Sonntagsarbeit hier in der Firma ist für mich relativ normal. Ich bin zwar nicht (mehr) regelmäßig sonntags hier, aber doch mindestens zweimal pro Monat. Oftmals habe ich dann hier auch im Laden das Licht an. Selbst wenn's keine Komplettbeleuchtung ist, wirkt das Geschäft von außen wie hell erleuchtet.
Die meisten Leute, die gerne etwas einkaufen würden, rütteln nur an der Tür und geben nach spätestens ein paar Minuten auf.
Nun klingelte eben Telefon:
Harste.
Warum hat SPAR denn nicht auf?
Weil heute Sonntag ist.
Aber da ist Licht an. Und da steht auch, dass SPAR von sechs bis 24 Uhr geöffnet hat.
Das ist auch beides richtig. Allerdings steht da auch, dass wir von Montag bis Samstag von sechs bis 24 Uhr geöffnet haben.
Ja, jetzt seh' ich das auch. Und warum nicht jetzt? Ich will etwas kaufen!"
Das ist das Bremer Ladenschlussgesetz. Sonntags ist nunmal zu und solange es sich vermeiden lässt, wird das auch so bleiben.
Eine Kundin suchte ein bestimmtes Produkt. Der Artikel aus der Abteilung "Frühstückscerealien" ist meiner Meinung nach nicht besonders wichtig, aber inzwischen in den meisten Vollsortimentern zu finden. Wir hatten ihn auch mal im Sortiment, aber irgendwann vor ein paar Jahren ist das Produkt dann, aus welchen Gründen auch immer, bei uns verschwunden. Ich versprach der Kundin aber, mich noch einmal darum zu bemühen.
Gestaunt habe ich den Kommentar der Frau: "Alle normalen Läden haben das im Programm."
Sind wir nun unnormal (Antwort: Ja! Aber das ist eine andere Sache…) oder wollte sie damit nur noch zusätzlich bekräftigen, dass die Sorte ins "normale Sortiment" eines "normalen Ladens" gehörten würde?
Als ich eine Kollegin rauslassen wollte, kamen gerade drei ausgesprochen wenig vertrauenserweckende Heranwachsende die Straße entlanggelaufen.
"Eh, habt ihr noch auf?", gröhlte aus etwa 20m Entfernung einer der drei quer über die Gastfeldstraße.
Ich verneinte.
Zunächst steuerten sie direkt auf meine Tür zu und erweckten den Eindruck, als wenn sie sich einfach Zutritt verschaffen wollten. Möglicherweise, weil wir ebenfalls zu dritt waren, gingen sie aber doch am Laden vorbei. Nicht, ohne mich noch mutig zu beschimpfen: "Scheiß Brillenschlage, Kartoffel."
Sowas tut nicht weh. Manche Leute tragen ihr Äußeres wie das berühmte "Schild" mit sich herum. Da weiß man schon vorher, was man von eventuellen Aussagen und/oder Reaktionen zu halten hat. Nämlich rein gar nichts.
Eine Mutter schob ihr knapp 2 Jahre altes Kind im Kinderwagen durch den Laden. Das kleine Mädchen war schon nicht mehr "proper" oder "pummelig", sondern schlicht und einfach fett.
Warum das so sein dürfte, erfuhren wir direkt an der Kasse. Die soeben gekaufte Tüte "Pombären" wurde aufgerissen und dem Mädchen in die Hand gedrückt. Fleißig schaufelte sie sich die Snacks in den Hals. Nachgespült wurde mit einer Flasche Coca-Cola. Nicht light, nicht koffeinfrei, sondern original Coke.
Das ist doch mal ein ausgewogenes und nahrhaftes Frühstück. Gut, ich habe sowas auch schon geschafft, aber ich zu der Zeit war ich 30 Jahre älter als das Kleinkind und ganz allgemein kann ich diese Entscheidung selber treffen. Für das kleine Mädchen wird diese Ernährung vermutlich normal sein oder normal werden. Leider. :O
Eine Kundin beschwerte sich lautstark bei meiner Mitarbeiterin an der Kasse darüber, dass ihr Wunsch, sich 300 Euro Bargeld auszahlen zu lassen, abgelehnt wurde.
"Wenn Sie damit werben, müssen Sie auch genug Geld vorrätig haben!", argumentierte die Frau. Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Man kann auch einfach mal dafür Verständnis haben, dass der Kassenbestand in einem Supermarkt am Montag Morgen etwas schmaler aussieht.
Eine Kundin reklamierte eine Flasche Wein, aus der schon ein großzügiger Schluck fehlte. Sie argumentierte damit, dass der Wein "korkig" schmecken würde. Wir tauschen hier anstandslos gegen Bargeld um, aber trotzdem stellte ich die Kundin zur Rede. Der Wein war vollkommen in Ordnung und ich sagte ihr ziemlich direkt ins Gesicht, dass sie ruhig zugeben darf, wenn ihr der Wein nicht schmeckt. Ich trinke den selber relativ häufig und korkig war er mit Sicherheit noch nie, zumal die Sorte bei uns im Regal nicht alt wird.
Sie zickte mich gleich an: "Meine Eltern haben ein bekanntes Weingut. Wenn Sie etwas Ahnung von Weinen haben, werden Sie wohl den Namen Pennerglück von der Inn sicherlich kennen. Sie können mir also schon glauben, dass ich durchaus in der Lage bin, zu erkennen, dass ein Wein fehlerhaft verkorkt wurde."
Frau vom Fach kauft ihren Wein im Supermarkt ein. Cool.
Eine Kundin hatte zwei hochwertige Bio-Chorizo-Salami am Stück in ihren Einkaufswagen gelegt und beschwerte sich an der Kasse lautstark über den Preis: "SO TEUER? Das ist ja schon fast eine Frechheit. Zumal das nirgends steht!"
Ganz behutsam wies meine Mitarbeiterin die Frau auf die leuchtend gelben und (wie wir alle finden) deutlich sichtbaren Preisaufkleber hin, die mitten auf den Etiketten der Würste prangten. Und, mal ganz ehrlich, 5,99€ ist für die Ökoland-Chorizo auf jeden Fall nicht zu teuer.
Eine Kundin suchte ganz kleine Mini-Salamis. Ihre Beschreibung: "Die gibt es in so Tütchen, wo immer ein paar Stück drin sind. Und wenn man die aufmacht, stinkt's."
Ein Paar mittleren Alters kaufte ein. Plötzlich entdeckte er in der Kühltruhe mit dem abgepackten Fleisch etwas und rief seiner Begleitung quer durch den Laden zu: "Die haben Beinscheibe. Booaaaah, ist das fies!!!"
Ein Kunde oder eine Kundin beschwerte sich anonym bei der Hotline unseres Lieferanten darüber, dass ein bestimmter Artikel bei uns "ständig" ausverkauft sein soll.
Dass es nicht so ist, kann ich zwar gerade nicht bestätigen, aber da der Artikel im Verhältnis zum Absatz doch relativ viel Regalplatz hat, kann ich mir das gar nicht so recht vorstellen.
Aber anonyme Beschwerden (dazu noch gegenüber Dritten) sind sowieso in keiner Weise ernstzunehmen.
Ein etwa vierjähriges Mädchen quengelte und wollte dieses und jenes Produkt haben. Ihre Mutter lehnte aber ab und schlug dieses und jenes als Alternative vor.
Die Kleine stellte mit weinerlicher Stimmt fest: "Immer kaufst du was für uns alle und nie für mich alleine!"
Tzja – wer das Geld hat, stellt die Spielregeln auf. :P