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Das Geschenk zum Achtzigsten

Ihr Vater wird am Wochenende immerhin schon achtzig Jahre alt und zu diesem runden wie stattlichen Geburtstag soll es ein ganz besonderes Geschenk sein: Ein Präsentkorb voller Leckereien sollte es werden. Gerne.

Nun, meine Einstellung zu Präsentkörben ist, dass sie (vor allem) Dinge enthalten sollten, die man sich eben nicht mal eben zwischendurch gönnt. Also eher aussergewöhnliche oder besonders hochwertige und/oder exklusive Produkte.

Nicht so in diesem Fall. Die Kundin wollte vor allem Konserven haben: Pilze, Spargel, Mais, Pfirsiche, saure Gurken, eine Packung Zucker, etwas Tee, Kekse, zwei kleine Packungen Lebkuchen und zwei nicht sonderlich gute Flaschen Wein.

Wird natürlich auch gemacht. Aber doch irgendwie seltsam. :-|

Bio nicht!

Zwei Kundinnen unterhielten sich vor dem Wurstregal und konnten sich offenbar nicht entscheiden, was sie nun kaufen sollen. Ein paar Gesprächsfetzen drangen zu mir ins Büro:
"Wie wäre es mit der hier?"

"Nein, das ist Bio! Bio will ich nicht."
Von dieser Einstellung habe ich ja hier schon häufiger berichtet. Ganz offensichtlich hat da eine ganze Branche ein Imageproblem.

Aus dem SPAR-Markt

Ausschnitt aus dem gedruckten Programm der Schwankhalle Bremen, das hier im Laden auf dem Packtisch ausliegt.

Es könnte natürlich sein, dass "SPAR-Markt" nur als Gattungsbegriff für einen beliebigen Supermarkt gemeint war. Aber da ich der einzige SPAR-Markt hier in der Gegend und auf dieser Weserseite bin, bilde ich mir jetzt einfach mal ein, dass da jemand einfach nur beim Setzen des Textes an mich gedacht hat. :-)


Unerwartetes Verhalten

Ein Mittzwanziger trug seinen offenen Rucksack in der einen Hand und füllte mir der anderen Hand die unterschiedlichsten Waren hinein. Das machen (leider) viele und mit einer Selbstverständlichkeit, dass man schon immer ein schlechtes Gewissen hat, solchen Kunden einen Einkaufskorb in die Hand zu drücken.

Ein paar Minuten später fiel mir der Kunde wieder auf. Diesmal trug er den inzwischen geschlossenen Rucksack über einer Schulter und unterhielt sich mit einem Bekannten.

Nachdem das Gespräch beendet war, setzte er seinen Rucksack richtig auf, nahm sich zwei Flaschen Cola aus der Getränkeabteilung und ging zur Kasse.
Der Adrenalinspiegel (meiner!) stieg in dem Moment schlagartig an. Die Situation ist augenscheinlich mehr als eindeutig. Aber noch kann sich alles zum Guten wenden und außerdem wäre ich von diesem Kunden herbe enttäuscht gewesen. Ich hätte ihm einen Diebstahl nicht zugetraut.

Er hat dann die beiden Colaflaschen auf das Förderband gestellt, den Rucksack abgenommen und alles sorgsam ausgepackt. Ihr wollt ein Musterbeispiel für auffälliges verhalten in einem Supermarkt? Das war gerade eins!


Ich habe ihn übrigens dann ganz freundlich angesprochen und ihn gebeten, beim nächsten Einkauf unbedingt einen Einkaufswagen oder -Korb zu verwenden oder zumindest den Rucksack offen zu lassen. Bevor es da irgendwann mal zu einem peinlichen Missverständnis kommt...

Torte mit Schwarzwald und Kirschen

Zwei junge Damen betraten den Laden. Beide hatten Taschen bei sich, eine der beiden trug einen Tortenbehalter: Unten eine Kühlplatte, oben ein Deckel mit Griff – und dazwischen eine aufwändig selbstgemachte Schwarzwälder Kirschtorte.

Ich stand gerade in der Gemüseabteilung und machte meine Bestellung für den Folgetag. Meine Kassiererin sah auch, wie die beiden Frauen herinkamen und die Torte war auch ihr nicht entgangen. Sie grinste, wir hatten beiden den selben Gedanken: "Schmeißt die Torte hier ab, die sieht lecker aus!"

Irgendwie muss der Teil mit dem "Abschmeißen" bis zu dem Tortenbehälter durchgedrungen sein. Der Deckel öffnete sich, das ganze Meisterwerk klatschte auf den Marktboden. Ich hätte sie ja sogar noch gegessen, aber es war wirklich nur noch ein Haufen Matsch. Vom Fußboden löffeln war dann doch nicht angebracht gewesen und eine meiner Mitarbeiterinnen half dann, die Überreste der Torte mit ein paar Stücken Pappe aufzunehmen und zu entsorgen. Wie ärgerlich. Vor allem, weil die beiden alle Zutaten extra besorgt hatten und stundenlang dafür in der Küche standen. Sogar eine lange Zugfahrt hatte die Torte überstanden. Aber hier, kurz vor dem Ziel, passiert das Unglück.

Die beiden taten mir so sehr leid, dass ich ihnen eine Schwarzwälder Kirschtorte von "Coppenrath & Wiese" aus dem Tiefkühlschrank geschenkt habe. Ist zwar kein vollwertiger Ersatz für eine selbstgemachte Torte, aber sie haben sich trotzdem gefreut. :-)

Schuhbiduh

Drei Heranwachsende lösten den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Es war schon mühsam genug, herauszufinden, wer von den drei gröhlenden Typen für den Alarm verantwortlich war. Sie bildeten eine kaum zu lösende Gruppe und immer, wenn ich einen neben die Antennen der Warensicherungsanlage stellen wollte, gesellten sich die anderen beiden dazu. Schließlich hatte ich aber doch den "Schuldigen" gefunden und musste nur noch den Grund für den Alarm ausmachen. Mit dem Handchecker ist das theoretisch kein Problem. The-o-re-tisch!

Wenn man dann einen aggressiven Jugendlichen vor sich hat, der überhaupt nicht daran interessiert ist, einen möglichen Diebstahlsverdacht von sich abzuwenden und nur frech und unkooperativ ist, vergeht einem etwas die Laune.

Es war dann übrigens eine Quellensicherung im Schuh.

Schnorrerin

Eine Frau im jungen Erwachsenenalter, deren Erscheinungsbild ich vorsichtig mit "bewusst ungepflegt" beschreiben würde, sah sich in der Gemüseabteilung um. Wir waren noch dabei, die Ware zu verräumen und so standen noch Rollcontainer, frische Ware und eine Kiste mit Resten und aussortiertem Obst und Gemüse in der Abteilung herum. Vor dieser Kiste blieb sie stehen:
Kann ich mir die Sachen mitnehmen?
Ich saß gerade selber an der Kasse und schüttelte nur den Kopf, weil ich keine Lust hatte, durch den Laden zu rufen.
Warum denn nicht?
Kopfschütteln reichte offenbar nicht:
Das verschenke ich nicht.

Wieso denn nicht?

Weil ich das nicht möchte.

Das wird doch sowieso weggeworfen.

Nein, wird's nicht.

Was machen Sie denn damit?

Muss ich das hier erklären?

Ja, würde mich mal interessieren."

Das spenden wir den Suppenengeln.
Sie schien es nicht zu glauben und setzte ihren Einkauf fort. Als sie an die Kasse kam wirkte sie leicht wütend und kurz angebunden. War mir aber egal, ich kann so ein Schnorrertum nicht ab.

Wir, die gemeinen Leergutbonunterschlager

Ein ziemlich heruntergekommener Typ gab relativ viel Leergut ab. Mit kleinen Einwegflaschen oder Dosen kommt man durchaus mit einer kleinen Tüte auf mehrere Euro, seine spätere Aussage könnte also durchaus richtig sein.

Er ging mit einem kleinen Umweg duch die Getränkeabteilung vom Leergutautomaten zur Kasse, bezahte zwei Flaschen Bier – und begann plötzlich, seinen Leergutbon zu suchen. Er erklärte, dass er den Bon mit zu den Flaschen gelegt hatte und dass mein Kassierer den eingesteckt hätte. "Das waren über fünf Euro!", ließ er mit weinerlicher Stimme verlauten. Mag ja sein, aber wir stecken keine Leergutbons ein.
Der Mann gab keine Ruhe, den Hinweis, dass er den Bon möglicherweise im Laden auf dem Weg zur Kasse verloren haben könnte, ignorierte er: "Ich habe den da mit hingelegt. Den habe ich nicht verloren. Der lag da auf der Kasse. Die Situation wurde (nicht nur) mir inzwischen sehr unangenehm. Der Mann, der hier übrigens Hausverbot hat, wie eine Kollegin in der Zwischenzeit feststellte, zeterte vor allen Kunden herum und unterstellte uns, dass wir seinen Bon unterschlagen hätten.

Ich sah mir die Videoaufzeichnung an. Kein Leergutbon. Absolut nicht. Wo auch immer er den Zettel gelassen hatte, auf das Förderband der Kasse hatte er ihn definitiv nicht gelegt...

Knotenbeutelvergeudung

Eine Kundin riss sich von der Rolle am Brotregal zwei der dünnen Knotenbeutel ab. Zunächst dachte ich, dass sie so viele Brötchen kaufen möchte.
Dann stülpte sie sich eine der beiden Tüten über die rechte Hand, fischte mit dieser dann die gewünschten Brötchen aus der Box und warf ihren "Handschuh" hinterher einfach unten auf die andere Ware im Regal.

Hätte sie die vorhandenen Zangen benutzt, hätte sie nicht nur das Brotregal ordentlicher, sondern auch noch noch bei mir einen besseren Eindruck hinterlassen.

Haben Sie überhaupt Cola?

Eine Kundin erkundigte sich bei einem Kollegen, ob wir überhaupt Cola hätten. Sie war offenbar das erste Mal hier im Laden und fand sich nicht ganz zurecht.

Aber ihr konnte geholfen werden. Natürlich haben wir Coca-Cola. Alternativ können wir auch Fritz-Cola, Premium-Cola, Afri-Cola, Sinalco-Cola, Pepsi-Cola, Red-Bull-Cola, Club-Mate-Cola, die Voelkel-Bio-Guarana-Cola und auch die "Gut & Günstig"-Eigenmarke anbieten. Zur Not hätten wir auch noch Cola-Sirup. Und dann steht hier noch DrPepper im Regal. Ist zwar per Definition keine Cola, aber bedingt durch die Farbe halten es viele für eine solche. Und wer es kohlensäurefrei möchte, könnte sich den "Cola-Mix" von Capri-Sonne einverleiben.

Wir hatten sogar immer die "Guaranito" Guarana-Cola aus Fairem Handel. Aber da wurde leider die Produktion eingestellt.

Also? Welche darf's sein? :-)

Etwas neben sich

Eine Kundin mittleren Alters stand bei einer meiner Kassiererinnen an der Kasse und hate einige Teile im Wert von etwas über acht Euro eingekauft.
Als es ans Bezahlen ging, suchte die Kundin relativ lange und umständlich in ihrem Portemonnaie herum und legte schließlich eine 2-Euro-Münze auf den Kassentisch und sah meine Mitarbeiterin erwartungsvoll an. Diese reagierte aber zunächst gar nicht, denn schließlich fehlte da noch ein gutes Stück zum Gesamtbetrag.
"Da habe ich Ihnen das Geld hingelegt."

"Das reicht aber noch nicht ganz..."

"Ohh. Moment."
Die Kundin kramte in ihren Jackentaschen und ließ schließlich noch eine kleine Handvoll "Kupfergeld" (1-, 2- und 5-Cent-Münzen) neben die bereits vorhandenen zwei Euro gleiten. Meine Kassiererin sah sie mit großen Augen an und schüttelte den Kopf:
"Das reicht aber immer noch nicht. Haben Sie sonst kein Geld dabei?"
Die Kundin wirkte, als hätte sie einen lichten Moment und zog zielsicher einen Fünf-Euro-Schein aus dem Fach ihrer Geldbörse und drückte ihn meiner Mitarbeiterin in die Hand.
"Ich Dummerchen. Da, bitteschön."
Inzwischen hatte sich eine kleine Schlange hinter der Kundin gebildet. Die Kunden wirkten gleichermaßen genervt wie belustigt.
Als die Kundin den Fünfer herauszog, erspähte die Mitarbeiterin an der Kasse eine kleine rosaweiße Ecke, die verdächtig nach einer Zehn-Euro-Banknote aussah.
"Geben Sie mir doch einfach die zehn Euro, die sie da haben. Dann werden die Kunden hinter Ihnen nicht unnötig böse."

"Den wollte ich ihnen doch sowieso gerade geben."
Ohne weiteren Kommentar. :-O

Mit offenem Mund

Was mag in Leuten (In diesem Fall: Kunden) vorgehen, die den Laden betreten, mit denen man Blickkontakt hat und die man daraufhin freundlich mit der Tageszeit grüßt – und die einen mit offenem Mund angucken wie 100 Meter Feldweg und als hätte sie noch nie einen Typen mit roten Haaren in roter Weste und mit roter Brille gesehen und einfach schweigend weitergehen? :-|

Vergesslichkeit

"Oma Anna" vergisst immer alles und kommt mitunter mehrmals täglich und erzählt jedem ihre komplette Lebensgeschichte. Nacheinander, möglichst mehrfach. Ich kenne diese Kundin aber nicht anders.

Eine andere Stammkundin wird leider auch immer tüdeliger. Die kenne ich als alte, nicht dumme Frau. Sie war immer absolut fit und man konnte mit ihr durchaus auch anspruchsvolle Gespräche führen. Leider baut sie immer mehr ab und das deutlich spürbar. Daran, dass sie mich mehrmals pro Woche darauf anspricht, dass sie mich ja lange nicht gesehen hätte, habe ich mich inzwischen gewöhnt.
Eben hat sie mir während eines kurzen Gesprächs viermal erzählt, dass sie ja früher immer bei dem kleinen Laden bei ihr an der Ecke eingekauft hat und auch ansonsten jedes Thema mindestens dreimal angeschnitten.

Es tut echt weh, sowas mitzubekommen. :-(

Funktionsweise

Der Kunde wusste Bescheid:
"Wenn da eine große Flasche drin war, schließt der die Klappe nicht schnell genug und dann verklemmt sich alles."
Naja, fast. In Wirklichkeit ist seine Theorie komplett grütze und eben genauso hilfreich.

Aber hauptsache, man hat sich zur rot leuchtenden Lampe an der Front des Leergutautomaten mal geäußert.