Ich habe gerade mal wieder festgestellt, wie verwöhnt viele meiner Kunden doch sind. Es hat sich eben innerhalb von Sekunden eine Schlange an der Kasse gebildet, weil sich mehrere Kunden gleichzeitig angestellt haben. Noch bevor ich reagieren konnte, rief schon eine Kundin ins Lager, ob wir nicht mal eine zweite Kasse öffnen könnten.
Schön, dass wir das sofort können und tun – was meinen Laden hier von etlichen Mitbewerbern deutlich abhebt.
Ein Kunde suchte "Eis-Bier", zumindest meine ich, dass so richtig verstanden zu haben. Es sollte ein "Bier für eine Frau" sein. Aber nicht "Becks's Ice" oder "Schöfferhofer Eiskristall". An "Carlsberg Ice" konnte ich mich auch noch erinnern, aber das haben wir schon seit Jahren nicht mehr im Sortiment. Das konnte er nicht gemeint haben.
Mehr Biere mit "Eis" oder "Ice" im Namen fallen mir spontan nicht ein. Was könnte der denn nur gesucht haben?
Mein Mitarbeiter an der Kasse rief mich an: "Guck dir mal bitte eben die beiden Typen an, die gerade reingekommen sind. Die sind gerade nach hinten zur Getränkeabteilung oder so."
Ich guckte und sah, dass die beiden direkt vor dem Regal mit Körperpflegeprodukten stehen blieben. Deutlich war zu erkennen, dass einer der beiden eine Spraydose aus dem Regal nahm, den Deckel abzog und sie unter seiner Jacke verschwinden ließ. Aber nicht, um sie zu stehlen. Nein, er sprühte sich sich den Inhalt großzüig unter beide Arme. Dem wollte ich Einhalt gebieten und ging in den Laden.
"Großzügig" war eben durchaus ernst gemeint, denn er sprühte immer noch, als ich bei den beiden ankam. "Ich wollte das nur ausprobieren, man muss ja wissen, wie das riecht.", erklärte der Deobenutzer grinsend. "Wer wissen will, wie ein Deo riecht, sprüht sich ein bisschen davon auf die Hand oder in den Deckel der Dose. Aber wer hier die halbe Dose ausleert, kann dafür auch bezahlen."
"Kaufen wollte ich die ja sowieso.", grinste er wieder. Tat er erstaunlicherweise dann wirklich (vielleicht auch nur, weil ich mich die ganze Zeit dann noch in dem Gang aufgehalten habe). Obwohl ich ja zugebe, dass ich noch damit gerechnet hatte, dass er an der Kasse merkt, dass er "kein Geld" mit hat.
Eben war hier im Laden die alte Kundin mit ihrer polnischen Haushaltshilfe, die sie vor ein paar Wochen am Telefon nur als "die Polin" bezeichnet hatte. Damals wunderte ich mich etwas über diese Formulierung.
Eben hat die Polin, die zudem kaum Deutsch spricht, ihre Arbeitgeberin nur als "ihre Frau" bezeichnet. Die Fronten scheinen zwischen den beiden sehr deutlich abgesteckt worden zu sein.
Als ich eben um ziemlich genau null Uhr den Laden aufschloss, stand nur ein einziger Kunde vor der Tür. Dieser begrüßte mich dafür auch mit den Worten: "Habe ich Scheiße gebaut?"
Wahrscheinlich guckte ich verwundert genug, um ihn fortfahren zu lassen: "Ach, ich war Samstag irgendwie ziemlich breit und ich war ja auch hier im Laden. Habe ich irgendwie Mist gebaut oder was umgeworfen oder so?"
Ich konnte ihn aber beruhigen. Hier waren zwar, wie so ziemlich jeden Samstag Abend, etliche mehr oder weniger angetrunkene Leute im Laden – aber das Verhalten wäre mir in Erinnerung geblieben.
Gestern standen zwei Kunden vor dem Leergutautomaten, die mit einem Einkaufswagen eines (relativ weit entfernten) Mitbewerbers hier hereinkamen, in dem sie ihre leeren Kisten hierher transportierten. Leute, die Einkaufswagen derart verwenden, sortiere ich pauschal in eine der unteren Schubladen ein, aber diese Kunden wirkten ganz anständig und es kann ja zudem vielfältige Gründe haben, warum sie mit diesem Wagen unterwegs sind. Man soll ja nicht immer nur vom Schlimmsten ausgehen, dachte ich mir – und beachtete die beiden gar nicht weiter. Und auch den Gedanken, dass ich die beiden beobachten sollte, ob sie den Wagen auch tatsächlich wieder mitnehmen, verwarf ich gestern Nachmittag gleich wieder.
Und nun sehe ich gerade genau diesen Wagen hier im Lager stehen. Haben die den doch, nachdem sie ihre Leergutbons eingelöst haben, das Ding einfach vorne in Kassennähe stehengelassen.
Der Großteil der Kunden (und darunter besonders die jüngeren) stellt die Frage nach Kondomen eher leise. Schüchtern und peinlich berührt wirken viele Kondomkäufer beim Erstkontakt mit einer fremden Person.
Nun beschränken sich die Antwortmöglichkeiten hier im Laden auf das Zeigen des Standortes der Kondome und auf das Anbieten der zwei Sorten (Billy Boy und FF). Erstaunlich aber, wie die Leute auftauen und die Packungen hinterher offen durch die Gegend tragen, wenn sie merken, dass andere sie dabei nicht angucken, als würden sie Kinder zeugen fressen, sondern sich mit ihnen darüber unterhalten, wie über Erdbeerjoghurt oder andere alltägliche Dinge.
Viel intensivere Beratung ist hier bei mir im Laden nicht ernsthaft möglich und auch nicht nötig. Aber ich kann mir vorstellen, dass in einem Fachgeschäft durchaus interessante(re) Diskussionen daraus enstehen können.
Ein etwas heruntergekommen wirkender Kunde wollte zwei Stangen Zigaretten kaufen. Da diese bei uns an der Kasse (bewusst und aus verschiedenen Gründen) nicht an der Kasse über eine Warengruppentaste erfasst werden können, buchte mein Mitarbeiter sie auf "Lebensmittel".
Der Man bezahlte mit einer ec-Karte, von der er zielsicher die PIN eintippte – und zog ein besorgtes Gesicht, als der den Kassenbon betrachtete: "Was ist, wenn mich die Polizei anhält? Da steht gar nicht drauf, dass das Zigaretten sind."
Naja, abgesehen davon, dass zwei Posten "Lebensmittel" mit den zufällig den Stangenpreisen entsprechenden Summen schon ein sehr offensichtlicher Beweis sind, könnte die Polizei ja auch direkt hier anrufen und sich den Kauf bestätigen lassen.
Viel mehr beschäftigt meinen Mitarbeiter und mich jetzt, warum der Kerl wohl so eine Sorge vor der Polizei hat...
Eine Kundin und junge Mami ging durch den Laden und fachsimpelte dabei ausgiebig mit ihren Gesprächspartner über Kopfläuse, die wohl gerade in ihrer Gruppe umgehen würden, und alles, was dazu gehört.
Es hat übrigens auch nichts mit "kundenunfreundlich" zu tun, wenn man bei einer Bank kein Geld auf ein gänzlich fremdes Konto einzahlen möchte, aber dieses aus verschiedenen Gründen nicht kann.
Inzwischen hat mir die Hausbank unserer gemeinsamen Kunden (und in Absprache mit diversen Vorgesetzen) netterweise den Namen der Dame zukommen lassen, so dass ich das Geld auch direkt überweisen konnte.
Damit ist die Sache für mich erstmal erledigt. Aber mich interessiert trotzdem noch, warum sie sich so lange nicht gemeldet hat. Vielleicht erfahre ich das ja noch irgendwann...
Hannes: wär zu einfach... evtl übersieht sie es ja, so ist björn dann um knappe 900 euro reicher....
verstehe auch nicht, dass das geld nicht umgehend überwiesen wird. die kontonr. wird ja wohl auf dem beleg stehen....
Penny_Lane:
ich denke, es wäre sogar die Pflicht von Bert, den Betrag (ungerechtfertigte Bereicherung) unverzüglich per Überweisung auszugleichen, wenn die Kontodaten auf der Quittung stehen.
micha:
finde ich ja sehr dreist, das geld nicht sofort zurücküberwiesen zu haben. kontodaten sind ja da, und gefahr der rückbuchung wegen ec+pin auch nicht gegeben.
also, ich würd in dem fall in zukunft einen weiten bogen um den laden machen.
chris1123:
Ich würd ihr auch die Differenz einfach überweisen - Bankverbindung steht ja bei der Buchung dabei. Macht auch nen besseren Eindruck, als wenn sie sich erst melden muss.
hanz:
Warum erstattest Du den Differenzbetrag nicht einfach auf das Konto der Dame? Finde Dien Verhalten unmöglich. Du bzw. Dein Mitarbeiter hat ein Fehler gemacht und da darf man ja wohl erwarten, dass Du die "kleine Differenz" unverzüglich erstattest, auch wenn sich keiner meldet.
Knaller: Finde das auch krass, dass das Geld nicht einfach wieder überwiesen wird.
berliner:
Ich finde das auch unmöglich von Björn, erstatte das Geld zurück und gut ist!
Und so weiter und so fort...
Und jetzt macht jeder von euch mal eine Überweisung. Allerdings nur mit der Kontonummer und mit der Bankleitzahl, ohne einen Namen beim Zahlungsempfänger einzugeben.
Und dann können wir über mein "unmögliches Verhalten" gerne noch einmal ausgiebig diskutieren.
Am Samstag vor rund eineinhalb Wochen hatte sich einer Mitarbeiter bei einer ec-Cash-Zahlung vertippt und die Kundin auf diese Weise versehentlich um 900 Euro erleichtert.
Ich hatte am Montag sofort die Bank kontaktiert und darum gebeten, die Kundin vorzuwarnen und darauf hinzuweisen, dass sie selbstverständlich das Geld von mir unverzüglich und diskussionsfrei wiederbekommen wird.
Das alles ist, wie gesagt, mittlerweile über eine Woche her und es hat sich noch niemand bei mir gemeldet. Weiß die Kundin noch gar nichts von dem Malheur? Hat sie so viel Geld auf dem Konto, dass das gar nicht auffiel? Oder ist sie so im Stress, sich um die vielen zurückgegangenen Lastschriften zu kümmern, dass sie zu nichts anderem mehr kommt?
Ich habe keine Ahnung und werde von Tag zu Tag neugieriger, wie die Sache wohl ausgehen wird.
Ein Pärchen mittleren Alters war eben im Laden und hat einige Dinge eingekauft. Plötzlich entdeckte er die reduzierten Walkers-Tütchen auf dem Restetisch und schlug vor, doch einige mitzunehmen.
Sie wurde schlagartig zur Furie: "Ey, bist du verrückt? Weißt du wann die abgelaufen sind? Am zweiten Mai. Die schmecken doch schon total scheiße, das frisst doch kein Schwein mehr!"
Ganz eingeschüchtert legte er die Chips wieder zurück.
Immer wieder erlebt man, dass Kunden nach bestimmten Artikeln fragen, die wir "immer hatten" und die sie hier "immer gekauft haben".
Ich musste eben erstmal überlegen, was die Kundin eben überhaupt meinte. Ist nämlich schon ein paar Jahre her, dass wir den Artikel, den sie "immer hier gekauft hat" mal kurzzeitig im Sortiment hatten.