Warum ich recherchiert habe? Nun, ich habe heute diese E-Mail bekommen:
Korrekturantrag – Ungenaue Domain-Verlinkung
Bei der Überprüfung Ihrer veröffentlichten Materialien haben wir einen Link zu unserer früheren Domain festgestellt (mundmische. de). Diese Domain wurde inzwischen an einen externen Anbieter übertragen und enthält nun Inhalte, die nicht mit unserer Mission vereinbar sind und die Leser irreführen oder dem Ansehen unserer Marke schaden könnten.
Aus Gründen der Genauigkeit und Klarheit bitten wir Sie, den Link zu unserer verifizierten offiziellen Website zu aktualisieren:
Vielen Dank für Ihre zeitnahe Antwort und Ihr Engagement für eine genaue Berichterstattung.
Geht man auf die genannte Website, bekommt man etwas, das auf den ersten Blick an die Inhalte der alten Mundmische-Website erinnert. Ein Lexikon irgendwelche Ausdrücke – guckt man genauer hin, sieht man, dass es nur ganz rudimentäre Inhalte sind, die nur den Schein wahren sollen. Das war mir zunächst gar nicht aufgefallen, das ich gar nicht die Notwendigkeit sah, mich gerade näher mit der Website zu beschäftigen.
Was ich allerdings komisch fand: Warum soll jemand eine alteingesessene .de-Domain aufgeben (die ja nun wirklich nicht viel kostet) und auf diese "subdomain.de-html.com"-Konstruktion umziehen? Das ergab für mich überhaupt keinen Sinn und so fragte ich kurz ChatGPT, da mal zu recherchieren:
"Lässt sich herausfinden, warum die Website mundmische.de (JETZT ein Onlinecasino oder sowas) auf mundvermischen.de-html.com umgezogen ist? Jetzt jammern die herum, dass der alte Link bei mir (auf mundmische.de) irreführend sei. Warum geben die dann erst ihre de-Domain auf?
Die zusammengefasste Antwort lautete:
Die ursprüngliche Website mundmische.de ist offenbar bereits 2023 verschwunden. Unter der alten Domain wird inzwischen für Onlinecasinos geworben. Warum die ursprünglichen Betreiber ihre Domain aufgegeben haben, ist unklar.
Die angebliche Nachfolgeseite mundvermischen.de-html.com ist allerdings höchst verdächtig. Bereits im Oktober 2026 wurde eine nahezu identische Masche dokumentiert: Betreiber etablierter Websites werden angeschrieben und gebeten, alte Links auf vermeintlich umgezogene Websites zu ändern. Dabei führen die vorgeschlagenen Adressen ebenfalls auf Subdomains von de-html.com.
Das wahrscheinliche Ziel ist, wertvolle Backlinks von etablierten Websites zu erhalten, um die eigene Position in Suchmaschinen zu verbessern.
Dass die neue Website tatsächlich von den ursprünglichen Mundmische-Betreibern stammt, ist nicht belegt. Vieles deutet darauf hin, dass hier lediglich versucht wird, unter einem glaubwürdigen Vorwand einen neuen Backlink zu ergattern.
Genau so schätze ich das auch ein und daher ist der Link im Janee-Blogeintrag nun auch komplett verschwunden und nicht von mir ersetzt worden.
Ich hasse Chatbots. Nicht grundsätzlich künstliche Intelligenz, ganz im Gegenteil. Aber ich hasse diese dämlichen, als "Kundenservice" getarnten digitalen Türsteher, die einem in den letzten Jahren auf immer mehr Unternehmenswebsites als zusätzliche Serviceleistung angeboten werden und vor allem zuverlässig dafür sorgen, dass man bloß keinen echten Menschen erreicht – ohne einem jedoch bei echten Problem und Anfragen weiterzuhelfen.
Bei meiner Hausbank wollte ich eine eigentlich recht einfache Frage klären: Ich hatte Geld auf ein Sparbuch überwiesen und war mir danach plötzlich gar nicht sicher, ob dieses überhaupt noch existiert. Was passiert mit dem Geld, wenn das Sparbuch inzwischen aufgelöst wurde? Wird der Betrag automatisch zurückgebucht? Wir hatten vor einer Weile den Inhalt des Kinder-Sparbuchs unserer Tochter für einen neu eingerichteten Bausparvertrag verwendet. Unklar war mir nach einem Jahr, ob wir das Sparbuch nur geplündert oder komplett aufgelöst hatten und so buchte ich kurzerhand fünf Euro von meinem Girokonto auf besagtes Sparbuch. Nach ein paar Tagen war das Geld noch nicht wieder auf meinem Konto gutgeschrieben worden. Die Chance, dass es auf dem Sparbuch gelandet ist, war also durchaus gegeben. Andererseits sind die Wege von Kreditinstituten bekanntlich unergründlich und wer weiß, was mit den fünf Euro sonst so passiert sein könnte … Aufgrund der Öffnungszeiten der beiden verbliebenen Filialen der Bank, bei der wir das Sparbuch haben, habe ich derzeit keine Chance, dort mal vorbeizufahren und eventuelle Buchungen in dem Heftchen nachtragen zu lassen.
Aber wenn die Filialen schon immer weniger werden, so rüsten die Banken zum Glück bei allen anderen Kontaktmöglichkeiten auf. Meine Frage hätte ein menschlicher Bankmitarbeiter vermutlich in wenigen Sekunden beantworten könnte.
Aber ein menschlicher Bankmitarbeiter war nicht greifbar und so fragte ich Linda, die digitale Servicekraft meiner Bank: "Ich habe Geld auf ein Sparbuch überwiesen, von dem ich nicht sicher bin, ob es aufgelöst wurde. Würde ich das Geld in dem Fall zurück auf mein Girokonto bekommen?"
Und die digitale Servicemitarbeiterin Linda antwortete prompt: "Ich habe verstanden, dass Sie einen Betrug vermuten oder bemerkt haben."
Nein, Linda. Hast du nicht. Nicht einmal ansatzweise!
Anschließend wollte "sie" noch wissen, ob der vermeintliche Betrug mit einer Karte, einer Lastschrift, dem Onlinebanking oder einer verdächtigen Nachricht zusammenhängt.
Ich wollte eigentlich nur wissen, wo mutmaßlich mein Geld abgeblieben bleibt. Linda hatte jedoch andere Pläne, ignorierte mein Anliegen geflissentlich und witterte offenbar eine ganz große Sache.
Ich hasse diese Chatbots wirklich! Noch niemals konnte so ein Ding mein Anliegen zufriedenstellend lösen. Vielleicht geht das bei anderen Kunden und ich habe einfach immer nur die falschen Probleme, das will ich nicht vollständig ausschließen. Aber diese elendigen KI-Chats … Sie verstehen die Fragen schon nicht, liefern folglich gänzlich unpassende Antworten und halten einen mit vorgefertigten Auswahlmenüs erfolgreich davon ab, jemanden zu erreichen, der eventuell tatsächlich helfen könnte – aber Hauptsache, auf der Website steht irgendwas von innovativem, KI-gestütztem Kundenservice.
Früher hing man zwanzig Minuten in der Warteschleife und bekam irgendwann aber doch eine Antwort. Heute bekommt man sofort eine Antwort, aber die hat nichts mit der Frage zu tun. Fortschritt kann so schön sein.
Ein Außendienstler, der gerade hier im Hause war, und ich blockierten gerade einen Gang, durch den ein älterer Stammkunde gerade wollte. Ich scherzte: "Wir schon wieder, immer diese Mitarbeiter, stehen immer nutzlos im Weg herum …"
Der alte Herr nahm es augenscheinlich sehr gelassen, zuckte nur mit den Schultern und erwiderte: "Keinen Stress, meine Zeit läuft sowieso irgendwann ab."
Ein Schicksal, dass wir alle wohl irgendwie teilen. :|
Ein Gastronomie-Kunde bestellt bei mir in unregelmäßigen Abständen immer wieder Kartoffelchips in kompletten Kartons, die ich direkt beim Großhändler für ihn bestelle und die natürlich hier in den Laden geliefert werden.
Da die Artikel zum Zeitpunkt der Bestellung nicht lieferbar waren, vertröstete ich den Gastronomen und sagte zu, mich zu melden, sobald ich ihm Genaueres sagen kann.
Rund drei Wochen später tauchte bereits die Vormerkung für die Lastschrift bei mir in den Kontoumsätzen auf und ich vermutete (korrekt, aber dazu später mehr), dass die Lieferung nun auf dem Weg zu mir ist. Ich sparte mir die WhatsApp-Nachricht und dachte mir, dass ich in ein oder zwei Tagen schreiben kann, dass die Ware nun endlich abholbereit ist.
Die Ware kam und kam aber nicht, inzwischen aber die Rechnung per E-Mail, und weil das alles nicht unmittelbar meine Baustelle war, dachte ich überhaupt nicht mehr an die Chips. Anderthalb Wochen später bekam ich eine Nachricht: "Hallo Björn, gibts was Neues von der Chips-Front? :)"
Oh, ganz vergessen. Ich schrieb die Lieferanten an, ob die Ware schon unterwegs ist oder ob sie allgemein etwas zum Sendungsstatus sagen könnten. Ein paar Minuten später bekam ich schon eine Antwort, diese irritierte mich jedoch ziemlich. Laut Sendungsverfolgung sind alle drei Kartons am Montag vor einer Woche bereits erfolgreich bei uns zugestellt worden.
Ich ahnte Schlimmes und machte mich auf die Suche – und fand die Ware schließlich vollständig und unversehrt in einer Ecke im Lager hinter Leergutpaletten versteckt.
So macht man das. Statt sich um gelieferte Ware zu kümmern (Achtung, macht Mühe!), wird sie getreu des Mottos "Aus den Augen, aus dem Sinn" irgendwo im Lager versteckt. Nach mir die Sintflut und noch ein schönes Leben. :(
Die Leute von der Moschee (Alte Betreiber) hatten vor ein paar Jahren mal ein paar Schlaglöcher hier auf dem Hof mit Mörtel aufgefüllt. Nicht professionell, aber immerhin. Sicherlich nicht, um mir eine Freude zu machen, sondern um ihre hier geparkten tiefergelegten Prollkarren der Besucher nicht unnötigem Stress auszusetzen. Um Material zu sparen, hatten sie sich bei unserem berühmten Schutthaufen bedient, dessen Nicht-Entsorgung mir irgendwann immer mehr Spaß gemacht hat, je wilder sich die von der Moschee darüber beschwert haben – erfolglos, da mein Schutt auf meinem Hof. :P
Was auf den ersten Blick gar nicht so sehr auffällt: Unter anderem mindestens eine der alten Anti-Rutsch-Fliesen aus dem Fußboden unserer alten Brötchenküche hat es auch in eine dieser Schlagloch-Auffüllungen geschafft. Die Arbeiten wurden damals eher dilettantisch ausgeführt und so guckt eben neben Fußabdrücken auch noch eine der alten Fliesen halb aus dem Mörtelhaufen heraus. Eine letzte Erinnerung an den damaligen Raum, der gleichzeitig der Vorraum vor meinem alten Büro war.
Naja, irgendwann muss der Parkplatz hier ohnehin noch einmal gänzlich überarbeitet werden. Die Schlaglöcher voller Trinkwasser für die Vögel sind eigentlich nicht Sinn der Sache. (DAFÜR braucht es dann natürlich irgendwann mal adäquaten Ersatz.)
bei meiner kurzen Prüfung ist mir aufgefallen, dass auf Ihrem Google-Profil Edeka Markt Björn Harste aktuell 29 negative Bewertungen sichtbar sind – zum Beispiel diese: "Das Personal ist unfreundlich, respektlos und behandelt Kunden wie Müll. Dies schadet dem Image enorm."
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Ich habe für meinen Laden bei den Google-Rezensionen 4,3 Sterne bei aktuell knapp 540 Bewertungen. Das ist nicht viel, aber dafür habe ich auch noch nie auch nur eine einzige Rezension löschen lassen.
Ein anderer Markt hier aus Bremen hat 4,6 Sterne bei über 850 Rezensionen. Aus der Sicht könnte man meinen, dass der Laden bei den Kunden besser ankommt, als meiner – aber wenn man dort ins Google-Profil geht, wird einem dieser kleine Hinweis angezeigt:
Dass ich anders ticke als die meisten anderen Menschen, habe ich schon längst begriffen. Die Leute lassen sich gerne blenden und denken nicht um die Ecke – aber ich persönlich habe lieber meine 4,3 ehrlichen Sterne, als 4,6 nur deswegen, weil knapp ein Viertel der Bewertungen gelöscht wurden.
Bei einer internen EDEKA-Veranstaltung stolperte ich über die Aussage, dass Muscheln vor ihrer Entsorgung abgekocht werden müssen. Bitte was? Damit keine Krankheitskeime in die K3-Tonne gelangen können? Schlagartig ploppte in meinem Kopf ein dickes Fragezeichen auf.
Wir haben keine Fischabteilung, einige größere EDEKA-Märkte dagegen schon. Entsprechend wenig hatte ich bislang mit den Eigenheiten des Muschelverkaufs und schon gar nicht der Muschelentsorgung zu tun. Aber warum sollte man etwas erst kochen, bevor man es wegwirft? Ich hatte so gar keine Idee und recherchierte zu Hause erst einmal.
Die Erklärung dafür ist jedenfalls ein ganz wunderbares Beispiel dafür, was passiert, wenn Lebensmittelrecht und Tierschutzrecht frontal aufeinanderprallen.
Frische Muscheln werden nämlich (meistens) lebend verkauft. Ein Teil der lebend angebotenen Muscheln wird heute in verschlossenen Verpackungen unter Schutzatmosphäre (mit Sauerstoff angereichert) verkauft und trägt ein Verbrauchsdatum. Ist dieses abgelaufen, darf die Ware nicht mehr verkauft werden – auch wenn die Muscheln darin noch leben.
Bei loser Thekenware gibt es nicht zwingend diese kalendarische Grenze. Sollen aber noch lebende Muscheln aus irgendeinem Grund entsorgt werden, müssen sie ebenfalls zuvor vorschriftsmäßig getötet werden.
Auf jeden Fall beschreibt das Verbrauchsdatum nicht nicht die verbleibende Lebenserwartung der Muschel, sondern den Zeitraum, in dem sie als sicheres Lebensmittel verkauft werden darf. Ist das Datum abgelaufen, darf der Händler sie nicht mehr verkaufen – selbst wenn sie noch ausgesprochen lebendig vor sich hinmuschelt.
Damit beginnt auch schon der zweite Teil des behördlichen Gesamtkunstwerks: Lebende Tiere dürfen nicht einfach in der Abfalltonne ersticken, vertrocknen oder auf irgendeine andere Weise langsam verenden. Nach der Tierschutz-Schlachtverordnung müssen Muscheln in stark kochendem Wasser oder in über 100 Grad heißem Dampf getötet werden.
Am Dienstag darf also der Kunde die Muschel kaufen, kochen und essen. Am Mittwoch lebt dieselbe Muschel noch immer, darf aber nicht mehr verkauft werden. Also muss der Händler sie kochen und anschließend wegwerfen. Natürlich ordnungsgemäß in die K3-Tonne.
So wird aus einem lebenden Tier zunächst ein Lebensmittel, danach unverkäufliche Ware und anschließend ein frisch zubereiteter Abfall …
Mit der Tagespost kam auch ein Brief für Triton-Reisen hier an. Der Empfänger spielt hier für diesen Beitrag jetzt keine Rolle, viel mehr wunderte ich mich über die restlichen Aufdrucke auf dem Briefumschlag.
Dass die Umschläge bedruckt werden, ist klar. Dass es keine Mühe macht, mehr Informationen außer der Anschrift und der Briefmarke / dem QR-Code auf den Umschlag zu drucken, ist auch klar.
Was mich aber wirklich wundert: Warum ist da Werbung für die Fahrschule hier an der Ecke drauf? Das wird wohl kein Zufall sein und ganz sicher macht eine Fahrschule auch nicht in einem System Werbung, das bundesweit gestreut wird. Da das ganz sicher Geld kostet, wäre das bei allen Empfängern, die schon auch nur ein paar Kilometer von hier entfernt sind, vergeblicher Aufwand.
Ich vermute also, dass das irgendwie an Postleitzahlen oder sogar einzelne Straßen geknüpft ist. Kennt sich damit jemand aus und kann hier mal was dazu sagen? Ich will die Werbung nicht nutzen, aber ich finde das System und die Mechanik dahinter durchaus interessant! :)
Als ich am Morgen zur Firma kam, stand eine Kiste mit mehreren Paketen Bio-Fleisch vor meiner Bürotür. Ungekühlt zu meinem spontanen Ärger, aber das war vermutlich auch vollkommen egal.
Der Kollege hatte einen Zettel draufgelegt mit der Info für mich, dass er diese eine Kiste vergessen in einem Kühlbehälter am Montagabend entdeckt hatte. Die Ware stand also seit Freitag Morgen darin und war quasi vier Tage ohne Kühlung. Die letzten paar Stunden hier im Gang vor meiner Tür machten dann wohl auch keinen größeren Schaden mehr. Da sie nun wirklich niemand mehr essen wollte, selbst wir sind da privat meistens eigentlich recht schmerzfrei, landete Fleisch für über 20 Euro im Müll. Was mich dabei eigentlich besonders ärgert ist, dass da Tiere für den Abfall getötet wurden, das ist so doppelt schändlich.
Wer dafür verantwortlich war ließ sich natürlich nicht mehr ermitteln …
Also mal eben pauschal vorab: Ich will Kartenzahlungen nicht verteufeln. Haben wir hier schon sehr früh angeboten, ich weiß jedoch nicht mehr, seit wann genau und würde ich natürlich auch nie wieder abschaffen wollen. An manchen Tagen machen wir 80% (!) unseres Umsatzes bargeldlos. Aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Bargeld ist Freiheit und Unabhängigkeit, die auch bei einem Stromausfall noch funktioniert. Bargeld ist auch Aufwand und ein Sicherheitsrisiko, sei es durch Falschgeld oder Überfälle. Bei uns geht es gar nicht ohne die bargeldlose Alternative, aber wenn es so wäre, müsste es einzig und allein die Entscheidung des Unternehmers sein, darüber zu urteilen.
Wenn es nach dem Bundesfinanzministerium geht, sollen Geschäfte künftig jedoch neben Bargeld auch eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen. Ich halte das für einen ziemlich heftigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit.
Denn damit wird nicht einfach ein weitere Taste an der Kasse freigeschaltet oder man stellt sich ein weiteres kleines Gerät auf den Kassentisch. Ich muss einen Zahlungsdienstleister beauftragen, dessen Gebühren bezahlen und die nötige Technik samt Verbindung bereithalten. Auch dann, wenn ich für meinen Betrieb entschieden habe, ausschließlich Bargeld anzunehmen.
Natürlich ist Kartenzahlung für viele Kunden bequem. Aber seit wann folgt aus einem Kundenwunsch automatisch eine Pflicht für den Unternehmer? Wer vor dem Einkauf weiß, dass ein Laden nur Bargeld nimmt, kann Bargeld mitbringen oder woanders einkaufen. Diese Entscheidung dürfen beide Seiten treffen.
Als Begründung wird (wie so oft) auch der Kampf gegen Steuerhinterziehung genannt. Das finde ich besonders schräg: Eine Barzahlung ist doch nicht deshalb automatisch verdächtig, weil sie bar erfolgt. (Okay, für unsere Regierung schon, aber das ist eine andere Sache …) Dafür haben wir schon per Gesetz Kassensysteme mit digitaler Aufzeichnung und TSE, bei der Kassenbons mit einem eindeutigen, kryptografischen Signaturwert versehen werden. Ist das nicht schon der Kampf gegen Steuerhinterziehung? Was soll eine zwangsweise angebotene digitale Bezahlmöglichkeit da ändern? Kann ich euch sagen: Nichts!
Außerdem ist ja nur eine Pflicht geplant, digitale Zahlung anzubieten, keine Pflicht für Kunden, sie zu nutzen. Wer einen Umsatz bar an der Kasse vorbeischleusen wollte, könnte weiterhin Bargeld annehmen. Der zusätzliche Nutzen gegen Steuerhinterziehung wäre also allenfalls indirekt und hängt davon ab, wie oft Kunden die digitale Option tatsächlich wählen. Das ist galoppierender Dummfug, genau wie die einmal täglichen Preiserhöhungen an Tankstellen um 12 Uhr Mittags.
Ja, wer nur Bargeld akzeptiert, verliert womöglich Kunden. Das ist aber dann mein unternehmerisches Risiko – und sollte nicht per Gesetz verboten werden.
Ich war im Laden unterwegs und lief von Regal zu Regal, da ich dabei war, Etiketten zu stecken. Eine offensichtlich ältere Kundin mit Rollator sprach mich an und wollte von mir wissen, wo wir die Streichhölzer liegen haben. Ob sie die Hölzchen nur nicht finden konnte, weil sie in ein neues Regal umgezogen sind oder ob sie generell keine Ahnung hatte, hinterfragte ich nicht. Ich führte sie ganz souverän zum neuen Standort, nahm eine Packung mit mehreren kleinen Schachteln aus dem Regal und nachdem sie diese für gut befunden hat, legte ich ihr die Ware in den kleinen Korb ihres Rollators.
Mit einem Lächeln sagte ich: "Wenn Sie noch etwas suchen, fragen Sie einfach mich oder einen der anderen Kollegen hier. Wir sind gerade mit sechs Leuten hier im Laden, irgendjemanden werden Sie schon finden." Die Frau bedankte sich und setzte ihren Einkauf fort, während ich mich wieder meinen zu steckenden Etiketten widmete.
Nach etwa zwei Minuten steuerte sie auf mich zu und rief aus ein paar Metern Entfernung schon: "Junger Maaahann, können Sie mir wohl helfen?"
"Natürlich", antwortete ich ihr freundlich, "was suchen Sie noch?"
"Wo haben Sie wohl die Streichhölzer? Ich habe hier schon alles abgesucht, aber ich kann die nicht finden. Die müssten doch hier irgendwo sein?"
"Brauchen Sie denn noch mehr?"
"Ich brauche Streichhölzer. Haben Sie denn welche?"
[?!?]
"Die habe ich Ihnen doch schon vor zwei Minuten gegeben", sagte ich, griff in die Ablage ihres Rollators und zeigte ihr die Packung.
"Ach", sie lachte, "wissen Sie, wie alt ich bin? Achtundachtzig. Da darf man auch ab und zu mal eine Kleinigkeit vergessen."
"Das stimmt wohl", sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen und muss leider zugeben, dass ich die Situation überhaupt nicht lustig, sondern sehr, sehr nachdenklich machend fand.
Christian Solmecke von der Kanzlei WBS.LEGAL dürfte vielen Menschen bekannt sein, die bei YouTube gelegentlich nach Antworten auf rechtliche Fragen suchen. Er erklärt mit über 1 Million Abonnenten komplizierte Themen verständlich, wirkt sympathisch und hat auch bei mir über die Jahre durchaus einen gewissen Sympathie- und Vertrauensbonus angesammelt.
Umso irritierter war ich, als ich neuerdings Werbevideos von/mit ihm sah, in denen er Werbung für einen Dienstleister machte, der Unternehmen dabei hilft, negative Google-Bewertungen löschen zu lassen. Nicht erschlossen hat sich für mich, ob er in dem Fall nur als Testimonial dient oder ob er in die Firma involviert ist – immerhin wirbt er mit der Aussage: "Meine Experten prüfen deinen Fall kostenlos und sagen dir konkret, wie viele Sterne wir realistisch für dich zurückholen können."
Natürlich gibt es erfundene Bewertungen, Beleidigungen und nachweislich falsche Behauptungen. Dagegen müssen Unternehmen sich wehren können. Auch ich haben schon bekanntlich einige Rezensionen bekommen, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob der Verfasser überhaupt jemals meinen Laden betreten hat.
Aber "rechtswidrige Bewertungen entfernen" klingt eben deutlich weniger verkaufsfördernd als "negative Bewertungen löschen" – und genau dort beginnt mein Unbehagen. Eine schlechte Bewertung ist nicht automatisch falsch oder rechtswidrig. Manchmal ist ein Kunde ungerecht, manchmal hat er etwas missverstanden – und manchmal war die Leistung des bewerteten Unternehmens eben wirklich nicht besonders gut.
Bewertungsportale haben aber auch nur dann einen Sinn, wenn dort eben ausdrücklich nicht ausschließlich das stehenbleibt, was dem bewerteten Unternehmen gefällt.
Ich weiß nicht, wie der beworbene Anbieter im Einzelfall arbeitet, und ich unterstelle ihm auch nicht, berechtigte Kritik gezielt verschwinden zu lassen. Dennoch bleibt bei solchen Geschäftsmodellen ein unangenehmer Beigeschmack: Statt die Ursache schlechter Bewertungen zu beseitigen, beschäftigt man sich professionell mit deren Entfernung. Das kenne ich nun aus eigener Erfahrung als Rezensent. Und oft ist es ja so, dass normale Verbraucher ihre Rechte nicht kennen oder keine Lust auf juristischen Schriftverkehr haben und dann lieber einknicken und die Bewertung einfach der Löschung preisgeben. Das war bei mir nicht anders.
Dass ausgerechnet Christian Solmecke dafür seinen Namen und seinen Vertrauensbonus hergibt, finde ich enttäuschend. Rechtlich wird das vermutlich alles sauber sein, aber gerade er könnte uns sicher ausführlich erklären, dass "rechtlich zulässig" und "macht einen sympathischen Eindruck" zwei vollkommen unterschiedliche "Tatbestände" sind.
Als ich kurz draußen zum Frischluft tanken auf der Rampe zum Hof stand, fiel mein Blick wie üblich auch in den großen, schwarzen Müllbehälter.
Darin lag eine Flache Müller Kefir, die aus unterschiedlichen Gründen meine Aufmerksamkeit erregte: Zum Einen war die Flasche augenscheinlich ungeöffnet. Warum liegt die im Müll? Zum Anderen sind diese Flaschen seit über zweieinhalb Jahren bepfandet, so dass ungeachtet des Zustand des Inhalts der Flasche dort zumindest 25 Cent im Müll lagen.
Natürlich angelte ich die Flasche aus dem Container, auch wenn der Inhalt natürlich nicht mehr appetitlich war. Man wirft doch keine 25 Cent in den Abfall.
Nach kurzer Suche fand ich die Kollegin, welche die Flasche entsorgt hatte und mir ganz selbstsicher erklärte, dass sie die warm gewordene Flasche außerhalb des Kühlregals entdeckt und sofort erkannt hatte, dass diese nicht mehr verkaufsfähig ist. Daher flog sie ohne weitere Rückfragen in die Tonne.
Ein kurzes, aufklärendes Gespräch später wusste sie dann auch, dass nur weil ein Produkt nicht mehr verkauft werden darf, seine Verpackung noch lange kein Restmüll sein muss.
Post von Philip Morris: ein Infoflyer zum Thema Jugendschutz. Darin findet sich unter anderem der Hinweis, dass die eigenen Produkte ausschließlich für erwachsene Konsumenten bestimmt seien, „die bereits rauchen oder andere Tabak- und Nikotinprodukte nutzen“:
Der erste Teil ist klar. Keine Zigaretten an Minderjährige. Dafür gibt es Altersgrenzen, Ausweise und eindeutige gesetzliche Vorgaben.
Aber der zweite Teil ist interessant. Kurz: Nicht für Nichtraucher.
Nun haben wir an der Kasse allerdings gewisse Schwierigkeiten, diese Voraussetzung zu überprüfen. Ein hypothetisches Gespräch an der Kasse stelle ich mir so vor:
"Eine Schachtel Marlboro Gold, bitte."
"Sind Sie Raucher?"
"Nein."
"Dann kann ich Ihnen die leider nicht verkaufen."
"Aber ich wollte doch gerade damit anfangen."
"Genau das scheint nicht vorgesehen zu sein."
Natürlich ist der Satz keine gesetzliche Verkaufsbeschränkung. Philip Morris beschreibt damit vielmehr die Zielgruppe seiner Produkte und möchte ausdrücklich nicht den Eindruck vermitteln, Nichtraucher zum Einstieg in den Nikotinkonsum bewegen zu wollen.
Für mich hier bleibt das trotzdem eine hübsche, theoretische Frage: Das Alter eines Kunden können wir im Zweifel anhand seines Personalausweises überprüfen. Aber wie weist man nach, dass man bereits raucht?
Raucherpass? Nikotinführerschein? Zwei Zeugen und eine angebrochene Schachtel aus der Jackentasche? Urintest im Lager? Wangenabstrich vor dem Leergutautomaten? Mal eben an der Kasse 'ne Locke abzwicken und auswerten? Das hat alles irgendwie nichts und daher beschränken wir uns bis dahin wohl weiterhin auf die klassische Alterskontrolle.