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Reichlich Leergut in Säcken

"Wie kommt man zu solchen Leergutmassen?", fragte ich den Mann, der diese (zweckentfremdeten) gelben Säcke zu uns in den Laden geschleppt hatte.

"Gesammelte Werke aus unserem Probenraum", antwortete er.

Ich atmete tief ein, blähte die Backen auf und ließ die Luft geräuschvoll durch die zusammengepressten Lippen entweichen. "Viel Spaß dabei", wünschte ich ihm. Es dauerte eine Weile, bis er das alles im Automaten hatte. Selbst bei unserer schnellen Maschine …

(Bilder-Fundstück aus dem letzten Jahr. Da war der Boden noch ungestrichen.)


Zwei Gazi-Produkte

Meine Kassiererin rief mich an und teilte mir mir, dass zwei Produkte nicht scanbar wären und sie deshalb bitte mal einen Preis bräuchte, um die Artikel manuell zu erfassen.

Mir kam die Sache in dem Moment schon komisch vor. Wir hatten zwar mal ein paar Produkte von Gazi, aber das ist schon recht lange her. Dennoch suchte ich das Kühlregal ab, konnte aber keines dieser Produkte finden. Im Kassensystem waren sie ebenfalls nicht drin (logisch, sonst wäre das Problem an der Kasse ja gar nicht erst aufgetaucht) und wir können die beiden Artikel auch nicht bei einem der Lieferanten bestellen, mit denen wir aktuell und regelmäßig zusammenarbeiten.

"Die sind nicht von uns, die Sachen haben Sie bestimmt woanders gekauft", mutmaßte ich und sagte das der Kundin auch so. Aber die Frau bestand darauf, die Artikel bei uns aus dem Regal genommen zu haben. Da wir keinen Preis hatten, winkte sie ab und ließ die Butter und den Joghurt zurück.

Mich übrigens auch, nämlich mit ausgesprochen irritiertem Gesichtsausdruck.

Es gab eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

1. Die Frau hatte die Sachen wirklich in ihrer Tasche mitgebracht und das irgendwie vergessen und die beiden Produkte dann mit der bei uns gekauften Ware auf das Förderband gestellt.

2. Ein anderer Kunde hatte diese beiden Produkte woanders gekauft, aber dann, zum Beispiel um die Hände frei zu haben, abgestellt und schließlich hier vergessen. Und nun hat diese Kundin zufällig genau diese beiden Artikel kaufen wollen.

Möglichkeit zwei klingt für mich wesentlich unlogischer, aber die Kundin blieb bei ihrer Aussage, die beiden Sachen nicht woanders gekauft und mitgebracht zu haben und so wollte sie diese in der Folge auch ausdrücklich nicht mitnehmen.

Verkaufen konnten und wollten (spätestens wegen der unklaren Kühlkette) wir die beiden Teile nicht und so sind sie dann im Kühlhaus zur späteren privaten Verwendung durch einen interessierten Kollegen gelandet.

Man muss nicht alles verstehen, was hier so passiert …


Interkulturelles Kundengespräch

Ein Mann aus Gambia suchte Erdnussbutter. Cremig, stückig, haben wir alles und zeigte ich ihm. Währenddessen erzählte er augenzwinkernd, dass die Weißen sich die ja immer nur aufs Brot schmieren würden, sie in Gambia damit aber richtig kochen. Suppe beispielsweise. Dann plauderte er noch aus dem Nähkästchen, er sei seit inzwischen über 30 Jahren in Deutschland, seine beiden Söhne erwachsen und im Berufsleben angekommen.

Ist aber auch schön, mit einem Fremden ungezwungen über sowas reden zu können. In einer Zeit, in der Fragen nach Herkunft und Kultur offensichtlich nicht ursprünglicher Bewohner dieses Landes gleich von solchen, die es sind, aber verleugnen, mit dem Rassismus-Schwert abrasiert werden, tut sowas echt gut. Warum auch nicht? Man kann doch locker mit sowas umgehen. Wir haben einen Türken und einen Italiener im Team. Wenn die beiden zusammen arbeiten, müsste man eigentlich mal jemanden aus der radikalen Ecke der politisch Korrekten neben den beiden an einem unserer Eisenglimmer-Regale anketten. Der- oder diejenige, vermutlich wäre es ja eine PwC (Person without Color), würde sich vor Qualen aus den engsten Fesseln herauswinden. :-)

Springäpfel

… und dann war da noch die ältere Frau, die sich nicht so gut bücken kann und ihre Ware einfach aus Bauchhöhe in den Korb ihres Rollators fallen lässt. Ich hatte zufällig auf den Monitor der Überwachungsanlage geguckt, als mir die hüpfenden Äpfel aufgefallen waren. Nach diesen beiden folgten noch einige mehr und es sah schon wirklich recht kurios aus.

Solange sie sich nicht über die Druckstellen beschwert, ist alles gut. :-)


Joghurt mit drei Tagen MHD

Eine Kundin rief an und erklärte, dass sie "vor ein paar Tagen" mehrere Becher Joghurt bei uns gekauft hat. Nun würde sie die jedoch gerne einige davon zurückgeben, denn inzwischen haben sie nur noch drei Tage MHD und bis dahin könne sie die auf gar keinen Fall alle essen.

Warum wir die Becher nicht zurückgenommen haben, kann sich vermutlich jeder denken. Wir wissen nicht, wie die gelagert wurden, weshalb wir kühlpflichtige Produkte generell nicht zurücknehmen. Von berechtigten Reklamationen natürlich mal abgesehen.

Mein Mitarbeiter erklärte ihr, dass es ja auch nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist und sie die Produkte bei korrekter Lagerung auch noch darüber hinaus sorgenfrei konsumieren kann. "Verlassen Sie sich auf Ihre Sinne", sagte er ihr, "Sehen, riechen, schmecken. Wenn der Joghurt noch gut aussieht, gut riecht und auch gut schmeckt, können sie ihn doch bedenkenlos essen."

Eben.

Unser Kundenservice geht ja weit, aber da ist dann auch bei uns mal Schluss.