Eine Kundin sprach mich darauf an, dass meine Internetseite übrigens klasse sei. Ich überlegte: Was soll daran klasse sein? Das Ding ist mitlerweile nicht nur technisch überholt, auch die Inhalte sind von anno dazumal. Mir gefällt harste-online.de schon lange nicht mehr, zumal auch der Markt in Findorff dort nicht im Mindesten ewähnt wird.
Ich antwortete also: "Shopblogger ist aktueller."
Ein weiterer Kunde, der in der Nähe stand und das Gespräch eher zufällig mitbekommen hatte, mischte sich auch noch mit ein und ergänzte: "Und witziger!"
Eine ältere Kundin löste an der Kasse den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Eine Kollegin eilte sofort nach vorne, um dem Grund für das Piepen auf die Spur zu kommen.
Irgendwas bei Ihnen löst den Alarm aus.
Das ist mein Hörgerät.
Nein. Das Hörgerät löst den Alarm nicht aus.
Dochdoch, das piept beim Flughafen auch immer!
Aber das ist nicht das gleiche.
Ich habe aber nur das eine Hörgerät.
Die Anlage ist aber doch eine ganz andere.
Zufälligerweise begann der Alarm immer dann, wenn sich die Kundin mir ihrer Handtasche der Antenne der Warensicherungsanlage näherte. Meine Kollegin schaffte es, die alte Frau dazu zu bringen, ihr Portemonnaie aus der Tasche zu nehmen (damit ec- und andere Karten mit Magnetstreifen nicht beschädigt werden) und legte die gesamte Handtasche auf den Entwerter an der Kasse. Es summte, brummte, piepte und dann war Ruhe.
Wir unterstellen jetzt einfach mal gutgläubig, dass sich in der Damenhandtasche irgendein mit einem Sicherungsetikett behaftetes Kosmetikteilchen aus einem anderen Laden befand...
Eine Emanze faucht einen Herrn an, der Ihr die Tür aufhält:
"Bloß weil ich eine Frau bin, brauchen sie mir nicht die Tür aufzuhalten!"
"Ich halte ihnen nicht die Tür auf, weil sie eine Dame sind, sondern weil ich ein Gentleman bin!"
Das hat mich spontan an eine Situation erinnert, die ich vor ein paar Jahren hier im Laden mal selber erlebt habe:
Wenn ich eine Kundin sehe, die erkennbar schwer an ihrem Leergut zu tragen hat, nehme ich ihr als normalerweise schon beim Betreten des Ladens die schwere Last ab und trage sie selber zur Leergutannhme. Bis heute haben sich darüber alle gefreut und nie bekam ich Kritik dafür zu höeren. Und dann war da dieser eine Kerl diese eine Frau:
Kräftiger Körperbau, kurz geschonere Haare, trug Lederhose, Jeansjacke und zwei leere Bierkästen, an denen sie sichtbar schwer zu schleppen hatte. Unaufgefordert ging ich auf sie zu und griff nach der ersten Kiste, um sie ihr abzunehmen - eine Geste, die bislang immer mit einem erfreuten "Danke" quittiert wurde. Nur diesmal nicht: "Glauben Sie, ich kann die nicht selber tragen? Nur weil ich eine Frau bin???"
Ich weiß nicht mehr, ob ich dazu überhaupt noch etwas gesagt hatte. Wenn, dann höchstens etwas in der Form von "Entschuldigung, ich wollte nur helfen."
Leider war ich nicht so schlagfertig wie der Herr in dem Witz, sondern bin dann gemütlich der Frau bis zur Lagertür hinterhergegangen.
Zuerst war da die genervte Kundin, die an unseren ständigen Umbauten verzweifelte.
Und nun? Wühlt eine Frau die Packungen durcheinander und beschwert sich irgendwann, dass "an den reduzierten Cornflakes gar keine Sonderpreise" stehen würden.
Eine Kundin rief an und wollte wissen, ob wir eine bestimmte Gemüsebrühe der Marke "Corbell" hätten.
Ich war mir ziemlich sicher, diesen Namen noch nie zuvor gehört zu haben, Die Kundin war sich jedoch ganz sicher, dass ihre Bekannte die Brühe hier gekauft haben muss, da sie in der Gegend wohnt und nie woanders hingehen würde als zu SPAR.
Ich ging schließlich doch zum entsprechenden Regal und musste feststellen, dass dort außer Maggi, Knorr und einigen Bio-Artikel keine Gemüsebrühe von "Corbell" zu finden war. Ich hatte nichts anderes erwartet. Auch im Bio-Regal fand ich nur die mir bekannten Hersteller.
Ich probierte es schließlich anders. Aber: www.corbell.de gibt es nicht und auf www.corbell.com ist nichts zu finden, was nach Suppen und Saucen aussieht. Wenn's ein Markenhersteller wäre, hätte er sich heutzutage doch auf jeden Fall die Domain reserviert. Es gibt doch kaum noch Firmen, die nicht irgendwo eine Internetpräsenz haben, und wenn's nur eine Art Visitenkarte ist. "Haben Sie den Namen vielleicht falsch geschrieben? Mit "K" vorne oder mit einem "L" am Ende vielleicht?", wollte ich wissen. "C-o-r-b-e-l-l", bekam ich buchstabiert.
Mist.
Doch dann kam mir die Idee. Eine Marke, die es gar nicht gibt und hier in der Gegend gekauft? Könnte es vielleicht eine der Handelsmarken vom Discounter an der Ecke sein? Ich bemühte Google und suchte nach "penny corbell" .
Ein Kunde entdeckte den (noch ungenutzen) kleineren der beiden neuen Cola-Kühlschränke vor der Lagertür und fragte uns alles ernstes, ob er den haben könnte:
Die bestellten Knödel wurden heute prompt geliefert. Da ich etwas zu spät in unserer Großhandlung angerufen hatte, konnte ich nicht mehr darauf warten, dass der Kunde kommt und eine Anzahlung hier lässt. Allerdings kann ich, sollte er wirklich nicht kommen, die Knödel netterweise wieder zurückgeben.
Aber er wird sie schon abholen...
Nachtrag: Die Knödel sind zwischenzeitlich abgeholt worden. Es war zwar die ganze Zeit von "Kartoffelknödeln" die Rede, aber das Produkt (Sammelknödel) war schon richtig. Wir Norddeutschen nehmen's da nicht so genau.
Eine Kunde sagt, dass er 700 Kartoffelknödel für eine größere Veranstaltung braucht.
Natürlich kann ich die bestellen. Aber erst, nachdem ich morgen eine Anzahlung bekommen habe. 8 Kartons mit Knödeln würde ich mir nur allzu ungern ins Lager stellen.
Allerdings bin ich zuversichtlich: Den kompletten Regalbestand hat er nämlich eben schon mitgenommen...
Eine Kundin mittleren Alters bezahlte einen Apfel, blieb danach aber an der Kasse stehen und sah in aller Ruhe meiner Mitarbeiterin bei der Arbeit zu.
Zuerst dachten wir, dass sie nur kurz verschnaufen und dabei den Apfel futtern wollte. Während sie die Frucht genüsslich verspeiste, stand sie allerdings unmittelbar neben dem Kassentisch und sah meiner Mitarbeiterin zu. Da sie aber nicht nur zusah (was alleine schon manche Leute nervös macht), sondern auch immer wieder wirres Zeugs redete meine Mitarbeiterin ansprach, ging ich schließlich nach vorne, um mal selber mit der Frau zu reden.
Einen vorsichtigen, beinahe beiläufigen Hinweis, ob sie denn nicht langsam mal weitergehen möchte, ignorierte sie einfach. Ich wurde direkter. "Nö, warum soll ich denn gehen? Ich stör' doch keinen."
Sie benagte den Apfel.
"Nun, Sie machen meine Mitarbeiterin nervös, wenn Sie hier so direkt hinter ihr stehen. Und darum wär's nett, wenn Sie nun einfach weitergehen würden."
"Ich mach' doch kein' nervös", flötete sie.
Da mischte sich ein Kunde ein und drängte die seltsame Alte regelrecht zum Ausgang. Ziemlich direkt wies er sie darauf hin, dass es wohl besser wäre, wenn sie nun ging. Sie futterte den Apfel währenddessen in Ruhe zuende, warf den Stiel in den Mülleimer und ging.
Als sie gerade draußen war, mischte sich eine andere Kundin ein und sagte uns, es klang schon recht vorwurfsvoll, dass wir die Polizei hätten holen sollen, damit die sich dann um die verwirrte Dame gekümmert hätte.
Tzja, Polizei oder nicht? Wo soll man da die Grenze setzen? Die Frau hatte sich hier weder etwas zu Schulden kommen lassen, noch wirkte sie "orientierungslos". Sie schien nur etwas neben der Kasse sich zu stehen und nichts mit sich anzufangen zu wissen...
Da geht man nichtsahnend an sein Telefon, meldet sich wie gewohnt und darf dann einer automagische Ansage zuhören: "Guten Tag, mein Name ist Anja Schütte. Sie haben eine Flugreise in den Mittelmeerraum für zwei Personen inklusive einer Hotelübernachtung im Wert von über 1000 Euro gewonnen..."
Im Hintergrund klopfte bereits eine andere Anruferin an und ich habe zu ihren Gunsten die liebe Anja einfach kommentarlos weggedrückt. Irgendwie habe ich nicht das Gefühl, etwas wirklich Wichtiges oder gar Wertvolles verpasst zu haben...