Wir haben gerade Tafeltrauben im Angebot. Sorte "Italia", für 69 Cent pro Kilogramm-Schale. Das war ein Sonderpreis, den ich zu gestern bekommen hatte und natürlich auch an die Kunden weiterreiche.
Die in solchen Fällen öfter auftauchenden Fragen nach dem "Warum" sind mitunter sehr frustrierend. Was soll man denn dem Kunden erklären, außer das man einen Sonderpreis wegen Überbestand im Großlager bekommen hat?
Manchen Leuten reicht dies nicht als Erklärung und darum bohren sie dann trotzdem noch weiter. Ich glaube, die geben erst Ruhe, wenn man ihnen erzählt hat, dass die Trauben in Wirklichkeit Gammelfleisch sind oder genmanipuliert...
Viele Kunden kaufen ohne jegliche Behältnisse ein. Kein Korb, kein Einkaufswagen, nicht einmal mitgebrachte Taschen werden gefüllt. Oft ergibt sich aus den ursprünglich wenigen benötigten Produkten ein nicht mehr ganz so kleiner Einkauf, der oft mühsam irgendwie mit Händen und Armen transportiert wird.
Wann immer wir einen Kunden sehen, der so durch den Laden geht, drücken wir ihm einen roten Einkaufskorb in die Hand. Zum einen als freundliche Serviceleistung, zum anderen natürlich auch, weil so möglicherweise noch das eine oder andere Teil zusätzlich gekauft wird. Der Ursprungsgedanke war aber tatsächlich der Kundenservice und bislang hat sich noch jeder Kunde über einen Korb gefreut.
Eben war eine Kundin hier, die ebenfalls einige Dinge auf ihrem angewinkelten linken Arm balancierte. Ich lief natürlich sofort los und holte einen Korb. Als ich wieder zu der Kundin kam, war sie gerade im Gespräch mit einem meiner Mitarbeiter. Als ich näher kam sah ich, dass er auch einen Einkaufskorb in der Hand hielt und sie gerade ganz erfreut ihren Einkauf dort hineinstapelte.
Ein herrlicher Zufall jedenfalls. Zwei Doofe, ein Gedanke.
Unsere Kunden hier sind wirklich an Service und Geschwindigkeit gewöhnt. Wenn es an der Leergutkasse klingelt und von uns nicht sofort jemand loslaufen kann, klingelt es meistens spätestens nach 20 Sekunden erneut.
Das macht schon Stress, aber irgendwie freut es mich auch. Wenn ich mir vorstelle, wie schlecht die Laune dieser Kunden werden dürfte, weil sie in anderen Geschäften oftmals deutlich länger warten müssen. Und wie sehr sie sich dann über den Service hier freuen könnten.
Schade nur, dass viele das gar nicht zu schätzen wissen.
"Wo haben Sie denn jetzt den Spinat? Der stand doch sonst immer hier!", sprach die Kundin, während sie etwas verzweifelt auf eine kleine Kühltruhe zeigte.
"Der steht da drüben in den Schränken. Aber schon seit über einem Jahr."
Anm.d.Red.: Ich wußte von nichts. Die geplante Lieferung hatte die Kundin direkt mit meiner Botin ausgemacht. Aber mit 'nem doofen Verkäufer kann man's ja machen.
Sollte es mir zu denken geben, wenn eine Kundin an mir (in roter Weste) acht- und wortlos vorbeigeht und stattdessen einen Mitarbeiter anspricht, der gerade zufällig in Zivilbekleidung an der Lagertür steht?!?
Der Jägermeister-Sonnenschirm, den es hier im Markt in den letzten Wochen zu gewinnen gab, ist übrigens heute abgeholt worden.
Bis Montag hätte ich noch gewartet, dann hätte ich die ausbleibende Reaktion als Desinteresse verbucht und eine neue Karte gezogen. Nun - die Kundin war im Urlaub und hat auch nicht wirklich damit gerechnet, dass ausgerechnet sie gezogen werden würde. Da die Verlosung aber nur ausschließlich hier im Markt unter Kunden stattfand, war die Chance nun nicht sonderlich klein.
Also (noch einmal): Herzlichen Glückwunsch!
Dann kann der Schirm ab sofort ja ausgiebig auf seine Tauglichkeit als Regenschirm getestet werden.
Ein Mann erkundigte sich bei mir ganz beiläufig, wann denn mal wieder Kollegin N. arbeiten würde. Die Frage und sein Tonfall klangen so vollkommen alltäglich. Schade nur, dass er N. gerade verpasst hatte.
Von nun an rede ich mir ein, dass das einfach nur schüchterne Liebeserklärungen an den kleinen Björn sind. Anders kann es gar nicht mehr sein, dass hier dauernd mit Herzen bemalte Banknoten ankommen.
Frage einer Kundin: "Wie kann es sein, dass Sie um 12 Uhr keine BILD-Zeitung mehr haben?"
Was soll man darauf antworten oder was möchte eine Kunde auf diese Frage überhaupt für eine Antwort haben. Die Wahrheit ist: "Ausverkauft.", aber das sieht man ja nun auch so ohne zu fragen...
Eine Kundin stand an der Leergutannahme. In der einen Hand hielt sie eine Flasche, in der anderen eine deutlich gefüllte Plastiktüte. Es gibt genug Kunden, die ihr Leergut in mehreren Behältnissen transportieren und dabei mitunter auch einige Flaschen in der Hand halten. Da sich in der Tüte auch durchaus leere Flaschen hätten befinden können, fragte ich wie üblich: "Haben Sie nur die eine Flasche?"
Sie sah mir direkt in die Augen: "Ich bin nicht krank..!"
Ja, nee... Is' klar.
Nachtrag:
Sie hatte übrigens eine leere Mineralwasserflasche dabei.
Es war ja sicherlich gut gemeint von dem Kunden oder der Kundin, eine Packung Toastbrot in die Futterspendenbox für das Tierheim zu werfen.
Die Tatsache, dass die Kiste nicht regelmäßig, sondern mitunter nur alle paar Wochen geleert wird, sorgte für grünweissen Wildwuchs in der Brotpackung.