"Hier, in diesem Fruchtjogurt ist gar keine Frucht drin. Ich hab' den auch richtig umgerührt. Nichts zu sehen und schmeckt auch wie ganz normaler Jogurt. Süß ist der, aber da ist keine Frucht drin.", beklagte sich der Kunde.
Manchmal hilft es, das Kleingedruckte zu beachten.
Dass man überhaupt morgens um zwanzig Minuten vor Sechs mit ein paar Typen vor der Tür darüber diskustieren muss, dass und warum sie eben noch nicht in den Laden können, solange noch das Licht aus ist und ich hier alleine bin…
Ein asiatischstämmiger Kunde irrte durch den Laden und schien sich nicht zurechtzufinden. Einer meiner Mitarbeiter sprach ihn an: "Kann ich Ihnen helfen?"
Fragende Blicke.
"Are you looking for something special?", erkundigte er sich auf Englisch.
Der Kunde sah erfreut auf: "YES!!! I'm looking for my wife!"
Zwei alte Damen (die hier), die immer gemeinsam einkaufen kommen und sich dabei ständig in die Haare bekommen, waren gerade mal wieder hier. Ein Dialog verlief etwa folgendermaßen ab:
Sie brauchen noch Aufschnitt. Hier, den mögen Sie doch so gerne.
Ja, aber davon habe ich noch zwei Pakete im Kühlschrank.
Aber Sie sagten doch, dass sie noch Aufschnitt brauchen.
Aber ich habe doch davon schon zwei Stück.
Sie wollten unbedingt Wurst kaufen.
Wenn ich davon noch ein Paket mitnehme, habe ich drei davon. Was soll ich damit, einen eigenen Laden aufmachen?
Keine Ahnung. Zu Hause sagten Sie, dass Sie auch daran denken müssen, Wurst zu kaufen.
Eine Kundin beschwerte sich darüber, dass ihr "viel zu viel" abgezogen worden sei. Während sie ihr Anliegen vortrug, hielt sie mir einen Kassenbon vor die Nase, auf dem etwa dreißig Posten im Wert von zwischen 50 Cent und fünf Euro standen. Ich überflog das kurz und sagte der Frau, dass das stimmen dürfte. Es läppert sich nunmal…
"Na, DAS werde ich zu Hause nachrechnen!", zischte sie und stapfte wutentbrannt ab.
Derzeit verteilen wir wieder Ausmalbilder mit weihnachtlichen Motiven an die Kinder. Zurückgebrachte Bilder hängen wir wie immer an der Wand in unmittelbare Nähe zur Kasse auf und die kleinen Künstler (mal mehr mal weniger künstlerisch begabt) bekommen eine Kleinigkeit aus dem Süßwarenregal an der Kasse: Duplo, Kinderriegel oder ein anderes Produkt in der Preisklasse gibt es als Belohnung für die Mühe.
Reichlich erstaunt waren wir nun über ein kleines Mädchen, das ausdrücklich und ziemlich unverblümt seine Abneigung gegen Schokolade zeigte. Stattdessen machten wir sie mit einem Apfel glücklich.
Nicht aus reiner Willkür weigerte mich, einen Artikel zurückznehmen, den ein Kunde reklamierte. Die Diskussion wurde irgendwann zäher und er fragte mich, ob ich überhaupt jemals "Kontakt mit der Geschäftswelt" gehabt hätte.
Eine Kollegin unterhielt sich mit einem sehr alten Stammkunden. Ein sehr lieber Mann, dessen Frau vor ein paar Jahren gestorben ist und der seit dem immer alleine zum Einkauf kommt. Der Mann suchte Reis, aber einen leckeren und schön aromatischen.
Meine Mitarbeiterin empfahl ihm aus eigener Erfahrung einen Basmatireis und erwähnte auch gleich, dass die Packung mit 2,49€ allerdings auch nicht ganz günstig sei.
Die Antwort des Kunden war eine der Antworten, bei denen der im Hals herunterrutschende Kloß das herzhafte Lachen erstickt: "Ach, hörnsemal. Ich bin 92, ich habe den zweiten Weltkrieg und sogar Auschwitz überlebt. Da werde ich mir wohl eine Packung Reis für Zweineunundvierzig leisten können."