"Wo haben Sie denn jetzt das Vitamin-C-Pulver", wollte eben eine Kundin wissen. "Das stand doch immer da hinten, wo jetzt die türkischen Produkte stehen..!"
Öhm, nein, eigentlich nicht. Die hatten wir schon immer hier!
Kann nicht sein, die waren da hinten.
Vielleicht hatte das ein anderer Kunde einfach dort abgestellt?
Ich meine, daß dort alle Arzneimittel standen.
Nee, nee. Seit wir diese Artikel haben, standen sie immer an der selben Stelle im Regal und noch nie woanders. Vielleicht sind Sie in Gedanken gerade in einem anderen Laden?
Eigentlich nicht. Aber ist ja auch egal, ich hab's ja jetzt.
Normalerweise diskutiere ich ja nicht mit Kunden über Dinge, aber ich kann es einfach nicht ab, wenn mir Kunden zu Unrecht unterstellen, daß wir "dauernd alles umstellen". Mag das in anderen Unternehmen eine Methode sein, damit Kunden beim Suchen auf andere Artikel stoßen - ich hingegen versuche das ausdrücklich zu vermeiden und auf notwendige Umbauten und Umplazierungen zu beschränken.
Der Postbote hat soeben meine Briefe an der Kasse abgegeben. Dies hat ein Kunde beobachtet, der mich daraufhin fragte, ob er die Briefmarke von einem der Umschläge haben dürfte.
Er durfte. Und meinetwegen hätte er die darin liegende Rechnung gleich auch mitnehmen dürfen.
Man hört so viel über "Servicewüste Deutschland" und "unfreundliche Verkäufer". Wer verfasst endlich mal eine Statistik über unfreundliche Kunden?
Da geht man gutgelaunt durch den Laden, lächelt, grüßt freundlich - und wird stumpf ignoriert. Hallo, König Kunde? Sprechen Eure Majestät nicht mit niederem Fußvolk?
Es ist so bequem, ausgetrunkene Bierflaschen in einer alten Tragetasche zu sammeln - unabhängig davon, wieviel des ursprünglichen flüssigen Inhalts sich noch in den Flaschen befindet. Dies ist eine saubere Lösung, denn Getränkereste werden von der Tüte aufgefangen.
Und während man die Flaschen mit spitzen Fingern rausfischt, fallen einem permanent neue Methoden ein, den entsprechenden Kunden ins Jenseits zu befördern.
Eine junge Frau aus der Nachbarschaft kam um kurz nach 7 Uhr als eine der ersten Kunden des Tages in den Laden. Sie trug einen Frotteeschlafanzug, Pantoffeln und hatte leicht zerzauste Haare. Kurz, sie sah aus, als wäre sie nur zwei Minuten vorher aus dem Bett gekrochen.
Sie kam also zügig rein, ging direkt in die Gemüseabteilung, nahm sich lediglich eine mittelgroße Zucchini, bezahlte hektisch und verschwand eilig wieder.
Was war das?!
Erklärungen dafür lassen sich bestimmt viele finden. Vielleicht brauchte ihr Kind das Gemüse für den Hauswirtschaftsunterricht in der Schule und sie hatten vergessen, die Zutat am Vortag zu kaufen. Das wäre eine absolut logische und zudem vollkommen harmlose Erklärung.
Die weniger jugendfreie Erklärung, die mein Gehirn aus diesem grotesken Einkauf gebastelt hat, wird dafür sorgen, dass ich diese Geschichte in den nächsten Jahrzehnten nicht wieder vergessen werde.
Achtung: Dieser Beitrag ist rückdatiert hier im Blog geschrieben worden und soll die Dokumentation der Geschichte meiner Selbstständigkeit vervollständigen. Diese Berichte sind chronologisch in der richtigen Reihenfolge, es können jedoch Abweichungen im Datum vorkommen.
"Können Sie auch Präsentkörbe erstellen?" – "Keine Ahnung, mal probieren …"
So oder zumindest sehr ähnlich könnte der Dialog vor unserem Geschenkkorb-Erstlingswerk im Mai 2001 gewesen sein. Eigentlich ganz hübsch geworden, nur diese eng gekringelten Geschenkbänder hätte man auch weglassen können.