Ein Mann betrat mit zwei Tüten voller Bierflaschen den Laden und ging zielstrebig in leichten Schlangenlinien zum Leergutautomaten. Auf mehrere Flaschen, die er erfolgreich in der Maschine versenkte, zerlegte er eine auf dem Fußboden, die ihm entweder aus der Hand oder direkt aus einer der beiden Plastiktragetaschen rutschte.
Ich trinke Alkohol in Maßen und habe keine Vollrauscherfahrung, was ich im Übrigen auch nicht gerade als fatale Wissenslücke ansehe. Was bringt einen dazu, in dem Zustand auch noch seinen Alltag meistern zu wollen und sich nicht einfach zum Ausnüchtern ins Bett zu legen?!?
Zwei junge Frauen kauften eben hier ein. In aller Seelenruhe füllten sie nach und nach ihren Einkaufskorb, während ihr kleiner feuchtnasiger Freund genüsslich alle Regale beschnüffelte.
Da die beiden sowieso schon an der Kasse standen, habe ich sie gewähren lassen und nur freundlich darauf hingewiesen, ihr Haustier zukünftig besser vor dem Laden anzuleinen.
Es gibt sicherlich keinen Supermarkt, den sie bislang mit Hund betreten durfen. Und auch bei mir prangt neben der Eingangstür ein großes Schild mit dem bekannten Text "Wir dürfen hier nicht rein."
Eine Kundin wollte "gelbe Säcke" haben und hat ihren Coupon für diese meiner Kassiererin vor die Nase gehalten. Diese hat die Kundin freundlich darum gebeten, eben an der Lagertür zu klingeln oder einen Mitarbeiter im Markt anzusprechen, da wir die Säcke aus Platzgründen nicht an der Kasse lagern können.
Ohne gelbe Säcke, aber "was ist denn das für ein schlechter Service..." fluchend, verließ die Frau den Laden.
Eine lautstarke Auseinandersetzung, die zwei Kunden mitten im Laden hatten, lockte zuerst einige Kollegen und schließlich auch mich an.
Einer der beiden Männer betreibt, wenn ich das richtig verstanden habe, ein Bekleidungsgeschäft, der andere hat dort wohl vor einigen Tagen diverse Bekleidungsstücke mitgenommen, ohne jedoch den Gegenwert in Form von Bargeld zu hinterlassen. Eine mit leider wohlbekannte Vorgehensweise.
Der Boutiquebesitzer wurde zwar laut, blieb aber relativ cool dabei. Der andere ging dagegen gleich auf die Palme, packte im Laufe der Diskussion ein paar Teile in seinen Einkaufskorb, ging zur Kasse, bezahlte und verließ meinen Laden. Noch bevor die von dem Bestohlenen gerufene Polizei auftauchte, war der angebliche Dieb schon verschwunden.
Ich konnte mir die Szene nur ansehen und nicht reagieren. Was hätte ich tun sollen? Beide Männer sind Kunden von mir, die nun dummerweise in meinem Laden aneinandergeraten sind. Falls der eine tatsächlich bestohlen worden war, tut es mir Leid für ihn, aber als Außenstehender auf nicht neutralem Grund kann man da wohl schlecht Partei ergreifen...
"Das habe ich heute Morgen hier gekauft!", versicherte der Kunde, als er das verschimmelte Brot wiederbrachte.
Wir haben's umgetauscht, Kunden hat ja schließlich immer Recht. Aber gelogen war's trotzdem: Die Brote, die wir von einer kleinen Bio-Bäckerei bekommen, packen wir hier vor Ort selber ein und zeichnen sie aus. Unter anderem mit dem Wochentag mit Zahlen von 1-6 (Montag bis Samstag). Kein Brot lassen wir länger als zwei Tage im Verkauf und montags nehmen wir sämtliche alten Brote vom Wochenende aus dem Regal.
Das Brot von "heute Morgen" trug eine "5" auf dem Etikett, stammte also definitiv noch aus der letzten Woche.
Halten einen eigentlich alle für dumm?
Nachtrag: Das Brot hat leider eine Kollegin umgetauscht, die von der Nummerierung nichts wusste und natürlich gemäß der allgemeinen Anweisung hier vollkommen unproblematisch die Ware umgetauscht hat.
Gespräch mit einem Kunden über Red-Bull-Light-Dosen, deren Inhalt als diätetisches Lebensmittel deklariert ist und die deshalb unbepfandet sind. Im Laufe der Unterhaltung erwähnte er, dass die normalen Red-Bull-Dosen ja auch kein Pfand hätten.
Nachdem ich ihn darüber aufgeklärt hatte, dass die Dosen schon seit inzwischen einigen Jahren mit 25 Cent pro Stück bepfandet sind, entgleisten seine Gesichtszüge etwas: "Die habe ich doch immer weggeworfen."
Eine Kundin hat mir einen "Deal" vorgeschlagen: Die große Pflanze auf der Fensterbank würde sie für 20 Euro mitnehmen.
Wo denn bei dem "Deal" mein Vorteil wäre, fragte ich und sie antwortete. dass ich die Pflanze dann ja schließlich los wäre. Nun, dachte ich mir: Die meisten Waren hier im Laden versuche ich loszuwerden und das normalerweise zu den aufgedruckten Preisen. Ich schüttelte also den Kopf und sagte, dass ich die große Palme nicht für 20 (statt 29) Euro verkaufen werden.
Nach kurzer, intensiver Verhandlung hat sie das Plänzchen dann für 27,50€ gekauft. Aber immerhin 1,50€ gespart.
Mit einer Kollegin stand ich im Büro. Während wir uns unterhielten, blickten wir gewohnheitsgemäß immer wieder zu den Bildschirmen der Videoüberwachungsanlage. Plötzlich betraten ein Mann und eine Frau den Laden.
"Hey, den kenne ich doch", entfuhr es meiner Mitarbeiterin. "Sein Kind ist bei meiner Tochter im Kindergarten. Er bringt seine da auch immer her."
"Aha. Und?"
"Naja... Er ist verheiratet. Meistens bringt er die Kleine weg, ganz selten seine Frau."
"Dass er fürsorglich ist, sieht man doch. Guck sie dir an, wie sie da vor der Kamera sich mitten im Laden in den Armen halten und knutschen."
Eine Kundin suchte eine bestimmte Spirituose. Irgendeinen Fruchtlikör, den wir nicht im Sortiment haben. Schließlich regte sie sich auf: "Sie haben so viele Sorten Wein, aber was wirklich wichtig ist, bekommt man hier nicht. Das ist ein sehr schlecht sortierter Laden hier."
Bio-Kalbsleberwurst wollte die Kundin haben. Wir haben zwar Bio-Leberwurst, aber Kalbsleberwurst nun ausgerechnet nicht. Zumindest nicht aus ökologischer Erzeugung.
Gespräch mit einer Kollegin:
Natürlich haben Sie die.
Nein, wirklich nicht. Da bin ich ganz sicher.
Aber ich kaufe die doch immer.
Hmm... Vielleicht verwechseln Sie gerade den Laden?
Ich kaufe die immer hier ein. Da verwechsel ich nichts!
Wisen Sie denn noch den Hersteller? Steht da irgendwas auf der Wurst drauf, was mir weiterhelfen könnte?
Kundin: Heute ist der fünfundzwanzigste. Es kann ja wohl nicht angehen, dass das Fleisch, das heute abläuft, noch nicht reduziert worden ist!!!"
Doch, kann. Wirklich.
(Zum Dank hat die Kundin die 2,50€ für das (von einer Mitarbeiterin natürlich prompt reduzierte) Fleisch dann übrigens komplett in 5-Cent-Stücken bezahlt...)
Frage eines Kunden in spürbar verärgertem Tonfall: Habt ihr keine Tomaten mehr?
Eine Dreiviertelstunde nachdem wir nach dem Wochenende mitten in der Nacht den Laden geöffnet haben. Hätte eigentlich nur noch das obligatorische "Scheißladen" gefehlt.
Normalerweise lästere ich nicht über Kunden nur des Lästerns wegen. Aber wenn man schon von einem Kollegen so dezent darauf hingewiesen wird, dann muss ich das einfach mal hier festhalten dürfen: "Wenn man schon aussieht wie Moby Dick, dann sollte man sich wenigstens nicht auch noch für Paris Hilton halten."
Gut, das war nicht nett. Aber wo er doch Recht hatte... Die XXS-Hose und das bauchfreie Girlie-Shirt wollte nun so gar nicht mit den mit Dehnungsstreifen durchzogenen Röllchen harmonieren, die über die Hose hingen.
Eine junge Frau löste schon beim Betreten des Marktes den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Ich sprach sie freundlich an und mit Hilfe des Handcheckers identifizierte ich die noch gesicherten Zigaretten als Auslöser für den Alarm. Also ging ich kurz zur Kasse, deaktivierte das Sicherungsetikett und brachte der Kundin die Schachtel zurück.
Sie nahm sie dankend entgegen, drehte sich um und ging weg. Sekundenbruchteile später hörte ich ein kurzes ratschendes Geräusch und dann warf sie das abgerissene Etikett einfach hier mitten im Laden auf den Boden.
Eine Kundin sprach einen meiner Mitarbeiter an: "Haben Sie hier Schnurlostelefone im Laden?"
Er bejahte wahrheitsgemäß.
"Ja, das habe ich gleich gemerkt, als ich den Laden betreten habe. Das liegt hier in den Räumen deulich spürbar in der Luft.", erklärte sie und drückte ihm einen Zettel voller wertvoller Informationen über Elektrosensibilität in die Hand.
Ich halte mich definitiv für elektromagnetisch unsensibel, daher kann ich solche Dinge nicht nachvollziehen. Allerdings vermute ich, dass die gute Frau hier im Laden unsere drei DECT-Mobilteile zwischen den vielen Kundenhandys kaum ausgemacht haben dürfte.
Was hätte sie wohl gesagt, wenn er "nein" geantwortet hätte?