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Eine Kerze für Thomas

Seit ein paar Jahren, wie lange genau, kann ich nicht mehr sagen, gehörte er inzwischen irgendwie zum Straßenbild vor unserem Markt. Ein älterer (?) Mann im Rollstuhl, meist mit ein paar Dosen Bier in Reichweite, der seinen Platz auf dem Gehweg irgendwo im Bereich unserer Ladentür hatte und die Passanten um Kleingeld bat. Wer hier öfter einkauft, hat ihn sicherlich im Laufe der Zeit schon einmal gesehen.

Wir kannten ihn nicht wirklich. Unsere Begegnungen beschränkten sich auf kurze, funktionale Momente – wenn er Leergut abgab, sich Nachschub holte oder draußen saß und das Geschehen beobachtete. Gespräche gab es kaum. Er war keiner von denen, die schnell ein Lächeln parat hatten oder mit interessanten Geschichten oder guter Laune auffielen. Eher das Gegenteil, ich erlebte ihn als einen grantigen Mitmenschen, der vor allem wohl mit seiner eigenen Situation (Drogenabhängig, bein- und mittellos) unzufrieden war. Wir haben noch so viel Menschlichkeit gezeigt, dass wir immer wieder mal gestattet haben, dass er bei Frost hier in den Laden gerollt war und teilweise mit seinem Rollstuhl in einem der Gänge stand und geschlafen hat.

Trotzdem gehörte er in den letzten Jahren doch zu den Figuren, die man unweigerlich mit diesem Ort verbindet. Gestern ist er verstorben. Das wäre mir oder einigen oder sogar den meisten Kollegen auf die Schnelle sicherlich nie aufgefallen. Irgendwann mal wäre bestimmt mal die Frage aufgekommen, ob man Thomas, so hieß er, in letzter Zeit mal wieder gesehen hätte – und niemand hätte sie mit Sicherheit beantworten können.

Heute früh hat mich ein Kunde auf die Kerze und Wachsreste auf dem Gehweg vor unserem Schaufenster angesprochen. In dem Zusammenhang erwähnte er, dass da wohl gestern Abend die Leute, die dort immer stehen und trinken, den Verlust des Mannes im Rollstuhl beklagt hatten. Auch wenn er ziemlich weit unten im Leben angekommen war, so hatte er doch Leute um sich, denen er etwas bedeutet hat und die ihm gedenken.

Ich tue das an dieser Stelle auch, wenngleich deutlich weniger emotionsreich. Hier ist eine kleine Konstante verschwunden, auf ihre Art. Manche Menschen hinterlassen ihrer Nachwelt keine großen Spuren – aber wenn man ihnen jahrelang zumindest indirekt immer wieder begegnet, hinterlassen sie zumindest eine kleine Lücke im Alltag.


Mal wieder ein vagabundierender Einkaufswagen vor der Tür

Es ist ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis dieser Einkaufswagen hier auf der Straße den Weg zu uns in den Laden findet. Der Wagen hat zwar nullkommanull Ähnlichkeit mit den Einkaufswagen bei uns, aber die meisten Menschen denken gar nicht so weit. Ein Einkaufswagen gehört in einen Supermarkt, Thema gegessen.

Wo ist eigentlich das Ordnungsamt, wenn man es mal braucht? Das wäre doch die Gelegenheit, mit geschwollener Brust beim rechtmäßigen Eigentümer des Wagens wegen der unerlaubten Sondernutzung des Gehwegs eine Welle zu machen.


Predigt auf Deutsch

Mir war übrigens gestern Mittag mal wieder aufgefallen, dass meine "neuen" Nachbarn die Predigt vor dem Freitagsgebet hier in der Moschee auf Deutsch abhalten.

Inhaltlich war das zwar nun zugegebenermaßen ganz und gar nicht meine Baustelle, aber ich fand's durchaus interessant, dass sie das hier auf Deutsch abhalten. Ich gebe zu, dass mich das tatsächlich überrascht hat und ich bin ziemlich sicher, dass in der Vergangenheit (also bei den alten Moschee-Betreibern) immer nur irgendwas auf Arabisch heruntergeleiert wurde.

Eigentlich ein ziemlich interessantes Detail, das für mich nach aktiv gelebter Integration aussieht. Aber so soll es im Idealfall ja auch eigentlich sein.

Vergessene Flaschen gibt es auch in anderen Märkten

In einem Edeka-Markt in Richtung Nordseeküste fiel mir dieses Stillleben in einem Regal in der Getränkeabteilung auf. Die halb ausgetrunkene Mineralwasserflasche kann natürlich auch ein (nicht so guter) Kunde im Laden angebrochen und dort nach der halben Entleerung einfach ins Regal gestellt haben.

Für wahrscheinlicher halte ich, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin des Geschäfts sich zur Erfrischung während der Arbeit eine Flasche mit auf die Verkaufsfläche genommen und dort dann später vergessen hat. Ich will nicht sagen, dass sowas bei uns nicht auch vorkommt. Es gab sogar mal eine Zeit, in der man hier ständig mehr oder weniger volle Red-Bull-Dosen in den Regalen finden konnte – aber das ist inzwischen lange her …


Hinweis für Falschparker

Unser Grundstück steht aus unterschiedlichen Gründen immer irgendwie offen. Immer wieder gibt es Verkehrsteilnehmer, die ihre Autos ungefragt und ohne Erlaubnis hier in der Einfahrt abstellen. Ob es etwas hilft, vermag ich nicht zu sagen, aber diese Hinweise liegen nun bei mir und der Moschee in ausgedruckter Form vor und wenn wieder mal jemand einfach hier parkt, gibt es einen Zettel an den Scheibenwischer:

Sehr geehrte/r Autofahrer/in!

Sie parken hier auf einem Privatgrundstück. Diese Fläche ist nicht als öffentliche Parkplatzerweiterung der Kantstraße gedacht, sondern wird u.a. als Zufahrt für die Mitarbeiter eines Supermarktes und der Besucher einer Moschee benötigt. Sie begehen damit eine Besitzstörung i.S. von § 858 BGB bzw. Eigentumsstörung i.S. von § 1004 BGB.

Bitte nehmen Sie sich nicht nur diesen Hinweis zu Herzen, sondern auch die Information, dass wir Ihr Kennzeichen notiert haben und im Wiederholungsfall Ihr Fahrzeug abschleppen lassen werden.

Mit freundlichem Gruß,

die Eigentümer des Grundstücks Kantstraße 98
Ob es hilft? Langfristig vielleicht schon. Auf jeden Fall haben die rücksichtslosen Autoabsteller dann zumindest mal gesehen, dass ihr Verhalten nicht ignoriert oder übersehen wird.

270 Flaschen Wasser für die Moschee

So, da stehen nun die insgesamt 270 Flaschen Mineralwasser nebenan in der Küche des Moscheegebäudes. Die Freude war groß über unsere Spende und über die offensichtliche Dankbarkeit habe ich mich dann wiederum ebenfalls sehr gefreut.

Auch wenn das Gebäude damals beim Verkauf nicht für uns geeignet gewesen ist (bei wirklich allen noch so konstruierten Überlegungen, was man damit anfangen könnte), so haben sich unsere schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich der Nutzung durch die neuen Eigentümer zum Glück nicht bewahrheitet. Die Leute vom Somalischen Kulturverein Bremen e. V. sind wirklich nette Nachbarn. Top!


Wasser für die Moschee

So viele kleine Flaschen stilles Mineralwasser unserer Eigenmarke brauchen wir um diese Jahreszeit normalerweise nicht für eine halbe Woche. Aber der Löwenanteil der heutigen Lieferung ist auch gar nicht für den Verkauf gedacht.

Die Nachbarschaft mit den alten Eigentümern der Moschee war fast immer anstrengend. Es war maximal ein gegenseitiges Ignorieren und gefühlt von der anderen Seite her ein häufiges Fordern, gepaart mit kompletter Rücksichtslosigkeit. Wie oft mussten wir darum kämpfen, hier überhaupt rauf- oder runterfahren zu können, weil irgendwelche Besucher ihre Autos rücksichtslos irgendwo hingestellt haben und dann für eine Zeitlang aufgrund des notwendigen Gebets nicht verfügbar waren. Hinzu kam, dass unser Hof bis zur Errichtung des Zauns uneingeschränkt benutzt wurde. Hätte mich nicht gestört, wenn nicht eine Portion Rücksichtslosigkeit dazugekommen wäre: Zigarettenkippen hinwerfen, sich auf den Anhänger setzen, mit dem Fußball zwischen den Autos spielen, etc. Man könnte viele Blogeinträge dazu schreiben. Äh, ach, ja. ;-)

Seit einem Jahr ist das alles anders. Die neuen Eigentümer des Nachbarhauses leben ein friedliches und angenehmes Miteinander. Die Parksituation ist entspannter, zumal sie darauf achten, dass ihre Besucher nach Möglichkeit zu Fuß kommen, sie bemühen sich darum, dass wir jederzeit rein und raus kommen, wir bekommen immer wieder Essen und Snacks aus dem Imbiss und man redet auch mal miteinander, wie man es in einer guten Nachbarschaft macht.

Da wollte ich jetzt einfach mal was zurückgeben und habe nach Rücksprache das Mineralwasser bestellt. Zunächst hatte ich an Süßes zum Zuckerfest gedacht, aber da trifft man nicht unbedingt jeden Geschmack, Stilles Wasser für die abendlichen Mahlzeiten während der Fastenzeit war dann aber absolut top und so bestellte ich einiges davon zusätzlich zu unserem regulären Bedarf.

Später mehr.


Keine Zeit!

Der LKW für die Abholung unseres Einwegcontainers war ungeplant heute schon hier. Wir waren nicht darauf eingestellt, denn eigentlich sollte die Abholung erst am Dienstag stattfinden. Besonders viel Platz war auch nicht rund um unsere Einfahrt, nur eine Parklücke zwischen zwei Autos hätte dem LKW eventuell reichen können, um genug Platz zum Rangieren zu haben, um in unsere Einfahrt zu kommen.

Während der LKW die 50 Meter Rückwärts hier im Schneckentempo in die Seitenstraße rangierte, kam ein Kleinwagen an und parkte in genau diese Lücke ein. Mein vorsichtiges Klopfen am Fenster, als der Fahrer zum Einparken ansetzte, ignorierte dieser.

Nachdem er eingeparkt hatte und aussteigen wollte, sprach ich ihn an und bat ihn darum, in eine ein paar Meter weiter gelegene Parklücke auf der anderen Straßenseite umzuparken. "Ich hab keine Zeit!", sprach er und lief weg.

Danke für nichts, du Arsch. Damit war die Chance, hier in die Einfahrt zu kommen, komplett erledigt und der Lastwagen fuhr wieder davon. Kostet ja auch alles kein Geld.

Fairer Deal mit der Moschee

Vor ein paar Tagen, als das mit dem Schnee erst anfing, waren zwei der älteren von der benachbarten Moschee am Schneeschippen. Sie hatten einen Kollegen von mir erwischt, der gerade auf der Rampe war und er hatte ihr Anliegen so verstanden, dass ich mich daran (finanziell) beteiligen soll, immerhin ist das unser gemeinsame Fläche. Wir haben zwar ein Wegerecht über das Grundstück unserer Nachbarn, aber von mir Geld haben zu wollen, fände ich schon etwas happig, um nicht dreist zu sagen. Immerhin überqueren wir die Fläche wenige Male pro Tag, wirklich nutzen tun sie die Betreiber und Besucher der Moschee. Als Parkplatz, Treffpunkt oder auch als erweiterte Gebetsfläche.

Da wir uns aber gut verstehen, ging ich hin und fragte noch einmal persönlich nach. Es ging überhaupt nicht um Geld, sie hatten nur gebeten, wenn sie die Fläche räumen, und zwar auch bis an unser Tor ran, ob ich mich mit Streumaterial wie Salz oder Granulat beteiligen würde. Klar, das mache ich gerne und ich denke, dass das ein durchaus fairer Deal ist. Immerhin mussten wir im vergangenen Jahr fast noch nie darum kämpfen, hier vom oder auf den Hof fahren zu können.

Combi --> REWE

Die Mitbewerber-Gerüchteküche war übrigens wahr. inzwischen ist der Combi-Markt (Hier ist bei Google Street View zu sehen) seit rund zwei Wochen geschlossen.

Schon schwirren die neuen Gerüchte durch den Äther: "Da kommt ein REWE rein."

Aber auch dieses Gerücht ist wahr, im Sommer soll im frisch renovierten Gebäude ein REWE-Markt entstehen. Noch einer hier in der Neustadt, damit fällt der REWE/EDEKA-Quotient für diesen Stadtteil noch wieder eine Nummer größer aus.

Aber wir SEH-Kaufleute haben alle hier eine friedliche Koexistenz und kennen uns untereinander, niemand tut dem anderen weh, alles gut. :-)

Taube auf der Heckscheibe

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich eine Bewegung bei meinem Auto. Irgendetwas ruckte dort immer rhythmisch hin und her. Bei genauerer Betrachtung war es nur eine Taube, die dort auf der Heckklappe saß und möglicherweise Schnee gepickt hat, um ihren Wasserhaushalt wieder aufzufüllen.


Winterwunderland Innenhof

Dass es so stark schneit (und bei dem Begriff "stark" werden einige aus anderen Regionen jetzt auflachen) ist für Bremen doch eher ungewöhnlich. Und selbst wenn mal ordentlich Schnee runterkommt, verwandelt der sich meistens schnell wieder in grauen Matsch.

Der Weg heute früh hierher ging noch relativ geschmeidig, wie ich später nach Hause komme, wird sich zeigen. Mit dem neuen Auto mit Allradantrieb und Traktionskontrolle wird das vermutlich besser klappen als mit dem alten Diesel, aber spannend wird es trotzdem.

Pah, ich lass mir doch nicht von ein paar Wasserkristallen sagen, wie ich zu fahren habe. :-P


Etwas Schnee in und um Bremen

Obwohl Schneechaos angekündigt ist für heute und wir alle Sorge hatten, nicht oder nur sehr erschwert zur Firma kommen zu können, haben der Kollege aus der Frühschicht und ich es dennoch pünktlich geschafft.

Aber es hat ja auch erst vor wenigen Stunden angefangen zu schneien. Ich habe momentan noch keine Angst, aber mein Mitarbeiter ist schon sehr besorgt, nicht wieder nach Hause kommen zu können.

Wenn die Räumdienste ihren Job im Laufe des Tages erledigt haben werden, falls sie überhaupt gegen den Schnee ankommen, sollte das eigentlich kein Problem werden. Ich bleibe einfach mal optimistisch.

ReFood-Tonnen aus der Nachbarschaft

Seit knapp einem Jahr haben wir auch eine grüne Mülltonne von ReFood, in der wir Lebensmittelabfälle entsorgen können. Unsere Tonne steht immer hier auf dem Hof und wird von uns an den Abfuhrtagen an die Straße gestellt und später holen wir die neue Tonne rein. "Neue" deshalb, weil sie nicht wie in der klassischen Müllabfuhr geleert, sondern gegen einen gereinigten Behälter ausgetauscht werden.

Vor ein paar Wochen schon fielen mir diese beiden grünen Tonnen auf der anderen Straßenseite auf. Ich dachte zunächst, dass die zum Dönerladen dort gehören, aber wochenlang hat sich niemand darum gekümmert. Die Tonnen bewegten sich langsam hin und her, standen mal hier, mal dort und kamen plötzlich auch über die Straße. Zunächst standen sie an der Straßenecke, dann wanderten sie in unsere Richtung und blieben hier vor unseren Stadtmusikanten stehen.

Kurz vor Weihnachten bekam ich einen Anruf vom Ordnungsamt Bremen. Am liebsten hätte die Anruferin wohl die Sache so gelöst, dass der mutmaßliche Urheber (also ich) die Tonnen entfernt. Aber da war ich raus, unsere Tonne stand auf dem Hof und wenn sie nicht ermitteln könne, zu welchem Betrieb die eigentlich gehören, sollte sie doch mal direkt bei ReFood anfragen und das melden. Wenn die nichts wüssten, wer dann?

Am nächsten Tag kam ein anderer Mitarbeiter des Ordnungsamts hier herein und wollte wissen, was es mit diesen Tonnen auf sich hat. Sondernutzung Gehweg etc. pp. uswusf. Ich zuckte mit den Schultern und sagte wahrheitsgemäß, dass das nicht mein Problem ist und ich daran auch nichts ändern kann und werde, da es nicht nur nicht mein Problem sondern vor allem auch nicht meine Tonnen sind.

Der Mann bedankte sich für die Auskunft und zog wieder ab.

Am nächsten Tag waren die beiden Tonnen weg.

Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kommen kann, dass diese Behälter anscheinend herrenlos hier herumstanden. Es ist eine kostenpflichtige Leistung, die man dort bucht. Das zum einen. Aber die Tonnen werden voll gegen leer bei der Abholung getauscht. Wenn man als Auftraggeber dafür bezahlt, möchte man die Tonnen doch auch nutzen können und sie nicht der Allgemeinheit als allgemeine Mülleimer zur Verfügung stellen. Aber selbst das klappt, wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, in dieser Stadt nicht. Im Mindset vieler Menschen scheint es zu reichen, seinen Müll in die Nähe eines beliebigen, mülltonnenförmigen Behälters zu werfen, um aus der Verantwortung raus zu sein …