Dass der Leergutautomat diese Flaschensammlung nicht akzeptieren wollte, kann ich verstehen. Jedoch nicht, dass Leute sowas einfach hier stehen lassen. Neben den auf den Boden gestellten Flaschen wäre auch der komplette Inhalt der Tüte ein Fall für den Altglascontainer gewesen.
Vor knapp einem Jahr hatte mich Thomas auf den Spruch mit den Hunden gebracht, den ich seit dem immer mal einsetzen wollte.
Vorhin war es so weit: Ich saß an der Kasse und eine Kundin fragte mich scherzhaft, ob sie "so gehen" dürfe und ich entgegnete nur, dass ich höchst ungerne den Hund loslassen würde.
Ihre trockene Antwort: "Ach, damit würde ich schon zurechtkommen, ich bin nämlich Tierarzthelferin."
Den ganzen Abend über schon strömen gutgelaunte Jugendliche und Heranwachsende in kleinen und großen Gruppen herein und decken sich mit Knabberartikeln, Bier und Spirituosen ein – und dabei ist doch gar kein Wochenende.
Aber heute war hier in Bremen der letzte Schultag vor den Sommerferien. Das erklärt manches...
Im wahrsten Sinne des Wortes "dumm gelaufen" ist ein Kunde gestern Abend. Ein junger Mann in sehr "einschlägiger" Erscheinung (schwarzes Basecap, Rucksack und leicht alkoholsiert) löste an der Kasse den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Er hatte nichts gekauft und sich einfach an der Schlange vorbeigequetscht, was meinem Mitarbeiter natürlich besonders auffiel. Er rief mich an, damit ich die Sache kläre und bat den Mann, zu warten.
Doch der rannte los wie ein Wahnsinniger. Geistesgegenwärtig sprinteten zwei Kunden hinter ihm her und verfolgten ihn durch mehrere Straßenblöcke, wo sie ihn schließlich stellen konnten. Dabei stolperte der Flüchtige und schürfte sich die Haut an den Knien auf. Zu dritt kamen sie wieder zurück. Den beiden Verfolgern drückte ich als Dank für den Einsatz 50 Euro in die Hand und kümmerte mich danach in Ruhe um den Alarm auslösenden Kunden.
In seinem Rucksack hatte er mehrere gesicherte CDs. Ältere, bgegriffene Cover, in denen noch aktive Sicherungsetiketten klebten. Sonst nichts, jedenfalls nichts, was mit Warensicherungsetiketten gesichert war und schon gar nichts von uns.
Der Ärmste wollte einfach nur eine Flasche Wasser kaufen, allerdings hatte er eine Verabredung und deshalb wenig Zeit. Da die Schlange gestern Abend gerade relativ lang war, wollte er den Laden so wieder verlassen. Als dann der Alarm losging, hat er schlicht und einfach Panik bekommen, fürchtete einen Polizeieinsatz und die damit verbundenen Folgen und dabei wollte doch einfach nur pünktlich zu seinem Treffen kommen.
Er saß bei uns im Lager wie ein Häufchen Elend. Die Anstrengung mit vorhergehendem Alkoholkonsum war wohl zu groß. Er war völlig durch den Wind, entschuldigte sich immer und immer wieder für das, was er "getan" hat. Dabei hatte ich sogar das schlechte Gewissen, denn schließlich hat ihn meine Warensicherungsanlage in meinem Laden so in Panik versetzt. Für seine Überreaktion kann ich zwar nichts, aber trozdem...
Meine Fragen, ob ich irgendetwas für ihn tun könne, verneinte er konsequent. Aber wenigstens das angebotene Wasser hat er dankbar entgegengenommen.
Ein älterer, ausländischer Kunde, der sich nicht richtig auszudrücken wusste, suchte Haftcreme für sein Gebiss. Um das zu signalsieren, nahm er seine "Dritten" raus und fuhr mit dem Finger in der Vertiefung entlang.
Eine Gruppe Mittzwanziger betrat den Laden. Zwischendurch trennten sie sich wieder, die meisten warteten vor der Tür und zwei setzten den Einkauf fort. Einer der beiden trug schließlich die Einkaufstüte und hielt sie, als er den Laden verließ, der Gruppe am hoch erhobenen Arm ausgestreckt entgegen.
Ich konnte das nur aus der Ferne der Lagertür beobachten. Was auch immer er mit der Geste sagen wollte – es sah aus wie "Seht her! Bewundert mich! Ich habe hier eingekauft!"
An der wilden Plakatwand Ladentür hängt derzeit ein Plakat für eine Helmut-Newton-Ausstellung. Gerade eben beschwerte sich eine Kundin darüber, dass das Plakat sexistisch, frauenfeindlich und diskriminierend sei und deshalb von uns entfernt werden müsse.
Kann man sehen, wie man will. Newton hat sicher etliche sehr provokative Bilder produziert, aber man kann's ja auch mit dem erhobenen Zeigefinger übertreiben.
Supermami mit ca. 2-jährigem Nachwuchs betritt den Laden. Damit das Kind nicht dumm sterben muss, erklärte das Muttertier unentwegt den Supermarkt. Zuerst über eine Mitarbeiterin, die gerade in der Gemüseabteilung zugange war: "Da ist die Tante, die verkauft die Sachen hier."
Danach nahm sie sich einen Einkaufswagen, was sie ebenfalls entsprechend kommentierte: "Jetzt nehmen wir erstmal ein Autochen.", gefolgt von einem: "Du willst doch Autochen fahren, oder?" – und setzte ihr Kind in den Kindersitz des Einkaufswagens, ohne überhaupt eine Antwort abzuwarten.
Das Restchen des Einkäufchens verlief in der gleichen Artelino und Weiselchen weiter: "Da sind die Äpfelchen, da sind die Kekschen. Und du willst doch bestimmt ein Melönchen essen, oder?"
Ned Flanders lässt grüßen. Hey-Didelldi-Doodelchen.
Zwei alkoholisierte Kunden haben eben für Biernachschub gesorgt. Nach dem Bezahlen wünschte mir einer der beiden: "Eine schöne Nacht noch, auch wenn Spanien gewonnen hat. Aber es ging ja um's Spiel und nicht darum, wer nun gewinnt..."
Kunde 2: "Ey, hör endlich auf, so zu labern. Ich glaube, dafür kriegst du heute noch irgendwo welche auf's Maul von jemandem."
Hin und wieder bringen uns ein paar Kunden Kleingeld und fragen, ob wir das eintauschen können. Normalerweise ist das kein Problem, vor allem bei schon in (notfalls selbstgebastelte) Rollen verpackten Münzen oder überschaubaren Mengen, die in ein Zählbrett passen.
Nun war eine Kundin hier und hielt mir einen Leinenbeutel entgegen, der sich im unteren Bereich deutlich sichtbar auswölbte. Ich weiß nicht genau, wieviele 1-, 2- und 5-Cent-Münzen es waren, aber das Gesamtgewicht dürfte rund drei Kilogramm betragen haben - wenn nicht sogar noch deutlich mehr.
Auch wenn sie es selber sortieren wollte, so hätte ich hinterher hunderte loser Münzen hier liegen gehabt, die ich über mehrere Tage immer wieder in die Kasseneinsätze zählen müsste.
Ich habe ihr den Tipp gegeben, sich bei der Bank Rollenpapiere zu besorgen und die Münzen darin einzupacken. In der Form nehme ich sie dann sogar gerne entgegen.
In dem Dauerregen heute Morgen kam eine Kundin zu mir und wollte wissen, ob wir Regenschirme verkaufen würden. Leider konnte ich ihr diesbezüglich nicht viel weiterhelfen.
Doch wir haben ja im Eingangsbereich in einer Ecke einen Schirmständer stehen, der sich im Laufe der Zeit immer mehr gefüllt hat. Manche Schirme stehen dort schon seit Ewigkeiten. "Nehmen Sie doch davon einen", schlug ich ihr vor. Sie freute sich und versprach, ihn am Abend sogar wieder zurückzustellen.
"Na, die sollten Sie mal schnell aus dem Regal nehmen. Das MHD ist schon längst überschritten!", reklamierte eine Kundin vorhin diese Cola-Flasche bei einer Mitarbeiterin, die gerade dabei war, frische Ware in den Kühlschrank zu stellen.
Dabei tippte sie demonstrativ auf das auf der Vorderseite der Flasche aufgedruckte Datum.
Wir haben hier knapp 700 Kartenzahlungen pro Woche an einem Terminal. Hin und wieder kommt es vor, dass eine Zahlung nicht geht (Kontodeckung nicht ausreichend, Karte beschädigt oder gesperrt), aber meistens klappt es problemlos und auch beim ersten Anlauf.
Kunde, der nicht mit seiner Karte bezahlen konnte: "Naja, die Geräte spinnen ja sowieso fast immer. Meine Karte ist jedenfalls in Ordnung."
Auf dem Monitor der Videoanlage beobachtete ich, wie eine Person vor dem Zeitschriftenregal stand, sich dort in eine Ecke drückte und seinen Rücken dem Gang zudrehte. Irgendwas machte er dort, hatte die Hände vor seinem Bauch und sah sich immer wieder nervös um.
Dabei konnte ich sehen, dass es ein vielleicht zwölf- oder dreizehnjähriger Junge war und ich dachte mir schon, dass er sich dort heimlich PorEro ein paar Hefte aus der obersten Ablage ansieht.
Leise schlich ich mich an, sah ihm über die Schulter und, dass ich Recht hatte und flüsterte ihm ein "Na, na, na..." am Ohr entlang.
Eine Kundin, die wir eigentlich nur ewig mürrisch und nörgelig kennen und die sich noch nie für irgendetwas bedankt hat, nahm gerade die von uns für sie zurückgestellte Ware mit einem Lächeln und "Vielen Dank." entgegen.