Es ist manchmal echt abstrus, was in den Köpfen mancher Kunden vorzugehen scheint. Einzelhändler seien verpflichtet, jeden Artikel zurückzunehmen. Nein, sind wir nicht. Das ist zwar inzwischen eine Form von Kundenservice vieler Firmen, aber einen Anspruch hat man darauf nicht. Für abgelaufene Ware müssen wir auch keine fünf Euro auszahlen. Gibt es das überhaupt noch? Eine Zeitlang haben das manche Unternehmen gemacht, aber das hatte nicht zur Folge, dass Kunden auf diese Leistung grundsätzlich und für alle Zeiten in jedem Supermarkt bestehen können.
Und auch, wenn die Werbung beinahe sämtlicher Handelsketten von Montag bis Samstag dauert – tzja, auch darauf besteht kein Rechtsanspruch. Wir hatten diese Woche nämlich einen Whiskey im Angebot. Da mir aber die zum Werbepreis bestellte Ware ausgegangen ist und ich nun mit jeder regulär bestellten Flasche gleich mehrere Euro draufzahlen würde, habe ich gestern das Fensterplakat und sämtliche Werbeschilder im Laden entfernt und den Preis wieder raufgesetzt.
Tzja – und prompt kommen Kunden an, wollen 5 Kartons davon kaufen und fangen an darüber zu diskutieren und behaupten sogar, dass es sogar gesetzlich so geregelt wäre, dass die Angebote bis zum Wochenende zu laufen haben.
Ein kleines Mädchen rief durch den halben Laden seiner Mutter etwas über ihre neueste Entdeckung im Süßwarenregal zu: "Mama, dieser Mäusespeck ist ohne Fett. Du machst ja Diät aber das darfst du trotzdem essen."
Eine ältere Kundin, für die ihre Haushaltshilfe bei uns eingekauft hatte, rief an und beschwerte sich: "Sie haben ja nur die Hälfte auf dem Kassenzettel aufgeschrieben. Da fehlen ganz viele Sachen."
Ich habe sie nun darum gebeten, doch einfach bei ihrem nächsten Besuch bei uns den Kassenbon mitzubringen. "Nicht aufgeschrieben" kann ja gar nicht sein. Technisch denkbar wäre, dass der eine oder andere Artikel ungescannt durchgerutscht ist. Aber gleich "die Hälfte"?
Am Telefon konnte ich dazu natürlich leider gar nichts sagen. Mal sehen, ob der Kassenbon aussagekräftiger ist. Normalerweise beschweren sich Kunden ja nur, wenn sie zu viel bezahlen mussten...
Den Einwegcontainer, das ist die Box, in der die gecrunchten Einwegbehältnisse im Leergutautomaten gesammelt werden, war voll und musste ausgeleert werden – so, wie es mehrmals täglich vorkommt.
Eine Kundin stellte fest, dass der Automat nicht funktionierte und ich bat sie darum, eben eine Minute zu warten. Nachdem wir den Container wieder in den Automaten geschoben hatten, erfolgte die obligatorische Neukalibrierung des Systems. Währenddessen leuchtet eine rote Lampe an der Automatenfront auf. "Sobald diese Lampe grün wird", und dabei zeigte ich auf das rote Licht, "können Sie die Flaschen einlegen."
Sie stopfte trotzdem die Flasche rein, die Kalibrierung klappte nicht und folglich ging erstmal gar nichts mehr...
Einer meiner langjährigen Stammkunden macht mir momentan Sorgen. Er hat irgendwann mal studiert, war viele, viele Jahre mit einem Unternehmen mit mehreren Angestellten selbstständig und genießt seit einigen Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand. Ich habe ihn in all den Jahren als einen kräftigen Mann mit gesundem Menschenverstand und Unternehmerseele kennengelernt. Hin und wieder ein "schwieriger Kunde", aber dennoch hatte er mehr Verständnis für die kleinen Probleme im Einzelhändler-Alltag, als viele andere Kunden.
Seit einiger Zeit machen sich bei ihm Anzeichen von Parkinson bemerkbar. Seine Körperhaltung ist nicht mehr so aufrecht wie früher und spätestens an der Kasse, wenn er das Kleingeld aus seinem Portemonnaie sucht, lässt sich das Zittern seiner Hände nicht mehr verheimlichen.
Aber noch viel schlimmer finde ich, dass er sich im Laden neuerdings immer schlechter zurechtzufinden scheint. In einem normalen Regal suchter er plötzlich Tiefkühlpizza, worauf ich allerdings auch erst nach mehrmaligem nachfragen kam. Denn erkundigt hatte er sich bei mir ursprünglich lediglich nach "Dr. Oetker" – und das hätte ja nun ziemlich viel sein können.
Seine letzte Frage fand ich gerade besonders übel. "Wo haben Sie denn jetzt das Brotregal gelassen?" klingt zwar im ersten Moment wie eine gewöhnliche Frage eines gewöhnlichen Kunden. Doch dieser Mann ist ein Kunde der ersten Stunde und auch das Brotregal hat in den letzten 8,5 Jahren keinen neuen Standort bekommen. Mindestens einmal pro Woche ist er hier im Laden und dieser Kunde gehört zu denen, von denen ich sagen würde, dass sie sich hier am besten auskennen.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Allerdings befürchte ich, dass es nicht besser werden wird.
War klar... Kaum steht das Bier auf der gegenüberliegenden Seite im Gang, aber dennoch immer noch so, dass man unweigerlich daran vorbeikommt, fragen einen die Kunden, ob man denn jetzt gar kein Bier mehr hätte.
Ein junger Mann wollte mit einem sogenannten Kostenübernahmeschein (Für Lebensmittel und Hygieneartikel) einkaufen. Tabakwaren im Gesamtwert von knapp 50 Euro hatte er auf das Förderband gestapelt und hielt meiner Mitarbeiterin das Schreiben der BAgIS vor die Nase, als es ans Bezahlen ging.
Ohne "Räucherware" musste er allerdings wieder gehen, denn dafür war der Schein schließlich nicht gedacht.
Nachtrag: Diese Bevormundung haben wir uns hier nicht ausgedacht, sondern ist auf die Berechtigungsscheine aufgedruckt. Wer die Dinger kennt, wird das bestätigen können.
Besorgungsauftrag eines Kunden an einen Taxifahrer: "Bring mal mal Chips mit. Die sind aus England in einer weißen Tüte und stehen nicht da, wo die anderen Chips sind."
Und da stand er eben vor dem Regal mit den Walkers-Crisps und musste sich für eine Sorte der "Sensations" entscheiden. "Ich komm' schon klar", sagte er. Na, gut. Ich habe ihn beratungsfrei gewähren lassen...
Um die Warenanlieferung durch den Haupteingang zu erleichtern ermöglichen, haben wir eine Rampe aus Alublech, die mitunter mehrere Stunden vor der Tür liegt, damit die unterschiedlichen Lieferanten ihre Ware liefern können.
Heute Morgen fand ein Kunde die Rampe so einladend, dass er gleich mit dem Fahrrad in den Laden gefahren ist. Allerdings wurde er noch in der Gemüseabteilung von einem Kollegen gestoppt. Wir sind ja hier sehr offen und für fast jeden Spaß zu haben. Aber eben nur fast.
Eine Gruppe von Heranwachsenden, die extrem cool wirken wollten, irrte durch den Laden. Da sie recht laut und wenig vertrauenerweckend waren, beobachtete ich sie über die Videoanlage.
Plötzlich begann einer von ihnen, an einem unserer Regale herumzufummeln. Was er dort genau tat, konnte ich allerdings leider nicht erkennen. Es sah so aus, als wenn er dort eine Schraube lösen würde, denn seine Hand befand sich die ganze Zeit an der selben Stelle. Nach einigen Sekunden begann einer seiner Freunde, ebenfalls an der vermeintlichen Schraube herumzudrehen. Aber warum? Und warum beide. Da ich über die Kameras nicht mehr erkennen konnte, ging ich direkt und scheinbar zufällig an dem Regal vorbei.
Und was war passiert? Der Stecker seines Handy-Headsets hatte sich in einem kleinen, aus dem Blech gestanzten Loch verfangen.
Ich half dabei, ihn wieder zu befreien und musste mir das Lachen doch sehr verkneifen.
Ein Flaschesammler hielt eine volle Bierdose in der Hand. "Die habe ich in dem Müllsach vor dem Leergutautomaten gefunden", sagte er und bestand darauf, dass er sie mitnehmen dürfe. Umsonst, wohlgemerkt.
Ein Kollege, der von der Aussage etwas überrumpelt war, sagte ihm das zunächst zu, allerdings nahm ich dem Flaschensammler die Bierdose am Eingang wieder ab. So weit kommt das noch, dass wir hier Ware verschenken, nur weil sie zufällig in einen Müllsack gefallen ist. Vielleicht hatte ja auch ein Leergut abgebender Kunde diese Dose, die er ursprünglich kaufen wollte, auf den Rand des Behälters gestellt und dann ist sie, aus welchen Gründen auch immer, hineingefallen.
Und morgen liegt dann "zufällig" eine Flasche Jack Daniels im Müll und dann eignet man sich diesen "eigentümerlosen" Artikel auch an?