Ein Kunde kaufte eine Flasche Alkohol. An der Kasse entfernte mein Mitarbeiter wie immer und zwangsläufig das Warensicherungsetikett.
Plötzlich fing der Kunde an, sich zu beschweren und auf meinen Mitarbeiter einzureden, das Etikett wieder an der Spirituose zu befestigen. Auf Nachfrage erklärte er, dass er die Flasche verschenken und deswegen schon gerne komplett im Originalzustand mitnehmen wolle.
Mein Kassierer hatte reichlich Mühe, dem Herren zu erklären, dass der Anhang nicht zur Flasche gehört.
Ob diese Flasche jemand mutwillig in die Truhe gelegt oder sie auf der Suche nach Tiefkühlprodukten einfach nur abgelegt und vergessen hat, kann ich nicht sagen...
Nein, denn diese Währung benutzen wir hier schon seit einigen Jahren nicht mehr.
Ich konnte mir den Spruch nicht verkneifen.
Diese zwei Zeilen sind allerdings nur ein kleines Fragment einer scheinbar nicht enden wollenden Diskussion mit einer Kundin. Sie hielt mir zwei Packungen Rohrzucker vor die Nase und wollte von mir wissen, wie sich der Preis begründet. Die Situation war folgende: Die 500-Packung Bio-Rohrzuckers eines Herstellers, den ich seit Anfang an im Sortiment habe, kostet etwas über drei Euro. Für 3,49€ gibt es allerdings auch ein 1kg-Paket es anderen Bio-Rohrzuckers, der dazu aus Fairem Handel stammt. Die Kundin benötigte nach eigener Aussage nur ein kleines Paket, war aber nicht gewillt, dafür den quasi doppelten Preis zu zahlen.
Ich stand etwas hilflos da und wusste nicht, wass ich auf die sich immer wiederholende Frage nach dem "Wie kann das sein?" antworten sollte. Unterschiedliche Lieferanten haben nunmal unterschiedliche Abgabepreise. Qualitätsunterschiede sind nur einer der vielen Faktoren, die diese entscheiden. Permanent machte mir die Kundin klar, dass sie davon ausgeht, dass ich diesen Preis offenbar willkürlich festgelegt hätte und das unbedingt überprüfen müsste.
Beide Produkte sind übrigens mit vollkommen korrekten Preisen versehen, wie ich anschließend überprüft habe. Die Fairtrade-Produkte unterliegen sowieso alle einer Quasi-Preisbindung (man hält sich dort einfach an die empfohlenen Preise) und der Zucker der Marke Rinatura dürfte anderswo eher noch teurer gehandelt werden.
Eine Kundin traf hier im Laden auf eine (gute) Bekannte. Ein freudiges "Was machst duuu denn hier?!?" drang über die Regalreihe bis zu mir durch.
Ich wettete spontan mit mir selbst um die Antwort der Angetroffenen. Die Spannung stieg ins Unermessliche, eine knappe Sekunde Zeit, die mir vorkam wie eine Ewigkeit. Schließlich die unfassbare Antwort:
Eben haben wir Bier hier quasi just-in-time verkauft: Ein Kunde blickte enttäuscht durch die leere Getränkeabteilung und entschloss sich schließlich dazu, eine aus den Resten, ergänzt durch ein paar Dosen, zusammengewürfelte Kiste Bier in seinen Wagen zu stellen.
Während dieser Kunde wartend an der Kasse stand, fuhr der LKW unseres Lieferanten vor. Ich sprach den Kunden natürlich darauf an und berichtete ihm, dass er eine komplette Bierkiste bekommen könnte, wenn er denn nur ein paar Minuten warten würde.
Er bezahlte dann an der Kasse die Kiste und bekam sie draußen direkt vom LKW heruntergereicht.
Eine ältere Stammkundin reklamierte Schalotten. Zwei Zwiebeln wäre völlig vertrocknet gewesen, der Rest des geflochtenen Zopfes allerdings brauchbar.
Zopf? Geflochen? Das kann nicht sein, denn wir verkaufen unsere Schalotten als lose Ware in Beutel abgepackt. Das war schon immer so. In Zöpfen hatte ich eine Zeitlang Knoblauch, aber auch den biete ich seit Monaten schon als einzelne Knollen an.
"Doch, in ein Netz waren die Schalotten schon eingepackt. Aber trotzdem zu einem Zopf gebunden."
Ich wurde immer irritierter und vergewisserte mich nochmals ausdrücklich bei der Kundin. Sie bestätigte mir erneut, dass die Zwiebeln zu einem Zopf zusammengebunden waren, der in einem Netz lag.
Bevor ich wegen 89 Cent mit einer Kundin diskutiere, verzichte ich lieber auf das Geld. Auch, wenn diese Kundin scheinbar Unrecht hatte. "Der Beutel, den ich gekauft hatte, war aber auch viel größer."
Mag sein, dass mir entgangen ist, dass beim Zwiebelbauern die Schalotten, bevor sie in Netze abgefüllt wurden, noch zu Zöpfen zusammengetüdelt wurden - aber größere Beutel hatte ich definitiv hier in den letzten Wochen nicht da.
Sie hat das von mir angebotene Netz mitgenommen, versprach aber, zu Hause nach dem Kassenbon zu suchen. Ich würde jede Wette eingehen, dass diese Zwiebeln nicht bei mir gekauft wurden...
Eine Kundin hielt mir eine etwas welke Tomatenpflanze vor die Nase und murmelte etwas von "ganz trocken, ich kann's im Garten noch versuchen, wie sieht's denn mit dem Preis aus, die können Sie ja sonst auch nicht mehr verkaufen"
Die schenke ich Ihnen und damit Sie es damit nicht so schwer haben, trage ich ihnen den Topf sogar nach Hause und planze die Tomate sogar selber ein. Dass ich mich bis zur Ernte selbstlos bis zu mehrmals täglich um das Gewächs kümmere ist doch selbstverständlich. Nein, das kostet nichts extra und wenn die Tomaten reif sind, ernte ich sie sogar und schneide Ihnen einen Salat daraus. Ohne Aufpreis.
Klar, weg damit. Ohne Diskussion erließ ich ihr rund den halben Preis (von -,99€ auf 0,50€). Ihr Gesicht wurde lang, sie fing und sprach dabei vor sich hin, dass sie die Tomate eben hierlassen würde.
Das war ihr wahrscheinlich zu teuer. Damit kann ich leben. Wenn das Pflänzchen sonst keiner haben möchte, pflanze ich es notfalls noch mit in meine großen Betonkübel auf dem Hof.
Wir verkaufen hier, wie die meisten anderen Lebensmittelgeschäfte auch, Erdbeeren. Diese Erdbeeren sind in Schalen zu jeweils ca. 500 Gramm verpackt. Meistens sind die Schalen mehr als gut gefüllt und das Gewicht beträgt bei frisch gelieferter Ware oftmals mehr als 500 Gramm.
Die Erdbeerschalen, die ich hier derzeit habe, sind nicht mit einer Folie überzogen, sondern offen. Es folgt natürlich das, was in diesem Fall schon immer folgte: Kunden probieren Erdbeeren, andere Kunden sortieren die Früchte um und/oder füllen sich ihre eigene Schale besonders voll. Das passiert, das ist normal und eigentlich lebt man als Händler damit, so wie auch die meisten Kunden damit leben.
Gerade eben war ein Oberlehrer Kunde an der Kasse, der seine Schalen an der Kasse, während seine Frau bezahlte, nachgewogen hat. Das werfe ich ihm nicht vor, das ist sein gutes Recht. Wenn wir "500g" auszeichnen, möchte er natürlich für sein Geld auch wenigstens 500 Gramm Ware bekommen. Wie gesagt: Es kann bei offener Ware immer vorkommen, dass ein paar Gramm fehlen. Dafür gibt es aber eine einfache Lösung:
Sollte in einer Schale weniger als die ausgezeichnete Menge drin sein, füllen die Kunden einfach aus einer anderen Packung nach. Das geschieht normalerweise einfach ohne weitere Diskussion und gehört eben dazu.
Sollte in einer Schale weniger als die ausgezeichnete Menge drin sein, plustert man sich vor allen anderen Kunden an der Kasse auf, erzählt etwas von "Preisauszeichnungsverordnung" und "Betrug" und glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
Eine Kundin hatte ihre Sonnenbrille an der Kasse auf der Kleingeldabage liegengelassen und befand sich kurz vor der Ausgangstür, als sie den Verlust bemerkte. Sie kehrte um und beobachtete, wie die nächste Kundin in diesem Moment unbeabsichtigt und ohne es zu bemerken die Sonnenbrille zu Boden schubbste.
Die erste Kundin rannte schnell zur Kasse und hob ihre Sonnenbrille auf. Auf eine ausgesprochen umständliche und langwierige Art und Weise putze sie die Brille und untersuchte sie nach Kratzern oder sonstigen Beschädigungen. So stand sie etwa 1-2 Minuten da und suchte und putze und fauchte dann "Eine Entschuldigung hätte ja auch mal sein können!", bevor sie sich umdrehte und endgültig den Laden verließ.
Ob der Wunsch nach einer Entschuldigung der anderen Kundin oder meiner Mitarbeiterin galt, war übrigens nicht herauszufinden.
Ein Möchtegern-Halbstarker (ca. 12 Jahre alt) beim krampfhaften Versuch, an Playboy, Matador und ähnliche Magazine zu gelangen, die im Zeitschriftenregal natürlich ganz oben stehen. Auch auf Zehenspitzen musster er sich noch ganz schön recken. Und wie er sich dabei immer wieder umgesehen hat, ob ihn dabei auch niemand beobachtet...
Ein herrliches Schauspiel. War nur leider viel zu kurz, um es sich mit einer Tüte Popcorn vor dem Monitor der Überwachungsanlage gemütlich zu machen.
Sollte man sich Gedanken, Sorgen oder doch nur lustig machen, wenn sich jemand in die Frage nach dem aktuellen Datum mit dem Einwurf: "Einen Tag nach dem Führergeburtstag." einmischt?
Während ich noch am Zeitschriften packen war, sprach mich ein Kunde an, der eine Fernsehzeitung für die nächste Woche suchte. Ausgabe Nummer 16 des Magazins stand noch bei mir im Regal und die gewünschte "17" suchte ich ihm aus einem der gelieferten Pakete heraus.
Ob ich ihm auch schon die nächste, also Nummer 18, geben könnte, wollte er wissen. Ich erklärte ihm, dass ich ihm aus der ganz frischen Lieferung gerade das neueste Heft gegeben hätte und dass die folgende Ausgabe erst in der nächsten Woche geliefert werden würde.
Das macht ja nichts, wenn Sie die nicht haben. Dann hole ich mir die da hinten bei dem Kiosk an der Ecke, der hat die da.
Das glaube ich nicht, da das nächste Heft erst in der nächsten Woche ausgeliefert wird. Wir bekommen unsere Ware vom selben Großhändler und die Dinge werden bei ihm nicht anders als bei mir gehandhabt.
Sie können ja nicht alles haben. Ich nehme dann nur diese hier mit...
Eine Kundin sprach mich an und wollte ein Gewürz für Brathähnchen haben. Sie wüßte gar nicht, ob es sowas überhaupt fertig gäbe, weil sie davon überhaupt gar keine Ahnung habe.
Ganz spontan fiel mir dazu nur die MAGGI "Würzmischung 3 - pikantes Geflügel" ein. Zielsicher ging ich mit ihr zum entsprechenden Regal und drückte ihr eines der Gläser in die Hand.
Gibt es nicht noch eine andere Sorte?
Das ist eigentlich schon die beste Würzmischung für Geflügel. (*)
Wenn die nun nicht schmeckt?
Probieren Sie sie doch erstmal. Da sie ja nun gar keine Gewürzmischung für Geflügel kennen, besteht bei einer anderen Sorte das Risiko, dass sie ihnen nicht schmeckt, mindestens im gleichen Maße.
Ich verwende Maggi generell nicht so gerne.
Sie hat das Glas dann doch in ihren Wagen gestellt. Ob sie es nicht doch wieder ausgepackt hat und mir gegenüber nur nicht zugeben wollte, dass sie es definitiv nicht haben möchte, kann ich folglich nicht sagen.
Manche Leute haben wirklich eine regelrechte Maggi-Paranoia entwickelt. Natürlich kenn, muss und sollte man sich nicht nur von diesen Produkten ernähren. Aber viele viele Würzmischungen und Zubereitungsideen von Maggi (und Knorr gleichermaßen) erleichtern die Arbeit in der Küche ungemein. Dazu werde ich in den nächsten Tagen eine sehr leckere neue Würzmischung von Maggi vorstellen, die wir in der letzten Zeit schon mehrfach privat getestet haben.
(*) Wirklich klasse. Ich kenne niemanden, der Brathähnchen selber macht und Maggi-Nr.3 nicht mag.