Eine Stammkundin beschwerte sich für mein Empfinden relativ unfreundlich darüber, dass ständig ihre Zettel an der Von-Kunde-zu-Kunde-Pinnwand von uns entfernt würden und sie deshalb alle ein bis zwei Wochen einen neuen ausfüllen müsse.
Sie wirkte so, als wenn meine Erklärung, dass von uns da normalerweise niemand Zettel einfach so entfernt, nicht wirklich glaubwürdig rüberkam.
Ein kleiner Junge stand in Kassennähe im Laden und knabberte und lutschte an einem Überraschungsei herum. Situationen wie diese machen mich immer nervös. Von Kindern im Laden verzehrte Produkte werden leicht vergessen zu bezahlen – ob absichtlich oder nur versehentlich vergessen, sei dabei mal egal. Ich sah mich um und noch bevor ich auch nur erahnen konnte, zu wem das Kind gehört, trat ein Mann mittleren Alters aus der Schlage und wedelte demonstrativ mit der Ü-Ei-Folie herum.
Etwa ein halbes Dutzend Jugendliche, bzw. Heranwachsende (naja, mehr oder weniger, eher letzteres…) hat meinen Laden mit einem Abenteuerspielplatz verwechselt. Nachdem ich sie mehrmals auffordern musste, den Laden zu verlassen ("Wir wollen was kaufen" – "Nein, wollt ihr nicht!" – "Wir gehn nach Penny, Penny ist sowieso besser als Spar…"), zogen sie schließlich pöbelnd ab.
Auf dem Weg nach draußen klingelte das Handy von einem der Typen. Er ging ran: "[blabla] ne, wallah, isch bin SPAR…" Ich weiß – natürlich war das pure Provokation von mir, aber ich konnte mir den Spruch einfach nicht verkneifen: "Du bist nicht SPAR, du bist bei SPAR."
Die kollektive Pöbelei war mir den Lacher der umstehenden Kunden und Mitarbeiter aber definitiv wert.
Während meiner Ausbildung habe ich mal beigebracht bekommen, dass das Argument, dass man bei Markenprodukten "nur den Namen bezahlt", völliger Unsinn ist – schließlich bekommt man auch höhere Qualität für sein Geld. Das würde ich heute nur noch bedingt unterschreiben, denn es gibt einige "Premium"-Marken, auf die das meiner Meinung nach nicht wirklich zutrifft.
Gestern wollte ein Kunde Labskaus in Dosen kaufen. Wir haben zwei Sorten, eine kostet 2,29€ und die andere steht hier 2,89€ im Regal. Ohne sie zu kennen, griff der Kunde nach dem günstigeren (was bei knapper Kasse ja auch durchaus legitim wäre), argumentierte aber damit, dass Labskaus gleich Labskaus wäre und dass man bei dem teureren Produkt ja doch nur den Namen bezahlen würde.
Diskussion oder Erklärungen waren zwecklos – aber für euch gibt es jetzt jeweils die ersten sechs Punkte in den Zutatenlisten und dann dürft ihr euch gerne selber Gedanken machen, wie hoch wohl beim Preis der Anteil am aufgedruckten Namen ist…
Ich hätte jedenfalls, wenn ich beide Produkte nicht kennen würde, die 60 Cent mehr investiert. Aber wenn man als Verkäufer dem Kunden zum teureren Produkt rät, will man ja nur Geld machen…
Eine ältere Kundin suchte Sonnenblumenkerne als Wintervogelfutter. Kein Problem, sowas haben wir in kleinen Beuteln und größeren Gebinden vorrätig. Waren aber nicht richtig, denn sie wollte geschälte Sonnenblumenkerne haben, damit nicht immer die schwarzen Schalen bei ihr auf der Terrasse liegen.
Sie hat dann die geschälten Bio-Sonnenblumenkerne im 250g-Beutel für 2,29€ genommen. Mir soll's ja recht sein.
Aus Platzgründen haben wir hier im Laden, gerade auch in der Getränkeabteilung, viele Dinge recht eng zusammenstehen. In diesem speziellen Fall mehrere exotischere Limonadensorten. Die Kisten stehen einfach übereinander, wer an eine der unteren Sorten herankommen möchte, muss unter Umständen eine oder zwei Kisten beiseite stellen oder zumindest kurz anheben. Das war irgendwie nie ein Problem…
…bis dieser Kunde, ein ausgewachsener Mann, daherkam und sich demonstrativ doof stellte und dabei noch versuchte, mich auflaufen zu lassen. Ein bisschen wie der karikierte Lateinlehrer aus der Alt-68er-Generation. Romani, ite domum. Hast du das begriffen?
Ein Mann wollte Kaffee aus der Vitrine kaufen und sprach deshalb die Dame an, die Ware in ein Kühlregal einsortierte: "Na, geiles Luder…"
Das "geile Luder" erwiderte sofort: "Du weißt schon, dass sowas zur Begrüßung einer fremden Frau nicht sehr nett ist, oder?"
Der Typ grinste nur und fragte nach dem Kaffee. Während er schon zum Kaffeeregal vorging, kam die Angesprochene ins Büro, erklärte mir, was vorgefallen war, drückte mir den Schlüssel für die Vitrine in die Hand und wünschte viel Spaß mit dem Kunden.
Während ich den Schrank aufschloss, sprach ich ihn auf das Gesagte an: "Ich weiß, dass meine Frau sehr hübsch ist, aber manche Sprüche sollte man für sich behalten, sowas mögen wir hier nämlich nicht."
Statt Einsicht zu zeigen oder den Versuch zu unternehmen, um Entschuldigung zu bitten, grinste der Mann nur und bestätigte, dass das doch nur "nett gemeint" und "nicht so schlimm" gewesen ist.
Eine langjährige Stammkundin mittleren Alters erstaunte mich eben sehr. Da frage sie mich mit ein paar leeren Flaschen in der Hand, wo denn hier die Leergutannahme sei.
Keine Ahnung, wie lange die Frau hier schon einkaufen kommt, es sind mindestens schon ein paar Jahre. Hat sie tatsächlich in der ganzen Zeit noch nie Leergut abgegeben? Wäre jedenfalls die angenehmste Auflösung für diese durchaus irritierende Frage.
Eine Kollegin führte an einem Regal die MHD-Kontrolle durch und stand dabei zwangsläufig mit dem Rücken in Richtung Kunden. Ein Heranwachsender kam rein, in den Händen hielt er zwei Tüten mit Leergut. Ohne einen Gruß oder überhaupt eine kurze vorherige Ansprache rief er dem Rücken entgegen: "Eyy, wo'sch Leergut?"
Meine Mitarbeiterin ignorierte ihn konsequent und sortierte weiter die Ware im Regal vor ihr. Nachdem der Typ kurz gewartet hatte, ging er weiter und suchte den Leergutautomaten auf eigene Faust.
Recht so! Man muss sich ja nicht jede Unfreundlichkeit gefallen lassen – auch nicht von "zahlenden Kunden". Irgendwann reicht's nämlich auch mal.
Eine Kundin, die sich relativ regelmäßig von uns mit Ware beliefern lässt, fragt auch genauso regelmäßig nach der Handynummer meines Botens. Warum schreibt sie sich die Nummer nur nicht mal ins Adressbuch, statt spätestens alle zwei Wochen erneut danach zu fragen?
Eine Kollegin war gerade konzentriert damit beschäftigt, ein Regal aufzuräumen und die Bestellung der dort platzierten Produkte aufzuschreiben. Zwei Heranwachsende betraten den Laden und unterhielten sich. Während sie an meiner Mitarbeiterin vorbeigingen, äußerte einer der beiden etwa folgenden Satz:
Beim $mitbeweber wird man ja immer von jedem Mitarbeiter gegrüßt. Voll nervig finde ich das.
Als Konsequenz setzte meine Angestellte ihre Arbeit im Regal einfach fort und tat dabei so, als wenn sie die beiden jungen Männer ignorieren würde.
Hier wird man dagegen gar nicht gegrüßt.
Da mischte sich meine Kollegin ein:
Wolltest du doch auch gar nicht. Gerade eben hast du dich jedenfalls noch lautstark darüber beschwert.
Eine Reaktion gab es keine mehr. Die beiden hielten kurz inne und gingen dann nur noch grinsend weiter.