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Samstag Nacht – Teil 2: Die Sahne-Schnitten

Langsam wurde es draußen schon wieder hell, als eine kleine Gruppe, bestehend aus zwei Männern und zwei besoffenen sehr lustigen Frauen den Laden betrat. Die beiden Damen alberten herum und in der Nähe des Kühlregals entdeckten sie plötzlich die Sprühsahne im Regal.

Sekunden später war ihre Freundin im Gesicht und auf dem Oberteil mit weißen Streifen und Flecken übersäht. Diese rächte sich, in dem sie ihrerseits eine Dose für eine Sprühsahneattacke benutzte. Die beiden männlichen Begleiter hielten sich währenddessen von den beiden fern. Pötzlich zog die eine auch noch ihre Kamera aus der Tasche und fotografierte ihre sahnebeschmierte Freundin.

Mittlerweile war Kollege Johny dazugestoßen, der eigentlich nur dafür sorgen wollte, dass die beiden das Chaos wieder beseitigen, denn ein großer Teil der Sprühsahne war auf dem Fußboden gelandet. irgendwann musste der dann auch noch – sahnebeschmiert – für ein Foto herhalten.

Ausgezogen haben sie sich übrigens nicht. Aber diese Folgen des Alkoholkonsums sind mir wesentlich lieber, als aggressive Randalierer.

Brüllhandy

Für eine Kundin mittleren Alters sollte ich ihr Pre-Paid-Handy mit neuem Guthaben beladen. Gerade bei Vodafone ist das zwar ein extrem lästiger Vorgang, da man sich in den Menüs sehr viel Werbung anhören darf muss, aber natürlich tut man sowas für seine Kunden.

Diese Dame hatte ein etwas älteres Nokia-Gerät. Ich glaube, das war das erste (oder zumindest eines der ersten) mit eingebauter Kamera. Ob nun der Lautsprecher in dem Telefon defekt war oder ob die Lautstärke auf Maximalleistung stand – oder vielleicht sogar beides zusammen zutraf – kann ich leider leider nicht sagen. Nur, dass mir hinterher mein Ohr geklingelt hat. Trotz mehrerer Zentimeter Abstand schrillten mir die scheußlichsten Frequenzen entgegen... :-O

Du, wenn du dich langweilst...

Einer meiner Mitarbeiter war dabei, in einem Regal die Haltbarkeitsdaten zu kontrollieren. Dabei wirkte er allerdings nicht sonderlich dynamisch, sondern stand vor allem herum und nahm einzelne Packungen zur Hand.

Plötzlich stellte sich ein Kunde, den er noch nie zuvor hier gesehen hatte, dicht hinter ihn und flüsterte ihm geradezu vertraulich etwas ins Ohr: "Du, wenn du dich langweilst..." – Kunstpause – "...da ist Schimmel auf'm Schwarzbrot."

So schnell, wie er da war, verschwand er auch wieder. Das besagte Schwarzbrot haben wir dank der präzisen Beschreibung natürlich auch nicht gefunden...

Sicher

SPAR-Markt Harste, Guten Tag.

Ja, können Sie mal gucken, ob sie da ein Fahrradschloss haben und was das kostet?

Ich habe leider keine Fahrradschlösser.

Und da an der Wand bei den ganzen Haushaltssachen und so?

Nein, auch da nicht.

Sind Sie sicher?

Ich bin mir da ganz sicher. Ich betreibe diesen Laden schon seit ein paar Jahren und kenne mein Sortiment.

Können Sie nicht nochmal nachsehen?

Ich könnte. Aber das bringt nichts, da ich definitiv keine Schlösser habe. Um die Ecke, zwei Häuse neben dem Penny-Markt ist aber ein Fahrradgeschäft. Da bekommen Sie bestimmt ein Schloss.

Fahrradgeschäft... Ich zahl' doch keine Apothekenpreise. Wiederhören

Dann soll sie sich doch Ihr Fahrrad klauen lassen...

Gegengewichte

Irgendwo ist auch mal Schluss mit Kulanz. Wie viele Läden verkaufe ich Getränke auf Kommission, so dass Kunden, die zum Beispiel nicht genau wussten, wieviele Kisten Bier sie nun bei ihrer Party verbrauchen würden, den Rest wieder zurückgeben können.

Gerade eben wollte eine Kundin mehrere Kisten Bier haben. Nach einigem Hin und Her über die Modalitäten von Zahlung und Rücknahme, rückte sie damit heraus, dass sie die Kisten in ein paar Tagern wieder vollständig zurückgeben würde. Sie bräuchte das Bier gar nicht, sondern würde die Kisten nur als Gegengewicht für irgendwas auf einer Baustelle benötigen.

Den Wunsch habe ich ihr abgeschlagen. Das Risiko, hinterher mit Kalk und Farbe verschmutze Flaschen hier stehen zu haben, wollte ich erst gar nicht auf mich nehmen.

Nachtschicht 2

Dauerregen, gefühlt "nichts los" und vor allem kam in der vergangenen Nacht sehr wenig Leergut zurück. Einer dieser Momente, in denen man sich kaum traut, die Umsatzstatistik der Nachtschicht anzusehen.

Und dann? Ist doch der Umsatz überdurchschnittlich hoch gewesen. Seltsam, aber nett. :-)

Nachtschicht 1

Im Laufe der Nacht betrat eine etwas verwirrt wirkende Frau mitleren Alters den Laden. Ob wir mal die Polzei rufen könnte, wollte sie wissen. Meine Frage, ob ich den Notruf 110 oder einfach nur die Telefonzentrale der Polizei anrufen soll, quittierte sie mit einem hektischen "Eins, eins, null!". "Wofür denn, was ist denn überhaupt los?", wollte ich wissen – doch sie entgegnete nur, dass mich das nichts anginge.

Schön. Beste Voraussetzungen, um die Polizei anzurufen. Ich sah den Dialog schon vor mir: "Bitte kommen Sie, es ist ein Notfall." – "Was ist denn passiert?" – "Keine Ahnung." – "Gut, wir kommen in zwei Minuten mit dem kompletten SEK vorbei.". Ich wählte die Nummer trotzdem und drückte der Frau das Telefon in die Hand. Soll sie doch selber mit der Polizei reden.

Ihre Überredungsversuche, ein paar Beamte einzuspannen, funktionierten übrigens nicht.

Aber sie hat die flügellahme Taube, die sich unter einem parkenden Auto versteckt hatte, dann schließlich doch noch selber einfangen können.

Abgestelltes Altglas

Dass der Leergutautomat diese Flaschensammlung nicht akzeptieren wollte, kann ich verstehen. Jedoch nicht, dass Leute sowas einfach hier stehen lassen. Neben den auf den Boden gestellten Flaschen wäre auch der komplette Inhalt der Tüte ein Fall für den Altglascontainer gewesen.

Dass die Leute keinen Anstand haben... :-(


Passende Antwort

Vor knapp einem Jahr hatte mich Thomas auf den Spruch mit den Hunden gebracht, den ich seit dem immer mal einsetzen wollte.
Vorhin war es so weit: Ich saß an der Kasse und eine Kundin fragte mich scherzhaft, ob sie "so gehen" dürfe und ich entgegnete nur, dass ich höchst ungerne den Hund loslassen würde.

Ihre trockene Antwort: "Ach, damit würde ich schon zurechtkommen, ich bin nämlich Tierarzthelferin."

Damit hatte ich jetzt garantiert nicht gerechnet. :-)

Partystimmung

Den ganzen Abend über schon strömen gutgelaunte Jugendliche und Heranwachsende in kleinen und großen Gruppen herein und decken sich mit Knabberartikeln, Bier und Spirituosen ein – und dabei ist doch gar kein Wochenende.

Aber heute war hier in Bremen der letzte Schultag vor den Sommerferien. Das erklärt manches... :-)

Dumm gelaufen

Im wahrsten Sinne des Wortes "dumm gelaufen" ist ein Kunde gestern Abend. Ein junger Mann in sehr "einschlägiger" Erscheinung (schwarzes Basecap, Rucksack und leicht alkoholsiert) löste an der Kasse den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Er hatte nichts gekauft und sich einfach an der Schlange vorbeigequetscht, was meinem Mitarbeiter natürlich besonders auffiel. Er rief mich an, damit ich die Sache kläre und bat den Mann, zu warten.

Doch der rannte los wie ein Wahnsinniger. Geistesgegenwärtig sprinteten zwei Kunden hinter ihm her und verfolgten ihn durch mehrere Straßenblöcke, wo sie ihn schließlich stellen konnten. Dabei stolperte der Flüchtige und schürfte sich die Haut an den Knien auf. Zu dritt kamen sie wieder zurück. Den beiden Verfolgern drückte ich als Dank für den Einsatz 50 Euro in die Hand und kümmerte mich danach in Ruhe um den Alarm auslösenden Kunden.

In seinem Rucksack hatte er mehrere gesicherte CDs. Ältere, bgegriffene Cover, in denen noch aktive Sicherungsetiketten klebten. Sonst nichts, jedenfalls nichts, was mit Warensicherungsetiketten gesichert war und schon gar nichts von uns.
Der Ärmste wollte einfach nur eine Flasche Wasser kaufen, allerdings hatte er eine Verabredung und deshalb wenig Zeit. Da die Schlange gestern Abend gerade relativ lang war, wollte er den Laden so wieder verlassen. Als dann der Alarm losging, hat er schlicht und einfach Panik bekommen, fürchtete einen Polizeieinsatz und die damit verbundenen Folgen und dabei wollte doch einfach nur pünktlich zu seinem Treffen kommen.

Er saß bei uns im Lager wie ein Häufchen Elend. Die Anstrengung mit vorhergehendem Alkoholkonsum war wohl zu groß. Er war völlig durch den Wind, entschuldigte sich immer und immer wieder für das, was er "getan" hat. Dabei hatte ich sogar das schlechte Gewissen, denn schließlich hat ihn meine Warensicherungsanlage in meinem Laden so in Panik versetzt. Für seine Überreaktion kann ich zwar nichts, aber trozdem...

Meine Fragen, ob ich irgendetwas für ihn tun könne, verneinte er konsequent. Aber wenigstens das angebotene Wasser hat er dankbar entgegengenommen.

Verständigung

Ein älterer, ausländischer Kunde, der sich nicht richtig auszudrücken wusste, suchte Haftcreme für sein Gebiss. Um das zu signalsieren, nahm er seine "Dritten" raus und fuhr mit dem Finger in der Vertiefung entlang.

Gut, dass er keine Kondome gesucht hat. :-O

Er hat hier eingekauft!

Eine Gruppe Mittzwanziger betrat den Laden. Zwischendurch trennten sie sich wieder, die meisten warteten vor der Tür und zwei setzten den Einkauf fort. Einer der beiden trug schließlich die Einkaufstüte und hielt sie, als er den Laden verließ, der Gruppe am hoch erhobenen Arm ausgestreckt entgegen.

Ich konnte das nur aus der Ferne der Lagertür beobachten. Was auch immer er mit der Geste sagen wollte – es sah aus wie "Seht her! Bewundert mich! Ich habe hier eingekauft!"

Im positiven Sinne, natürlich. :-)

Das Helmut-Newton-Plakat

An der wilden Plakatwand Ladentür hängt derzeit ein Plakat für eine Helmut-Newton-Ausstellung. Gerade eben beschwerte sich eine Kundin darüber, dass das Plakat sexistisch, frauenfeindlich und diskriminierend sei und deshalb von uns entfernt werden müsse.

Kann man sehen, wie man will. Newton hat sicher etliche sehr provokative Bilder produziert, aber man kann's ja auch mit dem erhobenen Zeigefinger übertreiben.

Sie war's übrigens mal wieder nach langer Zeit. :-)


Kleines Blogeinträgchen

Supermami mit ca. 2-jährigem Nachwuchs betritt den Laden. Damit das Kind nicht dumm sterben muss, erklärte das Muttertier unentwegt den Supermarkt. Zuerst über eine Mitarbeiterin, die gerade in der Gemüseabteilung zugange war: "Da ist die Tante, die verkauft die Sachen hier."

Danach nahm sie sich einen Einkaufswagen, was sie ebenfalls entsprechend kommentierte: "Jetzt nehmen wir erstmal ein Autochen.", gefolgt von einem: "Du willst doch Autochen fahren, oder?" – und setzte ihr Kind in den Kindersitz des Einkaufswagens, ohne überhaupt eine Antwort abzuwarten.

Das Restchen des Einkäufchens verlief in der gleichen Artelino und Weiselchen weiter: "Da sind die Äpfelchen, da sind die Kekschen. Und du willst doch bestimmt ein Melönchen essen, oder?"

Ned Flanders lässt grüßen. Hey-Didelldi-Doodelchen.