Man muss nicht gleich mit der Verbraucherzentrale drohen und und unfreundlich zu "belehren", dass ein Bon bei einer Reklamation eben nicht vorzuliegen braucht – nur weil man bei einer solchen mal freundlich nach dem Kassenbon gefragt wird.
Manchmal möchte der Verkäufer für die Erstattung nämlich auch einfach nur wissen, wie teuer der Artikel war – ohne durch den halben Laden laufen zu müssen.
Ein relativ neuer Mitarbeiter rief mich an die Kasse. Er hätte ein kleines Problem mit einem Storno und käme gerade selber nicht weiter.
Mit einem Storno?
Aber der Reihe nach:
Eine Kundin wollte drei Orangen kaufen. Mein Kassierer buchte aber versehentlich drei Grapefruits. Das wäre ja kein großes Problem gewesen, wenn er einfach die drei Grapefruits wieder storniert hätte. Hat er aber nicht, sondern nur eine. Und weitere zwei draufgebucht.
Dann hat er erstmal die drei Orangen gebucht und schließlich einen weiteren Versuch gestartet, die Grapefruits zu stornieren. Eine raus, zwei rein. Und da stand er dann und rief um Hilfe.
Insgesamt war der Kassenbon relativ lang und chaotisch geworden und es dauerte etwas, sich da zurechtzufinden. Schließlich stornierte ich fünf Grapefruits und gut war wieder alles.
Hinterher mussten wir alle lachen, inklusive der hinter der Orangen-Kundin wartenden Kunden, die natürlich die ganze Sache mitbekommen hatten: Grapefruits und Orangen haben derzeit den gleichen Preis. Theoretisch hätte mein Mitarbeiter sich die ganze Storniererei sparen können.
(Aber auch nur theoretisch, da er natürlich nicht alle Gemüsepreise auswendig weiß und das mit dem gleichen Preis natürlich nicht wissen konnte.)
Von einer Kollegin erfuhr ich, dass sich ein Kunde über einen anderen Kunden beschwert hätte. Dieser würde im Laden herumpöbeln.
Ich beobachtete den Pöbler unauffällig über die Videoanlage. Er benahm sich nicht weiter auffällig, suchte sich ein paar Artikel zusammen, ging zur Kasse und bezahlte. Es wirkte nicht so, als wenn er irgendjemanden angepöbelt hätte.
Etwas später sprach mich einer meiner Kassierer an und sagte mir, dass wir einem bestimmten Kunden Hausverbot erteilen sollten. Wir meinten die selbe Person und ich entgegnete ihm, dass der eigentlich ganz friedlich war. Zumindest so weit ich das beobachten konnte.
Hätte ich früher gewusst, dass er einen aus Kamerun stammenden Mitarbeiter von mir als "Drecksneger an der Kasse" bezeichnet hat, wäre er definitiv rausgeflogen.
Ein Kunde stelle mir ein größeres Paket an die Lagertür, das mit mehreren ineinandergeschachtelten Plastiktüten umhüllt war.
Ohne weitere Erklärungen fing er an, den Inhalt der Tüten zu beschreiben. Da er ohne Umschweife zur Sache kam und direkt losplapperte, bekam ich nur halbwegs mit, was er da beschrieb. Irgendwas mit HP-Drucker, drei Monate alt, mit Faxfunktion und Treiber-CD. Ich sah ihn fragend an:
Und?
20 Euro.
Wie, 20 Euro?
Naja, für 20 Euro geben wir den her. Der gehört einem Bekannten von mir und der braucht dringend Geld.
Aber ich brauche das Ding nicht.
Der Preis ist gut.
Ich zuckte mit den Schultern.
Der ist gerade drei Monate alt. Da sind 20 Euro echt geschenkt. Da ist alles dabei, auch die Kabel und so.
Aber ich brauche keinen Drucker. Wir sind hier in der Firma bestens ausgestattet.
Und das Fax?
Haben wir auch. Ich brauche den kleinen Drucker wirklich nicht...
...und verwies auf ein Warenhaus hier in der Gegend, das sich auf gebrauchte Ware spezialisiert hat. Auf was für Ideen die Leute nur immer kommen...
Vorhin habe ich eine junge Frau erwischt, die ein paar Lebensmittel stehlen wollte. Ich habe nur zufällig auf dem Monitor der Videoüberwachungsanlage gesehen, wie sie den Laden betreten hat – und irgendwas löste dieses komische Kribbeln in mir aus: Die klaut! Ich sollte leider Recht behalten.
Sie war ein paar Jahre jünger als ich, wirkte im Gegensatz zu den meisten Ladendieben überhaupt nicht heruntergekommen, sah sogar ziemlich hübsch aus. Studentin vielleicht – und die paar Dinge, die sie eingesteckt hatte, hätte sie sogar problemlos mit den anderen Artikeln, die sie tatsächlich auf die Kasse legte, mitbezahlen können.
Ich vermute, dass sie nicht viel Erfahrung mit der Materie hatte, denn nachdem ich erklärte, dass ich sie anzeigen werde, erkundigte sie sich schüchtern, was ihr nun passieren wird. Meine Antwort war ehrlich: "Nicht viel."
Ein bisschen peinlich war's ja schon: Nachdem ich der Kundin einen Artikel gezeigt hatte, drehte ich mich um und sie rief mir freudestrahlend hinterher: "Klasse!"
Ich drehte mich wieder zu ihr, wollte noch etwas Nettes sagen. Sowas wie "Kein Problem" oder "Selbstverständlich" – oder um einfach nochmal freundlich zurückzulächeln. Aber sie beachtete mich gar nicht.
Ihren Sohn mit nordischem Vornamen hatte sie gerufen: "Lasse!"
Eine Palette voller Raketen, Böllern, Partyartikeln und vor allem Batteriefeuerwerk. Letzteres hat in den Jahren unglaublich zugelegt. Mit Raketen und und vor allem mit Böllern macht der Jahreswechsel meiner Meinung auch nicht mehr richtigen Spaß. Das dürfte aber auch eine normale Einstellung sein, wenn man älter wird.
Ein alter Mann blieb vor den Tiefkühlschränken stehen, verblieb so eine Weile und betrachtete völlig verträumt und mit leuchtenden Augen die Weihnachtsdeko.
Irgendwann fasste er sich ein Herz und fragte eine meiner Mitarbeiterinnen, ob er eines der beleuchteten Rentiere käuflich erwerben könne.
Er hat die Enttäuschung zum Glück mit Fassung getragen. Wir können ja nicht die ganze Geschäftsausstattung veräußern.
Ein weiteres gruseliges Zeugnis dafür, wie schnell die Zeit verrinnt: Im Sommer hatte ich intensiv an meinem "SPAR-Buch" gearbeitet, ein kleines Rabattheftchen für meine Kunden. Eigentlich sollten die Hefte auch längst gedruckt sein, aber die Druckerei hat sich nie wieder gemeldet. Inzwischen sind wieder über drei Monaten vergangen und ich bin noch kein Stück weiter.
Bitte überhäuft mich jetzt nicht mit Kontakmöglichkeiten und Angeboten. Druckereien gibt es genug und ich werde mir selber eine raussuchen. Derzeit muss ich die Prioritäten einfach nur anders setzen.
Viele Dinge sind bei mir im Laden vermutlich etwas unkonventionell und vor allem gegen alle Regeln eines "psychologisch korrekt" geplanten Supermarktes platziert.
So gibt es hier z.B. kein "Diät-Regal", sondern die Produkte sind immer jeweils bei den entsprechenden "herkömmlichen" Produkten untergebracht. Viele Dinge stehen an verschiedenen Stellen, teilweise nach Lieferanten sortiert. Die "Walker's"-Chips aus dem Onlineshop stehen z.B. auch im Laden – aber weit ab vom normalen Chipsregal, da es einfach nicht gepasst hätte. Ach, eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben...
Eine Herausforderung ist es immer, wenn Kunden nach Pesto fragen. Pesto findet man bei mir nämlich in insgesamt vier verschiedenen Regalen. Einmal in unserem Regal mit Länderspezialitäten, dann in zwei Bio-Regalen und schließlich natürlich auch noch bei den herkömmlichen Saucen/Würzmitteln. Insgesamt von 7 Marken mit 21 Sorten. Da passt der Spruch mit der Qual der Wahl wider ganz gut.
Ein junger Mann suchte Einwegrasierer. Nicht in den handelsüblichen kleinen Tütchen mit ein paar Stück Inhalt, sondern gleich einen ganzen Karton. Von Wilkinson gibt es sowas z.B. in einer Einheit mit 100 Rasierern.
Zu medizinischen Zwecken kann ich den Einsatz der Rasierer ja noch nachvollziehen, aber warum man sowas für sich privat sucht, verstehe ich nicht. Einwegrasierer mögen im ersten Moment deutlich günstiger sein als Markenklingen – aber deren Haltbarkeit in Kombination mit dem erhöhten Komfort macht einen großen Teil des Preises wieder wett. Zumindest empfinde ich das so. Ich habe es nie genau protokolliert, aber grob geschätzt hält bei mir eine Wilkinson-Quattro-Klinge bestimmt drei Monate. Da relativiert sich der Anschaffungspreis der Klingen nämlich wieder.
Das Urinal, die Wasserverschwendung, die schmerzende Hand, die Idee, das Designerstück – mach' es zu deinem Projekt.
Es gab hier beim Hornbach keine andere (günstigerere) Armatur mehr, so ist es dann ein recht hübsches Stück von Schell geworden. Wenn ich jetzt noch irgendwo meine Rolle Teflonband finde, kann's losgehen.
So sah es in den letzten Jahren bei uns in der Herrentoilette aus: Am Urinal befand sich ein ganz gewöhnlicher Absperrhahn zum drehen. Da immer wieder Leute den Hahn nicht oder nur unvollständig zugedreht haben, hängte ich irgendwann das Schild obendrüber. Mit mäßigem Erfolg. Inzwischen ist die Spindel im Absperrhahn dermaßen schwergängig, dass ich beschlossen habe, die ganze Einheit auszutauschen.
Zweckmäßigerweise gegen eine Armatur speziell für Urinale, die nach dem Betätigen nur eine kleine Wassermenge durchlässt und selbsttätig den Fluss wieder unterbricht.
Unserer Weihnachtsdeko haben wir heute noch einen "draufgesetzt". Ich hatte nämlich vor längerer Zeit mal Weihnachtskugeln aus Pappe bestellt. In gold, rot und blau glänzend und in verschiedenen Größen.
Wenn man direkt von vorne auf die "Kugeln" guckt, fällt im ersten Moment gar nicht auf, dass sie nur "zweidimensional" (Die Dicke der Pappe bitte ich in diesem Fall zu vernachlässigen.) sind, da die ausgestanzten Sterne so geformt sind, als würden sie auf der Oberfläche einer Kugel liegen.