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Ragout Fin

Eine Kundin suchte Ragout Fin. "Etwas Gutes" wollte sie haben, da es für ihre Geburtstagsgäste sein sollte. Meine Mitarbeiterin zeigte ihr die unterschiedlichen Sorten: Von einem Hersteller mit reinem Kalbsfleisch, von anderen Herstellern (zum deutlich günstigeren Preis) mit einem Mix aus Geflügel- und sehr wenig Kalbsfleisch.

Nach kurzer Beratung stapelte sich die Frau vier Konservendosen zum Preis von jeweils rund sechs Euro in ihren Einkaufskorb. "Soll ja schon was Gutes sein, was ich meinen Gästen zum Fünfzigsten hier anbiete."

Das war aber wohl doch mehr eine Ausrede, weil sie nicht zugeben wollte, dass ihr die Sorte zu teuer war. Die vier Dosen fanden wir nämlich später dort im Regal, wo die günstigeren Ragouts stehen.

Staudensellerie

Eine Kundin wollte Staudensellerie kaufen. Da dieser ausverkauft war, fragte sie eine meiner Mitarbeiterinnen:
Haben Sie noch Staudensellerie?

Wenn da keiner mehr liegt, dann leider nicht.

Können Sie mal hinten gucken?

Da brauche ich nicht zu gucken, da ist nichts.

Gehen Sie doch mal gucken. Vielleicht ist da ja welcher im Lager.

Ich brauche nicht ins Lager zu laufen. Da ist keiner!

Für eine Kundin könnten Sie sich die Mühe ja wohl mal machen.

Würde ich auch glatt tun, wenn ich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit wüsste, dass da keine sind!

Ja, dann eben nicht…
…sprach's und zog beleidigt ab.

Fachabteilung

Ein Kunde wollte folgendes wissen:
Wo ist denn hier die Eiswürfelabteilung?
Ich zeigte ihm dann, in welcher Tiefkühltruhe wir hier die Eiswürfel und Crushed Ice liegen haben. :-)

Müllentsorgung

Ein Mann betrat mit einem Rucksack auf dem Rücken den Laden und steuerte direkt auf den Leergutautomaten zu. Dieses Verhalten war relativ normal, offensichtlich wollte er sein im Rucksack mitgebrachtes Leergut entsorgen.

Aber weit gefehlt.

Vor dem Leergutautomaten blieb er stehen, nahm den Rucksack ab, öffnete ihn, nahm eine zusammengeknotete Kunststofftragetasche voller leerer Gläser und Küchen-/Haushaltsabfälle heraus und stopfte diese in den Müllbehälter vor dem Automaten. Dann verschloss er den Rucksack wieder, setzte ihn auf und ging in Richtung Kasse.

Mir war's egal, was er davon hielt, aber ich pfiff ihn zurück und ließ ihn seinen Müll wieder einsammeln – was er auch murrend tat. Geht's noch?!?

HIER will sie arbeiten?!?

Wir hatten ein kleines Problem mit dem Leergutautomaten. Nichts Schlimmes, aber in der Folge mussten wir ihn neu starten und alleine bis die Software hochgefahren ist, dauerte es ein paar Minuten. Also war hier an der Leergutannahme für eine knappe Viertelstunde die klassische Handarbeit angesagt.

Eine Kundin mittleren Alters machte dabei einen Aufstand sondergleichen. Wenn wir die Sachen von Hand annehmen würden, könnte sie das ja nicht kontrollieren und man weiß ja nie, was dabei so passiert. Sie hat es nicht direkt so ausgedrückt aber ihre Wortwahl ließ schon erahnen, dass sie davon ausging, dass wir sie dabei bescheißen würden.

Meine Mitarbeiterin konterte: "Dann haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder, Sie packen das alles selber aus und stapeln die Flaschen mal eben ordentlich hier in den Einkaufswagen, damit wir das zusammen durchzählen können – oder Sie kommen dann zurück, wenn der Automat wieder funktionsfähig ist."

Auf einmal waren wir wohl doch vertrauenswürdig: "Nee, nee, das geht schon so.".
Meine Kollegin nahm die Flaschen von Hand an und als sie der Kundin den Leergutbon in die Hand drückte, wurde diese plötzlich superfreundlich und wollte wissen, ob wir noch Mitarbeiter suchen würden. Sie sei nämlich gelernte Einzelhandelskauffrau und derzeit auf Jobsuche.

Klar, erst unterstellt sie, dass wir sie betrügen würden und dann fragte sie hier nach einem Arbeitsplatz…

Dazu fällt mir nur eins ein:

Tropf, tropf, hurrah!

Als ich durch den Laden ging, bemerkte ich eine rosafarbene Lache auf dem Boden. Es sah aus, wie ausgelaufenes Milchmischgetränk im Plastikbecher, also Müllermilch, bzw. der Eigenmarken-Klon davon. Von dort ausgehend lief eine Spur aus mehr oder weniger dicken Tropfen bis in die Nähe des Kühlregals, dort fand ich einen etwas kleineren Erdbeermilchsee.
Ich kombinierte: Einem Kunden war der Pott heruntergefallen und war etwas aufgeplatzt. Dennoch nahm er ihn mit, allerdings gab es zehn Meter weiter ein erneutes Malheur und ein weiterer Teil des Milchgetränks lief aus.

Aber wo war der Becher?

Nach kurzer Suche fand ich ihn im nahegelegenen Saftregal zwischen den dort platzierten Flaschen. Zum Glück war nicht viel ausgelaufen, nur am Fuß des Bechers war ein rosa Ring zu erkennen. Ich griff nach ihm – und musste in exakt dem Moment feststellen, dass er an der Seite von oben bis unten aufgerissen und dabei dummerweise auch noch halb gefüllt war. Irgendwie hatte der Innendruck des Bechers die Teile am Riss so zusammengepresst und abgedichtet, dass keine weitere Flüssigkeit auslief. Das ging so lange gut, bis der Druck meiner Finger den Becher verformte.

Ich lasse eurer Fantasie freien Lauf, euch die wilden Flüche, die ich während der Reinigung des Saftregals und der darin stehenden Flaschen von mir gegeben habe, vorzustellen. Seid kreativ, sehr kreativ.

Wie kann man so ein kaputtes Gefäß irgendwo in ein Regal stellen? Denken die Leute denn überhaupt nicht nach?!? :-(

Die Alternative

Eine junge Frau kam an die Lagertür und erkundige sich bei einem Kollegen, ob sie mal die "weggeschlossenen Sachen" sehen dürfe. Ohne lange zu überlegen, griff er nach dem Schlüssel für unsere Vegan-Vitrinen:
Einmal vegan, kommt sofort",
grinste er. Sie war irritiert:
"Was hatten Sie verstanden?"

"Na, die veganen Produkte. Die sind bei uns weggeschlossen und ich nehme an, dass Sie die haben wollten",
war seine Antwort. Da klärte sich das Missverständnis auf. Sie hatte nach "weggeworfenen Sachen" gefragt.

Sie wollte doch tatsächlich einen Blick in unseren Müllcontainer werfen. Das war jetzt sozusagen "Containern mit Anklopfen". Mein Mitarbeiter sah mich fragend an, ich zuckte nur mit den Schultern und so zeigte er ihr den Inhalt des Restmüllbehälters.
Sie hatte wohl auf die üblichen Mengen gehofft: Bergeweise verpackte Waren, die im Idealfall das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum höchstens gerade eben überschritten hatten und kistenweise Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. Dem war aber absolut nicht so.
Das Gemüse war bei der Küche für die Obdachlosen gelandet und noch brauchbare Lebensmittel landen hier bei mir schlicht und einfach nicht im Müll.

Sichtlich enttäuscht verließ sie mit hängenden Schultern den Laden. Ich glaube, sie hatte bislang noch nicht erlebt, dass ihr jemand in einem Supermarkt freiwillig den Müllcontainer gezeigt hat und dieser sozusagen vollkommen leer ist.

Hühnerfrikassee oder sowas in der Art

Eine Kundin reklamierte eine (vormals tiefgefrorene) Packung Hühnerfrikassee, weil sich darin ein "ekeliger schwarzer Schimmelfleck" befindet. Da die Packung aufgetaut war, ließ sich der ominöse Fleck recht einfach begutachten und stellte sich als beinahe kreisrunde Scheibe eines Champignons heraus.

"Das ist völlig in Ordnung", sagte ich ihr. "Das ist nur ein etwas dunkleres Stück eines Pilzes."

"In der anderen Packung sind die alle weiß", bekam ich als Antwort.

"Naja, nun… So ist das in der Natur. Pilze wachsen nicht immer so, wie man sich das gerade wünscht und die können auch nunmal einmal etwas heller und dann wieder etwas dunkler ausfallen."

"Aber das ist ekelig."

"Was soll daran ekelig sein? Das ist ein Champignon wie viele andere auch."

"Das kann ich so wohl nicht meinen Gästen anbieten."

Sie nahm eine neue Packung aus der Tiefkühlung in die Hand: "Hier, die mache ich jetzt auf und gucke da rein, bevor ich die mitnehme."

"Und wenn da auch ein dunkler Pilz drin ist, habe ich hier eine aufgerissene Packung liegen, die ich nicht mehr verkaufen kann…"

"Doch, die nehme ich dann auf jeden Fall mit."

"DANN brauchen Sie die gar nicht erst aufzumachen. Streng genommen können Sie dann auch gleich die alte Packung wieder mitnehmen.

Ich hatte keine Lust und Zeit, noch weiter mit der Frau zu diskutieren und habe die aufgetaute Packung gegen eine neue umgetauscht und mir ganz fest vorgenommen, beim nächsten Vorfall dieser Art direkt auf den Hersteller zu verweisen.


Aufgerissen

Ganz unten in dem Müllsack vor dem Leergutautomaten lag eine (pfandlose) Getränkedose. Ein etwa 6-jähriger Junge hatte sie enteckt, kam aber von oben nicht an.

Was macht das Bratzi? Reißt den Sack schlicht und einfach unten auf. Ist ja auch scheißegal, ob der Rest des Inhalts auf den Boden fällt.

Björns REWE-Markt

Ein Kunde betrat mit einem Handy am Ohr den Laden und steuerte direkt auf den Leergutautomaten zu. Aufgeschnappter Gesprächsfetzen im Vorbeigehen:
Du, ich mach jetzt Schluss. Ich bin gerade beim REWE und will mal eben mein Leergut loswerden.
Pah. :-)

Er KANN lesen!

Das Phänomen, dass Schilder und Hinweise prinzipiell nicht gelesen weren, habe ich hier ja nun schon häufiger erläutert. Selbst wenn am Eingang ein großes blinkendes Schild mit lauten Soundeffekten stünde, dass man beim Betreten des Ladens seine Seele und Großmutter verkauft, würde dies niemanden davon abhalten, hier hereinzukommen.

Nun klopfte ein junger Mann zaghaft an der Lagertür. Er hielt mir eine Einkaufstüte mit leeren Getränkedosen vor die Nase und erklärte mir, dass auf dem Display des Automaten "Flaschen bitte mit dem Boden voraus einlegen." steht, er aber lediglich Dosen abgeben möchte.

Man glaubt's kaum. :-)

Wo haben Sie Kartoffeln?

Eine Kundin wollte von mir wissen, wo wir Kartoffeln haben. Ich führte sie brav zur Gemüseabteilung und zeigte ihr unsere bescheidene Auswahl. Sie bedankte und freute sich.

Und ich wundere mich: Obst und Gemüse findet man bei mir hier, wie in den meisten anderen Supermärkten auch, unmittelbar in der Nähe des Eingangs. Man kann die Abteilung gar nicht verfehlen, geschweige denn übersehen. Und in welcher Abteilung werden wohl die Erdäppel stehen, na?

Vooorsicht!!!

Ein reichlich angetrunkener Kunde hatte bereits seinen Biernachschub bezahlt und kam nochmals in den Laden, weil ihm nämlich seiner Meinung nach viel zu viel Geld an der Kasse abgezogen worden sei.
Dem war aber nicht so und hätte er einen etwas geringeren Alkoholpegel gehabt, wäre ihm sicherlich auch aufgefallen, dass er sich am falschen Regaletikett orientierte.

Jede Diskussion war leider zwecklos. Und nicht nur das: Er wurde laut und ausfallend und weil mir das zu blöde war, wollte ich mich umdrehen und ihn einfach alleine im Laden stehen lassen. So merkbefreit, wie er bis jetzt war, so reaktionsschnell war er plötzlich: Mit beiden Händen griff er in Brusthöhe nach dem Stoff meiner Weste und hielt mich so mit beiden Händen fest. "Vooorsicht!!!", schrie ich ihn an. Und: "Pack' mich nicht an, sonst passiert hier noch etwas!"
Ich musste mich sehr beherrschen, ihn nicht schwungvoll von mir wegzuschleudern. Das Chaos hier im Laden hätte es nicht gebraucht. Mein Adrenalinpegel übertraf seinen Alkoholgehalt inzwischen um Längen. Ich kann vieles ab, aber wenn mich jemand anfasst oder die Hand gegen mich erhebt, werde ich recht –öhm– ungehalten.

Ich ließ ihn schließlich doch einfach stehen und er trollte sich ohne weitere Diskussion. Sehr schön. Eine derart eskalierende Situation hätte es heute Abend nicht mehr gebraucht. :-|

Rausgehende Kunden

Immer wieder gehen Kunden so aus dem Laden, ohne etwas zu bezahlen. In den meisten Fällen dürften sie den gewünschen Artikel nicht gefunden haben oder sie haben das Geld vergessen oder was auch immer…

Wann immer ich das mitbekomme, kitzelt es mich in den Fingern, einfach mal nach dem Grund zu fragen. Wenn die Kunden unmittelbar in meiner Nähe (z.B. wenn ich gerade an der Kasse sitze) herausgehen, frage ich hin und wieder mal, wenn gerade nichts los ist, ob sie irgendetwas bestimmtes gesucht hätten. Manchmal konnte ich auf diese Weise tatsächlich schon helfen, weil Leute nicht aus eigenem Antrieb einen meiner Mitarbeiter gefragt haben und sich das vermeintlich nicht vorhandene Produkt einfach nur gut versteckt hielt.

Aber man mag sich ja auch nicht einfach auf jeden Kunden / jede Kundin stürzen, die unverichteter Dinge das Geschäft verlassen. Aber die Neugierde plagt mich jedes Mal, wenn ich das mitbekomme. :-O

MHD-Kontrolleur

Ein Kunde mittleren Alters hatte einen halb gefüllten Einkaufswagen, der sich langsam immer weiter füllte. "Langsam" vor allem deshalb, weil er bei je-dem Artikel das Haltbarkeitsdatum kontrollierte. Also z.B. auch bei Konserven und Dosenbier.

Was mag der denn wohl mal erlebt haben?!? :-O