaiser's installiert war. Ob die Anlage vorher schon defekt war oder beim Abbau durch die Handwerker beschädigt wurde, kann ich nicht sagen. Nur, dass sich, als ich Jahre später beschloss, doch eine derartige Anlage aufzustellen, dieses alte und nicht sehr leistungsfähige System nur mit erheblichen Kosten wieder hätte reaktivieren lassen. (Nachdem sie jahrelang mein Lager verstopften, habe ich sie für unglaubliche 100 Cent bei Ebay verkauft!
Hier die alte Gemüsetheke auf dem LKW der Ladenbaufirma, die hier einen Großteil der Umbauarbeiten durchgeführt hat:
Am dritten Mai im Jahre 2000 begannen die Umbauarbeiten hier im Laden. Gleich früh morgens wurde zuerst von den Ladenbauern damit begonnen, alle nicht mehr benötigten Teile zu demontieren und zu entsorgen.
Dazu gehörte zum einen die gesamte ehemalige Obst- und Gemüseabteilung, die aus diesen riesigen grünen Schränken bestand und die mir schon am ersten Tag unbehaglich vorkamen.
Da ich zu der Zeit noch selber arbeiten musste, konnte ich nicht von Anfang an dabei sein, sondern hatte nur die Möglicheit, kurz in der Mittagspause nach dem Rechten zu sehen. Da fehlte schon ein Teil der Gemüseabteilung:
Die großen Möbel ließen sich in "handliche" Stücke zerlegen...
...die dann zum LKW gebracht wurden, der hinten auf dem Hof stand.
Noch ist hier alles so wunderbar leer und übersichtlich. Aber das wird sich schon bald ändern...
Sitzt und passt.
Sieht zwar nicht "schön" aus, aber doch zumindest ordentlich. Und da fällt mir gerade ein, dass ich hier noch einen fast vollen Pott weißes Hammerite stehen habe. Damit könnte man den Streifen optisch noch etwas "neutralisieren".
(Allerdings sieht das Blech jetzt nur auf dem Bild so sehr dunkel aus da der Blitz von der diffusen Wand natürlich anders reflektiert wurde als von dem blanken Metall.)
Saturday, March 6. 2010
An dieser Stelle folgen nun die letzten Bilder des erstens Tages. Nicht nur hier in der "Entstehungsgeschichte" sondern auch im wahren Leben folgt ab morgen der Umbau und die Einrichtung des neuen Ladens Unterschätzt nicht, wie unglaublich viel Arbeit das war – aber das werdet ihr in den nächsten Tagen und Wochen noch selber sehen.
So sah das Haus hier noch gänzlich ohne meine Werbung aus. Auf dem Dach über den Schaufenstern steht auf voller Länge ein roter Leuchtkasten mit "SPAR"-Aufdruck, an der Wand neben der Regenrinne hängt ein vier Meter hoher Leuchtkasten. Auf den Fenstern kleben die Plakatrahmen und die Friesbeklebung und hinter den Fenstern ist natürlich auch mehr zu sehen..
Die Einkaufswagenbox haben wir während des Umbaus ein paar Grad gegen den Uhrzeigersinn verdreht, ansonsten hat sich hier aber nicht allzu viel verändert.
Selbstportrait in Spiegelkugel.
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