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Von woanders

Eine Kundin sprach mich im Laden an und wollte wissen, ob wir eine bestimmte Sorte Grünkohl im Sortiment hätten. Dabei hielt sie mir eine Packung tiefgefrorenen Grünkohl als Muster vor die Nase: "Den hier habe ich von woanders."
Ich zeigte ihr das Gewünschte und überlegte noch, ob ich sie auf den (angeblich?) mitgebrachten Grünkohl ansprechen sollte. Immerhin hätte dies auch der Versuch sein können, sich eine Packung zu erschleichen. "Im Zweifel für den Angeklagten", dachte ich mir, vor allem auch bei einem Warenwert von gerade mal etwas über einem Euro, und sagte dazu nichts weiter.

Einige Minuten später rief mich meine Kassiererin nach vorne: "Die Kundin hat zweimal Grünkohl und sagt, dass sie eine Packung schon mitgebracht hätte." Ich erklärte ihr, dass das so okay wäre und gab der Kundin noch den Hinweis, beim nächsten Einkauf unbedingt beim Betreten des Marktes Bescheid zu sagen, wenn sie Waren aus einem anderen Geschäft mitbringt.

Während ich ihr das sagte, suchte sie den zum Grünkohl gehörigen Kassenbon, da sie mir unbedingt noch zeigen wollte, dass die Ware wirklich nicht aus meinem Laden stammt. Erstaunlich, dass sie den Bon überhaupt gefunden hat - während ihrer Suche türmte sich auf dem Packtisch ein Haufen aus abermillionen etlichen Kassenbons verschiedener Geschäfte. Wie kann man nur so viel Zeugs mit sich rumschleppen... :-)

Abgelaufen

Eine Kundin beschwerte sich darüber, dass das auf diese Konservendose aufgedruckte Haltbarkeitsdatum schon längst überschritten ist:

Das Datum steht bei Konservendosen (fast) immer auf dem Etikett und ist meistens bis zum Ende eines Jahres angegeben. Welchen Teil dieses Aufdrucks sie als Datum identifiziert haben will, ist mir sowieso schleierhaft. Ich würde dort höchstens den 17. Februar 2009 erkennen:


Immer wieder: Zu hell, zu dunkel...

Das leidige Thema: Man kann es nunmal niemandem recht machen:

Sind die Brötchen etwas heller geraten, beschweren sich die Kunden, dass sie noch blutig ROH sind.

Läßt man die Brötchen dagegen etwas länger im Ofen, beschweren sich die Kunden, dass sie ja völlig VERBRANNT sind.

So ganz ohne Kunden wäre es hier im Laden aber auch fürchterlich langweilig... :-)

Quer durch den Laden

Ich bin eigentlich relativ stolz auf diesen starken persönlichen Umgang, den wir hier im Laden umzusetzen versuchen. Manche Kunden (gerade jüngere, vor allem auch Studenten) gehen nicht "zu SPAR", sondern "zu Björn". Eigentlich cool, oder? Eigentlich, wenn nicht...

...wenn nicht sogar schon manche ältere Kunden, die zwar nett, aber dennoch "nur" Kunden sind und mit denen ich persönlich nichts weiter zu tun habe, quer durch den Laden "Bjööörn!" rufen, wenn sie was wollen.

Das geht sogar mir manchmal eine Nummer zu weit. :-(

Aufregung an der Kasse

Ich sollte ganz schnell zur Kasse kommen. Ein Kunde ist zusammengebrochen und lag auf dem Boden. Ein paar Kunden kümmerten sich um ihn, richteten ihn auf und sprachen mit ihm.

Während ich noch die Leitstelle der Feuerwehr am Telefon hatte, kam der Kunde langsam wieder zur Besinnung. Er stand auch selbständig wieder auf und sagte, dass er den Weg nach Hause alleine schaffen würde. Der Mann am anderen Ende der Leitung freute sich, dass sich das Problem von alleine erledigt hat und auch meinen Kunden, anwesenden Mitarbeiten und mir spürte man die Erleichterung an.

Vor 1,5 Jahren hatte er es nicht alleine geschafft.

Angegrabbelt

Eine Stammkundin packte sich eben ein paar Brötchen ein. Ich beobachtete sie zufällig dabei, wie sie nicht die Zange benutzte, sondern mit den Händen in die Boxen griff. Okay, dachte ich mir, das machen viele so, weil die Zangen zugegebenermaßen manchmal etwas umständlich sind. Wer die Brötchen mit den Händen anfaßt, besitzt aber normalerweise auch so viel Anstand, darauf zu achten, nur die Brötchen zu berühren, die auch hinterher in der Tüte landen.

Die Kundin eben hat einige Brötchen nach deren Sichtung wieder in die Kiste zurückgeworfen und sich stattdessen ande (Schöner, heller, dunkler - wer weiß, wie ihre Kriterien waren...) genommen. Ich sprach sie direkt darauf an, dass sie bitte die Zange dazu verwenden soll und konnte mir nicht verkneifen, ihr demonstrativ zu zeigen, dass die Zangen an jeder Schütte hängen und wie man sie benutzt.
Natürlich wußte sie das alles, winkte ab und hatte es plötzlich ganz eilig, zur Kasse zu kommen...

Manchmal möchte man echt den Kunden Kopf schütteln.

Gemahlener Kaffee

Frisch gemahlener Espresso:



Eigentlich sollte der Kaffee aber gar nicht gemahlen sein und geöffnet schon gar nicht. Oder zumindest nicht mehr hier im Laden. Aber von vorne:
Ein Kunde hat eine Packung Espresso (in ganzen Bohnen) aus dem Regal genommen, diese geöffnet und den Inhalt ungefragt in einer Kaffeemühle, die hier momentan für ganz spezielle Zwecke im Laden steht, gemahlen. Das wäre ja zu verschmerzen gewesen, wenn dieser Kunde nicht plötzlich an der Kasse gemerkt hätte, dass sein Geld nicht reicht, um den Kaffee zu bezahlen.

Verkaufen kann ich den in dem Zustand natürlich nicht mehr. Zum wegwerfen finde ich den Kaffee allerdings auch zu schade. Vielleicht finden sich ja ein paar Mitarbeiter, die ihn gerne in der nächsten Zeit zum Frühstück trinken möchten...

Nachtrag: Der Kunde kam ein paar Tage später wieder und nutzte gerade die Kaffeemühle für seinen Espresso, als ich ihn ansprach, ob er schon früher seinen Espresso dort gemahlen hätte. Daraufhin konnte ich ihm das andere Paket Espresso aushändigen. :-)

Ding-Dong!

Okay, diese Kundin hat die Leergutklingel gefunden und hat nicht "Halloooooooo!" ins Lager gerufen.

Bemerkenswert diesmal ist allerdings, dass ich gerade mal 1,5 Meter von ihr entfernt stand.

Kaffeedoppel

Ein Kunde wollte gerade den Kaffee aus dem Angebot kaufen und erkundigte sich danach an der Lagertür. "Wieviel brauchen Sie denn?", fragte ich ihn.

Er wollte einen ganzen Karton (mit 12x 500g-Packungen) haben. Das war auffällig - hatte doch keine zehn Minuten zuvor bereits eine Kundin auch eine komplette Einheit haben wollen. Ich erzählte ihm das als unwichtige Anekdote eher beiläufig, während ich ins Lager ging. Plötzlich hielt der Kunde inne, überlegte und erkundigte sich nach dem Aussehen der genannten Kundin.

Die Beschreibung schien jedenfalls auf seine Frau zu passen und bevor er nun noch einmal die wohl gemeinsam besprochene Kaffeemenge kaufen würde, wollte er sich doch vorsichtshalber noch vorher zu Hause erkundigen.

Hallo?

"HALLOOOOOOOO!?!", rief jemand an der Lagertür.

Och, Leute. Unsere Klingel ist doch viel wirksamer. Die hört man nämlich sogar im Laden. Und klingt, mit Verlaub, sogar noch angenehmer. :-)

Alternative

Ich brauche eine Vodafone-Karte, 15 Euro.

Die sind leider gerade aus.

Dann nehme ich einmal die 15 Euro Extra-Cash D1.

:-)

Teebeutel

Zwei kleine Jungs hielten mir ihren Einkaufszettel vor die Nase. Teebeutel sollten sie mitbringen. Auf dem kleinen Notizzettel stand nichts weiter drauf als Teebeutel. Sonst nichts. Weder eine Marke, noch ob es z.B. Schwarztee oder Früchtetee sein sollte.

Verstanden haben sie meine Fragen leider nicht, aber eine türkische Mitarbeiterin konnte den beiden dann helfen.

Es ist echt eine Schande, daß viele Migrantenkinder hierzulande einsprachig aufwachsen und im Grundschulalter kaum Deutsch sprechen.

Da stimme ich Horst Köhler zu: "Kinder aus Einwandererfamilien stehen leider auf allen Bildungsstufen schlechter da. Eine frühe Förderung käme vor allem Kindern aus bildungsfernen Familien zugute."
Viele Politiker fordern einen verpflichtenden Kindergartenbesuch. Für Kinder aus Migrantenfamilien erhöht der Besuch einer Kindertageseinrichtung die Chancen, ihre Sprachkenntnisse nachhaltig zu verbessern. Das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung soll kostenlos sein – dieses Thema wird derzeit in jeder Gemeindevertretung, in jedem Stadtparlament behandelt.

So, genug politisiert. Und auch nur aus aktuellem Anlaß hier im Laden. :-)

Ur-in-stinkt

Einer der Kunden, die sich von uns mit Ware beliefern lassen, hat es heute geschafft, dass wir genau dieses ab sofort bei ihm nicht mehr tun. Zumindest nur mit ein paar neuen Spielregeln.

Er lebt alleine, allerdings fehlt es ihm gewaltig an Hygiene. In seiner Wohnung stinkt es erbärmlich, überall hängen Spinnweben, Unrat liegt herum, schmutziges Geschirr - der Gesamtzustand läßt sich gut mit "katastrophal" beschreiben.

Letztes Jahr, als eine Kollegin ihm Ware gebracht hat, trug er eine schlabberige, kurze Hose, aus der ihm schon ein Ei ein Teil seines Gemächts heraushing. Sie hat ihm die Ware gebracht und geschworen, dort nie wieder hinzugehen.
Meine Botin hat derartiges bislang noch nicht erlebt. Trotz der verwahrlosten Wohnung hat sie ihm immer noch Ware gebracht. Ab und zu roch das Geld etwas strenger, aber es war meistens auszuhalten.

Einer der Scheine, die ich eben bekommen habe, hat ca. einen 5mm breiten, gelblichen Rand. Ein extremer, widerlich stechender Geruch stiegt mir in die Nase, als ich die Banknote in der Hand hielt: Abgestandener Urin. Ich habe den 10er in einen versiegelten "Zip-Loc" Gefrierbeutel gesteckt und werde ihn auch so, zusätzlich mit einem Warnhinweis versehen, zur Bank geben.

Was unseren Lieferkunden betrifft, werde ich mir irgendetwas ausdenken müssen. Vermutlich braucht der alte Mann dringend Hilfe - aber der aktuelle Zustand ist meinem Personal definitiv nicht mehr zuzumuten.

Nachtrag:
Ich habe gerade gesehen, dass ich ja schon einmal darüber berichtet habe. Aber so schlimm wie heute war es noch nie.

Witzig allerdings, dass ich den selben Titel für den Eintrag gewählt habe. Das ist wirklich Zufall gewesen. :-)

Nachtrag 2:
Das mit dem Beutel war übrigens mein voller Ernst:


Bis zum 08.11.2006

Eine Kundin hat eben auf der Jagd nach einer Packung Wurst, die sich mindestens 100 Jahre halten soll, das Wurstkühlregal durcheinandergebracht. Die Suche verläuft nunmal am erfolgreichsten, wenn man alle Packungen herausnimmt, die hinterste in den Einkaufswagen legt und den Rest einfach wieder ungeordnet ins Regal wirft.

Der Lohn für die Mühe: Die gekaufte Packung hält genauso lange, wie die erste im Stapel und alle anderen dazwischen auch. :-)