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Demenz ist ein Arschloch

Ines war im Gespräch mit einer langjährigen Stammkundin, inzwischen Mitte 80.

Die alte Dame konstatierte zwischendurch, dass sie die "nette Kollegin, die immer vorne an der Kasse saß" vermissen würde.

Ines ging im Geiste kurz alle Kolleginnen durch, die uns kürzlich verlassen haben und versuchte dann, der Kunden auf die Sprünge zu helfen: "Sie meinen bestimmt die #meiermüllerschulz, aber die hat uns leider zu Ende Juni verlassen, da sie ihr Leben im Süden fortsetzen möchte."

"Nein, nein", entgegnete die Frau. "Die war doch erst noch schwanger und ich hab ihr auch was Selbstgestricktes für ihre Tochter geschenkt. Wir haben uns immer so gut verstanden …"

Da schluckt man erst mal. Gemeint war nämlich Ines selber und es ist inzwischen mal eben acht Jahre her, das sie "erst noch schwanger" war.

Demenz oder Diebstahl?

Bei uns allen ist eine ältere Stammkundin pauschal als "tüdelig" / dement bekannt. Kommt regelmäßig mit dem Leergutautomaten nicht klar, vergisst manchmal was, kommt hin und wieder ohne Maske in den Markt. Eigentlich eine liebe, nette, alte Dame.

Meistens benutzt sie für ihre kleinen Einkäufe einen der von uns zur Verfügung gestellten Einkaufskörbe. Manchmal auch nicht, dann ist es wahlweise die Handtasche oder, wie in diesem Fall, eine Einkaufstasche aus buntem Stoff.

In diese Tasche legte sie ein paar belanglose Waren im Gesamtwert von unter zehn Euro, die sie auch an der Kasse allesamt auspackte. Ebenfalls in der Tasche befand sich ein Leinenbeutel, in den sie hier aus unserem Sortiment während des Einkaufs eine Schachtel Pralinen im Wert von fast acht Euro gelegt hatte. An der Kasse packte sie die gerade erwähnten belanglosen Waren aus, blickte in den inneren Leinenbeutel, ließ die Pralinenschachtel darin, schlug den Stoff um und schob den Beutel tief zurück in die bunte äußere Tasche.

Da die Pralinen mit einem Sicherungsetikett beklebt waren, lösten sie schließlich den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Die alte Dame packte daraufhin ziemlich zielstrebig die Pralinen aus der Tasche und lachte den Vorfall mit dem Hinweis auf ihre Vergesslichkeit weg.

Je öfter wir uns das Video angucken, desto sicherer sind wir uns, dass das ein knallharter Diebstahlsversuch war. Und wenn doch nicht? Wie hart geht man mit einer knapp Achtzigjährigen ins Gericht, gerade auch unter der Prämisse, dass sie in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt und manchmal auch schon mit einer Betreuerin hier für den Einkauf in den Laden kam?

Wir werden es jetzt dabei belassen, aber zukünftig gezielt an der Kasse darauf achten, dass sie auch wirklich keine Waren von uns mehr in ihrer Tasche, äh, "vergisst". So viel Seitenhieb musste noch mal eben sein.

Das Alter, das Gedächtnis …

Eine ältere Frau kam mit einer Tüte voller Pfandflaschen an die Lagertür und wollte ihr Leergut abgeben. Ich verwies auf den Leergutautomaten und sagte ihr, dass sie die Flaschen dort selber abgeben dürfe.

Die Dame zeigte sich sehr überrascht und freute sich, dass wir jetzt auch so einen Automaten hätten. "Ja", entgegnete ich, "haben wir jetzt ganz neu." – und ergänzte in Gedanken: " … seit gut 13 Jahren."

Es ist eine langjährige Stammkundin. :-|

Danke für Einsatz

Einer meiner Mitarbeiter half einem älteren und etwas hilflosen (immerhin erledigt er seine Einkäufe noch so gut es geht selber) Kunden nach Hause. Vor allem auch, weil dieser seinen Rollator vermisste, den er diesmal jedoch gar nicht erst mitgebracht hatte.

Vom Sohn des Mannes gab es ein spontanes, kleines Dankschreiben: "Wir wollten uns bei Ihnen nochmal recht herzlich bedanken, so einen Einsatz erlebt man nur noch selten. Ihr Chef kann wirklich stolz sein, einen Mitarbeiter wie Sie zu haben. […]"

Bin ich, wirklich. :-)