Skip to content

Das passiert, …

…wenn man seine Prinzipen verlässt:

Manche Artikel bestellen wir hier nur gegen Vorkasse. Inzwischen konsequent, denn wenn ein Kunde etwas unbedingt haben möchte, wird er es auch bezahlen müssen. Ob nun vorher oder nachher, ist dabei für den Kunden ja letztendlich relativ egal. Wir dagegen sichern uns auf diese Weise dagegen ab, nicht auf den (teilweise nur schwer verkäuflichen) Produkten sitzen zu bleiben.

Bio-Ziegenjogurt ist so ein Artikel. Bekommen können wir ihn, aber er hält nicht besonders lange und hat natürlich seinen Preis – und daher gibt es ihn bei uns ausdrücklich nur auf Vorbestellung mit Vorkasse.

Eine junge Frau war total begeistert darüber, dass ich ihr den Jogurt bestellen konnte. Gleich sechs Becher, also eine komplette Einheit, sollte ich ihr ordern. Sie war schon in so vielen Läden, erklärte sie mir mit einer solchen Freude, dass ich gutmütig auf die Anzahlung verzichtete und die Ware gleich telefonisch bei unserem Bio-Lieferanten zum nächsten Liefertag bestellte. Sie freute sich riesig und ging.

Und kam nie wieder.

Große Glocken

Eine Kundin kam mit einer Packung abgepackter Zucchinis, aus der es bereits tropfte, an die Lagertür. Oops, die ist wohl beim Gemüsepacken durchgerutscht. Ist nicht schön, aber auch sowas kann passieren. Ich entschuldigte und bedankte mich bei der Kundin. Ihre Reaktion:
Ich dachte, ich komme damit erstmal zu Ihnen, bevor ich das an die große Glocke hänge.
Ich versuchte, die pauschal unangenehme Unterhaltung etwas aufzulockern:
Naja, ich bin hier ja schon die größte Glocke. Sozusagen."
Etwas verwundert war ich über ihre Antwort:
Naja, ich hätte ja auch noch andere Möglichkeiten gehabt.
Was meint sie damit? Spiegel-TV? BILD? Gesundheitsamt? :-)

Ananasblätter

Die grünen Enden von Porreestangen oder die Blätter von Kohlrabi oder Blumenkohl entsorgen relativ viele Kunden hier im Laden. Dazu haben wir hier (wie im Grunde jeder andere Laden auch) einen Mülleimer in der Gemüseabteilung stehen.

Dass jemand die Blätter nun ausgerechnet von einer Ananas abrupft, habe ich bislang noch nie gesehen, wäre ja aber auch noch zu verstehen, immerhin sie sie unhandlich und für nichts zu gebrauchen.

Warum dieser älteren Frau nun mitten im Laden in einem der Gänge einfiel, dass sie die Blätter nicht braucht, verstehe ich nicht. Und noch weniger, dass sie die nach und nach abgerupft und einfach neben den Einkaufswagen auf den Boden geworfen hat…

Manchmal ist es besser, zu schweigen…

Ein Stammkunde rief an und empörte sich bei mir bitterböse darüber, dass er bei einer Limonade unserer Eigenmarke für einen Sechserträger mehr Geld bezahlen muss, als für sechs einzelne Flaschen. Eine richtige Verarschung sei das, Kundenverarschung.

Ich versprach dem Anrufer, die Sache zu prüfen.

Das Ergebnis dieser Überprüfung war vermutlich nicht im Sinne des Kunden: Der Preis für ein Schrumpfpack ist vollkommen korrekt, nur die Einzelflaschen haben wir hier viel zu billig verkauft. Das musste ich natürlich sofort ändern. :-)

Bio-Waldmeistersirup

Eine Kundin hat sich erkundigt, ob wir hier Bio-Waldmeistersirup im Sortiment hätten. Leider musste ich sie vertrösten und auch mein größter Lieferant für ökologisch korrekt erzeugte Waren konnte mir nicht weiterhelfen.
Enttäuscht verließ die Kundin den Laden.

Ich blieb schmunzelnd zurück. Warum sollte auch es keinen biologiosch angebauten Waldmeister geben? Andererseits habe ich schon im Kindesalter gelernt, dass Waldmeister "nicht gesund" ist (wie auch hier in der Wikipedia nachzulesen ist) und vielleicht würde deshalb niemand auf die Idee kommen, den auch noch in "Bio" anzubauen?

Beratung, wozu?

Immer wieder wollen Kunden eine Weinberatung haben. Ein großer Teil der Kunden nimmt meine Empfehlungen an und oftmals ("Bitte sagen Sie mir doch, ob er Ihnen geschmeckt hat."), aber nunmal auch nicht immer, liege ich richtig.

Bei anderen Kunden frage ich mich, wozu sie überhaupt eine "Beratung" haben wollen. Alles Empfohlene wird wieder ins Regal gestellt ("Zu teuer", "nicht so einen billigen", "den kenne ich, der schmeckt nicht", "ich glaube, den mögen sie nicht", "zu süß", "zu trocken" usw.) und am Schluss wird es doch der Wein, den der Kunde oder die Kundin am Anfang schon in der Hand gehalten hatte – auch, wenn der nun gar nicht zur ursprünglich geschilderten Beschreibung passt.

Warum wir Körbe haben

Eine Kundin kaufte ein paar Teile ein, die sich während ihrer Runden durch den Laden in ein paar mehr Teile verwandelten. Sie balancierte inzwischen einen recht unübersichtlichen Berg auf den Armen.
Eine Kollegin sah sie und bot ihr einen unserer roten Einkaufskörbe an, den die Kundin allerdings ablehnte: "Ich brauche nur noch ein Teil, dann habe ich alles."

"Nicht, dass Ihnen da etwas herunterfällt und kaputt geht."

"Neimnein, geht schon."

Dann stapelte sie noch eine 10er-Packung Eier ganz oben auf den Turm und ging damit zur Kasse. Keine 20 Sekunden später, sie war bereits kurz vor der Kasse, hörte man nur ein lautes "PLATSCH" quer durch den Laden.

Ich muss nicht weiterschreiben, oder? Es waren übrigens alle zehn Eier zerbrochen. Totalschaden. Aber den durfte die Kundin bezahlen. Der Unfall war ja schon regelrecht provoziert. :-|

Was soll das nur werden?

Diese beiden Flaschen lagen im Mülleimer vor dem Leergutautomaten. Auf die (vermutlich vormals pfandlosen) Einwegflaschen hat irgendjemand zwei Etiketten geklebt: Einmal von einer kleinen Bier-Mehrwegflasche und einmal von einer 1l-Saft-Mehrwegflasche.
Natürlich hat der Automat die Annahme der beiden Flaschen verweigert. Und als erfahrene Blogleser wisst ihr auch warum: Die Etiketten waren mit Klebefilm befestigt und der Streifen verlief genau durch den Strichcode. :-P


Eilig auf dem Waveboard

Ein etwa zwölfjähriger Junge fuhr auf seinem Waveboard durch den Laden, während seine Eltern einkauften. Ich bin ja inzwischen bzgl. Personen auf Inlinern relativ tolerant, vor allem wenn sie sich langsam und sichtbar sicher auf den Dingern bewegen.

Ich hatte ernsthaft Mühe, den Jungen einzuholen, so schnell fuhr er durch die unterschiedlichsten Gänge. Das war eigentlich schon Beleg genug dafür, dass er zu schnell war. :-O

Das sagte ich ihm schließlich auch genau so und bat ihn darum, sein Board hier im Laden zu tragen.

Handy gefunden!

Wir haben bei uns im Markt dieses Handy gefunden. Leider mit leerem Akku, so dass uns das Telefonbuch diesmal nicht weiterhilft. Sollte sich der mögliche Eigentümer erkennen: Bitte melden!

Na, das ging schnell. Keine zehn Minuten, nachdem wir die Zettel an die Tür gehängt hatten, meldete sich schon eine Stammkundin, deren Tochter ihr Handy vermisst. Voila. :-)

Samsung "La Fleur" gefunden!

Leckerer Honig

Ein Stammkunde ging durch den Laden und machte währenddessen das, was hin und wieder mal Kunden tun: Er hatte ein Produkt aus dem Regal genommen, es geöffnet und war am essen. Allerdings handelte es sich dabei um ein Glas Honig, den er mit mehreren Fingern aus dem Glas schlabberte. Die Finger klebten, die Hand klebte, das Glas klebte, sein Gesicht klebte…

So ging er zu einer Kollegin und sprach sie an: "Ich will das mal eben bezahlen…"

Sie verstand zunächst gar nicht, was er überhaupt von ihr wollte. Schließlich klärte er auf: "Ich hab' den Honig gerade im Suff aufgemacht. Ich hatte Hunger. Man sollte echt weniger trinken, da macht man nur noch dummes Zeugs."

Aye! :-)

Bierrest ausschütten mit schlechter Trefferquote

Als Türstopper benutzten wir für unsere Lagertür meistens irgendwelche Getränkekisten. Das bietet sich aufgrund der räumlichen Nähe zur Leergutannahme ja auch schließlich an. Manchmal sind die Kisten leer, manchmal stecken auch noch ein paar leere Flaschen in den Rahmen.

Auf dem Weg in den Laden fiel mir plötzlich ein Mann auf, der zusammen mit seinem Leergut eine etwa halbvolle Bierflasche mitgebracht hatte. Seine Idee war vom Ansatz her nicht schlecht: Er beschloss, den Inhalt einfach in eine der leeren Flaschen in der Türstopper-Kiste umzufüllen. Allerdings scheiterte das Vorhaben an der dilettantischen Durchführung: Aus etwa einem halben Meter Höhe mit einem zittrigen Strahl ein nur knapp zwei Zentimeter großes Loch zu treffen, überforderte den Kunden wohl – und eine große Bierpfütze quoll unter der kleinen Saftkiste deutlich sichtbar hervor… :-O


Vergeblich geschleppt

Zwei junge Frauen, beide um Anfang zwanzig, haben jeweils eine dieser riesigen Ikea-Tragetaschen hier bis zum Laden und bis vor den Leergutautomaten geschleppt. Wer die Taschen kennt, weiß, wie groß sie sind und wie unglaublich viele Flaschen dort hineinpassen – mit anderen Worten: Die Dinger waren wirklich schwer.

Umso enttäuschender muss es gewesen sein, als sie (unter anderem mit Hilfe einer Kollegin) feststellen mussten, dass die ganze Schlepperei im wahrsten Sinne des Wortes fast komplett umsonst war. Nur ein paar Bier- und Limoflaschen konnten wir annehmen, der Rest setzte sich aus Wein- und Spirituosenflaschen und einigen Konservengläser zusammen. "Naja", seufzten die beiden ziemlich enttäuscht, "dann bringen wir die jetzt eben noch zum Altglascontainer."

Ich weiß, wo der nächste Altglascontainer steht. Wenn sie das ganze Zeugs tatsächlich bis dahin geschleppt haben, war das schon eine ordentliche Fitnessübung.

Präsentkorb? Ooops!

Eine Stammkundin hatte am Wochenanfang einen Präsentkorb für ihre Firma bei mir bestellt. "Ich brauche den für Freitag", sagte sie. Kein Problem, machen wir.

Vorhin kam ein Kollege zu mir ins Büro: "Da ist eine junge Dame, die einen Präsentkorb abholen möchte…"
Was? Wie? SCH..! Aber richtig.

Naja, sie brauche den Korb nicht sofort und auf diese Weise bekam sie ihn dann vorhin sogar von uns kostenlos zur Firma gebracht, schließlich mochten wir ihr nicht zumuten, wegen meiner Schusseligkeit extra noch einmal wiederzukommen.

Puh, Situation gerettet. :-)

Kaffee im Glas

Ein etwas heruntergekommen wirkender Mann kam an die Lagertür und wollte Kaffee reklamieren: In einem Glas mit Melitta-Instantkaffee hätte ein Bekannter von ihm eine große Scherbe gefunden. Das Glas hatte er zwar nicht dabei, aber es wäre doch wohl angemessen, wenn er als Ersatz ein neues Glas bekäme.

Bekam er aber nicht, schon gar nicht ohne Vorlage der beanstandeten Ware. Also empfahlen wir ihm, sich mit seiner Reklamation direkt an den Hersteller zu wenden. Er bedankte sich und ging. (Und drohte erstaunlicherweise nicht damit, die Berufsgenossenschaft, das Ordnungsamt oder das Gesundheitsamt einzuschalten…)

Bei späteren Résumé kamen wir im Kollegenkreis zu dem Schluss, dass er mit ziemlicher Sicherheit auf diese Weise nur zu einem Gratisglas Instantkaffee kommen wollte.

Beim noch späteren Nachdenken, immerhin hat mir die Sache keine Ruhe gelassen, fiel mir erst auf, dass es von Melitta überhaupt gar keinen Instantkaffee im Glas gibt.

Alles klar? :-)