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Bierfontäne

… und dann war da noch der Kunde, dem eine große Dose Bier heruntergefallen war und die dabei ein kleines Loch bekommen hatte. Aus diesem schoss das Bier nun in einem Strahl heraus. Er flitzte mit der Dose nach hinten zum Leergutraum und stopfte die kaputte Dose einfach in den Müllsack und rannte wieder nach vorne.

Durch das Stopfen hatte er den Sack aus der Halterung gerissen, so dass er schief hing. Augenblicke später kullerte die Dose aus dem Sack heraus, fiel auf den Fußboden und dadurch schoss die Fontäne nun in noch stärkerem Strahl aus ihr heraus.

Zum Glück hatte ich das aus dem Augenwinkel mitbekommen und konnte die Situation halbwegs retten. Aber ein paar Fragezeichen bleiben.

1. Warum wirft man überhaupt einfach eine Ware (auch beschädigt), die einem nicht gehört, ohne weitere Kommunikation in den Müll?

2. Dass die Dose bepfandet ist und der Pfandwert so ebenfalls im Müll gelandet wäre, kam bei dem Mann offenbar ebenfalls nicht an.

3. Eine Dose, aus welcher der Inhalt in einer Fontäne herausspritzt oben auf einen Müllsack zu legen, ist unabhängig von allem anderen reichlich merkbefreit.

Bacon, sehr gut!

Ich stand gerade vor unserem großen Kühlregal, da ich dabei war, einen privaten Einkauf zusammenzustellen.

Ein Kunde, den ich für südländisch oder viel mehr sogar orientalisch gehalten hatte, sprach mich an: "Habt ihr Bacon?"

Ich stutzte, zeigte ihm aber natürlich unsere Auswahl. Da kam auch schon die Frage, mit der ich vom ersten Moment an gerechnet hatte und bei der ein fragender / zweifelnder Tonfall mitschwang: "Ist das Schweinefleisch?"

"Ähh, ja! Bacon, also Speck gleich Schweinefleisch", entgegnete ich und versuchte, dieser Selbstverständlichkeit bei dem Produkt einen gewissen Nachdruck zu Verleihen.

Zugegebenermaßen rechnete ich damit, dass er die Packung angewidert wieder ins Regal stellte. Stattdessen griff er noch eine Packung und grinste: "Sehr gut!" Dann ging er zur Kasse.

Hm. :-)

Der verpuffte Spruch

Ein Mann stand in der Nähe der Lagertür in einem Gang der Getränkeabteilung und wartete auf einen Kollegen, der beim Kassenbüro mit einem unserer MDE-Geräte zugange war und irgendetwas recherchierte. Ob es um den Preis oder die Lieferbarkeit eines Artikels ging, war mir im dem Moment egal, er kam ja zurecht und so kümmerte ich mich nicht darum.

Aus dem Lager heraustretend bog ich nach rechts ab, da ich ein paar Flaschen Sinalco für uns privat einpacken wollte. Der Kunde stand mitten im Gang und daher leicht im Weg. Er sprang schnell zur Seite und sagte etwas, das ich nicht verstand, aber diffus als "Ich stehe im Weg" interpretierte.

Ich holte meinen Sechserträger Cola und versuchte es auf dem Weg zurück mit ein paar humorvoll gemeinten Worten zu dem Kunden. "Normalerweise stehe ich ja hier immer so nutzlos im Weg herum – und das nennt man dann Arbeit." Der Mann guckte mich an wie ein Auto, reagierte aber nicht weiter. "Gut, dann nicht", dachte ich mir. Muss ja nicht jeder auf humorvoll gemeinten Smalltalk anspringen.

Noch während ich ins Lager trat, erklärte mein Mitarbeiter dem wartenden Kunden auf Englisch, wieviel der Artikel kostet.

Ahhh! Das könnte einiges erklären. Der hat mich nicht ignoriert, der hat mich schlichtweg nicht verstanden. Damit konnte ich ja nun auch nicht rechnen. :-)

Frischkäsewerferin

Eine ältere Frau mit Rollator wollte oder vermutlich eher konnte sich nicht oder nur mühsam bücken und hat daher einen Becher körnigen Frischkäse, den sie aus dem Kühlregal genommen hatte, in den Korb ihrer fahrbaren Gehhilfe werfen wollen.

Körperliche Gebrechen kann man niemandem vorwerfen, aber wenn sie den Käse erst genommen, dann halbwegs gezielt und dann erst fallengelassen hätte, wäre ich weniger erbost gewesen. Stattdessen hat sie, wie man in dem animierten Schnipsel sehen kann, den Becher genommen und in einer schwungvollen Handbewegung in den Korb geworfen.

Wobei nun der Ausdruck "in den Korb geworfen" nicht ganz passt. Der Becher flog dran vorbei, prallte auf dem Fußboden auf und blieb aufgeplatzt vor dem Kühlregal liegen. Dort ließ die Frau ihn auch, sagte auch nicht netterweise bei einem Mitarbeiter Bescheid, nahm sich einen anderen Becher und ging weiter. Stunden später entdeckte ich den demolierten Plastikpott halb ausgelaufen auf dem Boden …

Nicht (nur) deswegen, auch wegen anderer Merkwürdigkeiten hätte die Frau eigentlich längst ein Lokalverbot bei uns haben müssen. Sie hat sich auch schon einmal eine Banane genommen und diese im Laden gegessen (macht man nicht, aber okay) und hat die Schale dann hinter die Ware ins Keksregal geworden (macht man wirklich nicht, daher nicht okay). "Ich war habe keine Banane gegessen", versuchte sie sich damals herauszureden, aber das hatten wir da mit mehreren Kolleginnen und Kollegen gesehen. Sie darf trotzdem noch bei uns einkaufen, aber mögen tut sie niemand so richtig. Verstehe ich gar nicht. :-P


24 Flaschen und kein Kistenpreis

Ein Kunde wollte 24 Mehrweg-Flaschen Mineralwasser kaufen, die normalerweise in den blauen GdB-Rahmen verkauft werden. Da der Mann die Kisten als ganzes wohl nicht transportieren kann, hatte er die leeren Rahmen in der Getränkeabteilung stehen gelassen und nur die 24 Flaschen in seinen Einkaufswagen gestellt.

Ich bekam zufällig aus dem Augenwinkel mit, dass meine Kassiererin ihm 24 einzelne Flaschen an der Kasse berechnet hat, anstatt zwei Kästen zu jeweils 12 Flaschen zu verbuchen. Das wäre für den Kunden natürlich etwas günstiger gewesen, aber auf die Idee, statt 1x24 Flaschen netterweise 2 Kisten á 12 Flaschen zu berechnen, kam meine Mitarbeiterin nicht. Vielleicht wohl da die blauen Rahmen fehlten.

Da es den Kunden offenbar kein Stück gestört hat und ich nicht auch noch für zusätzliche Verwirrung sorgen wollte, hatte ich mich nicht eingemischt. Wir haben ja auch Kunden, die dann noch ausdrücklich auf den Kistenrabatt hinweisen. Andere nehmen die leeren Rahmen zur Bekräftigung, dass sie eine Kiste kaufen wollen, mit zur Kasse, lassen diesen dann aber unter Gutschrift des Pfandwertes wieder zurück. Aber dieses unmittelbare Ausbuchen der 1,50 € Kistenpfand ist für manche Leute auch schon wieder eine Herausforderung, da man dafür ja die gewohnten Pfade und Arbeitsschritte verlassen muss.

Meinetwegen können die Leute aber auch gerne alle Flaschen einzeln und ohne jegliche Inanspruchnahme des Kistenrabatts bei uns erwerben. Bleibt mehr am Monatsende auf meinem Konto hängen. ;-)

Die Qual der Wahl: Helfen oder warten!

Ein Kunde wollte einen leeren Karton haben. Auf der Suche nach einem passenden entdeckte er bei der noch zu packenden Tiefkühlkost in einem der Kühlbehälter einen Karton, der ihm gefallen würde.

Ines hatte das mitbekommen und meinte zu ihm: "Das Dauert aber noch einen Moment, bis das ausgepackt ist. Wir können die Ware ja wegen der Kühlkette nicht einfach hier auskippen."

Der Mann verzog das Gesicht und erklärte, dass er keine Zeit habe.

Ines, mit einem Lächeln: "Dann musst du der Kollegin helfen, dann geht das schneller."

Kunde: "Wenn ich dafür bezahlt werde!"

Ines: "Du bekommst den Karton dafür und brauchst nicht so lange zu warten."

Kunde: "Nee, dann warte ich lieber."

Also wartete er.

Einseitige Liebe

Wir haben einen Stammkunden, der in einem ganz anderen Teil der Stadt wohnt und damals schon immer bei unserem kleinen Markt in Findorff einkaufen war. Er hat uns geliebt, wollte aber immer ausdrücklich nur von den Männern bedient werden. Wenn nur Frauen anwesend waren, kam er durchaus sogar mal zu einem anderen Zeitpunkt wieder.

Als es hieß, dass wir den Laden auflösen werden, war er vollkommen geknickt. Er liebte unseren Laden, oder zumindest die Mitarbeiter, mit den Frauen konnte er nie etwas anfangen und wollte, wie gesagt, auch nach Möglichkeit nie von ihnen bedient werden. Nachdem er herausgefunden hatte, dass ein Teil meiner Belegschaft, zunächst hatte ich nämlich fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Neustadt mitgenommen und ausdrücklich niemanden gekündigt, verlängerte er seinen Einkaufsweg um mehrere Kilometer und kommt nun seit Ende 2020 immer zu uns in die Gastfeldstraße, um seine Einkäufe zu erledigen.

Aufgrund seiner massiven kognitiven Beeinträchtigung war es wohl die einzig für ihn akzeptable Lösung, den weiten Weg zu uns in Kauf zu nehmen, um seine geliebten Ex-Findorffer weiterhin beim Einkauf sehen zu dürfen. Seit Mitte 2020 haben uns inzwischen fast sämtliche ehemaligen Kolleginnen (und vor allem Kollegen) aus der Münchener Straße verlassen. Der Kunde kommt immer noch, möchte aber an der Kasse ausdrücklich immer nur von Männern bedient werden. Diese ganzen Marotten wären ja gar nicht so stressig, wenn der Herr nicht wirklich den gesamten Betrieb aufhalten würde.

Immer wieder enden seine Einkäufe auf die gleiche Art und Weise – und die ist ungemein lästig. Mit dem vollen Einkaufswagen kommt er zur Kasse und braucht dann immer eine regelrechte Sonderbehandlung. Während des Kassiervorgangs werden erst die finalen Entscheidungen getroffen, welche Artikel er nun wirklich behalten möchte und welche hier bleiben sollen. Teilweise ergibt sich das alles auch erst nach dem Kassieren, so dass Artikel wieder storniert werden müssen. Manchmal ist das, so mein Eindruck, eine willkürliche Entscheidung, manchmal liegt es am Geld, das er nicht ausgeben will oder kann.

Wir geben wirklich jedem eine Chance und wenn es mal etwas länger dauert, dann ist es eben so. Aber wenn ein einzelner Kunde eine von zwei Hauptkassen wenigstens 15-20 Minuten vollständig blockiert und sich an der anderen Kasse eine 15 Meter lange Schlange bildet, an dessen Ende die Leute schon entnervt nach einer zweiten Kasse rufen, dann ist auch unsere Geduld irgendwann am Ende. Der Mann kann einem ja Leid tun und er kann auch sicherlich nichts dafür, dass er so ist, wie er ist, aber … :-|

Wie soll man damit umgehen?

Gefühlte Beobachtung

Ines und ich standen privat bei uns im Gang mit den Knabberartikeln und meine bessere Hälfte guckte etwas gedankenverloren ins Chipsregal, während sie überlegte, welches Produkt wir mit nach Hause nehmen könnten.

Plötzlich grantelte ein junger Mann auf der Rückseite des Regals los, der dort auf auf der Suche nach einem bestimmten Sekt war. Unsere Regale haben keine geschlossenen Rückwände sondern nur ein Metallgitter, so dass man von einer Seite auf die andere gucken kann. Tatsächlich stand der Kunde wohl tatsächlich in Ines' Blickfeld, aber sie hatte ihn überhaupt nicht wahrgenommen, da wir wirklich nur auf der Suche nach Kartoffelchips für unseren Fernsehabend waren.

Er Kunde fühlte sich jedenfalls beobachtet und hatte aus diesem Gefühl direkt einen Angriff extrapoliert, konkret eine Unterstellung, dass er bei uns zu klauen gedenken würde. Diesen Gedanken trötete er auch lautstark heraus, so dass auch möglichst viele andere Kunden dies mitbekamen. Die waren jedoch auf unserer Seite und schüttelten nur mit uns lachend den Kopf.
Da der Kunde, den wir nicht beobachtet hatten, aber immer noch eine Frage zu einem Artikel hatte, kam kleinlaut wieder an und fragte um Hilfe. In dieser etwas abgeklungenen Atmosphäre schaffte ich es dann auch, ihn davon zu überzeugen, dass wir eben "nur so" da hingeguckt und ausdrücklich nicht ihn gemeint hatten.