Guten Tag, mein Name ist Frau Meiermüllerschulz. Ich habe ihre Anzeige gelesen und wollte mal fragen, ob die Stelle noch frei ist.
Ja, die ist noch frei. Ich habe zwar bislang schon ein paar interessante Bewerbungen bekommen, aber generell ist die Stelle noch nicht besetzt.
Wieviel zahlen Sie denn?
Da ich das nicht genau einschätzen konnte, hatte ich in der Anzeige geschrieben, dass man sich bitte mit einem Gehaltswunsch bei mir bewerben soll. Wieviel möchten Sie denn haben?
Jaaa, soooo.... 1200 Euro müsste ich haben.
Ihnen ist aber klar, dass es sich dabei um Nachtarbeit handelt.
Hin und wieder ist das gar kein Problem für mich.
Neinein, es geht NUR um Nachtschicht. Ohne Diskussion.
Achso, ja, ist aber kein Problem für mich. Ich bin ein Nachtmensch. Ist es schlimm, dass ich noch nie in einem Supermarkt gearbeitet habe?
Nein, das macht nichts. Ich suche nur eben eine Verkäuferin, damit der Umgang mit Geld und Kunden an der Kasse vertraut ist. Was haben Sie denn bisher gemacht? Bäckerei oder Getränkemarkt?
Ich bin gelernte Altenpflegerin und möchte mich neu orientieren.
Anruferin: "Ich habe bei bremen.de gelesen, dass sie eine Aushilfe für hauptsächlich nachts suchen."
Ich: "Nein, ich suche jemanden für eine Festanstellung und NUR für nachts."
Anruferin: "Okay, dann hat sich das erledigt und danke für Ihre Freundlichkeit." [KLICK]
Man wird echt müde, sich mit Leuten herumzuschlagen, die nichtmal in der Lage sind, den Anzeigentext zu verstehen. Ich suche einen qualifizierten Mitarbeiter für eine Vollzeitstelle und ich bekomme in einer Tour Anfragen von leuten, die auch mal tagsüber arbeiten wollen, nur einen Nebenjob suchen oder nichtmal vom Fach sind.
Ein junger Mann, der an meiner ausgeschriebenen Stelle Interesse hat, war vorhin hier und hat sich persönlich vorgestellt. Ich glaube, er war etwas nervös. Jedenfalls hat er das Gespräch mit "Ich rufe an wegen der Stelle..." begonnen.
Nett war er jedenfalls und ist damit gleich in meiner persönlichen engeren Auswahl gelandet.
Ich habe ja generell ein Problem damit, wenn Leute sich an fremdem Eigentum vergreifen. Bei (fertig zubereitetem) Essen scheint die Hemmschwelle noch deutlich tiefer zu liegen. Ich habe mir gerade eben ein paar marinierte Fleischstücke im Ofen zubereitet. Mit den Worten "Das riecht aber lecker, ich nehme mir mal eins" hat sich eben eine Kollegin ohne meine Zustimmung abzuwarten eines der fünf kleinen Teile aus dem Ofen geangelt.
Da mir mein Magen knurrt und sie sich ungefragt bedient hat, reagierte ich entsprechend sauer. Vor Schreck hat sie das marinierte Teil auch noch in den Dreck fallen lassen und bevor ich reagieren konnte aufgehoben und wieder auf das Blech mit den anderen Teilen gelegt.
"Welche/r gelernte Verkäufer/in oder Einzelhandelskaufmann /-kauffrau"
Ich gebe ja zu, dass diese wunderbar AGG-konforme Formulierung etwas wirr klingt. Aber warum meldet sich ausgerechnet ein junger Handwerker, der noch nie kassiert hat?!?
Ein Azubi weniger, aber keinen Mitarbeiter weniger: Gestern Abend hat der zweite Auszubildende in diesem Jahr seine Prüfung bestanden.
Dickes Lob auch in diesem Fall wieder an meine Mitarbeiterin Romy, die sich einen großen Teil um ihn gekümmert hat. Gut gemacht.
Seit gestern habe ich übrigens eine Auszubildende weniger. Zum Glück "nur" deshalb, weil sie erfolgreich ihre Abschlussprüfung bestanden hat.
Unser Verdienst war's diesmal allerdings eher nicht, da sie nur die letzten vier Monate ihrer Ausbildung hier verbracht hat. Viel gab es daher nicht mehr beizubringen, aber trotzdem freue ich mich natürlich darüber sehr.
Eine Bewerberin, die sogar ein Fachabitur vorweisen kann, sucht einen Ausbildungsplatz zur Fleischereifachverkäuferin. Ich dachte schon, dass mein Werdegang, nach der FOT eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel zu machen, ungewöhnlich ist.
Nehmen werde ich sie jedoch nicht. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass ich nicht zur Fleischereifachverkäuferin ausbilden kann. Abgesehen davon hätte die gute Frau wahrscheinlich woanders auch keine deutlich besseren Chancen gehabt: Nur ein Anschreiben und ein Lebenslauf ohne Foto und Unterschriften, schief auf DIN-lang gefaltet, machen keinen sonderlich guten Eindruck.
Ich weiß, ich wiederhole mich – aber, liebe Kollegen, es muss doch nun wirklich nicht sein, dass eine ganze Reihe von mit Pappe gefüllten Einkaufswagen im Laden steht und den Zugang zu den Tiefkühlschränken blockiert.
Meine Kassiererin rief mich über die interne Leitung an:
Ich brauche mal eben einen Preis für...
Dreineununddreißig.
Nach kurzer Pause:
Ähhh... Bitte?
Drei Euro neununddreißig.
Nach kurzer Pause:
Ähhh... Danke.
Als ich mich nochmal im Büro umdrehte, sah ich, wie die Kundin, die den Artikel kaufen wollte, zur Videokamera blickte und meine Kassiererin gerade mit der Hand in "meine" Richtung zeigte.
Da wurde mir überhaupt erst bewusst, warum sie so irritiert war: Ich nannte ihr am Telefon den Preis für die Ware, obwohl sie mir noch gar nicht gesagt hatte, um welchen Artikel es sich dabei überhaupt handelte. Brauchte sie auch nicht, da ich ihn über die Kamera identifizieren konnte...
Das wird heute wohl ein hektischer Abend werden: Eine Kollegin kann nicht kommen, da ihr Kind krankgeworden ist und es ließ sich kurzfristig auch kein Ersatz mehr beschaffen. So bin ich ab 18 Uhr mit meiner Auszubildenden ganz alleine hier im Laden.