Noch schlimmer als Bierpfützen in Leerguttüten sind kalkverschmierte Flaschen, wie sie z.B. Maurer und Fliesenleger bevorzugt abgeben.
Ich vertrage wirklich viel, aber dieses stumpfe Gefühl an den Händen kann ich nicht ab. Da stellen sich bei mir sämtliche Haare auf. Dann lieber mit einem Nagel meinen Namen auf 'ner Schieffertafel einritzen.
Eben waren zwei Typen im Laden, denen ich nicht ein Stück über den Weg getraut habe. Folglich habe ich mich an unsere Videoanlage geklemmt und mal ein bißchen zugeschaut, was die beiden so trieben. Plötzlich blieben sie in einem Gang stehen, einer legte ein Teil ins Regal und sie gingen zur Kasse.
Das Teil entpuppte sich als frischer Fisch aus dem Kühlregal und wäre etwas später ein Fall für den Müll gewesen. Das Nährmittelregal wird nunmal nicht gekühlt.
An der Kasse erwischte ich die Kerle noch. Nachdem der dunklere von beiden sich zunächst unwissend gestellt hatte, rief ich ihnen im rausgehen noch zu, daß ich sie - wenn sie das noch einmal machen - stumpf rausschmeißen werde.
Er drohte dann damit, daß er nicht wiederkommen wird. Auch gut.
Abgerissener Kunde, seit Jahren aber bekannt, kommt auf mich zu:
Haben Sie Sekundenkleber?
Nein, leider nicht.
Aber das hier klebt doch auch gut, oder? (Uhu Flinke Flasche)
Das kommt darauf an, was sie kleben möchten.
Mir ist ein Zahn abgebrochen.
Bitte, was?
Mir ist vorne ein Zahn abgebrochen (Schneidezahn fehlt gänzlich) und ich möchte den wieder festkleben.
Damit würde ich zum Zahnarzt gehen!
Das müßte doch halten, oder?
Ich glaube nicht, daß das hält. Außerdem sind da Lösungsmittel drin, was bestimmt nicht sonderlich gesund ist. Ich würde mich damit an einen Zahnarzt wenden.
Ich probier' das hier mal.
Also: Ich kann ihnen ja nichts vorschreiben, Machen Sie, was Sie wollen. Aber ich rate Ihnen da in höchstem Maße von ab!
Haben Sie noch günstigeren Kleber?
(Ich gehe mit ihm zum Regal)
Das ist die Auswahl an Klebstoffen. Uhu Kraft ist stärker, aber auch teurer. Die Tuben Uhu Alleskleber sind günstiger als die Flasche, die Sie in der Hand haben.
Ich nehme den hier. (Flinke Flasche)
Ich habe noch ein letztes Mal versucht, ihm das auszureden, aber davon wollte er nichts wissen. Hätte ich mich weigern sollen, einem erwachsenen Menschen eine Flasche Alleskleber zu verkaufen?
Nachtrag
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, daß dieses Erlebnis nicht lustig ist. Man kann darüber schmunzeln, aber im Grunde ist es nur traurig. Dieser Mensch hat definitiv kein Geld für Zahnersatz oder eine Krankenversicherung und wahrscheinlich nicht einmal für die 10 Euro Praxisgebühr.
Die Brötchen sind frisch, die backen wir hier selber. Der Ofen steht jetzt im Hintergrund und nicht mehr in der Brotabteilung. Soll ich Ihnen den eben zeigen?
Sie sind ein ehrlicher Mensch, ich glaube Ihnen das auch so, sagte ein Stammkunde zu mir.
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich Kunden über eine offensichtlich ehrliche Beratung freuen.
Ich empfehle normalerweise immer das passendste Produkt, unabhängig von der Marke oder dem Preis. Bei Zucker reicht unsere Eigenmarke, bei Sprühsahne rate ich z.B. davon ab. Die 50% Mehrpreis schmeckt man. Ich jedenfalls.
Oder auch der umgekehrte Fall: Ein Kunde suchte gerade Corned Beef. Wir haben zwei Sorten: Das gute "Exeter" und eine günstigere Zweitmarke. Bei Corned Beef frage ich normalerweise, ob es zum kochen (z.B. für Labskaus) oder als Aufschnitt verwendet werden soll. Das gute, teurere, Fleisch ist nämlich saftiger und schmeckt auf Brot einfach besser. Beim Kochen fällt es dagegen nicht so auf, weswegen ich da durchaus die günstigeren Dosen empfehle.
An den 30 Cent weniger Umsatz werde ich nicht sterben. Aber der Kunde freut sich.
Warum glauben eigentlich so viele Leute, daß sie wie selbstverständlich bei uns ins Lager spazieren dürfen? Ob es nun "gelbe Säcke" sind oder Bananenkartons, ob sie nun einen Mitarbeiter suchen oder die Toilette - unsere Nebenräume sind tabu.
Das Schlimmste ist: Wenn man den Leuten das sagt - selbst freundlich - fühlen sie sich gleich auf den Schlips getreten...
Ein typisches Beispiel für die Gratwanderung zwischen "Kundenservice" und eigenen Interessen.
Inzwischen bin ich aber so weit, daß ich mir nicht alles gefallen lasse.
Kaum ist man selber mal ein Stündchen aus dem Haus, passiert hier Action ohne Ende. Eine 13jährige Zigeunerin (Roma, Sinti, Wie auch immer...) hat mit ihrer 3 Jahre alten Nichte Waren im Wert von rund 25 Euro gestohlen. Versucht haben sie es zumindest, wurden aber von meiner Süßen gestellt und so lange festgehalten, bis die Polizei kam.
Die beiden Herren in grün hatten einige Schwierigkeiten, die Familienzusammenhänge der beiden und der beiden Erwachsenen, die vor der Tür warteten, herauszufinden. Ein Teil von ihnen wohnt in Bremerhaven, ein Teil ist mit den anderen nur verschwägert, da sind zwei verheiratet, wissen aber nicht seit wann. Das Kind hat einen vollkommen anderen Familiennamen als die Eltern und die 13jährige hat keinerlei Papiere bei sich, weshalb sie vorläufig festgenommen wurde.
Was uns betrifft: Hausverbot für alle und Aus die Maus.
Zwei Kids stehen vor den Schreibwaren. Einer guckt um die Ecke, der andere nimmt ein kleines Oktavheft, faltet es und steckt sich das Ding in die Hosentasche - ohne zu ahnen, daß ich ihn dabei über unsere Videoüberwachungsanlage beobachtet habe.
Daraus machte ich auch gar keine große Aktion mit Polizei oder sonstigem Streß. Ich habe ihn das Heft einfach bezahlen lassen, denn das zerknickte Oktavheft würde keiner mehr kaufen. Ist doch nicht mein Problem, wenn sein Geld dann nicht für die Wattestäbchen reicht, die er eigentlich holen sollte. Soll sich freuen, daß er so glimpflich davongekommen ist und ich nicht seine Eltern angerufen habe...
Eine Stammkundin kam eben ganz geknickt auf mich zu und fragte, ob sie auf Kredit kaufen dürfte, weil ihr eben beim Discounter in der Nebenstraße die Tasche samt Geld gestohlen worden ist.
Normalerweise hätte ich diesen Wunsch generell abgeschlagen - wie sagt man so schön: Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Ich glaube aber nicht, daß sie mich sitzen lassen wird. Hoffentlich täusche ich mich nicht.
Da steht man gegen 20:30 Uhr völlig gedankenverloren im Kassenbereich des Geschäftes und überlegt, wie man dieses und jenes verändern könnte, als es an der Eingangstür geklopft hat. Erst habe ich es ignoriert, als es wieder leise klopfte, habe ich den Blick zur Tür gewagt.
Wer hätte den beiden hübschen jungen Frauen aus Osteuropa noch den Wunsch, Eis zu kaufen, abschlagen können.
Gerd ist arbeitslos und verdient sich mit dem Aufsammeln von Pfandflaschen und -Dosen gut etwas dazu. Umgerechnet auf einen "Stundenlohn" ist das zwar nicht so der Hit, aber, sagt er, das sei besser als zu Hause vorm Fernseher zu sitzen. Recht hat er.
Diese Flaschen und Dosen bringt er normalerweise zu mir. In einen blauen Müllsack passen ca. 120 leere Getränkedosen. Das entspricht etwa 30 Euro. Und macht viel Arbeit, die ich aber unter Kundenservice verbuche.
Man glaubt gar nicht, wieviel ein Mensch reden kann, während man 120 Dosen durchzählt und auf den Pfandwert kontrolliert.
Immerhin: Er reinvestiert das Geld gleich wieder bei mir, u.a. auch in Bio-Produkte.
Zur Zeit bei allen beliebt sind "Flaschentaschen", unterteilt in neun oder mehr Fächer zum sicheren Transportieren von Flaschen aller Art. Genauso bequem ist es offensichtlich, darin die leeren Flaschen wieder zum Händler zu bringen.
Ich kann die Teile nicht ausstehen. Bierflaschen aus den hohen Fächern rausangeln zu müssen ist nämlich wirklich nervtötend.