Eine Kundin stapelte aus ihrem recht gut gefüllten Einkaufswagen eine beachtliche Menge Waren auf das Förderband an der Kasse. Hinter ihr stand ein Kunde, der nur eine Tageszeitung in der Hand hielt. Plötzlich hatte der Kunde eine nicht sehr abwegige Idee: "Darf ich schnell vor? Ich habe nur den Weser-Kurier hier."
Die Kundin, die ganz offensichtlich noch mehr auszupacken hatte, erlaubte es ihm.
Nachdem sie ihren Wagen leer hatte, stand schließlich selber noch eine Weile herum und beobachtete mit mir zusammen, wie der Zeitungskäufer umständlich sämtliche Taschen nach Kleingeld durchforstete, bis er die passende Summe zusammen hatte.
Bericht einer Kollegin: Über ein Regal hinweg hörte sie aus dem Nebengang, wie eine Frau zu ihrem männlichen Begleiter sagte: "
Hast du gepupst?"
Keine Antwort, aber als sich quasi in der selben Sekunde die Blicke aller im Hauptgang trafen, grinste er nur verlegen: "
Alleine die Frage schon..."
Haha, ertappt.
Kaum zu glauben: Einer Stammkundin, die ich gefühlt mindestens einmal pro Woche hier im Laden sehe, war der Leergutautomat nach rund 2,5 Jahren tatsächlich noch gänzlich unbekannt.
Stand an der Lagertür, drückte auf die Klingel und hielt mir schließlich zwei Glas-Limoflaschen entgegen. Dass Neukunden den Automaten nicht wahrnehmen, da er baulich doch etwas zurückliegt, ist verständlich. Aber bei einer so regelmäßigen Kunden irritiert mich das doch nun durchaus.
"
Ich finde hier ja gar nichts mehr wieder, hier ist ja alles umgebaut!", beklagte sich eine Kundin mittleren Alters.
"
Dann waren Sie aber schon länger nicht hier."
"
Ein paar Monate könnten das sein, ja."
"
Och, naja, die Tiefkühltruhen stehen hier jetzt seit etwa fünf Jahren schon so."
"
Sie brauchen gar nicht so zu lügen oder mich für dumm zu verkaufen. Ich habe meine Sinne noch beisammen und das steht hier mit Sicherheit noch keine fünf Jahre
so!"
Diskussion zwecklos. Aber:
I have proof!
Im Gespräch mit einer Kundin vor der Vegan-Vitrine. Während ich den Schlüssel holte, hatte die junge Dame aber bereit schon "ihr" Produkt außerhalb der Vitrine im Kühlregal entdeckt.
Warum sind denn nicht alle eingeschlossen?
Wir haben nur die weggeschlossen, die am meisten geklaut wurden. Also vor allem die Produkte von Wheaty.
Achso. Ich hätte diese hier geklaut.
Grinste und ging zur Kasse.
Ein Besucher der umliegenden "Treffpunkte" wollte eben um kurz vor halb noch in den Laden. Ich ließ gerade einen Kollegen raus, als sich der Heranwachsende durch die Tür drängen wollte.
Die entsprechende Reaktion folgte prompt: Mit ausgestreckter flacher Hand untermauerte seine Flüche und Beleidigungen und die Frage, was "so ein Scheiß" soll. Ohmann...
Gibt es momentan von allen Prepaid-Anbietern eine Aktion, dass man beim heutigen Aufladen irgendwelche Freiminuten bekommt? Oder hat's einfach nur Geld gegeben? Oder welchen Grund könnte es noch geben, dass ich heute auffällig (weil extrem überdurchschnittlich) viele Guthabenkarten an die Kasse schleppe?!?
Lieber kicken als bücken:
In einem Gang lag eine Packung Tennissocken, die einem Kunden aus dem Strumpfregal geplumpst waren. Noch bevor sich einer meiner Mitarbeiter darum kümmern konnte, kam eine Stammkundin vorbei. Vor dem Sockenbündel blieb sie stehen, sah herunter, zögerte kurz – und kickte die Ware seitlich unter das nächste Regal.
Bei solchen Leuten möchte man die Monarchie abschaffen.
Zwei Männer standen an der Kasse. Einer trug einen Rucksack auf dem Rücken, der andere hielt einen prall gefüllten Leinenbeutel in der Hand.
Plötzlich sagte der mit dem Leinenbeutel zu seinem Begleiter: "Geh doch einfach so durch, das sieht die nicht!"
Meine Kassiererin sah und hörte sehr wohl und sah nicht nur auf, sondern sorgte für eindringlichen Blickkontakt. Ein Rucksack wurde abgesetzt und etliche Bierflaschen fanden den Weg auf den Kassentisch: "Dann zahle ich doch lieber." – was meine Mitarbeiterin mit einem knappen "Besser ist das!" quittierte.
Bleibt die Frage offen, ob die beiden wirklich nur "Spaß" (Ist ja immer im Auge des Betrachters...) machten oder durchaus ernsthaft versucht hätten, die Ware zu klauen.
Drei junge Frauen lachten und kicherten vor dem Regal mit den Produkten zur Damenhygiene. Dabei namen sie mal dieses, mal jenes Produkt zur Hand – offenbar waren die Artikel schon Bestandteil der Gesprächsrunde.
Wären sie jeweils rund zehn Jahre jünger gewesen, hätte ich das Herumgealbere ja verstehen können. Aber so?!?
Ein Stammkunde kam an die Lagertür und hielt mir eine Packung fertig geschnittenen Salat aus der Kühltruhe in der Gemüseabteilung vor die Nase. In dem Salat befand sich u.a. ein hartgekochtes halbes Ei.
Mit bierernster Mine und ebensolchem Tonfall sprach er mich an: "
Können Sie mir sagen, ob das Ei von freilaufenden Hühnern oder aus Käfighaltung stammt?"
Sein Gesichtsausdruck wechselte zum Glück noch zu einem herzhaften Lachen, bevor ich überhaupt einen
bösen konkreten Gedanken dazu fassen konnte.
Leider erst entdeckt, als die Kunden schon an der Kasse stand und ihre Waren bezahlte. In aller Seelenruhe führte sie ihren jungen Hund an einer Leine hier im Laden spazieren, während sie ihren Einkauf erledigte. Als wäre es vollkommen normal, seinen Hund mit in den Supermarkt zu führen. Aber wenigstens hat Bello nicht auch noch irgendwo sein Beinchen gehoben...
Gespräch mit einer Kundin vor der Vegan-Vitrine:
Warum ist denn das eingeschlossen?
Weil's dauernd geklaut wurde.
Echt? Geklaut? Ich meine, das isst doch niemand. Also ich schon, aber sonst..
Hrhr.
Mit dem schnurlosen Telefon am Ohr ging ich quer durch den Laden, als mich plötzlich ein Kunde ansprach: "
Mir ist da ein Glas Honig runtergefallen."
Ich nickte, sagte leise "ist okay" und wollte gerade weitergehen, als der Kunde noch einmal lauter ein Ansinnen wiederholte und mir dabei auch die vollständingen Informationen lieferte: Genauen Ort des Geschehens und was kaputtgegangen war.
"
Kein Problem, ich mache das weg", erklärte ich, nickte dabei noch deutlich mit dem Kopf und versuchte wieder, der Anruferin zuzuhören, die mir gerade ihre Liefer- und Zahlungsbedingungen erläuterte.
Leider verstand ich in dem Moment schon gar nicht mehr, was sie sagte, denn der Kunde redete schon wieder auf mich ein. Diesmal lauter und noch eindringlicher, die Parallele
zu diesem Erlebnis fiel mir erst gerade beim Schreiben dieses Beitrags auf.
Parallel war übrigens auch mein Verhalten. Ich sag's mal so: Bin gespannt, ob der Kunde noch einmal wiederkommt. Seine Sachen hatte er eben jedenfalls noch bezahlt.