Es ist einfach nur dreist, sich aus der Box mit den Futterspenden für das Tierheim zu bedienen und dann noch seelenruhig mit den Worten "meine Nachbarin hat eine Katze aber nicht so viel Geld" weiterzugehen.
Leider hat mir das nur eine Kundin mitgeteilt, die dies eben mit einer älteren Dame Tierfutterdiebin erlebt hat.
Piep, piep, piep..!, machte es gerade mal wieder an der Kasse.
Eine Kundin, die "zum ersten Mal hier einkauft", hatte ein paar Dinge in ihrem Stoffbeutel, die allesamt aus meinem Laden stammen konnten. Unter anderem auch ein paar Schreibwaren, ein Hefter incl. Heftklammern. An diesen Dingen klebten unsere Sicherungsetiketten. Als sie einsah, daß sie überführt war, änderte sie ihre Aussage, daß die Dinge von Karstadt stammen würden in ein "die Sachen sind von Ihnen".
Entweder konnte sie gut schauspielen oder sie war wirklich sehr betroffen. Vielleicht war's auch der Schreck, tatsächlich einmal beim Diebstahl erwischt worden zu sein - sie wirkte jedenfalls ziemlich fertig und bedrückt. Ich habe ihr deshalb den Auftritt der Polizei erspart, zumal ich keine Lust und Zeit hatte, zu warten. Eine Anzeige bekommt die Frau aber dennoch.
Eigentlich wollte ich mich kurz vor 18 Uhr gemütlich auf meinen Feierabend vorbereiten, als noch ein kaputter Typ eine Flasche Alkohol klauen wollte. Der Versuch, ihn aufzuhalten, endete in einer recht lautstarken Auseinandersetzung, bei der ihm neben dem Wodka-Mix noch ein paar Packungen Wurst aus der Jacke fielen.
Nach einem mittleren Handgemenge im Eingangsbereich vor ca. 15 Kunden folgte er mir ins Lager. Nachdem ich ihm seine mitgebrachte Halbliter-Flasche Kümmerling nach einer weiteren Auseinandersetzung wieder ausgehändigt hatte, blieb er tatsächlich ganz friedlich auf meiner Bürotreppe sitzen und kippte sich die restlichen 2/3 der Flasche in die Figur. Das schaffte er innerhalb der knappen Viertelstunde, die wir auf die Polizei warteten.
Er hatte keinen Ausweis und auch keine sonstigen Papiere dabei, so daß er erstmal mit zur Wache mußte.
Und nun wünsche ich mir, daß der Rest des Abends gemütlich verläuft.
Er war sichtlich nervös, aber hat sich seine Tasche dennoch gut gefüllt. Immer, wenn gerade kein Mitkunde im Gang stand, stopfte er Milch, Joghurt, Pudding, Cornflakes etc. in seinen mitgeführten Rucksack. An der Kasse löste er lediglich seinen Pfandzettel ein und wollte gerade das Geschäft verlassen, als ich ihn ansprach und mit ihm und einem weiteren Kollegen als Zeugen ins Lager ging.
Dort folgte das übliche Programm: Der obligatorische Anruf bei der Polizei und meinen Standardtext: "Ich werde Sie wegen Ladendiebstahls anzeigen. Desweiteren haben Sie hier Hausverbot für alle Zeiten. Haben Sie einen Ausweis dabei?"
Er hatte tatsächlich nur ein paar Lebensmittel im Wert von gut 11 Euro in der Tasche und gab zu, daß er nur etwas zu Essen haben wollte und auch nichts zum Weiterverkaufen oder Alkohol.
Diebstahl bleibt Diebstahl. Er beklaut mich persönlich und nicht irgendeinen großen Konzern.
Trotzdem haben wir ihm ein paar Infos und die Adresse der Bremer Tafel ausgedruckt, mit dem Hinweis, daß er dort umsonst Lebensmittel bekommen kann.
Es war übrigens sein 186. Vorfall, den die Polizei aufnahm.
Da steht einer unserer roten Einkaufskörbe auf dem Fußboden vor dem Spirituosenregal. Darin liegt nur quer, wie eine Abdeckung, eine Tageszeitung und es ist kein Kunde in Sicht, dem der Korb gehören könnte.
Manche meinen, ich sehe Gespenster. Aber: Wetten, daß da jemand Alkohol klauen wollte?
Die Polizei ist gerade weg und langsam senkt sich der Adrenalinspiegel wieder.
Kurz nach 8 Uhr stand ich mit einer Kollegin im Lager, blickte zufällig in den Laden und sah, wie eine Frau mittleren Alters mit hagerer Statur zum Regal mit den Körperpflegeprodukten ging. Ich lief sofort ins Büro und beobachtete sie über die Videoanlage. Sie nahm eine Packung Haftcreme aus dem Regal und ging nach vorne.
So weit wirkte das alles recht normal, aber trotzdem machte ich mich ebenfalls auf den Weg zur Kasse. Auf halber Strecke hörte ich schon unsere Warensicherungsanlage lärmen. Ich bat die Frau, mit ins Lager zu kommen, wo ich ihre Personalien aufnahm. Erstaunlicherweise haben wir nur eine knappe halbe Stunde auf die Polizei gewartet, trotz des starken Schneefalls (und darauf folgenden Unfällen).
Die Ladendiebin beteuerte, daß sie noch nie geklaut hätte, die Haftcreme wäre für ihre arme Oma und wenn diese nicht so dringend auf ihr Gebiß angewiesen wäre, wäre das nie passiert, und sie versteht das gar nicht und ich soll doch einfach ihre Personalien aufschreiben und sie dann gehen lassen. Personalien aufschreiben... gar nicht so leicht, wenn man nur die Fotokopie einer Krankschreibung ("gelber Schein") vom Arzt hat. Ohne Ausweis geht hier gar nichts.
Die Polizei verifizierte ihre Angaben dann schließlich. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, daß das alles richtig ist. Nur in einer Angabe hat sie ein bißchen geschwindelt: Das war nicht der erste Fall, sondern mindestens der zweiundvierzigste.
Hmm... Haftcreme - DAS hätten sie mal wörtlich nehmen sollen.
Eben hat's wieder Alarm gemacht. Eine Stammkundin löste diesen aus. Ich habe also meinen beliebten Handchecker geholt (siehe ein paar Einträge weiter unten) und wollte der Sache auf den Grund gehen. Sie war absolut unkooperativ, hat dauernd versucht, die Schuld auf das Handy oder einen Fehler in der Anlage zu schieben und hat mich letztenendes vor allen Kunden angeschrien, sie hätte nichts eingesteckt uns sie müsse nach Hause. Ich habe sie dann einfach stehengelassen, um die Stimmung nicht weiter aufzuheizen.
Und sie hat geklaut, jede Wette. Ich merke das. Man bekommt im Laufe der Jahre ein unglaubliches Gespür für sowas.
Post von der Staatsanwaltschaft Bremen:
Das Verfahren gegen Herrn Andreas A.(*) kann nicht fortgeführt werden, weil der Aufenthaltsort des Beschuldigten nicht ermittelt werden kann.
Mal Abwarten. Die 2,58€, Wert der gestohlenen Ware, würden sowieso keine nennenswerten Folgen für Herrn A. verursachen.