Es war noch relativ früh am Morgen. Der Wagen mit unserem Gemüse-Angebot stand noch nicht vor der Tür, der Mülleimer ebenfalls nicht. Der Brotfahrer hatte die Tür hinter sich zufallen lassen – aber natürlich hatten wir schon geöffnet. Im Markt war Festbeleuchtung an, ich hockte gerade an der Kasse, ein paar Kollegen liefen herum.
Eine junge Frau kam an und stellte sich vor die Tür. Sie guckte rein, legte sogar die Hände um die Augen, um das Tageslicht abzudecken, ging einen Schritt zurück, guckte nochmal in den Laden, drehte sich um und ging. Sie probierte gar nicht erst, ob sich die Tür aufdrücken ließ.
Dachte sie, wir haben geschlossen? Schnell hinterher. Als ich die Tür erreichte, bog die Frau gerade um die Ecke zur Seitenstraße. Egal, da brülle ich jetzt nicht hinterher…
Wenn Kunden einen Satz mit "
Sie müssen…" anfangen, ist es häufig so, dass der Inhalt des Gesprächs spätestens nach ein paar Minuten wieder vergessen ist.
Das liegt übrigens ausdrücklich nicht an mangelndem Interesse für die wirklich wichtigen Dinge hier im Laden…
Zwei junge Männer standen vor dem Regal mit Enerygdrinks und der eine freute sich demonstrativ lautstarkt. Nahm die unterschiedlichsten Sorten in die Hände, begutachtete sie, zeigte sie seinem Kumpel und juchzte teilweise, wie ein kleines Kind.
Ein Kollege hatte das mitbekommen und gefragt, was los sei. Der offenbar weniger erregte Begleiter erzählt nur, dass sein Freund sich über diese Auswahl bei unseren Energydrinks freuen würde, da er total auf diese Dinger in allen Variationen stehen würde.
Ich hatte das aus der Entfernung mitbekommen und mein Mitarbeiter kam schließlich zu mir und kommentierte das deutlich sichtbare Fragezeichen über meinem Kopf mit den Worten: "
Ist doch geil, was unsere Sortimentstiefe für Auswirkungen hat."
Joah.
Eine Kassiererin musste mal zur Pipipause und wurde von einer anderen Mitarbeiterin abgelöst. Durch den Wechsel am selben Kassenplatz ergab sich eine kleine Verzögerung, die allerdings kaum der Rede wert war. Ein junger Mann sah das anders und fing an, an der Kasse herumzupöbeln, weil das so lange dauert und sowieso so langsam geht.
Die 2,58€, die er schließlich für seine drei Teile bezahlen musste, kramte er mühsam aus Portmonee und Hosentaschen zusammen und brauchte dafür so lange, dass die Kollegin, die nach knapp drei Minuten wieder von der Toilette zurückkam, erstmal eine weitere Kasse aufmachen und die entstandene Schlange abarbeiten musste.
Wenn sich der Kopf im Geiste langsam der Tischplatte nähert…
Wie schon mehrmals in den letzten Wochen war die
Lagertür wieder einmal zugefallen, weil sich ein Kunde dagegengelehnt hatte, während er darauf wartete, den Leergutrücknahmeautomaten benutzen zu können. Dadurch fällt die Tür zwar noch nicht zu, aber der Ruck beim Weggehen reichte aus, um die mechanische Sperre zu überwinden, mit der die Tür offengehalten wird.
Da ich den Mann diesmal "auf frischer Tat" beobachtet hatte, sprach ihn ich ganz bewusst so freundlich, wie ich nur konnte, an und bat ihn, sich zukünftig nicht mehr gegen die Tür zu lehnen oder zumindest anschließend vorsichtig wegzugehen, damit sie eben nicht mehr zufällt.
Keine Ahnung, was in dem Mann vor sich ging. Er reagierte total angefasst und teilte mir in unfreundlichem und ruppigem Tonfall mit, er habe sich nicht gegen die Tür gelehnt, hätte sie ja nicht annähernd berührt – und stapfte schließlich aufgebracht davon.
Als hätte ich ihm sonstwas Böses unterstellt…
Ein Stammkunde rief an und hatte nur eine kurze Frage zum Sortiment. Ich erkannte ihn zwar sofort an der Stimme, aber die Art, wie er sich vorgestellt hatte, funktioniert wohl auch nicht in jedem Laden: "
Hier ist der Michael. Der Kunde mit dem Stock."
Positiv. Identifiziert.
Eine Kundin suchte Kokosmilch und wie schon vor ein paar Jahren
in diesem Beitrag hat meine Kollegin zwar alle Sorten gezeigt, aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die teurere Sorte auch die deutlich bessere ist.
Die Frau wiegelte die Argumente ab und nahm sich die günstigste Sorte. Währenddessen äußerte sie, dass wir ja nur die teure verkaufen wollen, damit wir mehr verdienen.
Das sind die Momente, in denen man auch nicht mehr zu diskutieren braucht. Als Verkäufer hat man da sowieso schon den Strick um den Hals und jedes hervorgebrachte Argument, würde die Schlinge nur immer weiter zuziehen.
Einem Stammkunden war zu Hause aufgefallen, dass er zwar zwei Packungen Kondensmilch mitgenommen, aber nur eine bezahlt hat. Bei seinem nächsten Einkauf sprach er mich darauf an und beglich seine Schulden an der Kasse. Das ist sehr aufmerksam und nicht selbstverständlich. Danke.
Eine Kundin suchte "grüne Marmelade", allerdings nicht eine der Sorten Ingwer, Stachelbeere, Kiwi, Minze oder Limette, Limone, Zitrone. Es soll auch eine Schokolade damit geben.
Großes Rätselraten… Wir haben keine Idee. Ihr vielleicht?
Ein kleiner Junge, etwa vier oder maximal fünf Jahre alt, stand bei den Süßwaren an der Kasse, griff zwei Duplo und hielt sie seiner Mutter entgegen.
Sie konterte: "
Du darfst gerne ein Duplo haben, aber nur eins!"
Er, enttäuscht: "
Eins ist immer so wenig…"
Da hat er wohl recht. Und drei sind noch mehr als zwei. Aber da wird er sich wohl noch ein paar Jährchen dem Willen seiner Erziehungsberechtigten beugen müssen.
Ein Pärchen kaufte ein. Sie standen vor der den Süßigkeiten und sie sagte, während sie auf die unterschiedlichsten Produkte zeigte: "Ich hätte gerne das und das und das und das da auch."
Seine Antwort: "Schatz, du weißt, es kommt der Sommer."
Frostiges Schweigen.
Da beantwortet man nach gut 1,5 Jahren eine vergessene E-Mail und dann gibt es die Adresse des Absenders nicht mehr.
So kann ich nicht arbeiten.
Eine Lieferkundin hatte bei uns vor einigen Wochen einen Dosenöffner gekauft, der ihr allerdings durchgebrochen war. Hätte ich ihr sogar anstandslos gegen einen neuen Öffner umgetauscht – dummerweise hat unser Lieferant den aus dem Sortiment genommen und wir haben auch keine mehr vorrätig gehabt. Ich sagte ihr, dass ich den zwar gegen Erstattung des Kaufpreises zurücknehmen, aber ihr keinen neuen liefern könnte. Damit war sie notgedrungen einverstanden, allerdings klang sie etwas verzweifelt, da sie doch ihre Dose mit Suppe zum Abendessen irgendwie öffnen müsse.
Meinem Boten gab ich für kurzfristige Hilfe folgenden Tipp: Er sollte einfach einen Dosenöffner aus dem Küchenschrank bei uns im Aufenthaltsraum nehmen und zur Kundin mitnehmen und ihr damit die Dose öffnen. Dann bräuchte sie zwar immer noch einen neuen Öffner, müsste aber zumindest heute Abend nicht auf die Suppe verzichten, auf die sie sich nun so sehr gefreut hat.
Nach ein paar Minuten kam mein Mitarbeiter zur mir ins Büro zurück, hielt mir den im Pausenraum gefundenen Dosenöffner vor die Nase: "
Hier, das ist der aus dem Aufenthaltsraum. Das ist genau der gleiche wie der, den die Kundin umtauschen wollte."
Na, da bot sich doch der kurze Dienstweg an und so hat die Kunden dann schließlich das quasi neuwertige Teil aus unserem Inventar bekommen und war wieder super glücklich.
Die Bio-Brote bekamen wir bis zum
Großbrand in der Bäckerei täglich frisch und wurden bei uns auch nur maximal zwei Tage lang verkauft.
Das Foto stammt noch aus der Zeit vor der Feuersbrunst. Eine Kundin bestand zu dem Zeitpunkt der Reklamation darauf, dieses Brot "vor zwei Tagen" gekauft zu haben:
Ein Stammkunde stand an der Kasse und hatte ein paar Teile auf dem Förderband liegen. Er wollte noch ein paar Schachteln Zigaretten haben, was aufgrund des Automaten ein paar Augenblicke länger dauerte. Genau hinter ihm stand eine Frau mittleren Alters, die nur ein Teil aus dem Kaffeeregal in der Hand hielt.
"Ach, gehen Sie doch bitte vor, das dauert hier noch", sagte der Mann zu ihr, während er auf die nächste Schachtel Zigaretten wartete.
Sie ging einen Meter nach vorne, auf Höhe meiner Mitarbeiterin drehte sie sich plötzlich wortlos um, lief zurück in den Laden, warf die Packung wieder ins Regal und verließ den Laden zügig und ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Zurück blieben ein irritierter Stammkunde, eine irritierte Kassiererin und ein irritierter Björn.