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Gegengewichte

Irgendwo ist auch mal Schluss mit Kulanz. Wie viele Läden verkaufe ich Getränke auf Kommission, so dass Kunden, die zum Beispiel nicht genau wussten, wieviele Kisten Bier sie nun bei ihrer Party verbrauchen würden, den Rest wieder zurückgeben können.

Gerade eben wollte eine Kundin mehrere Kisten Bier haben. Nach einigem Hin und Her über die Modalitäten von Zahlung und Rücknahme, rückte sie damit heraus, dass sie die Kisten in ein paar Tagern wieder vollständig zurückgeben würde. Sie bräuchte das Bier gar nicht, sondern würde die Kisten nur als Gegengewicht für irgendwas auf einer Baustelle benötigen.

Den Wunsch habe ich ihr abgeschlagen. Das Risiko, hinterher mit Kalk und Farbe verschmutze Flaschen hier stehen zu haben, wollte ich erst gar nicht auf mich nehmen.

Nachtschicht 2

Dauerregen, gefühlt "nichts los" und vor allem kam in der vergangenen Nacht sehr wenig Leergut zurück. Einer dieser Momente, in denen man sich kaum traut, die Umsatzstatistik der Nachtschicht anzusehen.

Und dann? Ist doch der Umsatz überdurchschnittlich hoch gewesen. Seltsam, aber nett. :)

Nachtschicht 1

Im Laufe der Nacht betrat eine etwas verwirrt wirkende Frau mitleren Alters den Laden. Ob wir mal die Polzei rufen könnte, wollte sie wissen. Meine Frage, ob ich den Notruf 110 oder einfach nur die Telefonzentrale der Polizei anrufen soll, quittierte sie mit einem hektischen "Eins, eins, null!". "Wofür denn, was ist denn überhaupt los?", wollte ich wissen – doch sie entgegnete nur, dass mich das nichts anginge.

Schön. Beste Voraussetzungen, um die Polizei anzurufen. Ich sah den Dialog schon vor mir: "Bitte kommen Sie, es ist ein Notfall." – "Was ist denn passiert?" – "Keine Ahnung." – "Gut, wir kommen in zwei Minuten mit dem kompletten SEK vorbei.". Ich wählte die Nummer trotzdem und drückte der Frau das Telefon in die Hand. Soll sie doch selber mit der Polizei reden.

Ihre Überredungsversuche, ein paar Beamte einzuspannen, funktionierten übrigens nicht.

Aber sie hat die flügellahme Taube, die sich unter einem parkenden Auto versteckt hatte, dann schließlich doch noch selber einfangen können.

Abgestelltes Altglas

Dass der Leergutautomat diese Flaschensammlung nicht akzeptieren wollte, kann ich verstehen. Jedoch nicht, dass Leute sowas einfach hier stehen lassen. Neben den auf den Boden gestellten Flaschen wäre auch der komplette Inhalt der Tüte ein Fall für den Altglascontainer gewesen.

Dass die Leute keinen Anstand haben... :(


Passende Antwort

Vor knapp einem Jahr hatte mich Thomas auf den Spruch mit den Hunden gebracht, den ich seit dem immer mal einsetzen wollte.
Vorhin war es so weit: Ich saß an der Kasse und eine Kundin fragte mich scherzhaft, ob sie "so gehen" dürfe und ich entgegnete nur, dass ich höchst ungerne den Hund loslassen würde.

Ihre trockene Antwort: "Ach, damit würde ich schon zurechtkommen, ich bin nämlich Tierarzthelferin."

Damit hatte ich jetzt garantiert nicht gerechnet. :)

Partystimmung

Den ganzen Abend über schon strömen gutgelaunte Jugendliche und Heranwachsende in kleinen und großen Gruppen herein und decken sich mit Knabberartikeln, Bier und Spirituosen ein – und dabei ist doch gar kein Wochenende.

Aber heute war hier in Bremen der letzte Schultag vor den Sommerferien. Das erklärt manches... :)

Dumm gelaufen

Im wahrsten Sinne des Wortes "dumm gelaufen" ist ein Kunde gestern Abend. Ein junger Mann in sehr "einschlägiger" Erscheinung (schwarzes Basecap, Rucksack und leicht alkoholsiert) löste an der Kasse den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Er hatte nichts gekauft und sich einfach an der Schlange vorbeigequetscht, was meinem Mitarbeiter natürlich besonders auffiel. Er rief mich an, damit ich die Sache kläre und bat den Mann, zu warten.

Doch der rannte los wie ein Wahnsinniger. Geistesgegenwärtig sprinteten zwei Kunden hinter ihm her und verfolgten ihn durch mehrere Straßenblöcke, wo sie ihn schließlich stellen konnten. Dabei stolperte der Flüchtige und schürfte sich die Haut an den Knien auf. Zu dritt kamen sie wieder zurück. Den beiden Verfolgern drückte ich als Dank für den Einsatz 50 Euro in die Hand und kümmerte mich danach in Ruhe um den Alarm auslösenden Kunden.

In seinem Rucksack hatte er mehrere gesicherte CDs. Ältere, bgegriffene Cover, in denen noch aktive Sicherungsetiketten klebten. Sonst nichts, jedenfalls nichts, was mit Warensicherungsetiketten gesichert war und schon gar nichts von uns.
Der Ärmste wollte einfach nur eine Flasche Wasser kaufen, allerdings hatte er eine Verabredung und deshalb wenig Zeit. Da die Schlange gestern Abend gerade relativ lang war, wollte er den Laden so wieder verlassen. Als dann der Alarm losging, hat er schlicht und einfach Panik bekommen, fürchtete einen Polizeieinsatz und die damit verbundenen Folgen und dabei wollte doch einfach nur pünktlich zu seinem Treffen kommen.

Er saß bei uns im Lager wie ein Häufchen Elend. Die Anstrengung mit vorhergehendem Alkoholkonsum war wohl zu groß. Er war völlig durch den Wind, entschuldigte sich immer und immer wieder für das, was er "getan" hat. Dabei hatte ich sogar das schlechte Gewissen, denn schließlich hat ihn meine Warensicherungsanlage in meinem Laden so in Panik versetzt. Für seine Überreaktion kann ich zwar nichts, aber trozdem...

Meine Fragen, ob ich irgendetwas für ihn tun könne, verneinte er konsequent. Aber wenigstens das angebotene Wasser hat er dankbar entgegengenommen.

Verständigung

Ein älterer, ausländischer Kunde, der sich nicht richtig auszudrücken wusste, suchte Haftcreme für sein Gebiss. Um das zu signalsieren, nahm er seine "Dritten" raus und fuhr mit dem Finger in der Vertiefung entlang.

Gut, dass er keine Kondome gesucht hat. :O

Er hat hier eingekauft!

Eine Gruppe Mittzwanziger betrat den Laden. Zwischendurch trennten sie sich wieder, die meisten warteten vor der Tür und zwei setzten den Einkauf fort. Einer der beiden trug schließlich die Einkaufstüte und hielt sie, als er den Laden verließ, der Gruppe am hoch erhobenen Arm ausgestreckt entgegen.

Ich konnte das nur aus der Ferne der Lagertür beobachten. Was auch immer er mit der Geste sagen wollte – es sah aus wie "Seht her! Bewundert mich! Ich habe hier eingekauft!"

Im positiven Sinne, natürlich. :)

Das Helmut-Newton-Plakat

An der wilden Plakatwand Ladentür hängt derzeit ein Plakat für eine Helmut-Newton-Ausstellung. Gerade eben beschwerte sich eine Kundin darüber, dass das Plakat sexistisch, frauenfeindlich und diskriminierend sei und deshalb von uns entfernt werden müsse.

Kann man sehen, wie man will. Newton hat sicher etliche sehr provokative Bilder produziert, aber man kann's ja auch mit dem erhobenen Zeigefinger übertreiben.

Sie war's übrigens mal wieder nach langer Zeit. :)


Kleines Blogeinträgchen

Supermami mit ca. 2-jährigem Nachwuchs betritt den Laden. Damit das Kind nicht dumm sterben muss, erklärte das Muttertier unentwegt den Supermarkt. Zuerst über eine Mitarbeiterin, die gerade in der Gemüseabteilung zugange war: "Da ist die Tante, die verkauft die Sachen hier."

Danach nahm sie sich einen Einkaufswagen, was sie ebenfalls entsprechend kommentierte: "Jetzt nehmen wir erstmal ein Autochen.", gefolgt von einem: "Du willst doch Autochen fahren, oder?" – und setzte ihr Kind in den Kindersitz des Einkaufswagens, ohne überhaupt eine Antwort abzuwarten.

Das Restchen des Einkäufchens verlief in der gleichen Artelino und Weiselchen weiter: "Da sind die Äpfelchen, da sind die Kekschen. Und du willst doch bestimmt ein Melönchen essen, oder?"

Ned Flanders lässt grüßen. Hey-Didelldi-Doodelchen.

Riskantes Gerede

Zwei alkoholisierte Kunden haben eben für Biernachschub gesorgt. Nach dem Bezahlen wünschte mir einer der beiden: "Eine schöne Nacht noch, auch wenn Spanien gewonnen hat. Aber es ging ja um's Spiel und nicht darum, wer nun gewinnt..."

Kunde 2: "Ey, hör endlich auf, so zu labern. Ich glaube, dafür kriegst du heute noch irgendwo welche auf's Maul von jemandem."

3kg Kleinstgeld

Hin und wieder bringen uns ein paar Kunden Kleingeld und fragen, ob wir das eintauschen können. Normalerweise ist das kein Problem, vor allem bei schon in (notfalls selbstgebastelte) Rollen verpackten Münzen oder überschaubaren Mengen, die in ein Zählbrett passen.

Nun war eine Kundin hier und hielt mir einen Leinenbeutel entgegen, der sich im unteren Bereich deutlich sichtbar auswölbte. Ich weiß nicht genau, wieviele 1-, 2- und 5-Cent-Münzen es waren, aber das Gesamtgewicht dürfte rund drei Kilogramm betragen haben - wenn nicht sogar noch deutlich mehr.

Auch wenn sie es selber sortieren wollte, so hätte ich hinterher hunderte loser Münzen hier liegen gehabt, die ich über mehrere Tage immer wieder in die Kasseneinsätze zählen müsste.

Ich habe ihr den Tipp gegeben, sich bei der Bank Rollenpapiere zu besorgen und die Münzen darin einzupacken. In der Form nehme ich sie dann sogar gerne entgegen. :)

Alternativer Schirmverleih

In dem Dauerregen heute Morgen kam eine Kundin zu mir und wollte wissen, ob wir Regenschirme verkaufen würden. Leider konnte ich ihr diesbezüglich nicht viel weiterhelfen.

Doch wir haben ja im Eingangsbereich in einer Ecke einen Schirmständer stehen, der sich im Laufe der Zeit immer mehr gefüllt hat. Manche Schirme stehen dort schon seit Ewigkeiten. "Nehmen Sie doch davon einen", schlug ich ihr vor. Sie freute sich und versprach, ihn am Abend sogar wieder zurückzustellen.

Da bin ich mal gespannt. :)

(Nicht) abgelaufene Cola

"Na, die sollten Sie mal schnell aus dem Regal nehmen. Das MHD ist schon längst überschritten!", reklamierte eine Kundin vorhin diese Cola-Flasche bei einer Mitarbeiterin, die gerade dabei war, frische Ware in den Kühlschrank zu stellen.

Dabei tippte sie demonstrativ auf das auf der Vorderseite der Flasche aufgedruckte Datum.


Sie hat die Flasche dann aber doch gekauft. :)