Einer der beiden Heranwachsenden, die letzten Samstag Morgen hier
herumgestresst haben, ist eben einer der betroffenen Kolleginnen auf der Straße begegnet.
Er hat aufrichtig um Entschuldigung für sich und seinen Kumpel gebeten. Sie waren an dem Morgen angetrunken und die ganze Aktion war den beiden so unendlich peinlich und sie würden sich seit dem nichtmal mehr in den Laden trauen – und das, obwohl sie doch sonst recht häufig hier waren. Die Pöbeleien, die Beleidigungen und das Auftreten der Ladentüren tut ihnen Leid und wenn sie nun noch den Rat meiner Mitarbeiterin beherzigen, hier direkt im Laden bei einer weiteren betroffenen Person (nämlich bei mir) um Entschuldigung zu bitten, würde es mich ernsthaft freuen. Und natürlich dürften sie dann hier auch wieder einkaufen.
Nachdem die Kundin bei mir ihren kleineren Einkauf bezahlt hatte, merkte sie, dass sie noch ein Teil vergessen hat und erkundigte sich ganz zaghaft, ob sie wohl nochmal in den Laden gehen dürfe.
Natürlich durfte sie.
Ich will ja niemandem vom Geldausgeben abhalten.
Ein Kunde wollte den Preis für eine Flasche Limo wissen. Ich suchte die gewünschte Information raus und sagte ihm:
Neunundneunzig Cent, plus Pfand.
Mit Pfand oder ohne?
Nein, Pfand kommt noch dazu. Neunundneunzig plus Acht.
Mit Pfand dann also?
Genau. Neuneunneunzig plus acht Cent Pfand.
Neunundneunzig ist dann der Komplettpreis?
Nein, die acht Cent kommen noch dazu. Ein Euro und Sieben komplett.
Achso.
Ist "Plus Pfand" so missverständlich?
Eine Kundin monierte nach dem Bezahlen einen der von ihre gekauften Artikel. Er wäre gerade im Angebot und kostet nur 1,39€ statt 1,99 und sie würde gerne die Preisdifferenz erstattet bekommen.
Nun ist es so, dass sich diesen Regalplatz zwei Artikel von zwei verschiedenen Herstellern teilen – die natürlich auch unterschiedliche Preise haben. Lässt sich hier im relativ engen Markt nicht immer vermeiden und war in der Vergangenheit auch noch nie ein ernsthaftes Problem. Nachdem ich der Kundin das erklärte und auch mitteilte, dass auf den Schildern nicht nur der Preis, sondern auch der Name des Produkts, bzw. auch des Herstellers zu finden ist, informierte sie mich nur darüber, dass wir das gefälligst zu ändern hätten.
Jawoll!
Wenn's bei mir irgendwann so weit ist, dass ich morgens um kurz nach Sechs Uhr ausschließlich deshalb losgehe, um die aktuellen Ausgaben der "Freizeit Aktuell", "Meine Revue" und "Das goldene Blatt" zu kaufen – gebt mir bitte den Gnadenschuss.
Ein anglophoner Kunde wollte wissen ob wir ihm bei Auffinden der richtigen Busverbindung zum gelb-blauen Möbelhaus helfen können.
Die Sprache war nicht das Problem. Das Herausfinden der richtigen Busverbindungen stellte mich vor die eigentliche Herausforderung.
Merke: Braune Eier aus einer grauen Packung schmecken besser, als weiße Eier aus einer bunten Verpackung.
Manchmal braucht es viel Überzeugungsarbeit.
Ein besorgter Stammkunde rief gerade ganz panisch in mein Büro: "Chef! Chef!! Chef!!! Es riecht ganz angebrannt da hinten beim Lager!"
War aber zum Glück nicht so aufregend, denn ein Monteur lötete gerade an einem unsrer Kühlregale und das löste wohl den leicht brenzligen Duft aus.
…und dann war da noch der Kunde, der um fünf Minuten vor Mitternacht (und damit Feierabend) hier noch mit ein paar prall gefüllten Tüten Leergut reinkam.
Und das vor einer sowieso nur nichtmal fünf Stunden dauernden Nacht, denn morgen früh um 5:45 Uhr muss ich schon wieder hier im Laden sein.
Gerade bei exotischeren Bio-Artikeln kommt es häufiger mal vor, dass es Lieferschwierigkeiten gibt. Auch unser Großhändler hat nicht jeden Artikel palettenweise vorrätig und selbst bei deren Kleinmengen kommt es mal zu Regallücken oder sogar MHD-Problemen.
Mich von einer Kundin geradezu verspotten lassen zu müssen, mit dem Hinweis, dass wir hier ja nicht in der DDR wären, ist traurig. Hätte ich gesagt, dass ich einfach nur zu doof war, den leeren Regalplatz zu sehen und entsprechend 1000 Kartons nachzubestellen, hätte sie wahrscheinlich überlegen triumphiert.
Wir können froh sein, dass er nicht von "der Aufsicht" sei, sagte uns ein Kunde mit drohendem Unterton, als er konventionelle Artikel in einem Kühlregal entdeckte, an dem ein "Bio"-Hinweis hängt.
Wieso müssen sich so viele Leute eigentlich ständig irgendwie gegenüber fremden Personen wichtig machen?
Zwei Heranwachsende standen vor dem Tiefkühlschrank und unterhielten sich über die Tintenfischringe, die einer der beiden in der Hand hielt:
Hier, die musst du mal probieren. Voll lecker!
Was ist denn da drin?
Ja, Fisch und so!
Und Panade und so.
Ein junger Mann stand bei mir an der Kasse und wollte ein Päckchen Zigaretten kaufen. Da ich nicht einschätzen konnte, ob er schon über 18 ist, fragte ich nach dem Ausweis. Seine Reaktion: "
Habe ich nicht, aber Sie kennen doch meine Mutter, Frau xyz."
Ja, Frau xyz kannte ich wohl, aber ihn deswegen noch lange nicht.
Also blieb sein Tag vorerst rauchfrei.
Eine Kundin wollte vor ein paar Wochen ein Bier haben, das bei uns eher mäßig läuft. Eine Kiste hätten wir einfach so bestellt, aber die gewünschten fünf Kisten ("das ist ja soo lecker") wollten wir nur gegen eine Anzahlung beim Lieferanten anfordern. Die Kundin wollte das klären und sich wieder melden.
Wir haben nichts mehr von ihr gehört. Aber das hätten wir erfahrungsgemäß auch dann nicht, wenn wir das Bier bestellt hätten.
Einer Kundin dauerte es an der Kasse zu lange. Vor allem musste ich sämtliche Geldrollen neu aufdröseln, da ich mit einer ganz frischen Kasse angefangen hatte. Ihr Kommentar: "Wenn ich so lahmarschig arbeiten würde, hätte ich von meinem Chef längst einen Einlauf bekommen!"