Ein Kunde suchte "Brohdock", sprach das auch noch zu allem Überfluss genauso aus und bereitete mir damit sichtlich Mühe, den gewünschen Wein zu finden.
Und es hat – zugegebenermaßen – auch tatsächlich etwas gedauert, bis ich auf Bordeaux kam.
Eine Kundin suchte einen guten Wein, den sie bei den Feierlichkeiten rund um eine Konfirmation in ihrer Familie am Wochenende anbieten möchte und benötigte dazu eine "ausführliche Beratung".
Sie wusste schon relativ genau, was sie haben wollte: Einen guten, milden, halbtrockenen Rotwein zum Essen und danach.
Wir haben einen richtig leckeren Bio-Wein, auf den diese Beschreibung passt. Der Wein liegt mit seinen 4,99€ im gehobenen mittleren Supermarkt-Preissegment, ist aber definitiv sein Geld wert. Alleine schon die Erwähnung des Preises in Verbindung mit dem Wort "Bio" sorgte allerdings bei der Kundin für weit aufgerissene Augen; ein Blick, der mir schon sehr viel verriet. Sie nahm die Flasche dennoch zur Hand, begutachtete das Etikett umständlich und lange, um sie dann mit dem Hinweis, dass das vermutlich doch nicht der richtige Wein für sie und ihren Besuch wäre, wieder hinzustellen.
Schlussendlich entschied sie sich für den Tafelwein in der 2-Liter-Flasche für 2,29€ pro Stück. Auf der Flasche sind keine näheren Angaben zum Inhalt zu finden und auch ich konnte ihr dazu nichts sagen, aber sie murmelte etwas von "kenne ich, der ist ziemlich gut" und stellte sich drei Flaschen in den Einkaufswagen.
Das sind so die Momente, in denen ich mich wie Oldschool fühle. Da verlangen Kunden eine eine detaillierte Beratung von jemandem, der sich im gegebenen Sortiment auskennt – und dann werden alle Tipps und Empfehlungen in den Wind geschlagen...
An der Kasse hatte sich eine relativ lange Schlange aufgebaut. Das kommt in den besten Familien Supermärkten vor – aber man kan ja etwas dagegen machen. Ich ging also durch den Laden in Richtung Lager, um der dort aufräumenden Kollegin zu sagen, dass sie dringend mitkassieren muss.
Kurz vor der Lagertür angekommen hörte ich einen Kunden am fast anderen Ende des Ladens etwas rufen, konnte es aber nicht verstehen, da auf der einen Seite der Leergutautomat und auf der anderen Seite meine Putzfrau mit der Maschine zugange war. Da der Kunde aber auch wild gestikulierte, dass ich herkommen soll, ging ich zurück und erkundigte mich nach seinem Anliegen.
Das war allerdings wenig spektakulär: Ob wir eine zweite Kasse aufmachen könnten, wollte er wissen. Konnten wir natürlich – und hätte er nicht gefragt, wär's sogar noch viel schneller gegangen.
Ein etwa fünfjähriger Junge hat im Zeitschriftenregal eine offene Packung Spielknete gefunden, die einst an irgendeinem Heft als Zugabe hing. Daraus hat er eine himmelblau-gelbe Rolle geformt, etwa 3,5cm dick und ungefähr doppelt so lang.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich würde schwören, dass er an mehreren wartenden Kunden vorbei zu seiner Mutter gerufen hat: "Guck mal, das sieht aus wie Papas Penis.". Das würde auch ihren plötzlichen roten Teint im Gesicht erklären.
Irgendwie niedlich: Eine Kundin, die via E-Mail nach einem bestimmten Artikel gefragt hat, wollte nun wissen, wo denn nun "unsere" nächste Filiale sei.
Da musste ich sie allerdings leider enttäuschen.
Ich habe ja noch meinen Zweitladen, aber bis nach Cottbus reichen meine Fäden nun auch nicht.
Da beschwert sich doch tatsächlich eine Kundin am Samstag Abend um kurz nach halb Zwölf, dass die Tomaten ausverkauft sind, bzw. dass die Reste nicht mehr schön wären.
Macht nichts. Einfach ignorieren. Erklärungsversuche wären sowieso sinnlos gewesen. Wer sich unbedingt aufregen will, tut es auch.
Oha, eine Kohlfahrtgesellschaft hat gerade einen Zwischenstopp im Laden eingelegt. Zum Nachtanken der wichtigsten Dinge: Flüssignahrung mit verschiedenen Anteilen Alkohol.
Hatte ich auch noch nicht. Die Stimmung ist jedenfalls gerade umwerfend gewesen.
Ich ging an einem Pärchen vorbei, das auf dem direkten Weg in die Getränkeabteilung war. Ich musste leider dringend zur Kasse, aber es hätte mich echt interessiert, was sie ihrem Begleiter nach diesem Satz, den ich im Vorbeigehen mitbekam, zeigte:
"Das ist so ein geiler Laden hier, guck mal, was die hier haben..."
...dann müsste ich hier noch ein paar mehr Putzkräfte einstellen, die die Überreste der Kundinnen entfernen. Und nein, auf diese Weise wird die Fleischtheke nicht kostengünstig aufgefüllt.
Aber außer um alte Dosen vor dem Leergutautomaten haben sich meine Kunden bislang zum Glück noch nicht geprügelt. (Vorsicht, das Filmchen ist etwas blutrünstig. Also vielleicht nicht unbedingt beim Frühstück angucken.)
Kollege: "Eben ist ein Kunde reingekommen. Guck da mal bitte nach, denn der ist irgendwie ganz komisch nervös und tüdelig. Ich habe da gerade ein ganz schlechtes Gefühl..."
War aber zum Glück nichts. Lief zwar etwas planlos hin hund her, musste aber wohl nur die Überdosis Koffeein verarbeiten.
Eine ältere Kundin, die gehbehindert ist und nur selten aus dem Haus geht, rief eben an und suchte einen bestimmten Artikel. Da sie selber aber nicht kommen kann, schickt sie gleich ihre aus dem Osten stammende Haushaltshilfe rüber.
Etwas krass fand ich allerdings, wie sie die Frau bezeichnet hat.
Im gesamten Gespräch nannte die Kundin ihre Haushaltshilfe mehrmals und ausschließlich "Die Polin."
Was ist eigentlich ekeliger? Wenn ein (angetrunkener und ziemlich heruntergekommener) Flaschensammler den in einem seiner Funstücke befindlichen Rest austrinkt – oder wenn der gleiche Mann sich aus dem Aschenbecher vor der Tür eine fremde, nicht ausgedrückte Zigarette nimmt und diese weiterraucht?
Da lässt man um knapp 0:15 Uhr eine Kundin aus dem Laden und schon drängelt sich ein Pärchen durch die offenstehende Tür. Meinen Protest und den dezenten Hinweis auf die Uhrzeit quittierte er mit einem "Jaa, jaa..." – ich musste mich etwas zusammenreißen, ihm nicht meine gründliche Meinung zu sagen.
Nachdem sie ihre drei Teile bezahlt hatten und ich sie rausließ, gingen sie wortlos. Meinen Gruß erwiederten sie nicht und auch ein Dankeschön dafür, dass wir unseren Feierabend um weitere fünf Minuten verschoben haben, kam nicht.
Was soll man davon halten, wenn einem ein Kunde ganz stolz erzählt, was er in einem Haushaltswarengeschäft in der Innenstadt schon alles hat mitgehen lassen?