Ein Kunde kam an die Kasse, stapelte seine Waren ganz an den Anfang des Förderbandes, sortierte noch kurz seine Sachen und beachtete mich noch nicht weiter. Ich blieb währenddessen stumm sitzen und wartete erstmal ab. Das hat in meinen Augen auch nichts mit Unhöflichkeit zu tun. Natürlich wird jeder Kunde freundlich und möglichst mit der Tageszeit gegrüßt – aber solange ich das Gefühl habe, dass der Gruß sowieso nur unbeachtet "durchrutscht", sage ich eben noch nichts und beobachte nur.
Der Mann machte einen großen Schritt in meine Richtung und mit einem in meinen Ohren schon fast belehrend klingenden Tonfall sagte er: "Guuuten Morrrgen! So viel Zeit muss sein!"
Freundlich erwiederte ich den Gruß, ersparte mir danach aber jegliche mögliche Erklärung darüber, dass ich ihn selbstverständlich nicht einfach nur wortlos und ungegrüßt abkassiert hätte. Meine Vermutung war, dass er das sowieso nicht geglaubt und nur als Ausrede hingenommen hätte. Stattdessen versuchte ich es mit etwas Smalltalk und einer umso freundlicheren Verabschiedung, vor allem auch, um nicht einen unfreundlichen Eindruck bei ihm zurückzulassen.
Mittlerweile ist das große Kühlregal wieder komplett mit Ware bestückt. Ein paar Lücken haben wir noch, da wir die Bestellung der heute eingeräumten Waren bereits am Mittwoch machen mussten und wir auch bei aller Erfahrung immer wieder an den hellseherischen Fähigkeiten scheitern.
Ein rotes Sonderpreisetikett klebt auf einem Karton voller halbgebackener Mohnbrötchen. Das ist nicht weiter spektakulär, ich gehe davon aus, dass irgendjemand den Auszeichner, die wir im selben Raum lagern, ausprobiert und das Etikett einfach auf den nächstbesten Pappkarton geklebt hat. Das ist überhaupt nicht weiter spannend.
Interessant fand ich dagegen, was so ein kleiner Aufkleber prompt für eine Reaktion auslöst. Mein erster Blick glitt auf das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum. "Wieso läuft sowas ab?", dachte ich mir noch. Erst danach fiel mir ein, dass ich mir den Gedanken auch hätte sparen können. Das Datum war hervorragend und selbst wenn nicht: Die Brötchen verkaufen wir nie auf diese Weise und das hätte (gerade) mir auch sofort auffallen können. Aber leuchtend rote Etiketten mit dem Aufdruck "SONDERPREIS" haben wohl doch ihre ganz eigene magische Wirkung.
Eine Blogleserin, die aus unterschiedlichen Gründen anonym bleiben möchte, hat mich vor einer Weile angeschrieben:
Ich lese immer regelmaessig, dass du doch sehr viel Interesse an der Problematik der Lebensmittelverschwendung zeigst, ich oute mich jetzt einfach mal als Freeganer.
Mach ich eigentlich schon ueber 15 Jahre, und was ich da im Laufe der Zeit gesehen habe ist schon ziemlich heftig.
Allerdings gehe ich nicht Nachts mit meinem Waegelchen los, sondern einmal in der Woche zu meinem Vollsortimenter hier an die Rampe (Agreement mit der Marktleitung) um das zu rettenm was weggeworfen wird (zumindest einen Teil davon).
Hauptanliegen:
Obst und Gemuese fuer die Tiere.
Und jetzt kommt das was nicht weitererzaehlt werden darf: Da fällt soviel an, das wir (4 Personen) und die Tiere locker damit eine Woche bis zur nächsten Rampenfahrt auskommen.
Warum ich dir das schreibe?
Ich habe das angefallene, für den Müll bestimmte Warenangebot dokumentiert und jede Woche ein Bild davon gemacht – über das ganze letzte Jahr.
Vielleicht macht eine solche Bilderstrecke auch die Menschen ein wenig sensibel.
Sie hat eigens für diese Bilder bei twoday.net ein Blog eingerichtet, in dem sich nur ein einziger Beitrag befindet, in dem alle 48 Bilder (jede Woche ein Foto!) zu finden sind. Wer also mit einem kurzen Link auf diese Bilderstrecke hinweisen möchte, kann das auf diese Weise problemlos tun.
Ansonsten: Vielen Dank für die Fotos. Hier das Bild aus der ersten Woche, die restlichen Fotos sehr ihr, wenn ihr auf den Link unter dem Bild klickt.
Und das ist jeweils nur die Menge, die $blogleserin mitgenommen hat! In Wirklichkeit ist ein Vielfaches davon im Müll gelandet.
Im Markt in Findorff haben sich mehrere Mütter beschwert, weil dort ihren Kindern Energydrinks verkauft worden sind. Enstscheidung der Marktleitung: Rote Bullen und ähnliche Produkte gibt es dort nur noch ab 14 Jahren.
Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll… Natürlich sind das keine Getränke, die Kinder literweise konsumieren sollten – andererseits gibt es keine Verkaufsbeschränkungen für solche Produkte und so gesehen könnten meiner persönlichen Meinung nach auch Grundschüler, je nach Taschengeldvorrat, diese Getränke so oft kaufen, wie sie wollen. Der darin enthaltene Zucker ist vermutlich deutlich ungesünder als das zugesetzte Koffein, das z.B. auch beides in ordinärer Cola enthalten ist und bei der keiner auf die Idee käme, sie an Kinder nicht zu veräußern.
Hier ein aktuelles Foto des vor einigen Wochen schon erwähnten Socken-Regalmeters. Es ist ziemlich leer (was auf Fotos erstaunlicherweise immer anders wirkt) und nun wird etwas passieren. Vom Hersteller habe ich nie wieder etwas gehört und das nehme ich jetzt als Schlag mit dem Lattenzaun, dort mal eine Sortimentsveränderung zu veranlassen.
Noch ein Hinweis, der auch aus meinem Laden stammen könnte. Aber tröstet euch: Selbst ich mache manchmal hier bei mir im eigenen Laden die Türen auf, und gucke mir die Ware an. Keine Ahnung, warum das dann besser geht.
Oh, ein Foto vom gereinigten und noch nicht wieder eingeräumten Kühlregal hatte ich euch gestern völlig vorenthalten. Wir haben die Gelegenheit genutzt und jedes Einzelteil komplett von allen Seiten gesäubert. Das Ergebnis war ein strahlend sauberes Regal. Dieser latente Grauschimmer auf den Rückwänden hat insgesamt nämlich einiges an Licht geschluckt.
Jetzt sieht's aus wie frisch aus der Waschmittelwerbung.
Martin hat mir dieses Foto geschickt. Dazu schrieb er:
Hallo Björn,
ein SPAR-Markt mit angeschlossener Cafeteria! Wäre das nicht auch eine Idee für Dein Geschäft? Erst shoppen dann schlemmen! Gesehen im Urlaub auf Corralejo (Fuerteventura/Kanarische Inseln).
Jawoll! Natürlich habe ich den Hochdruckreiniger eingesetzt, was dachtet ihr denn? Und natürlich wusste ich, was ich hier tue. Aber selbst wenn ich meinen Laden damit unter Wasser gesetzt hätte, wäre es immer noch meine Entscheidung gewesen.
Im Großen und Ganzen ist aber nicht viel passiert. Der Fußboden unmittelbar vor dem Kühlregal war natürlich nass, aber dagegen hatte ich die Wischmaschine schon rechtzeitig bereitgestellt. Ansonsten blieb das versprühte Wasser wie erwartet innerhalb des Möbels.
Ja, die Thermoweste trägt etwas auf.
Natürlich hatte ich nicht wahllos Wasser mit dem vollen 120-Bar-Strahl durch die Gegend gesprüht. Mit dem Fächerstrahl bearbeitete ich vor allem die mit Staub zugesetzten Löcher in der Rückwand. Der meiste Dreck wurde nach hinten weggespült und lief unsichtbar in den Ablauf der Bodenwanne. Aber selbst auf diesem Foto erkennt man schon sehr deutlich, wie schwarz es da rausspült:
Nochmal: Wir wollen primär die gelochten Rückwände des großen Kühlregals hier im Laden reinigen. Dazu haben wir mittlerweile sämtliche Fachböden herausgenommen (*) und auch die Bodenwanne geöffnet.
Nur die Konsolen, die Arme, auf denen die Fachböden ruhen, haben wir an Ort und Stelle gelassen. Man muss sich die Arbeit des Zusammenbaus hinterher ja nun nicht schwerer machen als unbedingt nötig.
Alles fertig? Dann kann ich ja loslegen!
(*) und ordentlich und zum leichteren wiedereinbau in der richtigen Reihenfolge am Keksregal aufgestellt:
Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Heute ist der "große Tag", an dem wir unser 12 Meter langes Kühlregal grundreinigen werden. Dazu werden wir das komplette Regal leerräumen und deshalb hat meine für die Abteilung verantwortliche Kollegin in den letzten Tagen die Bestände erheblich heruntergefahren. Ein sehr trostloser Anblick.
Wenn man sich diese Fotos ansieht, wirkt das Regal allerdings gar nicht so leer. Das täuscht aber, da die wenigen Reste alle ordentlich vorgezogen sind. Hinter der Ware ist schon fast alles leer:
Ich will noch nicht versprechen, dass es kontinuierlich Fotos geben wird. Vermutlich eher später am Tag als geballte Ladung. Jetzt geht's erstmal ans Zeitunsregal und dann schnappe ich mir den Hochdruckreiniger, mit dem ich wohl die nächsten Stunden beschäftigt sein werde… Hoffentlich setze ich dabei nicht meinen kompletten Laden unter Wasser…