Der Ladendieb von Donnerstag hat eben hier angerufen und auf meine Rechnung über 50 Euro reagiert.
Er würde das Geld gerne Montag bezahlen und bittet darum, hier noch weiter einkaufen zu dürfen. Es würde ihm alles unheimlich Leid tun und er kann sich das nur so erklären, dass die paar Bierchen, die er getrunken hatte, daran Schuld gewesen wären, dass er sich zu der spontanen Tat hat hinreißen lassen.
Wenn sich schon jemand die Mühe macht, sich zu entschuldigen, denke ich, dass man ihm eine Chance geben sollte.
Einen sehr alten Kunde, den ich auch vor einigen Jahren erwischt und nach seiner Entschuldigung wieder habe einkaufen lassen, hat seine Tat wahrscheinlich nicht mehr in Ruhe gelassen: Er lebt zwar noch, aber in den Monaten nach seinem Diebstahl (Tasche voller Tee und Kaffee, also keine Kleinigkeit mehr!) ist er sichtbar gealtert.
Ein überwiegend auf billigen Gerstensaft fixierten Kunden habe ich eben zufällig auf seinem Weg vorbei am Regal mit Körperpflegeprodukten auf dem Monitor unserer Videoanlage gesehen.
Das ständig wechselnde Bild stand zufällig gerade dort und ich blickte genauso zufällig gerade dort hin, als der Mann im Vorbeigehen eine Dose Nivea Creme aus dem Regal nahm und im Weitergehen in seine Jackentasche steckte.
Ich glaube ich nicht, dass er sie "ganz in Gedanken" dort untergebracht hat, um die Hände für seine beiden Bierdosen freizuhaben. Danach sah es einfach nicht aus.
Dass man sich inzwischen fast täglich mit Ladendieben oder ebenso unehrlichen Mitarbeitern auseinandersetzen muß ist wirklich schlimm.
Bislang war meine Aussage noch nie notwendig, meistens hieß es, wenn ich gegen Ladendiebe aussagen sollte, dass "die Zeugen entlassen" wurden und so nach Hause gehen können.
Ich möchte wetten, dass meinen Erscheinen diesmal ausnahmsweise wichtig gewesen wäre und dass ich nun ein Ordnungsgeld zahlen darf.
Einer der angeschriebenen Ladendiebe kam eben mit der Rechnung in der Hand hier vorbei und lallte irgendetwas davon, dass er nicht einmal mehr wüßte, ob und was er da geklaut haben soll. Er sei völlig breit gewesen. Ob es nicht zur Anzeige kommen würde, wenn er die 50 Euro zahlen würde, wollte er wissen.
Noch während ich ihm erklärte, dass es bereits zur Anzeige gekommen ist und es etwas umständlich werden könnte, diese zurückzuziehen, trollte er sich wortlos und schwankend wieder aus dem Laden.
Mal abwarten, ob er nüchterner hier nochmal auftaucht.
Ein kleiner türkischer Junge von ca. 5 Jahren hat sich eine Packung mit vielen kleinen Schokoladenosterhasen in seinen Rucksack gesteckt und wollte diese und sich selbst klammheimlich an der Kasse vorbei aus dem Laden stehlen.
Es folgte die übliche Prozedur: Ausweis, Polizei, Anzeige, Hausverbot. Ach, nee. Falsches Programm.
Der Kleine war ziemlich wortkarg, hat mir die Hand gereicht und sich mit dünner Stimme entschuldigt. Aber trotzdem konnten wir ihn so nicht einfach laufen lassen.
Natürlich geht man mit einem Kind sanfter um als mit einem abgebrühten Junk, aber reagieren mußten wir schon irgendwie. Ein türkischer Kollege hat ihn deshalb eben nach Hause zu seinen Eltern begleitet. Der Junge hatte zwar Angst vor seinem Vater, der war aber nicht zu Hause. So sprach mein Mitarbeiter mit der Mutter des Kleinen, die natürlich völlig begeistert war und sich von ihrem Sohn, als sie ihn zur Rede stellen wollte, ein "Verpiß dich, du blöde Fo*ze!" (auf Deutsch) anhören durfte. Ein Fünfjähriger zu seiner Mutter! Das muß man sich mal vorstellen..!
Klar ist der Kunde König, aber das berechtigt doch nicht gleich, Ferrero Maxi King zigfach zu futtern und die leeren Packungen einfach irgendwo ins Regal zu werfen.
Meine auf gut Glück formulierte Rechnung über Schadenersatz habe ich eben einfach in sechzehnfacher Auführung an alle Ladendiebe der vergangenen zwölf Monate geschickt.
Wenn auch nur einer von denen die 50 Euro bezahlt, habe ich immerhin schonmal die Portokosten und den Zeitaufwand wieder raus.
Eine Kollegin hat mir gerade berichtet, dass ihre Nachbarn ihr ganz stolz davon erzählt haben, wie und was sie hier alles schon gestohlen haben.
Echt schön, was man so erfährt.
Und auch schön, wenn die Leute das nächste Mal diesen Laden betreten und von mir einfach ohne weiteren Kommentar mit einem ausgesprochenem Hausverbot nach draußen befördert werden.
Unabhängig von der Diskussion darüber, ob und wie eine an einen Ladendieb gestellte Schadenersatzforderung oder Fangprämie formuliert sein muß, ging dieses Schreiben gerade an den Blättchen-Dieb von gestern raus. Meine Mitarbeiter bekommen ja eine Fangprämie von mir. Ein Anspruch, der wie in dem frag-einen-anwalt-Fall, durchaus zu belegen ist.
Rechnung
Sehr geehrter Herr V.,
am 20. März 2006 haben Sie bei mir im Geschäft einen Ladendiebstahl vollzogen.
Mit Betreten meines Geschäfts haben Sie sich bereit erklärt, im Falle eines Ladendiebstahls Schadenersatz in Höhe von € 50,- an mich zu zahlen.
Bitte zahlen Sie den genannten Betrag auf das unten angegebene Konto.
Zur Zahlung dieser Forderung sind Sie verpflichtet.
(Urteil vom 12.07.2001 / AG Dülmen)
Hochachtungsvoll,
Ich glaube nicht, dass der Typ bezahlen wird - aber ich möchte es wenigstens versucht haben. Ob ich mal alle Ladendiebe der vergangenen Monate anschreibe? Vielleicht kommt ja tatsächlich der eine oder andere 50er wieder in die Kasse. Für den Arbeitsaufwand wär's nur gerecht.
Vor allem, weil ich die Fangprämien an die Mitarbeiter bislang aus meiner eigenen Tasche bezahlt habe...
Der Ladendieb von gestern wird jedenfalls der erste sein, dem ich eine offizielle Rechnung über die 50 Euro Fangprämie zuschicken werde. In der Vergangenheit hatte ich mich nie weiter darum bemüht, die Prämie einzutreiben - aber: Sie ist Bestandteil einer deutlich sichtbar aushängenden Abmachung. Sinngemäß: Wer klaut, schuldet mir 50 Euro. Unanfechtbar. Und warum soll ich mir nicht die viele Arbeit, die ich mit Ladendieben habe, bezahlen lassen?
Ein Mann kam eben in den Laden. Ob er angetrunken war, konnte ich nicht genau sagen. Vielleich ein bißchen. Aber so ganz nüchtern wirkte er nun auch nicht und sah dazu relativ heruntergekommen aus.
Dass Leute Tabak und Zigaretten, Kaffe, Kosmetik- und Körperpflegeprodukte, Alkohol und Junk-Food (Süßwaren aller Art) stehlen, ist man ja gewohnt. Der Typ hat sich eben jedenfalls zwei Pakete mit Zigaretten-Blättchen eingesteckt.
Wo er sich wohl den passenden Tabak dazu organisiert?