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Tabak

Ein Kunde löste beim Betreten des Marktes den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Schuld daran war ein Päckchen Tabak, auf dem das noch scharfe Sicherungsetikett klebte.

Das wäre so weit nicht sonderlich ungewöhnlich, wenn er den Tabak nicht ausgerechnet bei einem kleinen Telefonladen Callshop gekauft hätte, der nichtmal annähernd sowas wie eine Warensicherungsanlage besitzt.
Die Vermutung, die der Kunde und ich teilten: In dem Laden wird höchstwahrscheinlich Hehlerware verkauft - im Umfeld diverser Kioske, Quickshops und ähnlicher Geschäfte leider eine sehr verbreitete Methode, wie mir auch schon in der Vergangenheit so mancher Ladendieb berichtete.

Nektarinen

Kundenservice kann man vermeiden. Oder ihn leben und dabei versuchen, allen Kunden irgendwie immer so weit wie möglich entgegenzukommen und lieber mal ungerechtfertigt zu verzichten, als aufgrund falscher Rechthaberei einen Kunden zu verärgern. So viel zu meiner persönlichen Meinung.

Eine Stammkundin sprach mich vorhin an und erzählte mir, dass sie gar nicht zufrieden mit meinem Geschäft wäre. Ich wurde natürlich sofort hellhörig und wollte mehr wissen. Nun:

Sie hatte vor ein paar Tagen eine Schale Nektarinen gekauft. Den genauen Grund für die Reklamation weiß ich nicht mehr, aber wahrscheinlich waren sie entweder matschig oder zu hart. Sie brachte die Schale zurück und sprach eine meiner Aushilfen auf das Problem an.
Diese Aushilfe, nicht befugt, darüber zu entscheiden, handelte genau richtig und schilderte das Problem jemandem, der eine konkrete Anweisung geben konnte: Biete der Kundin an, eine neue Schale mitzunehmen oder sich das Geld in bar auszahlen zu lassen.
Die Kundin entschied sich sich für die Auszahlung und so ging der Kollege erneut los und jemandem Bescheid sagen, der dazu befugt ist. (Jetzt bitte nicht die 100.000ste Diskussion über Stornoberechtigungen...)
Alles in allem war der Vorgang vollkommen unkompliziert, rein rechtlich hätte der Kundin sogar der reine Warenumtausch genügen müssen. Dies war in meinen Augen eine kulante und vollkommen unkomplizierte Problemlösung. Der Kundin war das alles zu schwierig und vor allem die Wartezeit wäre eine Unverschämtheit gewesen. Meine Erklärungsversuche prallten an ihrem Rücken ab, als sie sich wortlos umdrehte und ging.

Manchen Leuten kann man's echt nicht Recht machen...

Süd und Ost

Zwei Jugendliche gingen durch den Laden, einer der beiden hielt eine Kiwi in der Hand.
Der mit der Frucht sprach im Vorbeigehen in provokanter Art zu einer Mitarbeiterin von mir, dass es ja wohl in Ordnung wäre, wenn sie die Kiwi hier gleich im Laden aufessen würden.

Ich persönlich hätte auf den Spruch wahrscheinlich nicht viel gegeben oder mit einer passenden Antwort gekontert. Dass meine polnischstämmige Aushilfe höflich aber sehr ernst antwortete, dass er die Kiwi vor dem Verzehr erst noch bezahlen müsse, nutzte er für weitere Provokationen. Es folgte ein kurzes Hin und Her, dass u.a. mit Wörtern wie "Schlampe" endete.

Naja, "beendet" habe ich die Runde letztendlich, in dem ich die beiden Typen an die frische Luft gesetzt habe. Die brauchten sie wohl auch, denn "Wir geh'n hier nisch mehr her, der Laden schdinkt." war wohl der entscheidende Hinweis...

TK-Kohlrouladen

Ob wir denn noch die tiefgefrorenen Kohlrouladen wieder reinbekommen würden, wollte eine Kundin wissen. Die wären sehr lecker und vor allem gar nicht teuer gewesen.

Wiederbestellen ist vorerst nicht geplant.
Natürlich waren die nicht teuer. Wir hatten ja auch vor Monaten schon den gesamten Restbestand auf einen Bruchteil des ursprünglichen Verkaufspreises reduziert, um die ablaufenden Reste loszuwerden.

Auf Kommission

Natürlich verkaufen wir hier auch Getränke auf Kommission. Wer nicht weiss, ob er für seine Party nu 15 oder 20 Kisten Bier braucht, kann erstmal großzügig mitnehmen und komplette Kisten hinterher gegen Barauszahlung wieder herbringen. Dies gilt bei mir und auch bei jedem anderen mir bekannten Laden ausschließlich für vollständige Getränkekästen.
Falls doch mal Flaschen fehlen, ist das meistens auch kein Problem. Von der Gutschrift für die gesamte Kiste ziehe ich dann einfach die Anzahl der fehlenden Flaschen zum Einzelverkaufspreis ab. Das bringt niemanden um und ich als Kunde würde mich darüber freuen.

Ob nun mein Mitarbeiter oder die Kunden bei seiner Erklärung das falsch verstanden hatten, weiss ich nicht.
Das nach der Feier wieder mitgebrachte Durcheinander aus kompletten und angebrochenen Kisten, teilweise durch mehrere Biersorten hindurch bunt gemischt mit vollen und leeren Flaschen war bezüglich einer ordentlichen Gutschrift schon eine Herausforderung für mich.

Ich hätte es jedenfalls nichtmal gewagt, die Reste überhaupt so unsortiert wieder zum Supermarkt zu bringen und mit dem Hinweis auf den Kommissionskauf eine Rücknahme zu verlangen...

Optimismus

Samstag Nachmittag um 17 Uhr hier im Laden anzurufen und noch zur Auslieferung für den selben Tag Ware zu bestellen ist - nunja - recht optimistisch.

Ich versuch's trotzdem mal mit der Auslieferung.

Wein für eine Schwangere

Ein Kunde suchte einen Wein, der "Speziell für Schwangere" geeignet sein soll und den es hier bei mir im Markt geben soll.

Ich hatte keine Idee, was er wohl meinen könnte und habe ihm deshalb einen alkoholfreien Wein angeboten. Das war nämlich der einzige, der mir für eine schwangere Frau wirklich tauglich schien.

Reingeworfen

Ein Pärchen, das ich rein optisch der fröhlichen Runde an der Piepe (Zentraler Treffpunkt für Drogen und Alk) zuordnen würde, betrat eben den Laden. Ihr Weg führte direkt zum Regal mit Damenhygieneartikeln - meiner ins Büro zur Überwachungskamera. Tampons sind nunmal teuer und ich daher pauschal misstrauisch.
Die Blicke ihres Begleiters führten immer wieder zur Kamera. Ob das nun Zufall war, oder nicht, kann ich allerdings nicht sagen. Eingesteckt haben die beiden nichts, aber auf dem Weg zur Kasse warf sie dann eine kleine Packung Tampons noch schwungvoll ins Süßwarenregal.

Früher hätte ich noch versucht, bei sowas ruhig zu bleiben. Stillschweigend hätte ich hinterhergeräumt und die Ware wieder an ihren eigentlichen Platz gestellt. Der Kunde ist schließlich König.

Ist er auch eigentlich immer noch, unabhängig von der Optik, aber trotzdem sage ich inzwischen meine Meinung, wenn der Monarch sich wie eine alte Sau benimmt.

An der Kasse sprach ich die Frau ruhig, aber bestimmt, darauf an, dass sie die Sachen beim nächsten Mal ruhig wieder ins Regal zurücklegen darf und sie nicht irgendwo ins Regal zuwerfen braucht. Sie fühlte sich wohl doch ertappt und murmelte irgendwas, das wie "mache ich nicht wieder" klang...

Aufgehoben ist nicht unter's Regal geschoben

Während ich im Gespräch mit einem Handwerker war, beobachtete ich aus dem Augenwinkel folgendes:

Eine Kundin suchte etwas im Gewürzregal. Plötzlich fiel ihr ein Gewürztütchen zu Boden, welches sie unmittelbar darauf hektisch mit dem Fuß aus dem Gang unters Regal verschwinden ließ.
Sekundenbruchteile später drehte sie sich um und muß zumindest geahnt haben, dass ich sie bei ihrer Aktion beobachtet hatte - jedenfalls bückte sie sich, hob das Gewürz auf und stellte es wieder ordentlich ins Regal...

Ich glaube, der Kundin war die Sache mächtig peinlich. Mein Lachanfall tat mir jedenfalls ganz gut. :-)

1,5 Millionen

Vor ein paar Tagen ist mir beim groben Überschlagen aufgefallen, dass hier im Geschäft in der Gastfeldstrasse seit Geschäftseröffnung rund 1,5 Millionen Kunden durchgelaufen sind. Eine recht beachtliche Zahl, wie ich finde.

Diese große Anzahl an Besuchern und der Zeitraum von inzwischen mehr als sechs Jahren haben ihre Spuren hinterlassen: Vieles hier im Markt ist inzwischen abgenutzt oder sogar beschädigt. Einiges ist schmuddelig und der Laden ist im Laufe der Jahre einfach immer mehr verbaut worden. Jetzt, im direkten Vergleich mit dem neuen, hellen Markt in Findorff, fällt mir das erst recht auf. Bislang war's immer eine Mischung aus Betriebsblindheit und Gewohnheit, denke ich - aber nun wird aufgeräumt und neu gestaltet. Zwar nicht gleich nächste Woche, aber schon noch dieses Jahr.

Frisch umgebaut

Entschuldigung, wo habt ihr denn jetzt die H-Milch?

Ich interpretiere in das Wort "jetzt" irgendwie den Vorwurf hinein, gerade erst und vor allem mal wieder umgebaut zu haben. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, aber ich empfinde es nunmal so.

Der Umbau ist ja auch erst fast ein Jahr her...

Unter der Gürtellinie

Ob der Mann irgendwelche Drogen oder Alkohol genommen hatte, kann ich nicht sagen. Vielleicht war er auch einfach nur krank oder behindert. Jedenfalls wirkte er zeitweise sehr normal (Typ seriöser Endfünfziger im entspannten Müßiggang). Im Grunde suchte er nur schlendernd einen kleinen Einkauf zusammen, stellte sich an der Kasse an und bezahlte seine Waren.

Wie gesagt: Im Grunde.

Tatsächlich war es so, dass er sehr kommunikativ war und alle möglichen Leute anquatschte. Dazu gehörten auch ein paar Mitarbeiter/innen und ich. Er warf mit obszönen Begriffen um sich und sprach die anderen Kunden teilweise sehr direkt auf ihr Sexualleben an und unterstellte ihnen diverse Vorlieben und Neigungen.

Nach einigem Zureden blieb er dann halbwegs friedlich und verließ nach dem Bezahlen auch freiwillig den Laden. Ich war sehr dicht davor, ihn gezielt an die frische Luft zu setzen.

Muffin

Mitten im Laden lag auf dem Fußboden ein Taschentuch. Ich hielt an, hob es mit spitzen Fingern auf und stellte dabei fest, dass es relativ schwer war. Der Grund dafür war der schwarzbraune, matschig-feste Klumpen, der im Taschentuch klebte.

Ich rede mir jetzt ein, dass es ein Stück Schokokuchen war.