19:07 Uhr: SMS von Fielmann, meine Brille ist fertig.
Leider macht die Filiale hier an der Ecke um 19 Uhr zu.
Einer älteren Kundin fielen vor dem Leergutautomaten ständig ihre Flaschen zu Boden. Irgendwann guckte ich nach und beobachtete, dass sie die immer nur hektisch bis maximal zur Hälfte in die Öffnung steckte. Ein Großteil der Flaschen fiel dann, bedingt durch die Gravitation, einfach vorne wieder aus dem Automaten.
Dass manche Leute Sorge habe, weit in das Gerät zu fassen, habe ich hier ja nun schon häufiger erwähnt. Aber diese Kundin hatte schon Angst, dass ihr der böse Leergutautomat schon bei der kleinsten Annäherung die Hand abhacken würde.
Tzz...
Vor genau einer Woche stellte ich mir die Frage "
Was nun?"
Am nächsten Tag war der alte Mann wieder hier und ich sprach ihn auf die Vorkomnisse an. Er entschuldigte sich und versprach mir in die Hand, dass er nie wieder etwas klauen würde und auch meinen Vorschlag, ab sofort sogar einen roten Korb zu verwenden, um irgendwelche Missverständnisse grundsätzlich vermeiden zu können, akzeptierte er.
Eben war er wieder hier. Zufällig beobachtete ich, wie er den Laden betrat und da ich sowieso am Computer arbeiten musste, zog ich das Bild der Videoanlage auf den anderen Monitor und guckte dem alten Mann mit einem Auge zu.
Er nahm sich tatsächlich einen roten Einkaufskorb, füllte diesen auch mit Ware. An einer etwas abgelegeneren Stelle hier im Laden, aber genau im Sichtfeld einer der Kameras, stopfte er sich ein Glas hochwertige Konfitüre in die hintere Hosentasche.
Oh, Mann. Auch wenn ich mal irgendwann beschlossen habe, ihn gewähren zu lassen – wenn man es nicht nur ahnt, sondern auch
weiß, dass man beklaut wird, ist es nicht mehr mal eben zu ignorieren.
Nach zäher Diskussion an der Kasse, ich dachte zeitweise, dass er mir vor allen anwesenden Kunden seinen Stock rüberziehen würde, packte er das Glas wieder aus. "
Das habe ich versehentlich dort reingesteckt und dann vergessen." erklärte er.
Das glaubte ihm niemand.
Es reicht. Nun hat er endgültig Hausverbot. Übler als den Diebstahl nehme ich ihm übrigens das gebrochene Versprechen.
Eine Kundin hatte ihr bei Rossmann gekauftes Toilettenpapier hier an der Kasse vergessen und rief, als sie den Verlust bemerkte, von zu Hause aus an, damit wir das Paket sicher für sie aufbewahren können. Klar, kein Problem. Machen wir doch.
Was mir erst später auffiel:
5lagig. Wow.
"
Gut festhalten!", ermahnte die junge Mutter ihren etwa vier- oder fünfjährigen Nachwuchs vor dem Eierregal. "
Wenn du die fallen lässt, sind sie kaputt."
Muss ich noch weiterschreiben?
Wenn ich so die Smileys in den Beiträgen sehe, dann frage ich mich wirklich, wie alt der Verfasser wohl ist?
Lautete
dieser Kommentar.
Ich denke, die Verwendung von Smileys hat nun wirklich nichts mit dem Alter eines Autoren zu tun. Sie gehören meiner Meinung nach zur Netzwelt einfach dazu, allerdings gibt es drei wesentliche Gruppen von –öhm– "Anwendern":
Gruppe 1, Massenverwender: Geradezu inflationäre Smileyverwendung auf privaten
Websites Homepages, in E-Mails und in Forenbeiträgen. Alles ist bunt und flackerig. Immer beliebter dabei sind Bildchen mit (deutlich) mehr als 100 Pixeln Bildbreite.
Gruppe 2, Gewohnheitsverwender: Hinter
jedem Text, Absatz oder sogar Satz wird prinzipiell ein einzelner Smiley platziert. Sinn und Zweck sind nicht zu erkennen.
Gruppe 3, Emotionenausdrücker: Mit dem Smiley wird das Gefühl übermittelt, das der Autor beim Schreiben eines Textes hatte oder eine Aussage, die möglicherweise missverstanden werden kann, in eine bestimmte Bahn gelenkt.
Zur letzten Gruppe zähle ich mich. Und jetzt guckt euch doch einfach nochmal die letzten Beiträge hier im Blog an und urteilt selber.
In meinem Markt in Findorff haben wir einen kleinen Fahrradständer aus dem Baumarkt. Das Ding stellen wir dort jeden Morgen vor den Laden und holen den Ständer zum Feierabend wieder herein.
Nun hat jemand sein Fahrrad an den Fahrradständer
angeschlossen, befindet sich aber nicht mehr als Kunde im Laden. Da das Risiko, dass der Fahrradständer gestohlen wird, zu groß ist, steht der Ständer nun mitsamt Fahrrad im Laden, Unmittelbar hinter der Tür, damit der Besitzer des Rades sieht, dass es nicht abhanden gekommen ist.
Nicht, dass es zur Gewohnheit wird, auf diese Weise nachts einen sicheren Standplatz für das Fahrrad zu bekommen.
Laut den Arbeitsverträgen sind die Gehälter bis spätestens "1. des Folgemonats" zu zahlen. Meistens schaffe ich es inzwischen
deutlich früher, der Rekord lag mal beim 21. des Vormonats.
Nun ist der 24. und meine Leute fangen doch tatsächlich an zu drängeln. Verwöhnte Bagage.
Ein Typ, gerade mal zehn Tage älter als ich, betrat den Laden. Erster Gedanke: Verdächtige Person, irgendwie wirkte er so. Aber er ging mit seiner Tasche in der Hand zunächst zielstrebig nach hinten. "Der will nur Leergut abgeben", dachte ich noch. Da drehte er um und ging in den Kaffeegang.
Sofort eilte ich ins Büro, aber da war der Mann tatsächlich schon auf dem Weg zur Leergutannahme. Aber warum hat er den Umweg genommen? Ich sah mir schnell die Videoaufzeichnung an: Bingo. Ein Glas Instantkaffee (sind ja nicht alle Sorten in der Vitrine) hat er im Vorbeigehen aus dem Regal genommen und sich in die Innentasche seiner Jacke gesteckt.
Nachdem er seine Flaschen in den Automaten gesteckt hatte, ging er zur Kasse, legte den Leergutbon auf den Tisch und ließ sich sein Geld auszahlen.
In dem Moment kam ich dazu, und gaaaaanz zufällig fiel ihm in dem Moment ein, dass er ja noch eine Packung Kaffee dabei hat und nur vergessen hat, diese zu bezahlen. Ich glaubte ihm kein Wort. Die anwesenden Kollegen glaubten ihm kein Wort und auch die Polizei glaubte ihm kein Wort. Komisch, dabei war die Geschichte doch so glaubwürdig.
Aber er glänzte mal wieder mit dem typischen Ladendieb-Halbwissen, das uns hier schon so oft in solchen Situationen begegnet ist: "
Ich habe keinen Diebstahl begangen, ich war noch nicht aus dem Laden, ich war noch an der Kasse..." Und so weiter und bla, bla, bla...
Mit der Post kam ein kleines Päckchen. Der Inhalt: Eine Schachtel "Lucky Strike", die ich gewonnen habe. Nur wieso? Und ausgerechnet ich?
Nee, nee, so leicht bekommt man mich nicht. Ich werde die nicht probequalmen und mich der Sucht hingeben.
...ist nächste Woche unser Außendienstmitarbeiter bei Ihnen in der Nähe und ich würde gerne einen Termin vereinbaren, damit er Ihnen auch einmal unser interessantes Angebot vorstellen kann.
Ich bedankte mich, lehnte jedoch ab. Hier ist schon jeder Millimeter genutzt und "fertig verpackte Präsente" sind nicht so bedeutend, dass ich dafür irgendetwas anderes aus dem Sortiment verbannen würde.
Oh, warum nicht, wenn ich fragen darf?
Kein Platz.
Da empfehle ich Ihnen das Gespräch mit unserem Mitarbeiter. Der hat schon so viele Märkte gesehen und findet eigentlich immer eine passende Fläche...
Das erzählt erstaunlicherweise
jeder. "Wir finden schon einen Platz." heißt es und dann soll ich irgendeinen Ausfsteller und ein kleines ("ganz schmal, sehen Sie!") Regal am besten mitten in den Gang unmittelbar vor die Kasse stellen. Voll ist voll. Punkt.
Eine Kundin wollte wissen, ob ich ihr eine "Kleingeldsammlung" eintauschen könnte. "
Könen Sie doch immer gebrauchen?"
Können wir, sicher. Und noch bevor ich wusste, was mich erwartete, schlug ich vor, das Kleingeld auf dem Deckel einer meiner Tiefkühltruhen zu sortieren. Die benutze ich sehr gerne als Arbeitsfläche, da sie groß sind, eine angenehme Höhe haben und freie Sicht in den Laden bieten.
Keine zwei Minuten, ich kam gerade mit zwei Zählbrettern aus dem Büro, türmte sich ein knapp zehn Zentimeter hoher Schüttkegel aus den verschiedenen Euro- und Centmünzen auf. Das Kupfergeld hatte den deutlich größten Anteil.
Nachdem alles wegsortiert war, wurde auch klar, was in der Sammlung auch einen großen Anteil hatte: Staub, Haare, eine Büroklammer, Krümel und etliche einzelne unbenutze Heftklammern...
Ein Kunde wollte wissen, ob wir eventuell ein Überbrückungskabel hätten. Seine Batterie vom Auto ist leer und ein Kabel würde ihm schon reichen.
Kein Problem, hab' ich im Auto...
...das doch dummerweise gerade zur
Inspektion ist. Sorry.
Natürlich freut man sich über jeden Kunden, der einen in seinem Laden besucht. Die Konkurrenz ist vielfältig und gerade in den Städten hat man meistens mehrere Lebensmittelgeschäfte in leicht erreichbarer Nähe. Da ist es nicht selbstverständlich, dass der Kunde regelmäßig gerade zu einem Laden geht und daher beißt man mitunter schonmal in den sauren Apfel und lässt sich einiges von den Kunden gefallen. Man kennt das ja: Der Kunde ist König. Natürlich, gerne. Das ist unser Geschäft hier, Kunden zufriedenzustellen.
Aber wieviel muss und möchte man sich gefallen lassen?
Am Samstag Abend war ein Kunde hier im Laden, der bei und schon dafür bekannt (und berüchtigt) ist, dass er immer "auf den letzten Drücker" kommt. Es war bereits 0:05 Uhr und der Laden schon geschlossen. Die letzten Kunden standen schon an der Kasse, während er noch in aller Ruhe die Verpackungen von Waschmittel studierte.
Einen Kollegen schickte ich zu ihm, um die Nachricht zu überbringen, sich nicht nur etwas zu beeilen, da mein Mitarbeiter an der Kasse gerne Feierabend machen möchte. Wir wussten, was uns blühen konnte. Zu Rekordzeiten hat er umständlich seinen Einkauf fein säuberlich auf das Kassenband gestapelt, hinterher alles wieder ordentlich in den Wagen zurück und schließlich in aller Ruhe alles in den Einkaufstaschen verstauen. Wir hatten es tatsächlich schonmal geschafft, diesen Kunden erst um deutlich nach halb Eins rauslassen zu können.
Diesmal hatte das Einpacken nur rund eine Viertelstunde gedauert. Aber am Ausgang die nächste Überraschung: Das "Taxi" in Form seiner Frau würde erst in einer halben Stunde hier sein können und aufgrund der Witterung würde er gerne im Laden warten.
Dass manchen Leuten in so einem Moment ein einfaches "Nein, das geht leider nicht." nicht ausreicht. Warum muss darüber eine Diskussion mit einem meiner Mitarbeiter ausbrechen? Nach einigen Minuten gesellte ich mich dazu, erzählte, dass wir jetzt gerne selber Feierabend machen würden und dass ich ihn deshalb jetzt vor die Tür setzen müsse. Das wirkte.
Finsteres Unverständnis, ehrlich.