Da wir morgens in der Gemüseabteilung zu tun hatten, kamen wir längere Zeit nicht in die Nähe der Lagertür. Nachdem er knapp zehn Minuten vor dem Automaten, an dem die rote Lampe und die "Container voll"-Meldung leuchteten, gewartet hatte, entdeckte er die Klingel neben der Tür.
Hätte er
unseren Hinweis gelesen, wäre ihm die Warterei erspart geblieben. Ein Knopfdruck hätte sein "Problem" behoben.
Manche Kunden halten einen echt für dämlich, glaube ich. Einen ähnlichen Fall hatten wir ja
vor ein paar Wochen erst und nun will einem schon wieder jemand erzählen, dass ein bestimmtes Produkt, das nun zufällig gerade mal ausverkauft ist, "ständig leer" sei. Kann ja sein, dass in irgendwelchen großen Märkten die eine Hand nicht weiß, was die andere tut – aber in diesem quasi Familienbetrieb dem Chef so einen Blödsinn zu erzählen, immerhin wusste ich genau, dass der Artikel einerseits noch nicht lange leer ist und dass das auch gerade wirklich mal eine seltene Ausnahme ist, fordert die Selbstbeherrschung schon etwas heraus. Vor allen an einem Samstag Abend.
Aber man bewahrt ja seine Contenance, lässt den Kunden nicht auflaufen und erzählt freundlich, dass es einem Leid tut und dass man zukünftig darauf achten wird, mehr zu bestellen…
Schönes Wochenende.
Ein Paar ging durch den Laden und kaufte einige Dinge ein. Begleitet wurden sie dabei von einem ausgewachsenen
Golden Retriever, den der Mann an der Leine führte. Die Tiere sind bekannt freundlich, aber wir hatten arge Bedenken, dass sich andere Kunden an dem großen Tier stören könnten und so sprach zunächste eine Mitarbeiterin von mir den Mann an und bat ihn, den Hund aus dem Laden zu bringen. "Wir gehen gleich", war die Reaktion.
Sie gingen tatsächlich – und zwar in aller Seelenruhe durch die Getränkeabteilung. Also mischte ich mich ein und bat ebenfalls darum, mit dem rauszugehen, da sich andere Kunden gestört fühlen könnte. Außerdem ist das hier ein Lebensmittelmarkt und Hunde haben hier nunmal nichts zu suchen. Statt Verständnis und/oder eine Entschuldigung erntete ich nur einen bösen Blick. Da die
beiden drei in dem Moment auch schon in Richtung Kasse gingen, ersparte ich mir jede weitere Diskussion.
Ein Heranwachsender ging durch den Laden, offenbar wollte er ein Getränk zu seinem großen Döner-Brötchen kaufen, in das er mitten im Laden während des Laufens immer wieder hineinbiss.
"Das Döner bitte draußen essen", sprach ich ihn an.
"Warum?!", war die Antwort des jungen Mannes.
In dem Moment plumpste ihm der Großteil seines Krautsalates und etwas Fleisch und Sauce vor die Füße.
Quod erat demonstrandum…
Eine Mutter kaufte mit ihren beiden Kleinkindern ein. Bei der Annäherung an die Getränkeabteilung stellten die beiden Jungs immer wieder wie euphorisch fest: "
Mama, ALKOHOL!"
Mama war's sichtlich peinlich. Irgendwie habe ich mich ja nicht getraut, nachzufragen, woher diese Begeisterung wohl kommen mag. Es liegt jedenfalls mit Sicherheit nicht daran, dass die Eltern regelmäßigen Alkoholkonsum vorleben.
Hm, die Frau ist eine gute und regelmäßige Stammkundin hier im Laden. Ich werde sie doch mal bei nächster Gelegenheit fragen, man ist ja schließlich neugierig.
"
Iiiieh, das ist ja voll ekelig. Da klebt eine Feder an der Packung. Das ist ja sowas von unhygienisch!!!", drang es aus dem Laden in mein Büro. Tatsächlich: Eine Hühnerfeder hing an einer Eierverpackung fest.
Wie hätten die beiden Mädels wohl reagiert, wenn ich denen erzählt hätte,
wo die Eier herkommen?
Unmittelbar nach seinem Einkauf vermisste ein Kunde seine ec-Karte. Wir suchten überall, schließlich sah ich sogar auf der Videoaufzeichnung nach, ob man irgendeinen Hinweis zum Verbleib der Karte erkennen könnte – nichts…
Es war kein anderer Kunde zu dem Zeitpunkt an der Kasse gewesen, die Karte konnte einfach nicht verschwunden sein. Im Mülleimer lag sie nicht, sie steckte nicht mehr im Kartenschacht des ec-Terminals und in irgendeine Tasche in seiner Jacke oder Hose hatte der Kunde sie auch nicht fälschlicherweise gesteckt. Was zum..?
Schließlich pflückte der Mann seinen gesamten Einkauf wieder auseinander. Eher zufällig tauchte dabei tatsächlich die Karte wieder auf, die an der Unterseite einer beschlagenen Frischkäseschale klebengeblieben war.
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Eine Kundin hatte nur drei Artikel, die sie aber getrennt bezahlen wollte: "Ich soll das für jemanden mitbringen, darum brauche ich getrennte Kassenbons. Das ist ganz wichtig.
Artikel Nr. 1: Etwas Obst. Sie zückte eine ec-Karte und bezahlte die Äpfel bargeldlos.
Artikel Nr. 2: Putzlappen für 1,29€. Sie kramte in ihrer Tasche und stellte fest, dass sie nur einen Euro dabei hat. "Oh, dann bezahle ich das auch eben mit Karte", sagte sie und legte erneut die ec-Karte auf die Kleingeldablage der Kasse.
Artikel Nr. 3: Eine große Tafel Schokolade. Nachdem sie feststellte, dass auch dafür das Bargeld nicht ausreicht, zückte sie zum dritten Mal ihre ec-Karte.
Ich saß selber an der Kasse und eine ältere Kunden hatte einen mittelgroßen Einkauf auf das Förderband gestapelt. Nachdem ich fast alles über den Scanner gezogen hatte, fauchte sie mich fast panisch an: "Die Haferflocken gehören mir aber nicht mehr!!!"
Öhm, ja. Hätte ich auch nicht mit abgezogen, selbst wenn sie mich nicht ausdrücklich darüber aufgeklärt hätte, dass das nicht "ihre" sind. Da lag nämlich deutlich sichtbar ein Warentrenner zwischen ihren Sachen und besagten Flocken.
Ein Stammkunde, der sich pro Tag ca. 4-10 einzelne Dosen Billigbier kauft, forderte mich regelrecht dazu auf, das Pfand von den Dosen rauszunehmen. Es wäre echt lästig, jedes Mal 25 Cent mehr bezahlen zu müssen und dann die leeren Dosen auch immer wieder mit in den Laden zu schleppen.
Klasse Idee, darüber würden sich bestimmt auch noch ein paar andere Kunden freuen. Aber ich habe das mit dem Pfand hier ja nicht eingeführt, weil mir gerade nichts besseres eingefallen war.
Ich kann's ja überhaupt nicht haben, wenn Kunden, während sie auf irgendetwas warten, das man für sie im Laden tut (z.B. irgendetwas aus dem Lager holen oder eine Reklamation bearbeiten), mit verschränkten Armen dastehen und einem das Gefühl vermitteln, eine niedere Arbeit zu verrichten, die dem "Herren" gefallen muss.
In das Kleingeldfach einer Kasse hatte sich eine türkische Münze verirrt. Die sehen zwar schon anders aus, vor allem sind die Farben (Ring/Kern) im Vergleich mit den Euro-Münzen ähnlicher Größe andersherum – aber im Eifer des Gefechts kann sowas natürlich trotzdem mal vorkommen. Das ist eigentlich auch kein Beinbruch, im Idealfall sagt man der Mitarbeiterin an der Kasse, dass sie einem "Falschgeld" gegeben hat und gut ist's.
Man
kann sich natürlich auch zum Chef bringen lassen und seine eigene und fremde Lebenszeit dazu opfern, ausgiebig von "Betrug" zu reden und darüber, dass die Mitarbeiter an der Kasse inkompetent seien und vor allem besser geschult werden müssten und dass man generell "besser aufzupassen" habe…
Aber wenigstens hat die Kundin nicht auch noch damit gedroht, den Vorfall dem Gesundheitsamt zu melden.
Hier ein paar Fotos, die Luis in einem Aldi-Markt kurz nach einer Neueröffnung aufgenommen hatte.
Auch wenn's mit Sicherheit vielen Kunden völlig egal ist, wie trist die Umgebung ihres Einkaufs aussieht – "Einkaufserlebnis" ist irgendwie etwas anderes.
Ein Pärchen stand vor dem Regal mit den Walkers-Chips, beide guckten sich interessiert die kleinen Tütchen an.
Sie gruselte sich demonstrativ beim Durchlesen der Zutatenliste. Die Sachen sind fettig, voller Chemie, einfach nur ungesund und bäh und so weiter. Und was da alles drin sei, das können man doch nicht essen…
Er: Geil. Kauf' ich!
Ein Kunde, der auch nicht die Absicht hatte, mehr zu kaufen, nahm sich einen Einkaufswagen, stellte zwei Dosen Bier hinein, schob zur Kasse, bezahlte und stellte den Wagen wieder weg.
Ich blieb staunend in der Gemüseabteilung stehen.