Eine ältere Kundin gab Leergut ab. Einige Minuten später stand sie wieder an der Lagertür und rief nach mir, um mir mitzuteilen, dass ich mich da wohl "etwas vertan" hätte.
Ich hatte dreizehn Bierflaschen und drei Colaflaschen.
Stimmt. Daran erinnerte ich mich noch genau. Ein Blick auf den Leergutbon beruhigte mich: Dreizehn mal acht Cent und dreimal fünfzehn Cent hatte ich ihr ausgezahlt. Insgesamt 1,49€. Das stimmte ganz genau und so erklärte ich es ihr in Ruhe.
Achso, das wusste ich nicht. Ich trinke sonst kein Bier und habe darum keine Ahnung von sowas.
Das Telefon klingelte. Ich ging ran, meldete mich wie immer. Eine Frau war dran, die sich freundlich meldete und sich nach den Öffnungszeiten erkundigte:
Guten Abend, ich wollte nur Fragen, wie lange Sie noch geöffnet haben.
Noch ungefähr vier Stunden.
Noch ungefähr vier Stunden?
Ja, genau.
Alles klar, vielen Dank.
Ich konnte das Gesicht der Frau zwar nicht sehen, aber der Tonfall in ihrer Gegenfrage ließ vermuten, dass das Fragezeichen, das wie in einem Comic in dem Moment über ihrem Kopf schwebte, geradezu gigantisch war. :)
Ein Kunde wollte eben gerade 10 Kisten Beck's Bier haben. Nachdem er wir um den Preis geschachtert hatten, gab ich ihm die Kisten für den Preis von neun mit.
Das Bier hatte er in einen großen Einkaufswagen gestapelt. Und als er eben bei mir im Eingangsbereich den Wagen die eine Stufe runterpoltern ließ, polterte nämlich noch mehr. Nämlich die Kisten aus dem Wagen und gegen sein Auto und die Flaschen auf den Gehweg - natürlich nicht ohne Sachschaden.
Da waren die ganzen Verhandlungen vergeblich gewesen...
Eine Kundin, Mitte fünfzig, hat mich gerade oberlehrerhaft darüber belehrt, dass die 24-Stunden-Öffnung ein Unding wäre. Nachts hätte man zu schlafen, nur die jungen Mütter, die kein Geld hätten, müssten nachts arbeiten und würden von ihren Familien gerissen. Kinder würden im Dunkeln verschleppt werden und es müsse ja wohl generell nicht sein, dass man hier amerikanische Verhältnisse schafft.
Naja, sie will hier ab jetzt nicht mehr einkaufen, um solche Machenschaften nicht zu unterstützen. Find' ich gut. Solche Leute regen mich sowieso nur auf. :)
Während ich dabei war, das Leergut einer Kundin wegzusortieren, stelle sich eine andere Kundin an die Lagertür. Diese sah mich nicht sofort, da ich um die Ecke stand - allerdings konnte ich den kurzen Dialog zwischen den beiden verstehen:
Kundin 2, sieht die wartende Kundin 1: Haben Sie schon geklingelt?
Kundin 1: Ich glaube, da ist schon jemand.
Nun frage ich mich: War "ich glaube" nur eine dahergesagte Floskel oder hatte sie wirklich nicht mitbekommen, dass ich sie gegrüßt und ihr die paar Flaschen aus der Hand genommen hatte?!?
Die Kundin war spürbar unerfreut darüber, dass sie auf ihre bis 9 Uhr bestellten 70 Brötchen warten musste. Dabei waren sie sogar extra schon bei der Bestellung bezahlt worden, damit jemand die Semmeln einfach zwischendurch hier rausholen kann, ohne sie erst einpacken oder gar darauf warten zu müssen, dass sie fertig gebacken werden.
Nun - der Mann dieser Kundin war am Donnerstag Nachmittag hier und hat für "morgen" die Brötchen bestellt. Zur Abholung zwischen 7 und 9 Uhr.
Zum Glück hatte die Frau Verständnis dafür, dass wir die Brötchen gestern Nachmittag noch verkauft und nicht für sie bis heute Morgen aufbewahrt haben. :)
Eben hat mich der zweite Kunde an diesem Abend gefragt, ob wir auch rund um die Uhr Leergut annehmen würden. Auf meine Bestätigung hatten beide Kunden erfreut, aber auch verwundert reagiert.
Ich verstehe nicht, was daran so aussergewöhnlich sein soll. Wenn wir rund um die Uhr verkaufen können, sollten die Kunden meiner Meinung nach auch ihr Leergut loswerden dürfen. Das ist ja so, als wenn die Feuerwehr nachts nur ausrücken würde, um fröhliche Lagerfeuerlieder zu singen. ;)
Kunde Nummer zwei klärte mich übrigens noch auf: Die Tankstellen hier in der Gegend scheinen nachts tatsächlich kein Leergut anzunehmen.