Heute ist mir wieder aufgefallen, dass man doch etwas aus der Übung kommt, Leergut im Kopf zusammenzuzählen. Das reine Zählen der Flaschen klappt nach wie vor problemlos, aber das gemischte Addieren und Multiplizieren der Werte 8, 15 und 25 Cent wird langsamer.
Die Warensicherungsanlage piepte, doch die ältere Kundin mit dem Trolley ignorierte das Rufen meinder Kassiererin. Leider ist letzte noch nicht lange in dem Job und wusste zwar, dass sie mich bei Alarm zur Hilfe rufen muss - aber mit der Situation, dass jemand, der Alarm auslöst, einfach rausgeht, wurde sie bislang noch nicht konfrontiert.
Als ich von der Sache erfuhr, war die Alte gerade draußen. Niemand löst grundlos den Alarm aus, aber sollte ich ihr hinterhergehen und sie durch die halbe Seitenstraße wieder zum Laden zurückdrängen? Wir sahen uns also die Videoaufzeichnung an und mussten tatsächlich und tatenlos mit ansehen, wie sie Minuten zuvor diverse Flaschen Haarshampoo und andere Körperpflegeprodukte in ihrem Trolley verschwinden ließ. Das war also der Grund für das Piepen. Ich versuchte noch, die Frau einzuholen und spähte in alle Seitenstraßen, konnte sie aber nicht mehr ausfindig machen. Das wäre bestimmt ein Aufruhr gewesen. Ich stelle mir gerade vor, wie ich die zeternde Alte zum Laden zurückzwinge und dabei von den Besuchern sämtlicher Dönerläden, Wettbüros, Callshops und "Cafés" in der Nachbarschaft zu Tode gesteinigt worden wäre...
Die Frau ist hier übrigens schon einmal auffällig geworden. Damals hatte sie eine Kiste Mineralwasser in ihrem Trolley "vergessen". Mit "habe ich vergessen" als Begründung kam sie damals ja auch heulend hier an, und hat um Entschuldigung gebeten. Die hatten wir ihr auch gewährt.
Erlebnis einer Bekannten in einem Haushaltswarenladen in der Nähe. Sie suchte ein bestimmtes Klebeband und die Antwort des Drachens hinter dem Tresen der Verkäuferin war ein pampiges "Nö. Und wenn, dann vielleicht da hinten irgendwo!", wobei sie eine Handbewegung in eine nicht näher definierbare Richtung machte. Die einzige Richtung, in die meine Bekannte ging, war direkt zum Ausgang.
Und da jammern die Läden (bzw. deren Inhaber) immer herum, wie schlecht es ihnen doch gehen würde.
Kann ich ja gar nicht verstehen...
Unser Hubwagen ist verschwunden. Seit heute Vormittag suchen wir ihn schon mit vereinten Kräften, aber er ist nirgends zu sehen. Nicht im Lager, nicht im Laden, nicht unter irgendwelchen Regalen und auch nicht unter den Getränkepaletten. Weg.
Aus purer Verzweiflung haben wir uns eben mal die Videoaufzeichnung von heute Morgen angesehen. Der Getränkelieferant kommt, Johny kutschiert die Leergutpaletten noch durch die Gegend. Später deponiert er den Hubwagen unter einer Palette mit einem Pappballen. Einige Zeit später kam unser SPAR-LKW vorgefahren. Johny fährt den Ballen raus und dort steht er mehrere Minuten. In der Zwischenzeit wird die Ware abgeladen, der LKW-Fahrer lädt die Palette mit dem Ballen auf seinen LKW, bringt eine kleine Palette mit einem Display wieder in den Laden, fährt mit dem leeren Hubwagen raus...
...und das war's. Hurrah. Mitgenommen hat er ihn. Natürlich versehentlich und sicherlich ist der Wagen auch nicht für alle Zeiten verschwunden.
Aber die Getränkepackerei gerade ist -öhm- mühsam.
Ich dachte, wir hätten sogar die Welle der Ketten-E-Mails überstanden, in denen einem im Falle des Nichtweiterverschickens ewiges Pech angedroht wird.
Diese Briefe in "echt" (Auf Papier und mit Briefmarke) und enthaltener Aufforderung, bestimmte Dinge an die eingetragenen Personen zu schicken (Schneeballsystem), habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen. Noch viel erstaunter war ich darüber, dass tatsächlich Leute aus meinem Bekanntenkreis sowas allen Ernstes weiterreichen.
Heute wieder die beinahe schon übliche E-Mail Anfrage, wie ich sie in der Vergangenheit schon beinahe unzählige Male von den Betreibern kommerzieller Websites bekommen habe:
Wenn sie einen Artikel in Ihrem Blog über uns verfassen oder uns erwähnen könnten, wären wir Ihnen sehr dankbar. Über eine Verlinkung würden wir uns auch freuen und natürlich würden wir Sie im Gegenzug auch bei uns verlinken.
Eine fast leere Packung "Fromms", die wir vor einiger Zeit im Laden gefunden hatten, lag wochenlang hier auf meinem Schreibtisch zwischen diversen Papieren.
Nun habe ich den restlichen Inhalt verschenkt und die leere Packung in meinem Büro in die Kiste mit Altpapier geworfen.
Da liegt sie nun seit Ende vergangener Woche obenauf und ich glaube, dass niemand, der mein Büro seit dem betreten hat, nicht mindestens eine neckisches "So, so?!?" oder einen längeren Spruch darüber losgelassen hat, was ich hier so während meiner Arbeitszeit mit Kondomen machen würde...
Ein Mann betrat den Laden, bog direkt zum Kühlregal ab, nahm sich eine "Milchschnitte" und ging Richtung Kasse. Mein Mitarbeiter war gerade dabei, in der Gemüseabteilung aufzuräumen und stand zufällig die ganze Zeit so, dass er zumindest problemlos die Kasse und die Vitrine mit Tabak einsehen konnte. Er beachtete die Kasse nicht weiter, hätte aber durch eine Kopfbewegung direkt den gesamten Bereich im Blick gehabt.
Der mit der Milchschnitte versuchte, etwas aus der Tabak-Vitrine herauszunehmen und hatte dabei ständig meinen Mitarbeiter im Blick. Immer, wenn er sich in Sicherheit wog, näherte sich seine Hand der Schranktür, zuckte allerdings sofort wieder zurück, wenn sich mein Kassierer in seine Richtung drehte.
Sekundenlang stand er immer wieder zwischendurch in einer recht unbequem wirkenden Haltung gebeugt vor einem Regal, durch das er meinen Mitarbeiter beobachtete. Immer wieder versuchte er, die Glastür zu öffnen, allerdings erfolglos. Die Zeit reichte einfach nicht aus, um umgestört zuzugreifen
.
Zwischendurch wanderte er noch einmal durch den Laden und spähte auch ins Lager. Dort war niemand und von dort kam auch niemand. Verständlich, denn ich stand ja im Büro und beobachtete sein Treiben.
Wieder ging er Richtung Kasse und probierte noch mehrere Male, an die Tabakwaren heranzukommen. Allerdings erfolglos. Irgendwann brach er ab und bezahlte seine Milchschnitte.
Einen Diebstahl hat er nicht begangen. Wir können nicht einmal beweisen, dass er sogar tatsächlich etwas klauen wollte. Allerdings ist doch sein gesamtes Verhalten mehr als auffällig gewesen. Kombiniert mit etwas Menschenkenntnis und etlichen Jahren Berufserfahrung kamen wir beide zu dem Schluss, dass er definitiv vorgehabt haben muss, etwas einzustecken.
In der Vergangenheit wurde ich schon oft gefragt, wie ich überhaupt zu diesem Laden gekommen bin, bzw. wie man überhaupt auf die Idee kommt, sich mit einem Supermarkt selbstständig zu machen und diese Idee schließlich auch realisiert.
ABSTIMMUNG BEENDET!
Hier das Ergebnis:
Wir haben hier einen "alten" Supermarkt übernommen. Alles war alt, schmutzig und verbaut. Innerhalb von weniger als vier Wochen haben wir daraus meinen Laden gebaut. Die "Verwandlung" ist mit über 500 Fotos dokumentiert worden und es ließe sich sehr viel (bestimmt auch Interessantes über die Hintergründe, wieso dieser Laden nun so ist, wie er ist) dazu schreiben.
Diese Dinge haben aber nun gar keinen aktuellen Bezug und daher versuche ich's mit einer Umfrage.
Nachtrag: Neustart der Umfrage. Wer "gar nichts" wählen wollte, hatte gar keine Chance, seine Stimme abzugeben.
Gut zwei Wochen ist es inzwischen her, dass ich hier meine Idee äußerte, zumindest am Wochenende einen Türsteher hier vor dem Markt zu postieren.
Aus Zeitgründen habe ich mich noch nicht richtig intensiv mit der Sache beschäftigt. Gleich am nächsten Tag rief mich eine Kollegin an und erzählte mir, dass ein Bekannter von ihr schon als Türsteher, Ladendetektiv und im Veranstaltungsservice gearbeitet hätte und zufällig gerade einen Job suchen würde. Sie gab mir seine Nummer, ich rief ihn an, wir telefonierten nett miteinander und verblieben dabei, dass er hier am Folgetag noch persönlich erscheint, um alles genau zu besprechen. Er kam nicht und Tage später hörte ich, dass er wohl nun einen anderen Job gefunden hätte. Schön für ihn. Aber wenigstens mal absagen hätte er können.
Mitte letzter Woche stellte sich hier jemand vor, der ein eigenes Unternehmen rund um Sicherheitsdienstleistungen führt und dessen Freundin hier mitlesen würde und ihm empfohlen hat, doch bei mir mal vorzusprechen. Könnte die bloglesende Dame ihrem Lebenspartner bitte mal mitteilen, dass das Angebot bislang noch nicht hier angekommen ist?
Morgen kommt (auf meinen Wunsch) im Laufe des Tages ein Außendienstler der Firma Gunnebo Deutschland hierher, um mir das "SafePay"-System vorzustellen.
Vor allem interessiert mich natürlich, ob das System mit meinem Kassensystem kompatibel ist und natürlich, wieviel der Spaß kosten soll.
Den Kassiervorgang "bargeldlos" zu gestalten finde ich sehr interessant, vor allem im Hinblick auf die Nachtöffnung. Nachdem es in den letzten Monaten schon mehrere Übergriffe zu später Stunde auf andere Märkte hier in Bremen gab, ist es sicherlich nicht verkehrt, jegliche Bargeldvorräte unerreichbar unterzubringen und dies auch zu zeigen.
Hat jemand Erfahrungen mit "SafePay"? Mich würden sowohl die Meinungen von Kunden als auch von Einzelhändlern interessieren.
Gerade eben hat uns ein Kunde darauf hingewiesen, dass die Leuchtwerbung über dem Laden komplett aus sein würde.
Recht hatte er.
Da haben wir nun seit einem dreiviertel Jahr rund um die Uhr geöffnet und noch niemand hat bemerkt, dass die Beleuchtung um 1 Uhr erlischt, dachte ich mir und stellte die Zeitschaltuhr im Sicherungskasten entsprechend um.
Doch nichts geschah. Ich drehte an der manuellen Betätigung, doch das Licht blieb dunkel. Ich probierte sämtliche Einstellungen der Uhr durch, rannte immer wieder nach vorne, um zu sehen, ob die Beleuchtung sich auch nun wirklich so nennen dürfe, doch es passierte schlicht und einfach nichts.
Selbst mit verstellter Zeitschaltuhr müsste die Werbeanlage irgendwie dazu zu bringen sein, zu leuchten. Panik kam auf und in Gedanken sah ich mich schon eine Rechnung eines Elektrikers bezahlen. Mist.
Plötzlich der rettende Gedanke: Eine Mitarbeiterin hatte ich am Samstag Abend gebeten, die Marktbeleuchtung abzuschalten. Dies sind etwa 40 Schalter, die sich ebenfalls im Sicherungskasten befinden. Einer dieser Schalter war mit Tesafilm fixiert und mit "Außenwerbung - Nicht ausschalten!" beschriftet. Offenbar hatte sich der Klebestreifen gelöst, so dass sie den Schalter ebenfalls problemlos betätigen konnte.
Ich glaube, ich besorge mir speziell dafür mal eine Rolle Duck- / Duct- Tape.
Während ich den letzten Beitrag tippte, kam Kollege Hartmut zu mir ins Büro: "Ich glaube, du hast vergessen, den Ausgang aufzuschließen. Die Kunden sind bislang alle durch den Eingang wieder raus. Oder die Tür klemmt gewaltig."
Nein, sie klemmte nicht. Das war wohl die Müdigkeit...