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Der Schlüssel

Auf der Fensterbank vor dem Leergutautomaten lag ein Schlüsselbund. Lange kann er noch nicht dort gelegen haben, denn bei einem meiner vielen Wege am Automaten vorbei, wäre er mir aufgefallen. Ein Kunde oder eine Kundin konnte ich aber nicht mehr in der Nähe der Leergutannahme ausmachen.

Eine Kollegin erinnerte sich: "Da hatte vor ein paar Minuten eine blonde Frau mit Rucksack Leergut abgegeben, der Schlüssel kann eigentlich nur von ihr sein."

Ich schnappte mir den Schlüssel und suchte den ganzen Laden nach dieser Frau ab. Plötzlich erspähte ich sie an der Kasse stehend. Als ich vorne ankam, ging die Kundin gerade aus der Ladentür und bog nach rechts ab. Ich sprintete los, hüpfte über die Schranke und holte die Frau einige Meter neben der Tür wieder ein. Sie stand neben ihrem Fahrrad, ich schnaufend daneben, aber immerhin war es tatsächlich ihr Schlüsselbund, das sie dankend entgegennahm.

Hätte mich aber gar nicht so zu beeilen brauchen. An dem Schlüsselbund befand sich nämlich auch der Fahrradschlüssel der jungen Dame, so dass sie wohl spätestens eine Minute später ohnehin wieder in den Laden gekommen wäre. :-)

100 Euro, halbe-halbe!

Dieses Erlebnis hatten wir schon Anfang des Jahres. Inzwischen sind zwei weitere Ereignisse eingetreten, die einerseits die Sache per se (fast) unmöglich gemacht hätte, andererseits ist die Antwort auf die offene Frage inzwischen etwas leichter.

Ihr seid gerade komplett verwirrt? Lest selber:

Eine Stammkundin sprach mich an und erklärte, dass ihr bei einer Kartenzahlung genau 100 Euro zu viel abgebucht worden wären. Bei solchen Reklamationen bin ich immer skeptisch, da wir Kartenzahlungen grundsätzlich und ausschließlich mit PIN-Eingabe akzeptieren. Keine Zahlung kann also ohne explizite Bestätigung durch den Kunden erfolgen. (Hat sich inzwischen erledigt, da die ec-Geräte an die neuen Kassen angebunden sind und der Betrag überhaupt nicht mehr manuell übertragen werden muss. Das war das erste der oben erwähnten beiden Ereignisse.)

Die Frau hatte ihren Kassenbon dabei: 5,15€ waren zu bezahlen, aber 105,15 Euro wurden ihr vom Konto abgebucht. Mal kurz ein paar Fakten dazu sammeln:

· Der Betrag muss explizit inklusive PIN-Eingabe quittiert werden. (Ein Punkt für uns.)
· Ein missglückter Zahlendreher könnte für die mittlere Fünf verantwortlich gewesen sein. (Ein Punkt für die Kundin.)
· Die Kundin holt nach allgemeiner Meinung mehrerer Kollegen nie Bargeld. (Ein weiterer Punkt für die Kundin.)
· An dem Tag hatte die betroffene Kassiererin keine nennenswerte Kassendifferenz. (Ein Punkt für uns.)

Damit steht es genau plusminus Null. Und nun? Im Zweifel für den Angeklagten? Nee, irgendwie nicht. Ich wollte ihr nicht einfach 100 Euro schenken. Aber sie andererseits auch nicht eventuell um ihre Kohle bringen. Wir einigten uns darauf, dass ich ihr 50 Euro gebe und wir es dabei belassen. Ich hatte aber dennoch ein schlechtes Gefühl dabei – allerdings nicht, weil ich meine eigene Ehrlichkeit anzweifelte, sondern die der Kundin.

Einige Zeit später passierte dann das hier.

Jetzt könnte man argumentieren, dass sich die beiden nur wiederholen wollten, was ihnen (tatsächlich oder auch nur ihrer Meinung nach) zustand. Mich bekräftigt das eher in meiner Meinung, dass ich denen schon die 50 Euro nicht hätte geben sollen, denn inzwischen würde ich unterschreiben, dass sie mit der anfangs erwähnten "Reklamation" versucht haben, sich (parallel zu dem beim 5,15€-Bezahlvorgang ausgezahlten Geld) weitere 100 Euro zu ergaunern.

Naja, der Drops ist ja nun ohnehin längst gelutscht …

Veganen Wein für den Sohn

Eine Kundin mittleren Alters bat um eine Weinberatung. Ich ging hin und erkundigte mich zunächst natürlich erst mal, was die Frau denn generell suchen würde.

"Ich brauche einen veganen Wein." [Wein? Vegan?]

"Veganen Wein haben wir in etlichen Sorten. Aber was für einen Wein möchten Sie denn haben? Rot, Weiß, Rosé? Trocken oder lieblich, mild oder doch eher kräftig?"

"Keine Ahnung, der ist für meinen Sohn."

"Aber vegan?"

"Genau."

"Keine Ahnung, welche Farbe? Oder ob der süß sein soll?

"Nein, überhaupt nicht."

"Wie alt ist denn Ihr Sohn?"

"Einundzwanzig."

"Dann empfehle ich auf jeden Fall einen milderen Wein ohne viel Gerbsäure, vielleicht sogar eher lieblich."

"Meinen Sie?"

"Ich kenne Ihren Sohn noch weniger als Sie. Und wenn Sie schon nicht wissen, was er mag, woher soll ich das wissen? Ich kann Ihnen hier einen Wein empfehlen, aber nicht hellsehen."

Anmerkung: Wir haben 23 Weine vom Weingut Stefan Kuntz (Das darf an dieser Stelle einfach mal gesagt werden) fest im Sortiment. Da ist von rot bis weiß, von mild bis kräftig und von lieblich bis trocken so ziemlich alles dabei. Sämtliche Kuntz-Weine sind übrigens vegan, aus ökologischer Erzeugung zudem.

"Ist das alles, was Sie haben?"

"Wir haben bestimmt noch mehr vegane Sorten, aber da müsste ich einzeln nachsehen. Bei diesem Sortiment weiß ich, dass die alle vegan sind."

Ich empfahl ihr einen eher milden, lieblichen Rosé-Wein.

"Hmm … Ich weiß nicht."

"Ich aber auch nicht! Sie wollten Hilfe, aber was soll ich Ihnen empfehlen?"

"Ist das alles, was Sie an veganem Wein haben?"

[Ist die Frage wirklich ernst gemeint?!]

"Es könnte sein, dass wir noch mehr haben. Aber von diesem Anbieter sind sämtliche Sorten vegan und eigentlich ist da für jeden Geschmack auch etwas dabei. Was nützt es Ihnen, wenn ich jetzt noch Sorten von einem anderen Anbieter raussuche?"

Sie nahm dann aber tatsächlich den Dornfelder Rosé. :-)

[Ganz persönliche Anmerkung: Dieser Wein ist einer unserer persönlichen Lieblinge. Wenn ihr den mal irgendwo kaufen könnt (oder online bestellen wollt), nehmt mal eine Flasche mit. Der kostet nicht viel und ist ein unkomplizierter Genuss beim gemütlichen Zusammensein.]

Oma Anna: r.i.p.

Vor ein paar Tagen bin ich eher zufällig über diesen alten Beitrag mit dem fiktiven Tagebuch unserer damals schon sehr alten Kundin "Oma Anna" gestolpert.

Inzwischen ist die Frau, die es immerhin bis weit in die 90er geschafft hatte, schon seit ein paar Jahren gar nicht mehr unter uns. Eines Tages kam sie nicht mehr, aber das fällt einem bei einer Verkäufer-Kunde-Beziehung ja meistens nur am Rande oder Zufällig mal bei besonderen Kunden auf. Eine Betreuerin von ihr, die danach immer noch privat in den Laden kam, hat uns irgendwann mal die traurige Wahrheit erzählt.

War 'ne knuffige alte Dame.

Frage nach dem Schlemmerblock

Eine Kundin stand an der Kasse und hat von sich aus nach dem Schlemmerblock gefragt. Haben wir aber nicht.

Wir hatten sie aber mal und es war der reinste Ladenhüter. Außerdem war mir das zu heiß, denn so ein Block ist relativ teuer und dabei nicht groß. Einmal und nie wieder hatte ich sie.

Was mich nur schon die ganze Zeit wundert: Wann war das? Und warum finde ich darüber beim besten Willen nichts in diesem Blog? Ich bin ganz sicher, dass das schon zu Blog-Zeiten war. Seltsam …

Warum wir KEINE KARTONS reservieren!

Eine Kundin wollte zwei Bananenkartons abholen, die einer meiner Mitarbeiter aus der Spätschicht des Vortages wohl für sie reservieren sollte.

Dieser hatte sogar eine Notiz für die Kollegen aus der Frühschicht im Büro hinterlassen, aber was nützt es, wenn die Kartons noch nicht ausgepackt sind und auch akut der Platz noch nicht da ist, um diese Kartons auszupacken. Wir können die Bananen ja nicht einfach irgendwo hinlegen.

Die Frau wurde etwas säuerlich: "Ich bin jetzt extra hergekommen dafür. Die sollten zurückgelegt werden, das hatte mir der Herr versprochen!"

Das war ein Paradebeispiel, warum wir hier grundsätzlich keine (Bananen-) Kartons reservieren. Weil immer irgendwas schiefgehen kann oder ein Mitarbeiter, der davon nichts wusste, die Dinger dann an jemanden anders herausgibt und die Person, welche die Kartons ursprünglich haben wollte, dann entsprechend verärgert ist.

Wein für 6,49€

Eine sehr alte Stammkundin kam vor einigen Tagen in den Laden und beklagte sich darüber, dass man ihr wohl an der Kasse eine gekaufte (also bezahlte) Flasche Wein nicht mitgegeben hätte und darum würde sie die jetzt gerne mitnehmen.

Da an der Kasse allerdings keine derartige Flasche stehengeblieben war und auf dem Packtisch ebenfalls nicht, vermuteten wir, dass irgendjemand anders diese mitgenommen hatte. Um das genauer herauszufinden, blickten wir in die Videoaufzeichnung, aus der sich allerdings eindeutig ergab, dass die Frau die Flasche in ihren Stoffbeutel gesteckt und auch mit aus dem Laden genommen hatte.

Das sagte ich ihr auch so. Und ergänzte noch mit leicht scherzendem Tonfall die Frage, ob sie die Flasche vielleicht in Gedanken schon ausgepackt und irgendwo zu Hause hingestellt hatte.

"Habe ich nicht!", antworte sie knapp und ergänzte: "Dann kann ich die sechsneunundvierzig ja abschreiben, wenn Sie mir den nicht mitgeben wollen.". Stand auf und ging.

Ein paar Tage vergingen, die Kundin war wieder im Laden. Eine Kollegin sprach sie freundlich an und erkundigte sich, ob die Weinflasche wohl wieder aufgetaucht wäre.

Das war sie tatsächlich! Allerdings nicht in der Wohnung der Frau, sondern im Gebüsch neben der Zufahrt zu ihrem Haus. Leer und mitsamt dem Stoffbeutel in dem die Flasche steckte.
Sie vermutet, dass ihr zwei dubiose Typen, die dort wohl neben dem Grundstück herumlungerten, den Beutel aus dem Rollator gestohlen hatten, während sie das Tor aufschloss.

Kranke Welt. :-(

Lieber woanders als durch Mitarbeiter

Eine Kundin hatte zwei Tüten mit unterschiedlichem Leergut bei sich. Da unser Rücknahmeautomat gerade eine (kurzzeitige) Störung durch eine verklemmte Flasche hatte, wollte ihr ein Kollege die Flaschen händisch abnehmen.

Die Frau weigerte sich lautstark dagegen und drehte sich um mit den Worten, dass sie das Leergut dann lieber woanders abgeben wird.

Muss man nicht verstehen.

Sechs Kisten Wasser

Eine Kundin hatte sechs Kisten Mineralwasser bestellt, die wir aktuell nicht im Sortiment haben: Viva con Agua. Nicht ganz billig, pro Kiste werden im stationären Einzelhandel bis zu 8,99€ (und teilweise über 10 Euro) für 12x0,7l zuzüglich Pfand berechnet. Ich hatte angeboten, sie ihr für glatte 10 Euro inklusive Pfand zu geben, ein echt fairer Kurs.

Am Tag der Lieferung telefonierten wir und von der Kundin kam plötzlich die Ansage, dass sie die Kisten nun doch nicht haben möchte, weil sie ihr "zu teuer" wären. Ich regte mich verständlicherweise auf, da ich das Wasser ja nun extra für sie bestellt hatte, und erklärte ihr auch, warum ich verärgert bin. Immerhin wusste sie vorher, wie viel das Wasser kosten würde.

Sie war dann einsichtig und hat die Kisten geholt.
Aber sowas kann ich überhaupt nicht leiden und genau das ist auch der Grund, warum wir solche Dinge normalerweise nur gegen Anzahlung regeln. :-|

Anruferin aus der Nähe

Eine Frau rief an und wollte wissen, ob wir fertige Eiswürfel hätten. Ich bejahte.

Sie bedankte sich, gelobte, später welche zu kaufen und legte auf.

Gut eine Minute späte hörte ich an der Lagertür ein vorsichtiges "Hallo?". Ich ging hin und eine junge Frau stand dort, die mir berichtete, dass sie gerade angerufen hätte wegen der Eiswürfel.

Stand sie denn beim Anruf direkt vor dem Laden? :-D

Nicht sehen und nicht gesehen werden?

Ines und ich standen an der Straßenecke, da wir gerade etwas in der Kantstraße nachsehen wollten. Plötzlich sahen wir sie die Gastfeldstraße in unsere Richtung entlanglaufen.

Kurz bevor die Frau auf unserer Höhe war, hielt sie sich plötzlich ihre linke Hand wie eine Scheuklappe neben das linke Auge, nach knapp drei Metern nahm sie die Hand wieder runter. Wollte sie uns nicht sehen? Wollte sie von uns nicht gesehen werden? Waren wir überhaupt der Grund für diese Geste?

Schulterzuckend guckten wir beide uns an und beobachteten aus der Entfernung, wie sie bei uns im Laden verschwand.

Joghurt auf dem Kopf

Eine Kundin hatte für ihren Einkauf keinen roten Korb benutzt und da man ja immer mehr kauft, als geplant, gingen ihr irgendwann die Hände aus. So stellte sie einen Joghurtbecher kurzerhand auf ihren Kopf.

Das ging zwar eine Weile gut, aber eine Kollegin hat ihr dann vorsichtshalber doch einen unserer Einkaufskörbe in die Hand gedrückt. :-)


Suchen? Nicht suchen? Egal!

Eine Kundin suchte ganz offensichtlich etwas. Sie ging durch verschiedene Gänge und zu verschiedenen Regalen, blickte jeweils immer einmal von oben nach unten durch die Fächer und ging weiter in einen anderen Gang. Wir sind hier ja stets aufmerksam und zuvorkommend und so fragte ich sie, ob sie etwas Spezielles suchen würde.

Sie guckte mich an als hätte sie noch nie einen Mann mit Brille und roter Weste gesehen und schüttelte den Kopf, während sie sich wieder umdrehte und weitersuchte.

Dann eben nicht… :-)

Nichts gesucht und nichts gefunden!

Eine ältere Kundin ging ohne Ware an der Kasse vorbei. Meiner Mitarbeiterin sagte sie gleich erklärend: "Ich habe nichts gefunden."

Da wir ja immer helfen und uns auch die Chance auf möglichen Umsatz nicht entgehen lassen wollen, fragte meine Kassiererin sie: "Was haben Sie denn gesucht?"

Die Kundin erwiderte: "Nichts Bestimmtes."