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Flirt bei der Alterskontrolle

Sebastian ist folgendes passiert:
Hallo Björn,

dank der verschärften Gesetze werde ich mit meinen 29 Jahren nun doch immer häufiger mal nach meinem Ausweis gefragt, wenn Zigaretten mit auf dem Band liegen.
Ich habe mir angewöhnt das als nettes Kompliment zu sehen und mir einen Spaß daraus zu machen. Die tun ja auch nur Ihren Job und das was Cheffe sagt.

Die sehr junge nette Dame hier im Markt fragte gestern wieder: "Darf ich DEINEN Ausweis bitte ein mal sehen?" – "Oh, sehr gerne. Aber ich stehe nicht im Telefonbuch." Mit der Antwort, "Ich habe gleich Feierabend und mag Kaffee", habe ich natürlich nicht gerechnet.

Meine Frage an Dich ist: Gibt es bei Dir im Laden auch ähnlich nette Episoden abseits der üblichen Empörung? Wie reagieren Deine Kunden?
Tatsächlich ein netter Flirt. :-)

Lustige Anekdoten fallen mir dazu konkret nicht ein. Aber eine mit aller Regelmäßigkeit immer wiederkehrende Kuriosität kann ich nennen:

Selbstbewusst stellen 13-15jährige Mädchen harten Alkohol und Zigaretten auf das Förderband. Mit entsprechendem Outfit und passend geschminkt würden sie oftmals problemlos für zehn Jahre älter gehalten werden. Man neigt auch als erfahrene Kassenkraft leicht dazu, reinzufallen und auf die Ausweiskontrolle zu verzichten.

Ich gebe übrigens zu: Bei jungen Müttern, auch wenn ich sie für definitiv unter 18 Jahren halten würde, kontrolliere ich übrigens nie den Ausweis. Auch wenn sie per Gesetz keinen Alkohol kaufen dürfen – wer die Verantwortung für einen jungen Menschen haben darf, sollte auch die Entscheidungen bzgl. Alkohol- und Tabakkonsum selber treffen können.

Fragen zur Selbstständigkeit

Marcel hat ein paar Fragen zur Selbstständigkeit:
Hallo Björn.
Ich bin Einzelhändler mit Leib und Seele und lese täglich mehrmals deinen Blog. Du bist für mich irgendwie wie ein "guter Bekannter" und ich erzähle sehr oft bei Freunden: "Bei Björn war wieder dies oder das."

Ähnlich wie du habe ich meine Ausbildung zum Kaufmann gemacht, bin dann zu Lidl gewechselt und bin dort stellvertr. Marktleiter.
Ich und ein sehr guter Freund von mir, ebenfalls EHK, spielen mit dem Gedanken der Selbstständigkeit. Ich weiß, deine Zeit ist knapp, aber wäre es möglich mir ein paar Fragen / Tipps zu geben wie ich den Sprung wagen kann?
Ein genaues Konzept muss her und auch eine Bank die da dann mitspielt. Wie lief es bei dir? Kam ein konzept von Spar oder alles von dir? Bist du zur Bank und hast gesagt das in der Gastfeldstraße ein Laden leersteht und du einen eröffnen willst? Kann ich mir so nicht vorstellen. Auch wenn ich auf die Antwort deiner Mail vielleicht länger warten muss hoffe ich das du mir ein paar Tipps/Stationen nennen kannst die ich beachten sollte/muss.
Ein schöner wie mutiger Schritt, den du/ihr da plan(s)t.

Vor allem: Es reicht nicht, von 8-20 Uhr einen Laden zu öffnen. Eure effektiven Arbeitszeiten werden (gerade in den ersten Jahren) deutlich ausgedehnter sein. Freizeit? Urlaub? Gestrichen. Mit etwas Glück wird der Laden schnell ein Selbstläufer, mit Pech werdet ihr mehrere hunderttausend Euro Schulden haben und euch Tag für Tag neu überlegen müssen, wie ihr Kosten zu Gewinn anpassen könnt.

Wendet euch z.B. an die REWE. Dort werdet ihr erfahren, wie es weitergehen kann und dort gibt es Fachleute für alle Bereiche: Standortsuche, betriebswirtschaftliche Beratung, Bau und Einrichtung, Sortiment etc.
Konkretere Tipps kann ich an dieser Stelle nicht geben. Dazu spielen zu viele Faktoren bei einem solchen Projekt eine Rolle.

Gesunde Zigaretten

Ich saß eben selber an der Kasse, als eine Kundin eine bestimmte Zigarettenmarke suchte:
Habt ihr gar keine West Lights?"
Doch, klar – und zeigt ihr auf dem Bedienfeld des Automaten die Tasten mit den Abbildungen der silbergrauen West-Packungen. Dazu erklärte ich:
"Da steht nur nicht mehr light drauf. Die EU hat's verboten, da Kunden ja annehmen könnten, dass diese Zigaretten deswegen gesünder als die anderen sind."
Das verständnislose Kopfschütteln über solchen Unsinn konnte ich nur bestätigen.

Erinnert mich gerade an den Eintrag in Uli Steins Notizbuch vom 6. Mai 2010. Das Lachen bleibt einem im Hals stecken.

Bäumchen vor dem Laden

Was lange währt...

Wenn ich daran denke, dass es Leute gab, die gesagt haben, dass ich dagegen vorgesehen soll, dass hier Bäume gepflanzt werden. Das Laub würde Dreck machen und der Baum würde irgendwann die Leuchtwerbung verdecken und so weiter. Kopfschüttelnd...


Altpapierpreise

Post vom Entsorgungsunternehmen, das hier regelmäßig mein Altpapier abholt. Bislang war der Deal, dass mich die Abholung nichts kostet, aber ich auch nichts für das Material bekomme. In dem Schreiben heißt es:
"...der Aufwärtstrend auf dem Altpapiermarkt hat sich weiter fortgesetzt. Dementsprechend können wir Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass wir Ihr Altpapier mit netto 25 Euro pro Tonne vergüten werden..."
Keinen Einwand. :-)

LXXIV

Arbeitslose spielen Kaufmannsladen

Immer mehr Deutsche verdrängen ihr Leben auf Pump

"Barmer" will Zusatzbeitrag einführen

Nährwertangaben überfordern die Verbraucher

Sollte Ernährung ein Schulfach werden?

Lebensmittelhygiene: Smileys sollen Verbraucher warnen

Aigner möchte lockererere Vorschriften für Gentechnik-Produkte

Einkommen und Kaufkraft: Kaufkraft der Nettoverdienste

Billige Fette, falsche Aromen: Die Tricks der Eisdealer

Gen-Weizen: Kalkulierte Kontamination

Klauen mit Gipsarm

"Hey, guck dir mal den einen Typen mit dem Gipsarm da vor dem Kaffeeregal an. Der hat mich, als ich ihm eben zufällig über den Weg gelaufen bin, ganz hektisch gefragt, wo er denn sein Leergut abgeben könne. Aber er ist dann gar nicht zum Leergutautomaten, sondern wieder zurück zum Kaffee gegangen."

So durch meinen Mitarbeiter aufgeklärt begab ich mich natürlich sofort an die Videoanlage. Der junge Mann hatte seinen linken Arm zu einem großen Teil in Gips verhüllt und schien ihn nicht annähernd bewegen und benutzen zu können. Es sah zwar unbeholfen aus und dauerte eine Weile, aber er schaffte es dennoch, seinen Rucksack mit etlichen Kaffeepaketen zu füllen.

Mit einer Kollegin wartete ich inzwischen vor der Ladentür. Nach einiger Zeit hörte ich den Alarm der Warensicherungsanlage, den der Kaffee im Rucksack des Diebes auslöste. Mein Kassierer sprang sofort auf und ging hinter dem Mann her, den auf diese Weise am Ausgang ein dreiköpfiges Empfangskomitee erwartete. Ohne jeglichen Protest folgte er uns in den Laden und sieht nun einer (vermutlich wie immer folgenlosen) Anzeige entgegen.

So lange haben Sie jetzt geöffnet..?

Die Schilder mit den neuen Öffnungszeiten hägen seit dem Wochenende deutlich sichtbar an meinen Ladentüren.

Eine Kundin: "Bis 24 Uhr? SO LANGE haben Sie jetzt geöffnet? Wer geht denn da noch einkaufen?"

Als ich ihr daraufhin erklärte, dass das keine Erweiterung, sondern eine immense Einschränkung der bisherigen Öffnungszeiten ist, fiel sie fast aus allen Wolken. :-)

Taschenmessersäbel

Ich sah zufällig auf dem Monitor der Videoüberwachungsanlage, wie ein Mann den Laden durch den Eingang verließ, nachdem eine Zeitlang in der Nähe des Eingangs stand und immer wieder zur Tür schielte.

Irgendwie kam mir die Situation merkwürdig vor und ich spulte die Aufzeichnung zurück. Und tatsächlich: Nur knapp zwei Minuten zuvor hatte er sich eine Flasche hochwertigen Korn in den Rucksack gesteckt.
Sofort sprintete ich mit einem meiner Mitarbeiter los. Auf dem Gehweg in unmittelbarer Nähe des Ladens stellten wir den Dieb und komplimentierten ihn hier ins Lager.

Dort stellte sich dann auch heraus, warum die Augenblicke zuvor die Warensicherungsanlage am Eingang keinen Alarm ausgelöst hat. Der angetrunkene Mann hatte den "Zippel", das Warensicherungsetikett mit Edelstahlsband, mit brachialer Gewalt mit seinem kleinen Taschenmesser durchtrennt. Das geht nicht einfach, ehrlich nicht. Der Typ muss einen unglaublichen Willen gehabt haben, die Flasche zu entwenden.

Trotzdem ärgerlich: Während wir auf die Polizei warteten, hat der Ladendieb plötzlich einfach die Flasche genommen, geöffnet und einige Schlucke daraus getrunken. Nun war's doch ein Totalverlust. :-(


Memo: Beim nächsten Ladendieb ungeöffnete Flaschen unbedingt in sichere Entfernung stellen.

Interview

Nach langer Zeit habe ich gerade mal wieder ein Radio-Interview gegeben. Das Gespräch war sehr nett und entspannt und ich bin schon auf das Ergebnis gespannt. :-)

Es ging übrigens ausnahmsweise mal nur um das Blog und nicht den Laden als solchen.

LXXIII

Preisvergleiche schonen die Geldbörse! (Österreich)

Ebay: Paypal-Zwang ist rechtens

Umtauschmentalität wird immer dreister

Dokumentation zum Thema "Gesunde Ernährung" bei YouTube: "Jamie Oliver's Food Revolution"

Die KiK-Story

EU-Parlament gegen Klonfleisch

Vorwürfe gegen Metro: In Indien 85 Cent Lohn pro Tag

Gentechnik: Der Verbraucher wird getäuscht

Wenn holländische Erdbeeren deutsch werden

Europaparlament bremst Zulassung von „Klebefleisch“

Wie Björn zu seinem SPAR-Markt kam – Die Antworten 16-21 zu den Fragen

Was kostet der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer, und wie hast Du den finanziert?
Der Sprung kostet unheimlich viele Nerven und vor allem den Mut, aus einem sicheren Angestelltenverhältnis in ein riesiges schwarzes Loch unbekannter Tiefe zu springen.
Es mag nicht jedem so gehen, aber die Aussicht darauf, ohne Vorgesetzte arbeiten zu können, hat mir mächtig viel Kraft gegeben.
Wie hoch war Dein Eigenkapital, und wieviel mußtest Du insgesamt (fremd und eigen) finanzieren?
Eigenkaptial war nicht vorhanden. Wie denn auch mit gerade mal 26 Jahren? Der gesamte Laden wurde duch die Bank finanziert, die als Sicherheit natürlich alles haben wollte, was hier drin steht.
Wie kamst Du überhaupt darauf, diesen Sprung zu machen - war es der Frust als Angestellter oder die Herausforderung des Unternehmertums? ("push" oder "pull"?)
Es war eine Mischung aus dem sowieso vorhandenen langjährigen Wunsch, mich selbstständig zu machen und dem Frust bei meinem alten Arbeitgeber. Die letzten zwei Jahre vor meiner Selbstständigkeit habe ich bei Plus als Marktleiter gearbeitet und hatte irgendwann keine Lust mehr auf das konsequente Gängeln von oben.
Die Übergangsphase, vom Angestelltendasein über die Kündigung bis zum ersten Öffnungstag - Pulsfrequenz? Blutdruck? Anspannung? Schlafrhythmus? (Gab es Schlaf in dieser Phase?)
Die Phase war nur kurz. Am 1. Mai konnten wir hier rein und an dem Tag haben auch gleich schon die Handwerker losgelegt. Ich hatte meinen alten Job zum 30. Mai gekündigt und noch zwei Wochen Urlaub gehabt, so dass ich erst ab Mitte Mai hier in meinem neuen Laden richtig zur Verfügung stand. Davor habe ich jeweils abends nach meinem Feierabend beim alten Arbeitgeber hier noch ein paar Stunden gearbeitet. Ab dem Moment, in dem ich nicht mehr täglich in die Discounter-Filiale musste, habe ich hier täglich von morgen bis spät abends gearbeitet, geplant und die Arbeiten der Handwerker (soweit möglich) überwacht und gesteuert.
Privatleben - vorher halbwegs geregelte Arbeitszeiten, seitdem Freiwild der Kunden und des Unternehmens - wie hast Du das erlebt und verarbeitet?
Ich habe das gut verarbeiten können. Kaum Schlaf, schmerzende Füße, Stress – aber die Gewissheit, zukünftig mein eigener Herr zu sein. Das hat mir viel Kraft gegeben.
Wieso überhaupt selbständig? Reichtum? Ruhm? Ziele?
Definitiv die Ziele und den Wunsch, eigene Ideen verwirklichen zu können, ohne ständig unter dem Druck von oben Leiden zu müssen.
Muss ein sonderbares Gefühl sein der erste Tag als eigener Chef, wenn die Kunden kommen und bei einem einkaufen und das Geld in die eigene Kasse fließt und man plötzlich für ein paar Angestellte verantwortlich ist.
Es war ein sonderbares Gefühl, ja. Aber auch ein unwahrscheinlich gutes, das jetzt noch kaum zu beschreiben ist. Ich glaube, das können nur diejenigen nachvollziehen, die den Schritt irgendwann mal selber gewagt haben. Vielleicht mag ja der eine oder anderen in den Kommentaren versuchen, den Zustand zu beschreiben. :-)

Frage zu Beschwerden

Wolfram hat eine Frage:
Hallo Björn,

wenn sich früher Kunden über die Spar-Zentrale über Dich/Deinen Laden beschwert hatten - war das schlimmer, als wenn Sie sich direkt an Dich gewandt hatten? Sprich: Hatte die Spar bei Dauerbeschwerden Sanktionsmöglichkeiten?

Interssiert mich schon länger, da Du ja selbsständig bist.
Ich kann diese Frage (leider) nur für mich selber, bzw. meinen Markt beantworten. In all den Jahren hat sich eine einzige Kundin bei der Zentrale und nicht direkt hier vor Ort beschwert. Darüber wurde ich natürlich in Kenntnis gesetzt, aber Konsequenzen hatte dies keine. Wie und warum auch? Die SPAR (oder heute "E") ist grob betrachtet "nur" mein Lieferant und nicht mein Vorgesetzter.

Es gibt sicherlich auch andere Fälle. Genug selbstständige Einzelhändler stehen bei ihrem Lieferanten mit mehr als nur der aktuellen Lieferung in der Kreide und wenn sich die Beschwerden häufen und deshalb möglicherweise die Gefahr besteht (oder diese zumindest angenommen wird), dass der Ruf der gesamten Kette geschädigt wird, sind sicherlich entsprechende Sanktionen möglich.

Darüber kann ich aber nur spekulieren und bin froh, dass ich mich mit dieser Thematik noch nie auseinandersetzen musste.

Blubb!

In diesem Beitrag ist nicht vom Verona-Spinat die Rede. Die sämige, weiße Masse in dem Eimer war auch nicht die Sahne für eben jenes Tiefkühlgemüse.

Trotzdem machte es "Blubb!".


Dummerweise war das auch gleichzeitig der Moment, in dem sich einer meiner Mitarbeiter herunterbeugte und sein iPhone ihm aus der Brusttasche ausgerechnet in den vollen Eimer mit weißer Wandfarbe fiel. Nun hoffen wir jedenfalls beide, dass die "Handyklinik" das Ding wieder hinbekommt. :-|