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50km

Ein Kunde rief an und erkundigte sich, ob wir "Club Mate" (Mate-Eistee) im Sortiment hätten, die es nicht in vielen Geschäften gibt.

Haben wir.

Und deswegen fährt er nun 50km hier her. :-)

Völlig verpeilt

Im Markt in Findorff nehmen wir zwangsläufig auch Einweg-Leergut an, allerdings deutlich weniger als hier in der Gastfeldstraße. Um die Verluste durch die Zählzentren zu vermeiden, stecke ich die Flaschen und Dosen hin und wieder in meinen Automaten, der sie entwertet und direkt für eine Gutschrift sorgt.

Eben stand ich wieder einmal mit einem vollen Sack voller Einweggebinde vor der Maschine und ging der monotonen Aufgabe nach, als eine Kundin mit Leergut daherkam. Kunden gehen vor und so unterbrach ich die Arbeit und gab den Automaten frei.

Noch während ich die letzte Flaschen dort hineinsteckte, inspizierte die Kundin den neben dem Automaten stehenden Mülleimer, allerdings erfolglos. Es befanden sich keine weggeworfenen Pfandflaschen darin.
Als sie ihr eigenes Leergut im Automaten versenkt hatte, entdeckte sie ein paar Flaschen, die ich auf die Fensterbank gestellt hatte. Sie griff sie alle, bemerkte aber, dass ich sie dabei beobachtet hatte und fragte mich, was damit wäre. Nachdem ich ihr dabei half, festzustellen, dass das nicht ihre sind, stellte sie die Flaschen wieder zurück.

Eine weitere Kundin hatte zwischenzeitlich ebenfalls ihr Leergut am Automaten abgegeben und ich wollte mich gerade wieder dem Zeugs aus Findorff widmen, als mich die erste Kundin wieder ansprach: "Schenken Sir mir davon welche?" Ich verneinte und die Frau guckte mir vollkommen fasziniert zu.

"Verkaufen Sie mir welche von den Flaschen?"

[WTF?!?]

Noch ehe ich protestieren oder ihr den Unsinn einer solchen Aktion begreiflich machen konnte, hielt sie mir 1,34€ vor die Nase. "Stimmt so", sagte sie und ich ließ sie sich fünf Flaschen aus dem Sack heraussuchen.

Nachdem die Frau die fünf Behältnisse in den Automaten gesteckt hatte und ihren Pfandbon in der Hand hielt, strahlte sie und ging zur Kasse, um ihn gegen 1,25€ in Bargeld einzulösen.

Shane

Shane ist etwa geschätzte Mitte vierzig und vermutlich seit Juli Kunde von mir. Den genauen Zeitpunkt, an dem er hier auftauchte, weiß ich nicht mehr, es könnte also durchaus sein, dass er hier schon länger ein und aus geht. Zum ersten Mal angesprochen hatte er mich jedenfalls kurz nachdem wir mit der 24-Stunden-Öffnung begonnen haben.

An den Abend meiner ersten Begegnung mit Shane erinnere ich mich noch ganz gut: Er hatte verschiedene Sorten Leergut, unter anderem eine leere Bierkiste einer mir nicht bekannten Marke. "Die kann ich leider nicht annehmen", sagte ich ihm, woraufhin er mir erklärte, dass das "seine Kiste" sei, in denen er "seine eigene Biermarke" vertreiben würde. Seinen Namen wusste ich damals noch nicht, aber er duzte mich gleich und stellte sich folgendermaßen vor: Er plant, demnächst mit seinem "Partner" hier in Bremen einen Getränkegroßhandel zu eröffnen und könne mich dann mit allen möglichen Mehrweg-Getränken beliefern. Das Gespräch war nicht sonderlich lang und da ich nicht davon ausging, dass mir Shane und sein Partner bessere Preise machen könnten, als unser deutschlandweit arbeitender Großhändler, bei dem ich zudem noch die ausgehandelten Großhandels-Konditionen bekomme, beachtete ich das Gespräch gar nicht weiter.

In den folgenden Nächten kam er oft hierher und suchte den Kontakt zu meinen Nachtschicht-Mitarbeitern. Erst unterhielt er sich nur mit ihnen, in dem er irgendwelche Gespräche aufzwang, später hielt er sie regelrecht von der Arbeit ab. Unter anderem auch damit, dass er ungefragt mithalf, z.B., in dem er leere Getränkekisten zusammenstapelte und ins Lager brachte. Das klingt zwar im ersten Moment nach Hilfe, letztendlich stand er oft im Weg. Das ging sogar so weit, dass mich meine Mitarbeiter um Rat fragten und um Erlaubnis baten, Shane ungestraft vor die Tür setzten zu dürfen, wenn er weiterhin dermaßen lästig sein würde. Ich erlaubte es, denn er ist mir bis dahin schon selber mehrmals unangenehm aufgefallen und daher wusste ich, wie aufdringlich er sein konnte.

Besonders übel wurde es, als er sich gegenüber meiner Mannschaft als schwul outete und (mindestens) einen meiner Angestellten doch recht -ähm- eindeutig anmachte. Er bekam allerdings eine deutliche Abfuhr und versuchte derartiges seit dem wohl auch nicht wieder.
Nach diesem Vorfall knöpfte ich mir den selbsternannten Getränkelieferanten in spe einmal persönlich vor und nannte ihm einige Regeln, an die er sich zu halten habe, wenn er hier noch weiter als Kunde ein- und ausgehen möchte. Im Wesentlichen waren das nur die Anweisungen, Mitarbeiter nicht von der Arbeit abzuhalten und ihnen gegenüber keine ein-, zwei- oder mehrdeutigen Sprüche zu klopfen.

Seit dem sind inzwischen mehrere Monate vergangen. Daran, dass Shane einen "Getränkegroßhandel" eröffnet, glaube ich schon lange nicht mehr. Er kommt fast täglich und füttert den Leergutautomaten mit allen Merkwürdigkeiten, die er offenbar irgendwo gefunden hat. Schmuddelige Klamotten und mit Alkoholfahne ist das Erscheinungsbild, an das wir uns bei ihm inzwischen gewöhnt haben. Und mehr als einmal wurde er von meinen Mitarbeitern in benachbarten Hauseingängen sitzen und billiges Bier trinken gesehen.

Die Frage, ob er uns von Anfang an Unsinn erzählt hat, oder ob Shane aufgrund widriger Umstände im vergangenen halben Jahr so völlig abgesackt ist, wird mir vermutlich niemals jemand beantworten...

Jetzt schon Weihnachtsmusik?

POS-Radio spielt schon seit dem ersten Advent Weihnachtslieder. Zwar auch immer mal wieder ruhigere Klassiker, aber eben auch die fetzigeren oder überwiegend auch gar keine weihnachtliche Musik.

Eben gerade, 11 Tage vor Heiligabend, der Spruch von einem Kunden, ob das mit der Weihnachtsmusik "jetzt schon sein muss". Wann denn dann? Zwischen Neujahr und Ostern?

Learning by doing

Wenn man ein Gummiband verschießen will und es sich deswegen langgezogen vor's Gesicht hält...

...sollte man die richtige Seite loslassen, damit's nicht wehtut. :-)

(So erging es eben jedenfalls dem Kind einer Kundin, das in der Folge den kompletten Laden zusammenplärrte...)

Ach, SIE

Eine neue Kollegin sprach mich an: "Ich hatte da eine komische Kundin an der Kasse. Die muss irgendwie einen an der Klatsche haben. Hat die ganze Zeit irgendwas davon geredet, dass sie von einer anderen Kundin verfolgt werden würde und hat sich völlig merkwürdig verhalten."

Ich stellte einige Fragen über das Aussehen dieser Frau.
Sämtliche Fragen bejahte die Kollegin.

Volltreffer. :-)

Noch mehr Leergut 3

Nun war die Kundin tatsächlich erneut hier und ich habe die Gelegenheit genutzt, sie danach zu fragen, woher das Leergut stammt, dass sie hier anschleppt.

Bei eher seltenem Leergut und gerade auch bei Flaschen und Kisten, die sowohl für Bio als auch für konventionelle Produkte verwendet werden, scheint seitens der Hersteller bzw. Großhändler eine gewisse Unstimmigkeit über die Pfandwerte zu bestehen.

In diesem Fall war es so, dass die gute Frau die Kisten in einem nicht wirklich nahe gelegenen, aber mir zumindest bekannten, Bioladen einkauft. Der kleine Laden berechnet für seine Kisten nämlich den "allgemeinen" Pfandwert von 1,50€ pro Rahmen. Ich dagegen bekomme das gleiche Leergut mit 2,50€ von meinem Großhändler belastet, weshalb ich auch diesen Preis von meinen Kunden verlange, bzw. bei Rückgabe der Kiste wieder erstatte. Für die Kundin war die Rechnung einfach: Sechs Kisten auf den Fahrradanhänger, drei Kilometer zu mir fahren und -voila- um sechs Euro reicher. Der kleine Bioladen freute sich vermutlich über die bequeme Entsorgung seiner Kisten und bei uns war großes Rätselraten angesagt.

Dingsda

Eine Kundin reckte sich am Regal und wollte eine der ganz oben ganz hinten stehenden Bierdosen haben. Ich sah sie zufällig und ging zu ihr hin: "Kann ich Ihnen helfen?"

"Ja", sagte sie. "Ich hätte gerne so ein Dingsda."

Die Option, dass ich sie nervös gemacht haben könnte, schließe ich einfach mal aus und tippe auf zu viel vorhergehenden Konsum des Inhalts anderer Dingdas.

Ehrlich

Ein Mann suchte Wein mit Schraubverschluss.

Da das natürlich nur eine recht schwammige Aussage ist, um eine Entscheidung für eine Weinempfehlung zu treffen, erkundigte ich mich, ob er einen bestimmten Wein suchen würde.

Er erklärte:

Einen Rotwein suche ich. Die Marke ist völlig egal, vielleicht nicht ganz so teuer, aber gerne einen süßen. Wichtig ist nur, dass er einen Schraubverschluss hat. Wissen Sie, ich bin schon etwas angetrunken und ich möchte gleich unterwegs und in der Straßenbahn noch weitertrinken und da muss die Flasche leicht zu öffnen sein.

Nicht geflashmobt

Vor rund 20 Minuten fand hier eine merkwürdige Aktion statt: Ein paar Mittzwanziger begannen, ohne Ankündigung auf den Tiefkühltruhen zu trommeln.
Ich zückte meine Kamera und nahm die letzte halbe Minute der Aktion auf Video auf. Plötzlich hörten die Personen auf und gingen wortlos zum Ausgang.

Na, wenn das mal kein Flashmob war.

Dachte ich und begann, das Video bei Youtube hochzuladen. Ein paar Minuten später standen zwei der Trommler an meiner Bürotür und sprachen mich an: Sie hätten gesehen, dass ich das aufgenommen hätte und wollten nur wissen, was mit dem Video passiert.

Ich deutete etwas von "Veröffentlichung bei Youtube" an und die beiden erklärten mir, dass das eigentlich nur ein Experiment für eine Forschungsarbeit sein würde und dass das eigentlich (noch) niemand mitbekommen sollte.

Ich fragte sie: Ihr beginnt, hier mitten im Laden ohne Vorankündigung auf den Tiefkühltruhen zu trommeln. In DIESEM Laden. Und wollt dann NICHT damit ins Internet? Das glaube ich nicht."

Sie mussten mir schwören, dass sie das nicht getan haben, um hier in das Blog zu kommen. Das taten sie unverzüglich, wenngleich mein Wunsch gar nicht so ernst gemeint war. Aber okay, dann bin ich so fair und werde das Video für mich behalten.

Aber die Tondatei darf ich veröffentlichen.

Aber nicht mehr heute. Gute Nacht.

Morgen!

Ich habe gerade mitten im Laden einen Freund verabschiedet: "Bis morgen."

Eine sehr alte Kundin, die gerade zufällig passierte, erwiderte meinen Gruß: "Morgen!"

Ich habe natürlich freundlich zurückgelächelt, aber ist der guten Frau denn gar nicht aufgefallen, wie spät es schon ist? Ob die noch studiert?

Das Leergutmonster

"Die langen, rasiermesserscharfen Zähne bleckte das Untier unter furchterregenden Lauten. Zwischen den weißen Säbelspitzen stecke noch der Rest eines Armes; eine lästige Erinnerung an eine vergangene Mahlzeit, die auch die dreigeteilte Zunge nicht zu entfernen vermochte. Speichel ronn an den langen Reißzähnen herunter und troff klatschend auf den Geröllboden. Langsam, Zoll für Zoll, öffnete sich das riesige Maul bis man direkt tief in den nach Schwefel und Tod riechenden Rachen des Ungeheuers blicken konnte. Ein neues Opfer wartete bereits ohne es zu wissen darauf, von dem Lindwurmähnlichen gefressen zu werden. Es müsste sich nur noch weit genug dem Versteck der Bestie nähern..."

So oder so ähnlich dürfte die Kundin mittleren Alters die Öffnung unseres Leergutautomaten gesehen haben. Sie warf die Flaschen regelrecht aus rund 10-15cm Entfernung in den Annahmeschacht hinein und ihr Blick war panisch wie der eines Karnickels, das gerade ins Antlitz einer Schlange starrte.

Ansonsten hat aber alles funktioniert. :-)

Action am Abend

Vorhin öffnete sich nach einem dumpfen, pochenden Geräusch, das wohl ein Anklopfen darstellen sollte, plötzlich die Bürotür. Ein Mann, den ich auch als Kunden kannte, befand sich auf meiner Treppe. Halb liegend, halb sitzend und mit sehr ernstem Tonfall bat er mich, sofort die Polizei zu rufen.

Um der Polizei am Telefon sagen zu können, weshalb sie sich auf den Weg hierher machen sollten, fragte ich den Mann, was denn überhaupt los wäre. Er erzählte, dass hinter ihm jemand mit dem Messer her wäre und ihn abstechen wollen würde. Das klang dringend genug für die Notrufnummer der Polizei. Nachdem sich dort jemand gemeldet hatte, stelle ich mich als Anrufer vor und übergab das Telefon an meinen Kunden.

Wenig später traf auch schon die Polizei ein. Ich bekam zwar leider nur einige Gesprächsfetzen mit, aber es schien wohl so, als ob er nach einer kleinen Streiterei jemanden mit der Faust ins Gesicht geschlagen hätte, worauf dieser wohl ein Messer gezückt hätte. Schon nach einer Minute gingen die beiden Polizisten mit dem Mann zum Streifenwagen vor die Tür. Dort standen inzwischen zwei Polizeiautos, fünf Polizisten und auf der anderen Staßenseite mehrere Dutzend Schaulustige.

Irgendwie aber auch selber Schuld. Jemandem aus einem "einschlägigen Gewerbe" wegen einer kleinen Meinungsverschiedenheit um Fußballmannschaften mit der Faust ins Gesicht zu schlagen ist schon irgendwie... gewagt.

Muss knallen

Ein Kunde suchte eben eine Flasche Wein. Rotwein, einen (für Supermarktverhältnisse relativ) guten, nicht zu säurehaltig, eher etwas lieblicheres.

Aber dann gab es noch eine herausragende Eigenschaft, die der gesuchte Wein haben sollte: "Der muss gut knallen."

Ich drückte ihm eine Flasche Sangria und einen Eimer aus dem Haushaltswarenregal in die Hand. Ich habe mich dann bei meiner Empfehlung an den erstgenannten Eigenschaften orientiert. Nach dem Faktor wie schnell man von einem Wein düselig wird, habe ich meine Entscheidung bislang noch nie abhängig gemacht und konnte dem Herren deshalb dort leider schlecht den ultimativen Tipp geben. :-)

So hoch

Eine Kundin beklagte sich darüber, dass "ihr" Produkt ganz oben im Regal stehe und sie deshalb dort nie ankommen würde: "Wenn sie das nach unten stellen und irgendwas anderes da oben hin, kann ich davon mehr kaufen, weil ich dann nicht immer fragen muss."

Ich versuchte sie mit der Aussage, dass wir hier aus Platzgründen leider so hoch bauen müssen, zu beruhigen und sagte ihr nicht, dass wir von einem Artikel sprechen, den man nicht überall bekommt und der auch bei uns nur ins Randsortiment gehört. Den Platz mit einem besser laufenden Produkt zu tauschen wäre jedenfalls betriebswirtschaftlicher Unfug. :-)