Wir haben neue Müsliriegel im Sortiment: BE-KIND. Probiert habe ich sie noch nicht, aber der Aufdruck auf der Umverpackung ist mir aufgefallen: Ingredients you can see & pronounce (Oha, der Text ist ja als Marke registriert …)
Da will einer die Welt brennen sehen: Alles um einen herum versinkt im Chaos und der Harste stellt ausgerechnet einen Aufsteller Corona in den Laden. (Zumindest bei uns läuft dieses Produkt aber momentan mindestens genauso gut wie vor ein paar Wochen noch.)
Zu meiner Entlastung muss ich aber sagen, dass ich diese Ware schon vor einigen Wochen bestellt hatte und zu dem Zeitpunkt die aktuelle Entwicklung bezüglich des neuartigen Coronavirus überhaupt nicht abzusehen war.
Es gibt zwar einige weiße Tomatensorten, aber die werden wohl kaum für die Sauce dieses Spaghettigerichts der REWE-Eigenmarke verwendet worden sein.
Das Bild habe ich von Blogleser Kai bekommen. Dass da "Tomatensauce" steht, was im Widerspruch zum Foto ist, war mir auch erst nach einer Weile aufgefallen. Der Inhalt der Schachtel soll übrigens zum Bild gepasst haben, da war also nur der Aufdruck vermurkst. Mit Praxiserfahrung würde ich sagen, dass die Ware nach Bekanntwerden des Malheurs intern zurückgerufen wurde und Kai das Glück hatte, im richtigen Moment zuzugreifen und den Patzer auch noch zu bemerken.
Auf der Verpackung der "dicken Eier", weiße, eiförmige N Schokoküsse, prangt neben dem klassischen rechteckigen Strichcode auch noch einer, der wie ein Ei aussieht und ebenfalls funktionsfähig ist.
Entdeckt haben wir das Eigestrichel übrigens auf einer Packung bei uns zu Hause, die wir bei einem EDEKA-Kollegen gekauft hatten. Bei uns im Markt gibt es die "dicken Eier" nicht. Vorbestellbar waren sie nur als Aufsteller und da haben wir uns aufgrund der Menge in Kombination mit einem gewöhnlich eher knappen Haltbarkeitsdatum nicht herangetraut …
Coronabedingter Hamsterkauf oder ist das vielleicht doch einfach nur der tägliche Bedarf für die durchschnittliche Familie mit 1,5 Kindern in dieser Stadt?
An der Kasse hat ein Kollege einen Stammkunden gefragt, warum er Produkt xyz nun gleich sechs Mal gekauft hat. Antwort: "Die kaufen alle wie verrückt, wer weiß, ob ich davon noch was bekomme, wenn ich es brauche."
Das wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. So denken alle / viele und dadurch entstehen genau diese Lücken, vor denen sich die Leute so fürchten.
Später habe ich mit einem anderen Stammkunden über die momentane Lage und den irren Andrang auf die (Lebensmittel-) Geschäfte geredet. Auch hier ist unglaublich viel los, die Regale sind zu großen Teilen leer und wir kommen mit dem Nachschub nicht hinterher. Die Situation hinterlässt bei mir als Einzelhändler sehr gemischte Gefühle.
Einerseits ist es unglaublich genial, diesen Trubel hier im Laden zu haben. Die Kasse klingelt und dass hier überhaupt so ein Potential in der Fläche steckt, macht einen schon glücklich. Der monetäre Ansatz ist klasse und das hat ja auch noch weitreichendere Folgen: Wir brauchen mehr Personal, ein paar mehr Leute haben dadurch also schon einen neuen Job.
Andererseits ist es irgendwie komisch. Siehe oben die selbsterfüllende Prophezeiung. Muss das sein, dass man sich mit Vorräten eindeckt, als gäbe es kein Morgen mehr? Muss man sich um Grundnahrungsmittel prügeln? Es ist ja nicht so, dass es nichts mehr gibt. Es wird momentan durch das Verhalten der Leute nur sehr sonderbar verteilt.
Es ist keine schöne Lösung, aber es ist eine Lösung und in Anbetracht der aktuellen Liefersituation bei Konserven, Nährmittel und Fertiggerichten auch sicherlich kein Faktor, an dem sich irgendjemand stören würde. Insgesamt waren heute fast 300 Artikel (!) nicht lieferbar und wir sind momentan dankbar für jeden Nachschub, der hier eintrudelt …
Ein Kunde sprach mich an: "Sie waren doch früher mal bei PLUS, da hinten in der Kornstraße, oder? Das ist doch bestimmt schon zwanzig Jahre her..?"
Ja, es ist zwanzig Jahre her. Faszinierend, aber aus persönlicher Sicht auch unglaublich nett, dass sich nach all den Jahren überhaupt noch jemand daran erinnert.
In einer Kiste im Maschinenraum lag noch eine alte Dreiersteckdose, deren Weichmacher sich wohl schon vor langer Zeit aus dem Plastikgehäuse verflüchtigt haben. Aufgrund vermurkster Kameraperspektive gibt es kein Video davon, wie das Teil buchstäblich unter meinen Fingern zu Staub zerfällt.
Frage an die zahlreichen ausgebildeten Elektrofachkräfte unter euch: Kann man da mit grün-gelbem Isolierband aus dem Werkzeugkasten noch was retten?
Inzwischen wurde mir mehrfach über WhatsApp der Link zu einem Facebook-Beitrag von "2016" geschickt, in dem die Rede davon ist, dass ein neuartiger Virus entwickelt wird, der im Jahr 2020 die Menschheit dezimieren und das gesamte Leben weltweit beeinflussen wird. Beschrieben wird alles, was gerade passiert, so dass die scheinbare Wahrheit dieser Meldung nicht angezweifelt wird.
Wenn ihr den Text / Link bekommt: Ab in den Orkus damit. Man kann bei Facebook Beiträge zu jedem beliebigen Datum in die Timeline verschieben, aber es bleibt der Hinweis auf das Ursprungsdatum der Nachricht erhalten, die kleine Uhr neben dem Datum zeigt dies an. In diesem Fall war es der 14. März 2020 / 23:42 Uhr, so viel zu Glaubwürdigkeit der angeblichen Vorhersage, die aber wohl schon millionenmal geteilt wurde. (Mourad Yaseen hat 9,5 Millionen Abonnenten)
Keine Panik, der Name dieses Beitrags hat nichts mit der über die Ufer getretenen Spree zu tun. Nachdem ich am Morgen bei uns in der Brötchenküche ein paar Berliner auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech gelegt hatte, schob ich das Blech gedankenverloren beiseite. Dummerweise genau unter den automatischen Wasserhahn unseres Handwaschbeckens, dessen Sensor sofort auslöste und das Blech in Sekunden komplett flutete. Die nun an der Unterseite nassen Berliner wollte ich so natürlich nicht mehr in den Verkauf stellen, wenngleich sich später herausstellte, dass sie in wieder getrocknetem Zustand absolut einwandfrei waren, und so gab ich sie spontan für die Mitarbeiter frei.
Eine unserer wunderbaren Sydney-Truhen ist nach rund 1,5 Jahren Betrieb aufgetaut, der Warenschaden war nicht ganz unerheblich. Schuld war die Sicherung in unserem Verteilerschrank. Warum sie jedoch rausgeflogen ist, weiß keiner: Der Techniker für die Kühlanlagen hat alles durchgemessen, die Truhe ist augenscheinlich hundertprozentig in Ordnung. Im Fehlerprotokoll stand auch nichts, es war einfach irgendwann kein Strom mehr da. Ein anderes Gerät hat den Ausfall auch nicht verursacht, jede Truhe hat nämlich ihre eigene Absicherung, die sie sich mit keinem weiteren Verbraucher teilt.
Was den Ausfall nun verursacht hat, wird wohl nie aufgeklärt werden. Inzwischen hängen die Truhen aber mit an der Überwachung dran, die permanent die Temperaturen und Systemzustände kontrolliert und bei Problemen schnell genug eine Warnung versendet, sogar an mich per E-Mail. Insofern bin ich da jetzt (wieder) ganz entspannt.