Während ich gerade mit zwei Kollegen in der Ecke vor dem Kühlregal stand, kamen zwei junge Frauen in den Laden. Sie trennten sich, eine kam direkt auf uns zu, weil sie eine bestimmte Sorte H-Milch suchte. Während sie sich die Auswahl im Regal anschaute, bog zwei Gänge weiter ihre Begleiterin um die Ecke und rief dabei einen Vornamen.
"
Die ist hier", entgegneten wir gemeinschaftlich wie ungefragt. Die Angesprochene guckte irritiert und wollte gerade in die entgegengesetzte Richtung gehen, als wir unsere Aussage etwas energischer wiederholten. Als die beiden Mädels sich gefunden hatten, erklärten wir, dass wir doch keine Kunden verarschen würden. Bei allem Spaß, den wir hier so haben – aber bei unseren Kunden kann man sich ja schließlich nicht auf das Niveau von Grundschulkindern begeben. Man merkte aber wohl schon, dass uns dabei doch irgendwie der Schalk im Nacken saß.
Was dann passierte, spottete eigentlich jeder Beschreibung. Die beiden suchten nämlich noch einen Artikel: Tiefgefrorenen Grünkohl. Ich mochte es kaum sagen, aber es entsprach
wirklich, wirklich, wirklich der Wahrheit: "
Der steht bei uns momentan zwischen Toilettenpapier und den Putzmitteln.
Die Blicke, unbezahlbar.
Eine ältere Kundin sprach mich an und bat um Hilfe, da sie es einfach nicht schaffen würde, den Kaffeeschrank aufzubekommen.
Ich lachte und erklärte ihr, dass das ja auch gut so ist. Denn schließlich ist da ein Schloss vor und wenn jeder da so an den Kaffee käme, wäre die Sache ziemlich nutzlos. In dem Zusammenhang berichtete ich über die Gründe für das Vorhandensein der abgeschlossenen Vitrine.
Die gute Frau wollte einfach nicht glauben, dass jemand Kaffee klaut und machte sich beinahe schon lustig über die Vorstellung, dass sich jemand so ein großes Paket irgendwo in die Hosentasche stecken würde.
Wenn's mal
nur die Hosentaschen wären …
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als ein Pärchen vor dem (ehemaligen) Zotter-Regal stand, glaube ich,
ihn sowas wir "
Endlich ist dieser Hipsterscheiß verschwunden!" sagen gehört zu haben.
Soll sich nicht zu früh freuen, die Schokolade kommt wieder.
Ein alkoholisierter Kunde stand an der Kasse und rief zu mir rüber: "Wissen Sie was hier vorher drin war?"
Ich: "Ja." [Kaiser's, davor Tengelmann, davor eine Schlachterei.]
"Tengelmann. Denen gehören ja auch die ganzen Rewe-Märkte.". [Häh?!]
"Aha."
"Und wissen Sie, wem die Edeka gehört? Drei verschiedenen Konzernen."
"Quatsch, die Edeka ist für sich alleine. Das wüsste ich."
Er wurde beleidigend: "Klar, du weißt ja hier sowieso alles besser, Oberschlaumeier mit Brille. Brauchst dir bloß nichts drauf einbilden."
Eine Kundin sprach mich an: "
Ich finde hier gar nichts mehr wieder. Wo haben Sie denn jetzt Zahnbürsten und Zahnpasta und sowas? Doch wohl nicht aus dem Sortiment geworfen?"
Ich ging mit ihr einen Gang weiter und zeigte auf unser
provisorisches Regal mit den Körperpflegeprodukten: "
Da ganz links, wie auch schon beim alten Regal, stehen die Sachen. Da hat sich fast nichts verändert."
Die Frau nickte, drehte sich um – und ging (ohne Zahnpflegeprodukte) zur Kasse.
Im Gespräch mit einer Kundin scherzte diese plötzlich: "
Der Laden ist ja hier momentan wie ein Überraschungsei, bei jedem Einkauf ist wieder was anders."
Gewöhnt euch nicht dran, in ein paar Wochen soll hier endlich wieder Ruhe einkehren. Dann werden wir zwar noch nach und nach an ein paar Details arbeiten, aber wenn die Masse der Arbeiten erst mal durch ist, wird nicht mehr so viel passieren.
Im Rahmen unserer Baumaßnahmen komme ich in den letzten Wochen häufiger mit Kunden ins Gespräch. Dabei berichte ich auch immer gerne, dass wir mit den neuen Kühlanlagen auch ein eigenes Regal für Frischfleisch bekommen werden. Eine Reaktion, die ich inzwischen häufiger bekommen habe, ist der Vorschlag, in dem Zusammenhang auch mal das Fleischsortiment zu vergrößern.
Jaaha … Das ist einer der Gründe für das neue Regal. Also nicht die Vergößerung des Sortiments, sondern die Möglichkeit, das aktuell schon vorhandene (!) Sortiment mal vernünftig zu zeigen. Wir haben weit über einhundert (!) verfügbare Artikel, die wir mit Blick auf Saison und Wichtigkeit immer mal im Wechsel bestellen. Ein Drittel dieser Anzahl ist eigentlich immer hier vorrätig, aber in der kleinen
Fleischtruhe ist die Platzierung immer irgendwie ein Kompromiss aus übereinander gestapelten oder noch im Kühlhaus zwischengelagerten Produkten. So klein ist das Sortiment also gar nicht, aber leider bei uns momentan überhaupt nicht anders darstellbar.
Aber – das wird ja bald besser! Die Kunden freuen sich auch!
Eine Kundin suchte Kartoffelmehl aber ausdrücklich keine Kartoffelstärke.
Ich kenne beide Begriffe nur Synonym, "Kartoffelmehl" in Form von getrockneten und pulverisierten Kartoffeln ist mir in all den Jahren noch nicht untergekommen. Höchstens als Pulver für Kartoffelpürree, aber wer würde das denn als "Kartoffelmehl" bezeichnen?
Laut Aussage der Kundin würde es das Produkt bei einem meiner Mitbewerber geben, einen genauen Namen konnte sie mir allerdings auch nicht nennen. Ich bin ja der Meinung, dass die Frau ihre Verwechslung nur nicht zugeben wollte, lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren: Gibt es das Produkt "Kartoffelmehl", das aber eben nicht profane Stärke ist? Weiß das von euch einer?
An unserer Von-Kunde-zu-Kunde-Pinnwand hängt übrigens gerade ein Zettel, auf dem jemand ein
Nokia 3410 für 20 Euro anbietet.
Falls ich da den Kontakt herstellen soll, bitte melden.
Anruf vom
RMG, das ist die Firma, von der wir seit Anfang des Jahres die gelben Säcke bekommen.
Eine Kundin hätte sich beschwert, weil sie keine Säcke bei uns bekommen hätte, weil sie sich angeblich nicht hatte ausweisen können.
Ja, ich habe genauso blöde geguckt.
Nach einigem anfänglichen Hin und Her mit Coupons und irgendwelchen Codes verteilen wir die Rollen mit Wertstoffsäcken nämlich seit etlichen Wochen schon einfach so ohne jegliche Legitimation – und das wissen auch sämtliche meiner Mitarbeiter/innen an der Kasse.
Wer da jetzt evtl. was falsch verstanden hat, werden wir wohl nie herausfinden …
Beinahe schon romantisch mutete der offene Einkaufskorb an, in den eine Kundin ihre Brötchen gelegt hatte. Haben wir in der Form auch eher selten. Aber ist doch schön, wieder etwas Verpackungsmüll gespart.
Ein junger Mann fragte ernsthaft nach, ob bei Abhebungen via Cash Back das Geld von
seinem Konto abgebucht würde.
Es gäbe so herrlich viele kreative Antwortmöglichkeiten, die man anstatt eines sachlichen Jas entgegnen könnte.
Auf der Fensterbank vor dem Leergutautomaten lag ein Schlüsselbund. Lange kann er noch nicht dort gelegen haben, denn bei einem meiner vielen Wege am Automaten vorbei, wäre er mir aufgefallen. Ein Kunde oder eine Kundin konnte ich aber nicht mehr in der Nähe der Leergutannahme ausmachen.
Eine Kollegin erinnerte sich: "
Da hatte vor ein paar Minuten eine blonde Frau mit Rucksack Leergut abgegeben, der Schlüssel kann eigentlich nur von ihr sein."
Ich schnappte mir den Schlüssel und suchte den ganzen Laden nach dieser Frau ab. Plötzlich erspähte ich sie an der Kasse stehend. Als ich vorne ankam, ging die Kundin gerade aus der Ladentür und bog nach rechts ab. Ich sprintete los, hüpfte über die Schranke und holte die Frau einige Meter neben der Tür wieder ein. Sie stand neben ihrem Fahrrad, ich schnaufend daneben, aber immerhin war es tatsächlich ihr Schlüsselbund, das sie dankend entgegennahm.
Hätte mich aber gar nicht so zu beeilen brauchen. An dem Schlüsselbund befand sich nämlich auch der Fahrradschlüssel der jungen Dame, so dass sie wohl spätestens eine Minute später ohnehin wieder in den Laden gekommen wäre.
Nach einer Weile mal wieder eine Meldung von
"ihr". Sie sprach eben eine Kollegin im Laden an:
"Bis gestern war es hier noch so schön ruhig und jetzt haben Sie ja auch so ein fürchterliches Radio hier laufen.
Ich war im Lager zugange, während irgendjemand den Leergutautomaten mit leeren Flaschen fütterte. Dann wurde es still. Dreißig Sekunden später hörte ich das pfeifende Geräusch des Schrittmotors vom Bondrucker des Rücknahmeautomaten. Mir war sofort klar, dass da jemand seinen oder ihren Bon vergessen hat.
Unverzüglich ging ich zum Automaten, nahm den Bon und sah mich im Laden um. Einzig ein älterer Stammkunde stand in der Getränkeabteilung und stellte gerade mehrere Wasserflaschen in den mitgeführten Einkaufswagen.
"Das ist wohl Ihr Bon", sprach ich ihn an.
Er lachte: "Das sind wohl schon die Alterssenilitätserscheinungen."