Skip to content

Weitersabbeln

Eine Stammkundin ist wieder aufgetaucht. Sie war ist nicht tot, sondern war lediglich ein paar Tage im Krankenhaus.

Große Erleichterung im Kollegenkreis. Wir flüchten zwar immer alle vor ihr, weil sie so unendlich kommunikativ ist (und haben auch immer dabei ein schlechtes Gewissen) – aber andererseits haben wir sie ja auch gern. Nicht, weil sie hier Umsatz macht (okay, doch, deswegen natürlich auch), sondern vor allem, weil sie echt 'ne ganz liebe ist. :-)

Bier, mehr Bier!

Eine Frau mittleren Alters wollte drei Sechserträger Bier kaufen. Mein Mitarbeiter Gregor wies sie an der Kasse freundlich darauf hin, dass sie, wenn sie eine komplette Kiste mit 24 Flaschen kaufen würde, insgesamt sogar weniger zahlen müsste, zusätzlich sechs Flaschen mehr hätte und noch einen praktischen Rahmen dazubekäme.

Die Kundin zögerte einen kleinen Moment.

Plötzlich sprach offenbar eine etwas ältere Bekannte von ihr, die unmittelbar hinter ihr stand: "Hedwig, stellste einfach bei Fatzebuck rein: 'In der Neustadt geht die Post ab.' Dann wirste den Rest auch noch los."

Ich sach ja: Je oller, je doller. 8-)

Die vergessene Handtasche

Eine junge Frau hatte gestern Abend ihre Handtasche hier im Laden vergessen, die sie während ihres Einkaufs an der Kasse deponiert hatte.
In der Hoffnung, etwas darin zu finden, was uns die Möglichkeit gibt, die Frau zu kontaktieren, öffneten eine Kollegin und ich vorhin die Tasche und staunten ncht schlecht: Zwei Handys, Portemonnaie (leider ohne Ausweis), ein paar Briefe, Schlüssel und viel Kleinkram. Vor allem aber offenbar keine Unwichtigkeiten. Umso erstaunter waren wir, dass sie sich nach knapp einem Tag nicht schon längst danach erkundigt hatte.

In der Geldbörse lag eine kleine Hülle mit Visitenkarten diverser Ärzte. Versuch Nummer ein: Ein Anrufbeantworter sagte mir, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufen würde. Versuch Nummer zwei: Eine sehr freundliche und leider viel zu naive Sprechstundenhilfe meldete sich und wollte mir gleich Adresse und Telefonnummer der Dame herausgeben:
Ich habe hier eine Handynummer…

Ich fürchte, dann sprechen wir uns gleich wieder. Hier liegen nämlich auch zwei Handys in der Tasche.

Oh, eine Festnetznummer habe ich auch. Eins. Zwo. Drei. Vi…
Ich unterbrach Sie dabei:

Ich denke, Sie sollten da für mich anrufen.

Wieso das?

Naja, wenn mich Frau Y. fragt, woher ich die Nummer habe, wird's peinlich.

Meinen Sie, ich sollte die Ihnen nicht sagen?

Genau das. Sie kennen mich nicht. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe, stimmt zwar – aber es könnte ja auch Leute mit weniger guten Absichten geben.
Das sah sie ein. Wir unterbrachen das Gespräch für ein paar Minuten, in denen sie versuchte, die im System hinterlegte Telefonnummer zu erreichen. Dann rief sich mich zurück:
Der Anschluss existiert offenbar nicht mehr. Ich fürchte, da kann ich Ihnen auch nicht mehr weiterhelfen.
Schade. Ich bedankte und verabschiedete mich. Und nun?

Ach, scheiß drauf. Not kennt kein Gebot.
Also schnappte ich mir die beiden Handys. In einem waren gar keine Namen hinterlegt, nur Nummern in der Anrufliste. Nicht hilfreich. (Wer macht denn sowas?)

Im anderen Handy war ein kurzes Telefonbuch hinterlegt. Viele Standardnummern, von der Apothekenhotline über Jugendschutz und Taxiruf bis zu Vodafone-Stars. Ich begann einfach ganz oben, die Leute anzurufen. Nummer eins war eine Frau, die ganz überrascht war: "Der Name Y. sagt mir gar nichts. Nie gehört.

Nummer zwei: Ein junger Mann, der offenbar Handys verkauft und sich als ein Freund von der jungen Frau zu erkennen gab. Er brauchte gar keine weiterführenden Informationen und meinte, dass er ja die Vertragsdaten hätte und damit auch über alle relevanten Informationen verfügen würde.
Zwei Stunden später klingelte des Handy. Irgendeine Stimme sagte mir, dass wir rangehen sollten. Volltreffer. Es war die Eigentümerin der Tasche und sie war überglücklich, dass wir uns so viel Mühe gemacht haben.

Dann hat sich der Aufwand doch wenigstens gelohnt. :-)

98,00 Euro

Dass Kunden die Möglichkeit der ec- und Kreditkartenzahlung gerne auch zum Geldabheben benutzen, ist inzwischen nicht mehr weiter ungewöhnlich. Entweder wird der Einkaufsbetrag um oder auch auf eine runde Summe aufgestockt oder Leute kommen einfach so an die Kasse und möchten sich nur Bargeld auszahlen lassen. In dem Fall normalerweise auch immer volle Eurobeträge, die meistens auf Null oder manchmal auch auf Fünf enden.

Die abgehobenen 98,-€ von vorhin waren da nun schon tatswahrhaftig außergewöhnlich. :-)

So viel DM in einer Woche

Wir nehmen hier ja nun schon seit ein inzwischen ein paar Jahren wieder D-Mark-Bargeld an. Es dümpelt im Grunde die ganze Zeit so vor sich hin, in unregelmäßigen Abständen bekomme ich von meinen Kunden die alten Münzen und Banknoten.

In den letzten Tagen ist mir eine erstaunlich auffällige Anhäufung von DM-Zahlungen aufgefallen. Dazu habe ich drei mögliche Theorien:

a) Die Leute kratzen aufgrund der aktuellen Finanzlage ihre allerallerletzten Reserven zusammen und trennen sich dabei auch von ihren gesammelten Deutschen Mark, wenngleich das Phänomen eigentlich nur zum Monatsende auftritt.

b) Irgendwo wurde gerade bekanntgegeben, dass man generell in bestimmten Läden und auch bei mir mit DM bezahlen kann.

c) Das ist schlicht und einfach nur Zufall gewesen.

So sorgt man sich…

Eine langjährige Stammkundin, sie ist immerhin schon über 90 Jahre alt, kommt fast täglich zu uns. Gestern hat uns eine Bekannte dieser Kundin angesprochen und sich nach ihr erkundigt und gefragt, ob wir sie gestern schon gesehen hätten. Wir verneinten. "Bei ihr zu Hause stehen die Fenster auf kipp", sagte sie. "Die geht ja nirgends sonst hin und wenn, macht sie die Fenster zu. Aber aufmachen tut auch keiner bei ihr."

Wir konnten leider nicht helfen. Hoffen wir das Beste.

Banka?

Ein Mann, der ungefähr kein Wort Deutsch sprach, legte mir einen Sack mit ca. 2kg Euro-Kleingeld (1-, 2- und 5-Cent-Münzen) auf den Tisch. Keine Ahnung, ob er das nur wechseln oder auch damit irgendetwas bei mir bezahlen wollte. Ich hatte keine Lust, den Haufen zu sortieren und habe ihn zur Bank geschickt.

Er wiederholte: "Banka?"

Ich bestätigte kopfnickend und freudestrahlend und zeigte in Richtung links aus der Ladentür. Hoffentlich bedeutet "Banka" in seiner Sprache nichts Verwerfliches. :-P

So viele wie möglich!

Ein Kunde wollte bei meiner Kassiererin die "Bremer Müllsäcke" kaufen. Da die weißen Säcke pro Stück 5,35€ kosten (inkl. Entsorgungsgebühr), kaufen die meisten Kunden maximal nur ein paar Stück davon, falls der Platz in der Mülltonne mal nicht reicht.

"Wie viele braucht er denn?", fragte ich meine Kassiererin durch's Telefon.

"So viele wie möglich!", folgte nach kurzer Rücksprache mit dem Kunden die Antwort.

"Sicher? Die kosten 5,35€ pro Stück. Ich habe aber knapp zwei Kartons hier, also geschätzt mindestens 80 Stück."

Kurze Rücksprache mit dem Kunden.

"Okay, bring' mal erstmal nur einen nach vorne."

Hatte ich fast nicht anders erwartet. :-)

Käse reduzieren!

Eine Kundin kam an die Lagertür und hielt uns ein Stück Käse vor die Nase, das erst in einer knappen Woche abläuft und welches wir deswegen nur mit einem kleinen Sonderpreis (20% vom Originalpreis) als Kaufanreiz versehen haben. Für den Preis verkaufte sich der bislang immer, also alles im grünen Bereich.
"Der ist abgelaufen, den können Sie für den Preis nicht verkaufen!"
Erschrockener Blick auf die Käsepackung. Abgelaufen? Sollten wir ewas übersehen haben bei der Reduzierung? Nein, das Datum war okay.
"Der ist doch noch gar nicht abgelaufen."

"Aber der ist so viel zu teuer. So kaufe ich den nicht!"

"Ja, dann lassen Sie es doch einfach sein. Jemand anders wird sich schon darüber freuen."
Sie warf das Stück zurück in die Restekiste und stampfte davon.

Camembert?

Eine ältere Kundin hielt einem Kollegen eine Packung Camembert-Käse vor die Nase. Dabei stellte sie ihm die Frage aller Fragen:
Schmeckt der so ähnlich wie Camembert?
"Ich denke schon. Es steht jedenfalls Camembert auf der Packung", war seine ehrliche Antwort. :-)

Agaven-Dicksaft

Ein Kunde stand vor dem Reformkost-Regal und hielt mir eine Flasche Agaven-Dicksaft vor die Nase. Ob wir noch andere Sorten haben, wollte er wissen. Genauere Angaben konnte er mir dazu aber nicht machen, vor allem nicht, ob er die von einem speziellen Hersteller suchen würde. Unseren Sirup wollte er jedenfalls nicht haben.

Memo an mich: Bei Gelegenheit zwei Sorten Backofenspray auslisten und dafür noch mindestens eine Alternative an Agavensirup mit ins Sortiment aufnehmen.

Nonchalance

Eine ältere Frau rief an und erkundigte sich, ob wir inzwischen die Nonchalance-Seife wiederbekommen hätten. Sie hatte vor einer Weile bei uns das letzte Stück der Seife gekauft und bräuchte doch jetzt ein neues. Der Dialog fand etwa folgendermaßen statt:
Produkte von Nonchalance haben wir gar nicht im Sortiment. Das wüsste ich.

Doch, doch. Da waren auch noch ein paar andere Sachen und von der Seife hatte ich das letzte Stück mitgenommen. Das sind so große 150g-Stücke.
Ich guckte bei der Seife, sogar bei den Baby-Pflegeprodukten und wurde nicht fündig. Ich kenne meinen eigenen Laden zwar entsprechend gut, aber manchmal rutscht einem ja selber auch etwas durch. Irritiert rief ich zu Hause an und erkundigte mich sogar bei meiner Mutter, ob ihr dazu irgendetwas einfiele. Wie ich erwartet hatte, verneinte sie und ich wandte mich wieder der alten Anruferin zu.
Nein, die haben wir wirklich nicht im Sortiment.

Naja, Sie können ja auch nicht alles wissen.

Aber wir haben die nie gehabt. Mir sagt der Name nichts, meiner Mutter auch nicht. Und wenn irgendjemand diesen Laden hier kennt, dann wir beide!

Woanders kaufe ich aber nicht ein.

Vielleicht haben Sie die ja aber doch woanders gekauft. Oder sie haben die Seife mal irgendwann geschenkt bekommen oder jemand hat sie für Sie gekauft?

Doch, doch. Das war bei Ihnen. Die stehen ja gleich am Anfang. Wenn sie reinkommen gleich rechts in diesem Metallgestell. Da sind auch die anderen Nonchalance-Sachen und die Seife war leer. Und die Kassiererin sagte doch, dass ich ja Glück gehabt hätte, weil ich das letzte Stück erwischt habe.

Sehen Sie, das kann nicht bei uns gewesen sein. Wenn Sie hier reinkommen, stehen Sie direkt in der Gemüseabteilung. Und rechts ist ein langes Regal mit Feinkostartikeln und Cornflakes und dann kommt schon das Brotregal. Da steht mit Sicherheit keine Seife dazwischen.

Ich bin doch nur bei Ihnen. Wissen Sie, ich bin zwar schon 91 und manchmal etwas tüdelig. Aber das weiß ich ganz sicher, dass ich die bei Ihnen gekauft habe.
Das Gespräch ging noch etwas hin und her und schließlich verabschiedete sie sich freundlich und sagte mir, dass sie mir das Regal mit den Seifen und anderen Nonchalance-Produkten bei ihrem nächsten Einkauf hier mal zeigen wird.

Wir sind doch nicht nur "die"!

Mir ist gerade aufgefallen, was mir ernsthaft sauer aufstößt: Wenn Leute (Kunden) meinen Laden hier im Gespräch als "die" bezeichnen. "Produkt xyz haben die hier nicht", zum Beispiel.

Ich weiß nicht, ob ich mich gekränkt fühle oder was das ansonsten für ein Empfinden dabei ist. Wir sind nicht einfach nur ein neutrales "die" wie eine beliebige austauschbare Filiale einer Handelskette. :-(

Das tut mir gerade richtig weh. Okay, für viele Kunden ist es ein Supermarkt wie viele andere auch, aber irgendwie sind wir eben auch anders (vor allem persönlicher) und wenn man sowas mitbekommt, ist es nicht schön.
Wahrscheinlich aber auch nur für mich persönlich, vermute ich. Irgendwelche Mitarbeiter von mir dürften das wieder anders sehen…

Der Chauvi des Tages

Ein Pärchen kaufte einige Dinge ein, unter anderem einen Träger Bier. Mein Mitarbeiter an der Kasse wollte nett sein und schlug vor, den das ladenwarme Bier doch gegen einen Träger aus der Kühlungs auszutauschen. "Ach", lenkte die Kundin ein. "Bis Fußball anfängt, sind ja noch ein paar Stunden."

Er sagte nur vollkommen trocken: "Bis Fußball anfängt, dauert's noch ein paar Wochen."

Eine Minute!

Wir haben eben um kurz vor sechs Uhr Ware von einem kleineren Lieferanten bekommen. Parallel dazu kam meine Mitarbeiteren rein, die für die Frühschicht geplant ist und um 5:59 Uhr konnte ich erst wieder abschließen. Das musste ich aber auch tun, zumal wir noch eine Kasse zählen mussten und im ganzen Laden auch noch kein Licht eingeschaltet war.

Dem vor der Tür wartenden Kunden sagte ich, dass er noch eben einen kleinen Moment warten muss. Er ermahnte mich nur:
"Eine Minute!"
"Wir beeilen uns", sagte ich und bevor ich die Tür zunächst wieder zuschließen konnte, zeigte er auf das Schild mit unseren Öffnungzeiten:
"Da steht sechs Uhr. Ich muss auch zur Arbeit."
Während wir noch dabei waren, die Kasse einzuzählen, klingelte plötzlich das Telefon. Zeitgleich hielt sich der Mann vor der Tür sein Handy ans Ohr.
Ich habe das Klingeln einfach mal ignoriert, bin nicht rangegangen und habe mit den Vorbereitungen für einen neuen Arbeitstag weitergemacht.

Sonst wäre es ja noch später geworden. :-)